Willis Tower, Riverwalk und Chicago History Museum

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Freitag, 23. August 2024

Der frühe Vogel 2.0

Mini Chicago-Museum unten im Tower

Die Nacht ist wieder um kurz vor sechs zu Ende, kein Wunder, denn gestern war schon weit vor 20 Uhr Schicht im Schacht bei Philipp. Und was soll ich dann noch beschicken? Also habe ich auch geschlafen, wenn auch etwas später weil mich unerträgliche Bauchkrämpfe quälten, die ich erstmal weg atmen musste. Ich dachte wirklich, das wird was Schlimmeres, aber heute Morgen ist alles wieder gut! Dreimal auf Holz!

Nach dem Frühstück haben wir noch sehr viel Zeit bis wir am Willis Tower sein müssen, wir haben erst für 10.30 Uhr gebucht, also können wir erstmal losziehen, einen größeren Vorrat Wasserflaschen einkaufen, und dann noch ein bisschen die Füße hochlegen bevor es mit dem nächstbesten Bus Richtung Willis Tower geht. Das ist hier ja so praktisch, auf der Michigan Avenue fährt einfach immer ein Bus und man kann so gut wie nicht den falschen nehmen!

Sears Tower – Sears spelled: W-I-L-L-I-S

North View

Die Chicagoer lieben ihren Sears Tower und weigern sich auch größtenteils, den Namenswechsel zu akzeptieren. Man spricht im Allgemeinen immer noch vom Sears Tower, buchstabiert eben W-I-L-L-I-S… Den Turm gibt es seit 1970 und er war zu diesem Zeitpunkt sogar höher als das New Yorker World Trade Center und somit eine Zeit lang das höchste Gebäude der Welt! Sears war damals der größte Einzelhändler der USA und hatte seinen Sitz in Chicago, die Konzernzentrale zog in den Sears Tower. Im Jahr 2009 mietete der Londoner Versicherungskonzern Willis Group einen erheblichen Anteil Bürofläche im Sears Tower und erwarb schließlich auch die Namensrechte. Das finden viele Chicagoer heute noch nicht gut.

09.30 Uhr. Tadaaa! Wir dürfen schon hoch aufs Skydeck! Und zwar sind wir so früh mit dem Bus am Tower angekommen, dass ich es einfach gewagt und gefragt habe und man hat uns das Ticket anstandslos für eine Stunde früher umgetauscht, denn es war wirklich nicht viel los! So so, ich dachte ohne Vorbuchen geht gar nichts?! Naja, egal, wir haben eben Glück!

Mini Chicago-Museum unten im Tower

Es gibt hier Sicherheitskontrollen, einerseits ähnlich denen am Flughafen,  andererseits geht meine Wasserflasche mit durch… Dann gibt es erstmal lange Wege, garniert mit Infotafeln über Chicago, eine Art Minimuseum über die Stadt, bis man dann zu den Fahrstühlen gelangt. Egal wo wir lang gehen, überall lässt sich anhand der Absperrmöglichkeiten erahnen, welche Menschenmassen hier zu anderen Zeiten in Schlangen stehen… Grausam, das möchte ich wirklich nicht durchmachen müssen!

Der Lift nach oben nimmt immer ungefähr vier Stockwerke pro Sekunde laut der Anzeige. Puh, nicht drüber nachdenken und hoffentlich schnell wieder raus sein aus der Kiste! Aber dann sind wir oben!! Der Willis Tower, ich nenne ihn einfach so, wie er nun mal heißt, hat 110 Etagen (auf fast 442 Metern Höhe!!) und hat eine Aussichtsplattform, die einmal rundherum führt! Aber drinnen (!!), ich finde Aussichtsplattform klingt immer so nach draußen, das ist natürlich nicht der Fall hier oben!

West View/"Ledge" Balkon

Wenn man aus dem Fahrstuhl steigt, schaut man zuerst Richtung Süden, definitiv nicht uninteressant aber die unspektakulärere Seite, denn hier sieht man keine aufregenden Hochhäuser. Es geht links herum, man gelangt an die Ostseite und da wird es schon sehr viel interessanter, denn man sieht plötzlich ganz viel „Chicago“ und natürlich den Lake Michigan!

