São Vicente, Porto Moniz, Ponta do Pargo & Calheta

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Calheta

Sonntag, 17. November 2024

Heute wird ein Autotag

Noch vor meinem Wecker um halb acht weckt mich jemand, warum weiß ich gar nicht, meistens ist das ja mein Part… Ich komme heute wieder schwer in die Gänge aber ich muss zusehen, denn wir haben heute viele Kilometer geplant: Wir wollen West-Madeira „umrunden“, insbesondere an der Nordküste entlang bis zur Westspitze. Für die Südseite ist dann nicht mehr so viel geplant, denn es dürfte bis dahin schon viel vom Tag und von unseren Kräften aufgebraucht sein.

Miradouro das Feiteiras

Miradouro das Feiteiras

08.30 Uhr. Wir sind dann doch noch zeitnah losgekommen und der erste geplante Stopp befindet sich noch in unserem Ort Ponta Delgada, also lediglich „um die Ecke“, kann man beinahe sagen.

Tatsächlich ist dies gleich ein unfassbar schöner Aussichtspunkt, was bestimmt auch an dem gigantischen Regenbogen liegt, der sich uns hier präsentiert! Aber auch unabhängig davon, hat man hier wirklich einen tollen Blick auf Meer und Küste. Wenn du in der Nähe bist, solltest du unbedingt herkommen!

Miradouro Ponta Delgada

Miradouro Ponta Delgada

08.45 Uhr. Wieder „um die Ecke“ befinden wir uns auf dem etwas höher gelegenen Miradouro Ponta Delgada, der Aussichtspunkt heißt also so wie auch der Ort, das ist leicht zu merken. Die Aussicht ist der am vorigen Miradouro recht ähnlich aber der erste hat uns besser gefallen. Noch immer dürfen wir diesen tollen Regenbogen betrachten, mir scheint generell, dass sich die Regenbögen auf Madeira immer sehr viel stolzer präsentieren und vor allem länger halten als bei uns!

Miradouro do Terra Cha

Wieder fünf Minuten später der nächste Miradouro, den ich über Maps aufgetan hatte. Diesen kann man jedoch getrost auslassen, wenn man schon andere schöne Aussichtspunkte gesehen hat, ist dieser wirklich nichts Besonderes. Abgesehen natürlich vom Regenbogen. Dazu muss ich sagen, uns begegnet auch heute fast kein Tropfen Regen, der fällt irgendwie immer wo anders. Und vor allem nachts – dann aber richtig!

Miradouro do Terra Cha

Miradouro das Quebradas

Hier sieht man auch nicht so viel Neues aber trotzdem kann ich es irgendwie empfehlen. Eigentlich ist es relativ egal, welche Miradouros man sich vornimmt, die meisten sind ja sehenswert. Ein paar hatte ich vorher nur einfach notiert weil man im Vorbeifahren häufig nicht so schnell reagieren kann wie die Miradouros auf Schildern angezeigt werden, wenn überhaupt!

Miradouro da Vigia

Diesen Miradouro hatte ich tatsächlich gestrichen gehabt, damit es nicht zu viele werden, und trotzdem landen wir nun hier, auf der Suche nach einer Frühstücksmöglichkeit in Sao Vicente! Jep, wir sind um zehn nach neun gerade mal im Nachbarort gelandet.

Miradouro da Vigia

Definitiv ist dieser Miradouro ein Highlight! Man hat nahezu einen vollständigen Blick auf Sao Vicente und die umliegende Berglandschaft! Außerdem erspähen wir von hier oben eine Snack Bar, die geöffnet hat und sogar eine Parkmöglichkeit in beinahe nächster Nähe. Das dürfte die bisher verhaltene Laune meines Mannes heben, naja und ich hab auch schon ganz schön Hunger!

Frühstück in São Vicente

Die Tiefgarage befindet sich fußläufig von der auserkorenen Snack Bar und die dortige ältere Frau, die diese betreibt, ist ganz lieb und ganz bemüht und spricht sehr gutes Englisch. Hier bekommen wir endlich einen Kaffee und den obligatorischen Cheese Toast. Dazu serviert uns São Vicente gleich noch mal einen neuen Regenbogen und tatsächlich regnet es hier nun auch, aber nur solange wie wir sowieso hier drinnen sitzen und verzehren.

