Arcade nach Pontevedra

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Zum Durchblättern: Album unserer 14. Wanderetappe

Arcade

Sonntag, 30. März 2025

„These boots are made for walking“ (Nancy Sinatra)

Wanderetappe Arcade-Pontevedra ca. 14 km

Gehzeit ca. 04h15, Pausenzeit ca. 10min

Wieder mal ein holpriger Start

Das Frühstück ist wieder sehr spartanisch, mir bleibt, wie üblich, Baguette mit Butter, dazu Kaffee. Es ist langsam zum Verrücktwerden! Natürlich erwarte ich bei einer (spanischen) 2-Sterne-Unterbringung nichts Gewaltiges aber ich darf es trotzdem vermissen, ein schönes (deutsches) Frühstück in meiner eigenen persönlichen, halbwegs gesunden Version. Andererseits: Nach Hause will ich natürlich auch nicht!

Arcade

Wetter- und Wander-Höhepunkt (der Reise?!)

Ich glaube kaum, dass es noch schöner werden kann als heute. Wir starten um kurz nach neun und zwar zufällig gleichzeitig mit Marianne. Wir sind uns ja schon oft begegnet in unseren Unterkünften oder gestern auch am Ende der Wanderetappe. Heute checken wir gemeinsam aus weil wir gleichzeitig an die Rezeption kommen, und starten dann eben auch die Wanderung zusammen. Es ergibt sich einfach.

Noch ist es empfindlich kühl und ich vermisse am Anfang meine Jacke, trage aber sowieso langärmelig wegen des immer noch heftigen Sonnenbrandes, sowie eine Weste, also ist es nicht allzu kalt, vor allem kommt man ja irgendwann auch in Wallung.

Arcade

Arcade ist noch ungeahnt weitläufig und schön, wir haben einiges zu sehen und zu erzählen. Irgendwann wird es aber grüner und teilweise geht es an einem kleinen Flusslauf entlang, es ist einfach nur idyllisch und hübsch, die Sonne lässt die Wald- und Wiesenpassagen traumhaft schön werden, die unterschiedlichsten Grüntöne umgeben uns. Es erinnert mich an sonnige Frühlings-Waldausritte mit Papa. Vielleicht ist ein solcher Spaziergang ja bald wieder möglich wenn das Wetter bei uns im April möglicherweise besser wird zu Hause.

Área de descanso de A Ponte Nova

Und prompt kommen wir an einer Wiese mit drei hübschen Jungpferden vorbei… Ein Stück weiter hat ein Mann mitten im Wald Jakobsweg-Souvenirs ausgestellt, außerdem Obst und Müsliriegel, alles gegen Spende. Stempel gibt es kostenlos! Ideal! Stempel und Snacks, das ist doch eine willkommene Abwechslung mitten im Gebüsch!

Die ersten Pferde des Tages

Es geht auch heute immer mal steil bergauf, aber nie lange. Ich komme gut zurecht und freue mich über Marianne´s Erzählungen und, dass wir ein ähnliches Tempo gehen, so habe ich jemanden bei mir, der zusammen mit mir Philipps Staubwolke betrachtet, denn er pflegt davon zu zischen, macht irgendwann ein Päuschen und wenn man ihn gerade so einigermaßen eingeholt hat, schießt er wieder davon, sodass ich selbst eher nie zu einem Päuschen komme, während er so einige genießt. Heute ist das Ganze, dank Marianne, etwas entzerrter und entspannter und macht mir großen Spaß.

Außerdem unterhalten wir drei uns fast die gesamten 14km über, sodass ich kaum eine Chance habe, an meine Füße zu denken, und tatsächlich tun sie auch nur wenige Male für wenige Minuten weh, abwechselnd links und rechts. Und das Knieproblem taucht heute gar nicht mehr auf! Ich bin sehr, sehr dankbar dafür!

Pilger-Highway

Was aber bald auftaucht, ist eine riesige Pilgerschar! Insgesamt haben wir schon beobachtet, dass seit Vigo ganz schön Trubel auf der Strecke ist, im Verhältnis zu den Etappen zuvor. Aber heute ist es wirklich schlimm. So oft wie heute haben wir noch kein „Buen Camino“ gehört oder gesagt, und man hat streckenweise wirklich gar keine Ruhe sondern läuft mit der Masse.