„Guck mal, da hinten ist sogar auch noch ein kleinerer Brunnen!“ sagt Philipp, der sich schon auf unseren Besuch der Buckingham Fountain im Grant Park freut. Ich brauche ca. zwei Sekunden bis ich ihm eröffne, dass er genau diesen Brunnen von hier oben sieht, aufgrund der geografischen Lage und Entfernung ist das für mich eindeutig! Von hier oben ist der Brunnen kaum auszumachen, in Wirklichkeit hat dieser allerdings einen Durchmesser von 85 Metern! Eine weitere Zahl, die ich mir gut merken konnte sind die 5,7 Millionen (!) Liter Wasser, die er zum Betrieb braucht…

Wir lassen uns Zeit hier oben auf dem Willis Tower, wobei es auch hier fast noch angenehm leer ist, nicht ganz leer, aber es ist definitiv auch nicht überfüllt! Der Blick Richtung Norden fesselt uns am Meisten! Hier breitet sich das Häusermeer wirklich unter einem aus und es gibt so unglaublich viel zu sehen, insbesondere weil man schon einige Distanzen zwischen markanten Gebäuden kennt vom Durch-die-Stadt-Laufen. Von hier oben wirken sie alle wie ein Katzensprung…

East View

Selbst beim „Ledge“ ist die Wartezeit nur ganz kurz. Nicht, dass die Aussicht hier besser wäre als anderswo auf der Aussichtsetage (wie es gerne beworben wird), aber nervenkitzliger auf jeden Fall! In 412 Metern Höhe hat man hier ein paar Glaskästen angebracht, jedes Paar/Familie hat 90 Sekunden auf „ihrem“ Glasbalkon Zeit, ohne dafür extra bezahlen zu müssen, es ist im regulären Eintrittspreis inkludiert.

Trotz meiner Höhenangst will ich unbedingt Fotos dort machen, es kostet mich eine Sekunde Überwindung und dann denkt man nicht weiter drüber nach… Schade nur, dass man sich derart beeilen muss. Andererseits hatten wir auch nicht so sehr viel Wartezeit, wenn jeder nur so wenig Zeit im Glaskasten hat…

Wir machen unsere Fotos und dann ist der Besuch des Willis Towers auch schon beendet, knapp eine Stunde haben wir aufgewendet, ich schätze wenn es hier voll ist, braucht man mindestens doppelt so lange. Erst hinterher auf den Fotos wird mir klar, WIE hoch wir dort waren, denn unter uns sieht man weit, weit entfernt andere Hochhäuser, die an sich auch schon riesig sind…

Willis Tower in Bildern – zum Durchblättern:

North View

Unten im Tower gibt es dann reichlich Gastronomie. Wir nehmen uns bei der grünen Meerjungfrau Heißgetränke mit, ausnahmsweise einmal to go, denn ich habe im Tower genug gefroren durch die Air Con, ich möchte unbedingt draußen, wo es warm ist, laufen und meinen heißen Matcha Latte nebenbei genießen.

Schönste Flusspromenade der Welt

Nach nur 800 Metern gelangen wir an das offizielle Westende des Chicago River, es sind am Fluss entlang nur 2,1 Kilometer bis zum Ostende. Doch wir planen ganz bewusst, nur bis zur Michigan Avenue zu gehen und dann langsam Richtung Hotel. Denn wir haben für heute noch Museumstickets!!

Am besagten Westende des River Walks legen wir zunächst eine kleine Rast ein. Es gibt so viel zu gucken. Wassertaxis, Kanus, Architecture Cruise Boats, gemietete Kleinboote, umliegende faszinierende Gebäude, sexy Jogger, so mancher Hund beim Gassigang und noch vieles mehr.

Chicago Riverwalk West End

Unser Spaziergang bis zur DuSable Bridge = Michigan Avenue dauert weitaus länger als man normalerweise auf dieser Strecke gehen würde, denn ständig dreht man sich um, schaut hierhin, dorthin, staunt, fotografiert, zeigt,… Wer sich mit Architektur auskennt, für den dürfte das hier ein Eldorado sein!

Besonders faszinieren mich die unverwechselbaren Marina Towers, deren Spitzname aus nachvollziehbaren Gründen „Maiskolben“ lautet. In den Maiskolben gibt es rund 900 Wohnungen und, wie man auch von außen sehen kann, einige Etagen Parkraum (ca. das jeweils untere Drittel)!