Frühstück mit Regenbogen

Als ich auf die Rechnung von 11,60 Euro noch läppische 1,40 Euro Trinkgeld lege (oder waren es 2,40 Euro?!), ist die Dame ganz gerührt und fragt uns ob wir geschenkte Bananen to go haben möchten! Nein, danke, aber wo ist denn das nächste WC? Gleich um die Ecke! Aber das wird von der Gemeinde „betrieben“ und die stellen kein Klopapier zur Verfügung, weswegen die Frau direkt neben ihrer Kasse eine Rolle stehen hat und mir reichlich davon abgibt…

Für den Parkplatz zahlen wir dann übrigens ganze 45 Cent und langsam fangen wir an, uns zu fragen, warum wir bei diesen Preisen eigentlich immer den weiten Flug nach Amerika machen, wo dann alles utopisch teuer ist, wie wir vor wenigen Monaten in Chicago, aber genau genommen, auch schon letztes Jahr in Colorado feststellen mussten…

zu Fuß durch São Vicente

Miradouro do Veu da Noiva

10 Uhr. Von hier aus haben wir einen schönen Blick auf den nächsten Ort: Seixal. Das ist sehr zu empfehlen und es gibt recht viele Parkmöglichkeiten. Wie Philipp feststellt, kann man hier aber auch noch ein Stück zu Fuß die Straße runter gehen (genau genommen können dort auch Autos fahren), dann kommt man zu einem riesigen Souvenirladen und ein Stückchen weiter hat man einen tollen Blick auf einen Wasserfall!

Wasserfälle sieht man zwar auch während der Fahrt immer wieder aber dieser hier ist besonders spektakulär weil er einfach aus der Felswand zu schießen scheint und man sieht auch, dass dort eigentlich mal eine Straße lang ging, die aber gesperrt werden musste, vielleicht wegen des Wasserfalls…?

Miradouro do Véu da Noiva kurz vor Seixal

Noch ist hier heute angenehm wenig los, es sind zwar andere Touristen da aber ich kann mir vorstellen, wie das in der Hochsaison zugeht. Nie und nimmer würden wir hier im Sommer herkommen! Wenn ich mir an all diesen schönen Orten, vorzugsweise in der Natur, mehr Menschen vorstelle, als die, die uns hier überall so begegnen, dann hätte ich daran wenig Freude. Von der Hitze dann mal ganz abgesehen.

Nach einem Bummel durch den Souvenirshop, wo ich ein „Auftrags“-Souvenir ergattere, setzen wir unsere Fahrt fort.

Zum Durchblättern: Fotoalbum São Vicente & Seixal

Miradouro do Véu da Noiva kurz vor Seixal

Porto Moniz

Eigentlich wollen wir nach Seixal, ebenfalls mit Miradouro-Stopps bis dahin. Doch tunnelbedingt haben wir zu schlechtes GPS und rauschen überall dran vorbei. Aber, denken wir beide (und nicht zum ersten Mal dieser Tage), es müssen ja auch noch Orte übrig bleiben für die nächste Madeira-Reise…

10.30 Uhr. Wir ergattern eine gute und zentrale Parklücke in Porto Moniz und laufen instinktiv zu den Naturpools, die hier Piscinas Naturais do Aquario heißen. Es handelt sich um „Badepools“ aus Vulkangestein, die öffentlich zugänglich sind und keinen Eintritt kosten.

Piscinas Naturais do Aquario

Die 23 Grad fühlen sich hier gerade sehr viel heißer an, sodass man Lust bekommt, in dieses klare, eiskalte Wasser zu springen. Es sieht gigantisch toll aus, wir sehen Menschen und Fischen in ihrem Element zu. Philipp beneidet jeden Badehosenträger zutiefst.

Wir beschließen, den Ort am Wasser lang noch in die andere Richtung zu erkunden und kommen glücklicherweise nochmal am Auto vorbei. Erst jetzt fällt uns, naja Phil, der Parkautomat auf, den wir zuvor nicht hatten finden können. Schnell zieht er einen Parkschein, zum Glück haben wir noch kein Ticket! Warum er nun gleich für drei Stunden bezahlt, ist mir jedoch ein Rätsel, denn wir haben heute bekanntermaßen noch viel vor…

Spaziergang auf der Frente de Mar de Porto Moniz

Außerdem ist Porto Moniz nicht so riesig und unser Vorhaben beschränkt sich auf einen Spaziergang… Deshalb bin ich erstmal etwas sauer aber dieser Ort ist viel zu schön, als dass das lange halten würde. Wir gehen die 500 Meter bis zum Miradouro Oceana, stoppen aber auch unterwegs immer wieder, um auf den donnernden Atlantik hinab zu schauen, außerdem befinden sich hier weitere Naturpools, diese sind aber nicht so spektakulär und „natürlich“ wie die am Aquarium. Außerdem zahlt man hier Eintritt, der Höchstsatz liegt bei gerade mal 5 oder 7 Euro, glaube ich. Super attraktiv!