An der Kapelle Santa Marta machen wir ein kleines Päuschen. Ich lege meine Füße abwechselnd hoch und dehne mich in alle Richtungen. Das Yoga fehlt mir auf dem Camino schon sehr…

Pilger-Highway

Dann laufen wir weiter und entscheiden uns kurz darauf für die Alternativroute, die vielleicht ein, zwei Kilometer länger ist als der reguläre Camino, aber am Fluss entlang klingt einfach zu verlockend und unsere Reisebeschreibung vom Veranstalter empfiehlt diesen Abschnitt wärmstens.

Was soll ich sagen? Am Rio Tormeza entlang wird es die allerschönste Strecke des Tages, der doch sowieso schon landschaftlich ziemlich attraktiv und abwechslungsreich gewesen war! Der kleine Fluss, eher ein Bach, ist so glasklar und sonnenbeschienen, und plätschert bilderbuchhaft vor sich hin. Es ist hier unbeschreiblich, fast schon kitschig schön, beinahe wie im Film. Das haben wir so auch noch nicht gesehen, besonders mit dem Sonnen- und Schattenspiel, mit Marianne´s Wort(en): Spektakulär!

Camiño complementario en O Pobo

Und dann kommen wir nach diesem wahnsinnig schönen Naturerlebnis, praktischerweise auch noch genau an der Hauptstraße von Pontevedra raus und müssen nur noch stumpf und unverfehlbar einen Kilometer geradeaus laufen bis zum Hotel! Komfortabler könnte es uns die heutige Etappe wirklich nicht machen!

Camiño complementario en O Pobo

Pontevedra – Schön gepilgert, schlecht gelandet

Nach diesem kaum in Worte zu fassenden, tollen Wandertag mit Marianne erhoffen wir uns auch ein richtig schönes Zimmer, immerhin bleiben wir hier gleich zwei Nächte, wie neulich schon in Baiona… Leider läuft es ähnlich wie in Baiona: das Hotel gefällt uns gar nicht. Das Zimmer hat so viele Makel, dass ich es müde würde, diese jetzt alle aufzulisten. Wohlfühlen geht anders!

Wir duschen schnell und suchen eine nahgelegene Pizzeria auf, denn Philipp wollte gleich gegenüber zu einem international bekannten Pizzalieferdienst gehen, wo man auch vor Ort essen kann, aber ich wollte gerne kettenunabhängig speisen. Leider gelingt uns das nicht, denn ohne Reservierung haben wir mal wieder keine Chance…

Pontevedra

Also doch Ketten“restaurant“. Normalerweise haben wir dort eine Garantie für richtig gute Pizzen aber meine schmeckt einfach nur scheiße! Ich kann sie auch beim besten Willen nicht aufessen und bin, einmal mehr, unfassbar frustriert und enttäuscht ob der Hürden, die ich in Portugal und Spanien kulinarisch zu bewältigen habe. Vegetarier sind hier einfach (noch?) Aliens und müssen sich ganz schön einschränken! Jedenfalls in den kleineren Städten, in denen wir so unterwegs sind. Aber das erwähne ich wohl jeden Tag…

Versuch der Nahrungsaufnahme

Bis in die Altstadt, wo es mehr Auswahl geben mag, wollen wir nicht mehr laufen. Meine Füße tun jetzt richtig weh, wo ich die Wanderschuhe ausgezogen habe, und in der näheren Umgebung finden wir einfach nichts mehr. Das hat auch wieder mit der Uhrzeit zu tun, es macht ja alles zu am Nachmittag…

Mir würde jetzt ja auch ein tolles Eis oder ein anderes süßes Trostpflaster plus Kaffee reichen. Ich verlange ja schon gar nichts richtiges mehr zu essen. Aber auch das will sich partout nicht finden lassen… Hier ist um diese Uhrzeit der Hund begraben!

Pontevedra

Enttäuscht landen wir auf dem Zimmer und sortieren unsere Fotos. Ich schreibe Mails an Mama und Papa. Und dann fängt ein wenig die Langeweile an. Es ist noch so viel vom Tag übrig aber wir sind zu kaputt um uns die wohl sehr sehenswerte Altstadt anzuschauen bzw. wohnen wir für unsere Begriffe zu weit davon entfernt.

In der direkten Umgebung gibt es nichts zu sehen oder zu machen. Nur eine Wäscherei aber dazu habe ich heute keine Lust! Und so verstreicht wertvolle (Lebens-) Zeit irgendwie sinnlos, bis um 19 Uhr endlich ein Imbiss um die Ecke öffnet, wo ich mich mit Buch und Tablet hin begebe. Hier kann ich Reis mit Gemüse essen, mich über eine Stunde lang beschäftigen und uns Wasserflaschen für die Nacht besorgen.

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