In einem Artikel von 2016 habe ich gelesen, dass die Miete für ein Appartement mit einem Schlafzimmer sowie großem Balkon bei 1.700 Dollar pro Monat liegt, inzwischen dürfte es etwas mehr sein aber es scheint ein sehr guter Preis zu sein, angesichts der nicht zu toppenden Lage im Stadtzentrum und am Fluss. Dafür sind die Türme aber eben auch nicht mehr so neu und null modern eingerichtet, jedenfalls dem Artikel nach.

Marina Towers

Mein vielleicht-jetzt-schon-Lieblings-Gebäude der Stadt befindet sich aber auch hier am Chicago River, es ist das Wrigley Building. Zuvor hatte ich es schon vielfach im Reiseführer bestaunt, mir aber dennoch gedacht, es sei bestimmt überbewertet. Schnell änderte ich meine Meinung!! Das Gebäude ist nicht das größte und es kommt auch weniger als Turm daher aber es ist dennoch ganz besonders! Es befindet sich direkt an dem Punkt wo Michigan Avenue, DuSable Bridge und Chicago River zusammentreffen, zentraler geht es vermutlich nicht!

Wrigley ist ein weltweit bekannter Name, hat jeder schon mal drauf rum gekaut! Die Rede ist von William Wrigley, dem Kaugummi-Magnaten! Er ließ hier seinen Firmenhauptsitz entstehen und zwar in einer Form, die an den Giralda-Turm der Kathedrale von Sevilla erinnert! Darauf bin ich tatsächlich nicht selbst gekommen aber so steht es geschrieben und wenn ich recht darüber nachdenke, kann ich das nicht abstreiten. Das Wrigley Building besteht genau genommen aus zwei Gebäuden, offiziell Nordturm (30 Etagen) und Südturm (21 Etagen), ich würde sie nicht unbedingt als Turm bezeichnen aber sie sind schon auch hoch und werden verbunden durch lediglich zwei Durchgänge, man möchte sagen „überdachte und an den Seiten geschlossene Brücken“.

Chicago River Walk in Bildern – zum Durchblättern:

Merchandise Mart (links)

Spontan schauen wir nun auch im Wrigley Building bei Lou Malnatis [!Keine Werbung!] vorbei, wo es die berühmte Chicago Style Pizza gibt, denn so langsam wird es mal Zeit für einen Testlauf. Allerdings ist uns das Glück hier nicht hold, wir müssten eine halbe Stunde auf einen Tisch warten, was nicht allzu viel ist, uns aber gerade nicht in den Kram passt.

Nichts bringt einen besser voran als eine kleine Pause

Wir suchen uns die nächste Whole Foods Filiale [!Keine Werbung!] und nehmen uns etwas für den Weg bzw. das Hotel mit. Man bekommt hier wirklich alles, einerseits Nahrungsergänzung, Yogazubehör und noch so vieles mehr, und in erster Linie natürlich Lebensmittel und eben auch ein gigantisch großes Angebot to go, einerseits riesige kalte und warme Mitnehm-Buffets, andererseits eine Pizzatheke, aber auch frisch zubereitete, üppig belegte Sandwiches. Im Vergleich zu anderswo und im Anbetracht der Frische, ist es hier preislich attraktiver als an den meisten anderen Orten in diesem Land…

Lunch Time

Wir waren ja schon letztes Jahr in Colorado geschockt von der Preisentwicklung aber Chicago setzt nochmal eins drauf. Beispiele gefällig? Den Kaffee gestern habe ich schon erwähnt. Einmal Abendessen samt Dessert in der Cheesecake Factory [!keine Werbung!] 115 Dollar inkl. Trinkgeld. Eine Kugel Eis im Zoo 6 Dollar. Wenn man im Supermarkt Wasser in Flaschen kauft, zahlt man eine Water Tax (nie zuvor gesehen!). Ein einzelner Churro am Straßenrand kostet 3 Dollar. Einmal Food Truck zum bestenfalls ansatzweise satt werden mindestens 12 Dollar. Und so weiter.

Im Hotel essen wir nur kurz unser Mitgebrachtes und dann wollen wir angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit auch weiter. Aber selbst dieser kurze Stopp hilft uns schon enorm weiter weil man sich einfach mal eben frisch machen kann und schon fühlt man sich besser. Es ist verdammt warm in Chicago dieser Tage!

Stadtgeschichte

Beginn der Rundtour

Der nächste Bus bringt uns ans Südende des Lincoln Park, von dort ist das Chicago History Museum zu Fuß gut erreichbar. Ursprünglich hatten wir das für gestern gebucht, doch vor einer Woche war ich per Mail informiert worden, dass das Museum für ein paar Tage komplett gemietet wurde (so spontan??) und unsere Tickets gecancelt und erstattet wurden. Aha!!?