A pro pos Aquarium, auch dorthin laufen wir dann doch noch, wieder am Auto vorbei, immer hin und her. Hier gibt es aber nichts spannendes mehr zu sehen und so entscheiden wir uns für eine Pause mit Getränk, während derer ich Mama und Papa anrufe.

Aquário da Madeira

Insgesamt haben wir, mit viel Trödeln, gerade mal etwas mehr als eine Stunde in Porto Moniz verbracht. Wir sind uns trotzdem einig: Hier würden wir sogar mal unsere Zelte aufschlagen, es scheint uns ein guter Ort als Basis zu sein.

Zum Durchblättern: Fotoalbum Porto Moniz

Piscinas Naturais do Porto Moniz

Miradouro da Satinha

12.20 Uhr. Ein paar heftige Serpentinen später befinden wir uns weit oberhalb von Porto Moniz und haben einen tollen Ausblick auf den Ort und schauen uns an wo wir überall lang gegangen sind. Der Stopp scheint bekannt und begehrt, denn es dauert nicht lange, da kommen sie in Scharen… Also mit Bussen… Für uns ein Zeichen zum Aufbruch.

Miradouro da Santinha mit Blick auf Porto Moniz

Die kommende Fahrtstrecke wird noch grüner obwohl man denkt, grüner geht es schon gar nicht mehr! Zudem wird es immer ländlicher, ruhiger und man sieht sogar mal Kühe und Ziegen. Hier gefällt es mir! Obwohl… uns gefällt es hier eigentlich überall!

Ein kleines Abenteuer

Damit es nicht langweilig wird… Wenige Kilometer vor unserem nächsten Ziel beschließt Philipp, spontan einem Schild zum Miradouro Garganta Funda zu folgen. Die Straße dorthin ist wieder mal sehr schmal aber leider auch in unfassbar schlechtem Zustand. Noch dazu findet sich absolut kein Parkplatz, beinahe nicht mal eine Wendemöglichkeit. Deshalb schenken wir uns den Miradouro und sind froh, hier weg zu kommen. Philipp flucht wie ein Rohrspatz, wie man die Leute über so eine Straße jagen kann. Das toppt alles was diese Woche schon in Sachen „Aggro Autofahren“ gelaufen ist. Ich halte lieber die Klappe, ich weiß ja, es geht irgendwann vorüber.

Allerdings dauert das! Denn unser Navi schickt uns von hier aus nun auf eine wiederum fragwürdige „Straße“ zu unserem nächsten geplanten Miradouro. Sie ist zwar in einem besseren Zustand als die Straße von der wir kommen, aber laut Beschilderung „heißt“ sie „Caminho“-Irgendwas und ist abermals sehr schmal. Da „Caminho“ eigentlich eher ein Wanderweg ist, werden wir recht schnell leicht nervös, denn eine Wendemöglichkeit ist nicht in Sicht und plötzlich stehen Kühe im Grünen am Wegesrand. Unnötig zu erwähnen, dass es auf (m)einer Seite, wie immer, steil bergab geht.

Während Philipp sich weiter in Rage flucht und man eine Herzattacke seinerseits befürchten muss, bete ich lediglich, dass wir keinen Gegenverkehr bekommen mögen, denn das wäre jetzt das I-Tüpfelchen… Vor einer kleinen Brücke über einem Flüsschen halten wir dann kurz an. Es ist zwar eine Stein-, keine Holzbrücke, aber das Wörtchen „Caminho“ lässt mich arg zweifeln ob wir da jetzt wirklich rüber fahren sollen. Andererseits haben wir keine Alternative, es sei denn wir fahren den kurvigen Weg, weiß ich wie weit, im Rückwärtsgang zurück.

Augen zu und durch. Die Brücke hält natürlich. Und kurz darauf wird das Sträßchen besser und wir kommen bald oben in Ponta do Pargo raus. Später werde ich nachschauen und feststellen: die Strecke, die hinter uns liegt, ist gerade mal 1,1km lang (!) und heißt übrigens Caminho Velho… Ich kann diesen Weg nicht empfehlen, jedenfalls nicht mit einem fahrbaren Untersatz!

Miradouro do Farol da Ponta do Pargo – Madeiras westlichster Zipfel

Miradouro do Farol da Ponta do Pargo

13.10 Uhr. Wie zuvor schon gelesen, ist der Leuchtturm relativ unspektakulär und, weil Sonntag, das Museum geschlossen. Beides soll uns aber nicht stören, denn wir sind wegen der Aussicht hier. Sonne, Meer und Weite bieten ein tolles Bild, die Menschenmassen sind sogar hier überschaubar. Ich meine aber, gelesen zu haben, dass dies hier auch eher zum Sonnenuntergang ein Hot Spot ist!

