Trailridge Road: Roundtrip

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Beide Tage Trailridge Road in Bildern – zum Durchklicken:

Tag 2 Trailridge Road von West nach Ost

Freitag, 01. September 2023

Trail Ridge Road

14 Uhr. Wir wollen noch mal zum Alpine Visitor Center. Gestern sind wir die Trail Ridge Road schon von West nach Ost gefahren. Heute starten wir von Ost nach West und wieder zurück. Drei Mal Trail Ridge Road – doch ich hätte vermutlich auch nach 300 Mal noch nicht genug… In meinem nächsten Leben werde ich Ranger im RMNP: den ganzen Tag durch diese schöne Landschaft cruisen… Touristen gnadenlos zusammenscheißen, die die Tiere füttern oder die Wege verlassen… Aussicht genießen… Viele Tiere zu sehen bekommen… Frische Luft… Klingt doch gut!

Wir sind noch nicht lange auf der Trail Ridge Road, da muss ich Phil bitten, zu fahren. Ich bin so hundemüde und hungrig, dass ich mich kaum auf die ziemlich kurvige und stellenweise gefährlich abschüssige Straße konzentrieren kann. Also fährt er bis zum Visitor Center hoch, wo wir uns ein überteuertes, aber immerhin, ein Mittagessen erhoffen.

Tag 2 Trailridge Road von Ost nach West

Leider sind sämtliche vegetarische Optionen (Cheese Maccaroni, Sweet Potato Fries, Pieroggen) vergriffen! Dann will Phil auch keine Bison Bratwurst! Aber Kaffee, den haben sie, dazu möchte ich eine der angepriesenen Cinnamon Rolls. Doch auch die sind leer! Wie kann man denn derart schlecht aufgestellt sein?? Im Haupt-Visitor Center des gesamten Nationalparks sind um 15 Uhr die meisten kulinarischen Dinge schon ausverkauft??? Ich bin ziemlich angefressen, tröste mich mit einem Kaffee und einer Art Peanut Butter Schoko Riegel.

Danach stöbern wir noch durch den riesigen Souvenirshop und Philipp wird auch fündig. Ich muss dann aber zurück doch wieder selbst fahren weil ihm aufgeht, dass er heute sämtliche Ausweise und Führerscheine im Hotel liegen lassen hat… Macht nichts, ich bin jetzt wieder etwas fitter!

Wir genießen die gesamte Trail Ridge Road heute fast gänzlich ohne Zwischenstopps. Auf der Herfahrt hatten wir ein paar Hirsche direkt am Wegesrand gesehen aber ein Ranger stand daneben und bat um Weiterfahrt, damit kein Stau entsteht, denn an dieser Stelle gab es keine Parktaschen oder Haltebuchten.

Tag 2 Trailridge Road von West nach Ost

Jetzt auf der Rückfahrt fahren wir auch so ziemlich durch, weil wir gestern schon beinahe alle Aussichtspunkte mitgenommen haben. Aufgrund der Tatsache, wie viel voller der Park heute ist, haben wir auch nicht so sehr viel Lust, noch mal anzuhalten. Vor allem Phil kann ja auch während der Fahrt sehr viel sehen!

Am Rainbow Curve Overlook juckt es mich aber doch noch mal in der linken Hand und ich setze den Blinker, um dort zu parken. Kaum ausgestiegen, spricht mich ein irgendwie asiatisches Pärchen an, und bittet mich, sie zu fotografieren, was ich gerne tue. Die Frau springt sofort auf mein T-Shirt an und fragt ob ich Ärztin bin. Nein, das Motiv hat keinen medizinischen Hintergrund, es ist Robbie Williams, aber verstanden habe ich das Shirt bisher selbst nie. Robbie Williams kennt sie wiederum nicht. Ob das ein junger Comedian ist? Nein ein älterer Sänger aus UK! Ach nee aber sie MUSS mein Shirt mal eben fotografieren weil sie ist Ärztin und völlig begeistert!

Und so kommen wir ins Gespräch… Sie möchte wissen wie lange wir schon verheiratet sind. Sechs Jahre. Sie neununddreißig. Wie viele Kinder wir haben. Keine. Sie vier. Und dann nimmt das Gespräch an Fahrt auf. Sie stammt von den Philippinen, lebt seit dem Studium in den USA. Zwar nicht in Colorado aber wo sonst, können wir nicht in Erfahrung bringen weil sie zu viele andere Dinge von sich erzählt. Sie ist einfach nur süß und möchte uns zum Abschied unbedingt einmal umarmen. Weil sie so niedlich ist, willigen wir gerne ein, während ihr Mann schon längst im Auto sitzt und demonstrativ den Motor anschmeißt…

Tag 2 Trailridge Road von Ost nach West

Doch irgendwie geht das Gespräch immer weiter, die Umarmung war gar kein Abschied. Wir (sie) reden über dieses und jenes, es ist so angenehm, mal mit jemandem Englisch zu sprechen, der selbst kein Muttersprachler ist und mit der Aussprache so seine Hürden hat. Irgendwann resigniert ihr Mann, stellt den Motor wieder ab, steigt wieder aus, geht wieder fotografieren… Innerlich muss ich schon mindestens grinsen! Er kennt sie halt nach neununddreißig Ehejahren… Aber lieb ist sie und natürlich begeistert, als sie erfährt, was mein Mann beruflich macht.