Ich war zu diesem Zeitpunkt auf Bildungsurlaub und konnte mich erst ein paar Tage später richtig damit befassen. Und da wurde mir dann klar, dass man uns kostenlose Tickets an einem Ersatzdatum angeboten hatte. Perfekt! Dann eben einen Tag später!

Nach dem eiligen Essen und der schaukligen Busfahrt ist mir nun allerdings leider echt schlecht und außerdem bin ich todmüde, deshalb setzen wir uns zuerst auf einen Kaffee in die Museums-Caféteria, bis wir merken, dass wir gerade noch knapp zwei Stunden für das Museum Zeit haben bis es schließt. Eigentlich sollte man drei bis vier Stunden dafür einplanen, hatte ich wiederholt gelesen…

City Map

Die Zeit, die wir haben, soll jedoch ausreichen, das kann ich vorweg nehmen. Doch man könnte durchaus, wie empfohlen, die doppelte Zeit dort verbringen! Damit hätte ich keine Probleme gehabt, denn es gibt so viel zu sehen und zu lesen und es ist null langweilig, auch wenn „Stadtgeschichte“ vielleicht etwas staubig klingt. Wir finden das gesamte Museum extrem gut gelungen und teilweise auch etwas interaktiv.

Klar, wir haben nun letztendlich keinen Eintritt hier bezahlt, aber es war zumindest das günstigste Ticket gewesen, das wir für Chicago vorgebucht hatten. Und allein das ist ein Grund, das Museum zu besuchen, denn 19 Dollar sind hier ein sehr fairer Kurs, ich betone noch einmal: Interessiert man sich auch nur ansatzweise für das hier behandelte Thema, kann man gut und gerne etliche Stunden hier zubringen und ich würde auch empfehlen, das so zu planen, und nicht nur die zwei Stunden, die wir hier hatten, einzukalkulieren.

Chicago History Museum in Bildern – zum Durchblättern:

Das große Feuer

Gold Coast

Den Rückweg Richtung Hotel gestalten wir teilweise zu Fuß und teilweise per Bus. Südlich des Museums bzw. südlich des North Boulevard (was den West North Boulevard und den East North Boulevard umfasst), beginnt die bessere Wohngegend, möchte man sagen. Hier kann man eigentlich jede Straße Richtung Süden wählen, egal ob Astor Street, Dearborn Street oder welche auch immer, man kommt zwangsweise durch eine hübsche, ruhige, grüne Wohngegend mit beeindruckenden Gebäuden. Dass dieses Gebiet von Chicago Gold Coast heißt, kommt sicher nicht von ungefähr.

Ziel- und planlos schlendern wir hier, eigentlich viel zu kurz, durch die Straßen, leider ohne Fotos zu machen, denn das erscheint mir nicht angebracht, hier wohnen Menschen und man kann ihnen direkt auf die Haustüren und Fenster gucken. Vielleicht nicht hinein aber wer dahinter sitzt, möchte bestimmt trotzdem keine Kamera auf „sich“ gerichtet wissen. Ich erinnere mich aber, dass bestimmte Straßenzüge hier in der Gegend auch in einem meiner Reiseführer gestanden hatten und als besonders sehenswert gekennzeichnet waren.

Wieder am mehrspurigen Lake DuSable Lakeshore Drive angekommen, nehmen wir einen Bus zurück zur Michigan Avenue.

Feierabend am Freitag

Chicago Style Popcorn: Cheese & Caramel

Phil möchte in der Nähe des Hotels noch in zwei Geschäfte und ich zu Garrett Popcorn [!keine Werbung!]. Garrett ist typisch Chicago, es gibt mehrere Filialen und überwiegend sehr besondere Sorten. Der Klassiker ist der Garret Mix mit Caramel Popcorn gemischt mit Cheese Popcorn, welches ich auch kaufe und für gut befinde. Andere besondere Sorten sind z.B. Pecan Caramel Popcorn, Macadamia Caramel Popcorn oder Cashew Caramel Popcorn.

Gelaufene Kilometer heute: Messbare Wegstrecke 6km

zzgl. etlicher Wege innerhalb Hotel, Geschäfte, Tower und Museum

… und morgen geht es auf den Hancock Tower und ins Kunstmuseum … >>>