Wir sind erstaunt, dass es selbst hier windstill ist, den ganzen Tag ist mir das schon aufgefallen, ich finde das sehr angenehm weil ich nicht ständig eine Jacke an- und ausziehen muss.

Miradouro do Fio

Miradouro do Fio

13.25 Uhr. Ganz in der Nähe dann „endlich“ ein windiger, nein, ein regelrecht stürmischer Miradouro! Heilige Jungfrau Maria, pfeift es einem hier um die Ohren! Kein Wunder, dass wir hier ganz allein sind! Ein paar Autos stehen hier zwar aber die Leutchen scheinen auf dem kurzen Wanderweg zwischen hier und dem Leuchtturm, von dem wir kommen, zu pilgern.

Leider hat das hiesige Restaurant urlaubsbedingt geschlossen. Ich bedaure das sehr, denn ich hatte darüber nur Gutes gelesen, naja und wir haben auch langsam Hunger…

Rund um den Miradouro do Fio und rund um den Leuchtturm scheint übrigens gebaut zu werden. Riesige planierte Flächen und überall stehen Baufahrzeuge. Ich tippe auf geplante Touristenunterkünfte, Philipp denkt an einen Golfplatz. Beides erscheint mir realistisch. Es ist eine traumhafte Region, über weite Teile nicht besiedelt, da ist es doch leider selbstverständlich, dass hier früher oder später irgendwas entsteht. Schade, aber das werden wir in ein, zwei, drei Jahren wohl mal in Augenschein nehmen müssen!

***NACHTRAG*** – Es handelt sich hier tatsächlich um einen Golfplatz (natürlich samt Clubhaus, Hotel, Restaurant und Co), offenbar ein Großprojekt hier auf der Insel! Bereits von 2009-2012 hatte man begonnen, diesen Golfplatz etc. zu bauen, warum auch immer, ging es dann erst elf Jahre später weiter und die Eröffnung ist nun für 2026 angesetzt. Ich kann mir kaum einen spektakuläreren Ort vorstellen als an dieser besonderen Stelle auf der Insel, hoch oben über dem Atlantik! Es wird der vierte Golfplatz auf Madeira und wahrscheinlich einer der schönsten Europas, so steht es geschrieben und ich hege keine Zweifel.

Calheta

Calheta

14 Uhr. Wir haben einen zentralen Parkplatz erwischt und ich werfe 1,60 Euro ein. Das erlaubt uns, uns zwei Stunden lang in Calheta aufzuhalten. Was wollen wir hier?

Nun, in erster Linie möchte ich unbedingt wissen in welcher Lage die beiden hiesigen Hotels sich hier befinden und außerdem, wie die beiden aufgeschütteten Sandstrände wohl aussehen. Es stellt sich heraus, alles davon ist mehr als akzeptabel angelegt und es gefällt uns gar nicht mal so schlecht, vor allem Philipp fände das hier gar den idealen Urlaubsort. Vielleicht merkst du, dass ich mich wiederhole: Beinahe überall denken wir so…

Calheta

Wir gehen an den Stränden vorbei Richtung Bootshafen und kehren endlich zum Mittagessen ein, gleich in die erstbeste Lokalität, ohne zu vergleichen, denn wir haben die Parkzeit ein wenig im Nacken.

Wir essen Salat und Pommes, Philipp außerdem Thunfischsteak. Anschließend brauche ich einen Espresso und noch eine Brause, Philipp einen Banana Split. Nun sind wir aber wirklich gut abgefüttert, und das bei Hafenblick und angenehmer Bedienung. Was war das für ein schöner Tag! Als dann auch noch meine Lieblingsband im Hintergrund ertönt, bekomme ich direkt ein bisschen Gänsehaut und zu allem Überfluss schießen mir kurz ein, zwei Tränchen in die Augen. Huch, damit hatte ich gerade gar nicht gerechnet!

Zum Durchblättern: Fotoalbum Ponta do Pargo & Calheta

Calheta

Ab durch die Mitte!

15.40 Uhr. Wir sind gleichermaßen k.o. und schmeißen alle weiteren Optionen über Bord und starten den Heimweg. Es geht von Süd nach Nord durch die Inselmitte und nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir „heimische Gefilde“. Ich hole noch schnell Käse, Brot und Wasser aus unserem Mini Mercado und dann wird es ein ruhiger Abend, wie immer.

Und wie ebenfalls fast jeden Abend, regnet es irgendwann noch heftig, es folgt auch ein kurzes Gewitter und nach einem unfassbar lauten Knall kommt uns leider das WLAN abhanden. Tja, da kann man nichts machen. Gibt es heute halt kein „Chicago Fire“ für uns… 

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