Doch irgendwann können wir uns losreißen, nachdem sie uns noch zu einer Adoption geraten hat, schließlich gibt es ja so viele Kinder ohne Eltern und man kann auch nicht-eigene Kinder wie seine eigenen lieben… und auch wenn wir im Auto erstmal laut lachen müssen, sind wir beide völlig begeistert von dieser schönen Begegnung, besonders ich fand die Dame einfach nur herzlich. Eine der wenigen Fragen, die ich stellen konnte während ihres Redeschwalls, war der nach ihrem Namen: Jennifer. Danke, Jennifer, dass du unseren Tag noch ein bisschen heller gemacht hast!

Tag 2 Trailridge Road von Ost nach West

Keine halbe Stunde später halten wir auf einem Haltestreifen, der schon übervoll mit Autos und Menschen ist. Dazwischen stehen zwei Ranger. Der Auflauf ist einer großen Hirschfamilie geschuldet. Der erste Ranger erklärt uns kurz wo sich welche Tiere befinden, einige nur wenige Meter entfernt im Wald. Es sind Mütter und Jungtiere, keine ausgewachsenen Bullen, sonst wären wir hier nicht sicher.

Wir gehen ein bisschen die Straße runter um besser fotografieren zu können, bis irgendwann nur noch wir und die zweite Rangerin da sind. Sie erklärt uns auf was wir bei den jungen Bullen achten müssen. Wenn sie sich in unsere Richtung in Bewegung setzen oder still stehend den Kopf hoch heben und uns lange ansehen, in diesen Fällen müssen wir unbedingt den Abstand zwischen uns und dem Tier vergrößern. Adrenalin pur!

Eine Weile sind wir wie gefesselt. Irgendwann huschen wir aber zum Auto zurück, dort stehen ein paar Tiere derart nah, dass wir sie riechen können! Ist das faszinierend!!

Tag 2 Trailridge Road von West nach Ost

Ein zweiter unsagbar toller Tag im RMNP geht zu Ende! Damit hatten wir nicht gerechnet! Dass es schön wird, ja. Aber nicht, dass es SO wahnsinnig toll und unvergesslich wird! Habe ich einen neuen Lieblings-Nationalpark? Vielleicht! Es lohnt sich einfach immer wieder, mit verhältnismäßig „niedrigen“ Erwartungen irgendwo hin zu kommen!

Vorletzter Abend in den USA

Selbst kurz vor Estes Park stehen wieder Tiere am Straßenrand und grasen. Wir sind beeindruckt, wie unbeeindruckt sie von dem Verkehr sind!

Jetzt ist aber langsam mal Zeit, zu essen! Bei unserem Lieblings-Pizza-Lieferdienst halten wir an und bestellen zwei riesige Pizzen à 20 Dollar für den Verzehr vor Ort, drei Tische gibt es dort. Es schmeckt wieder überragend gut, aber bis zum nächsten USA-Urlaub reicht es auch erstmal wieder! Und nächstes mal dann bitte eine Nummer kleiner!

Dinner in Estes Park

Nebenan ist unser Stamm-Supermarkt, wo wir noch Wasser, und für mich einen Colorado-Pulli und ein RMNP-T-Shirt kaufen, weil die Preise hier maximal halb so hoch sind wie in den Visitor Centern.

Zurück im Hotel sind wir schlag-k.o. und bleiben, wie meistens, nicht mehr lange wach… Man sollte meinen, einen der letzten Abende verbringt man irgendwie spektakulärer aber dafür haben wir ja schon sehr spektakuläre Tage. Tagsüber.

Samstag, 02. September 2023

Bye, Bye Rocky Mountains, auch wenn ich noch gar nicht von euch weg will…

08.30 Uhr. Wir sind on the road again! Wir haben heute Morgen nicht groß getrödelt. Und als das Gepäck im Auto verstaut war, haben wir das mit einem High Five besiegelt! Endlich raus aus diesem Hotel. Ich weiß immer noch nicht was genau das Problem war, weil es rein objektiv betrachtet, gar nicht so schlimm war, aber wenn gleich zwei Personen sich nicht wohlfühlen, dann muss ja irgendwas faul sein…

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