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Der erste Morgen
Samstag, 4. Juni, 6 Uhr. F. und ich waren schon hellwach. Damit hatten wir nicht unbedingt gerechnet und ich glaube, Phillip wäre ausschlafen auch lieber gewesen – aber er gehört wirklich zu den spontansten und vor allem energiegeladensten Menschen, die ich kenne, somit war das kein Problem und wir gingen recht bald zu dritt nach unten zum Frühstück. Dieses fiel im La Luna nicht so umfangreich aus, typisch USA, belief es sich auf Toastbrot, Butter, Marmelade, immerhin frische Orangen, Kaffee und Tee. Besser als gar nichts!
Es war leider ein stark verregneter Samstag aber wir wollten uns davon nicht den Tag vermiesen lassen. Die schönste Stadt der Welt glänzt auch bei schlechtem Wetter! Für diesen Tag hatte Phillip sich am Vorabend nämlich eine Autotour rund um das Golden Gate überlegt. Es ging dabei auch über die Brücke rüber nach Marin County!
Marin County
Das erste Ziel im Marin County, nördlich von San Francisco, war das Marine Mammal Center, wo sie Seehunde und Seelöwen aufziehen und pflegen. Ich erinnerte mich hier natürlich sofort an die Seehundaufzuchtstation in Norddeich, wo ich unzählige Male in unseren früheren Familienurlauben gewesen war. In Norddeich hat man von den Tieren im Übrigen viel mehr gesehen als hier, im Marine Mammal Center sah man sie nur aus relativ großer Entfernung. Die nette Britin Gill erklärte uns aber viel über die Tiere und es war recht interessant zu hören, warum manche Tiere hier sind, was mit ihnen weiterhin geschieht, etc.
Trotz des weiterhin starken Regens, steuerte Philipp mit uns noch ein paar View Points an, erstaunlicherweise tat das Wetter diesem Vorhaben keinen Abbruch. Natürlich macht Sonne alles viel schöner, aber unser View Point Hopping war gar nicht so sinnlos, wie man vermuten könnte. Unser Highlight war ein kleiner Waschbär, hatten wir doch noch nie einen in freier Wildbahn gesehen!
Mein erstes Mal
Und dann war es soweit. Ich sollte plötzlich Auto fahren! In Amerika! Wow, das war so nicht geplant! Aber, wie ich schon erwähnte, ist Phillip sehr spontan. Naja und Recht hat er ja, er sollte uns ja irgendwie ein bisschen auf unsere weitere Reise vorbereiten, die nach dem Aufenthalt in San Francisco schließlich ohne ihn weiter gehen würde…
Und da war seine erste Amtshandlung also, mich in sein Auto ans Steuer zu setzen! Nun ja, wenn es denn sein Auto wäre! Er gehörte obendrein noch seiner Mutter, die gerade mit seinem Vater durch Frankreich reiste… Zögerlich gab ich zunächst zu bedenken, dass mein Führerschein im Hotel liegt, allerdings nur der internationale, den deutschen hatte ich immerhin dabei… Für Phillip war das kein Argument, zumal der Weg zum La Luna von hier aus nicht allzu weit war, nur ein paar verlassene Wege bis zur Golden Gate Bridge, dann über die stark befahrene, mehrspurige Brücke, und von dort, wie wir wissen, nur noch ein paar Meter bis zum Hotel.
Also wurde ich ins kalte Wasser geschmissen und werde die Erinnerungen an dieses besondere Erlebnis für immer und ewig bewahren. Natürlich war ich leicht angespannt, ich war schließlich auch noch nie Automatik gefahren! Auch Phillip saß nicht gerade im Zen-Zustand auf der Rückbank. Doch es war irgendwie wirklich einmalig! Erst 24 Stunden im Land und schon sitze ich in einem schicken roten Flitzer und steuere ihn eigenhändig über die GOLDEN GATE BRIDGE! Hallo!? Wie geil!
Etwas Wertvolleres als einen Local als Guide gibt es nicht
Und sowieso und überhaupt war Phillip das Beste was uns passieren konnte gleich zu Beginn der Reise. 2004 in Florida war ich mit meinem großen Bruder unterwegs gewesen, der schon ein bisschen mehr Lebens- und Amerikaerfahrung aufwies als ich. Und dann 2009 in NYC hatte ich mit meiner Freundin Svenja eine „Kurzzeit-Einheimische“, die wusste wie der Hase läuft, als ich sie in ihrem Au Pair-Jahr besuchte.
Aber F. und ich wären doch sehr einsam gewesen ohne unseren privaten Stadtführer. Und was er nicht wusste, wusste sein internetfähiges Handy, sein zweites Gehirn, wie er es nannte. Das waren noch andere Zeiten damals, als so ein Gerät und deren unentwegte Nutzung noch gar nicht so üblich war. Und so konnten wir ihn alles fragen, was uns einfiel im Bezug auf die kommenden zwei Wochen und er stand uns mit Rat und Tat zur Seite.
Painted Ladies, Chinatown & Little Italy
Nach eine kurzen Stopp im La Luna (ich hatte dort mein Ladegerät für die Akkus der Digitalkamera vergessen, denn diese wollte ich im Eos aufladen), holten wir gegenüber bei Walgreens [!keine Werbung!] Wegzehrung in Form von Keksen und Wasser, und fuhren weiter zu den Painted Ladies. Ich überließ aber gerne Phillip wieder das Steuer.
Den Wind im Haar, fuhren wir mit offenem Verdeck durch die Stadt, während Phillip mit seinem Kumpel Jordan telefonierte. Dieser lebt in San Francisco und wir verabredeten uns mit ihm vor einem Parkhaus, in dem wir parkten. Das Hotel, das er leitet, war gleich um die Ecke, sodass wir ihn treffen konnten. Wir spazierten zu viert Richtung China Town, allerdings sehr gemächlich, denn F. ihr Fuß war inzwischen lilafarben und sie hatte weiterhin schlimme Schmerzen.
Und Chinatown? Nun ja, F. und ich hatten in der Berufsschule gelernt, San Francisco habe das größte und tollste China Town außerhalb Chinas und sei in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Wir fanden hier nichts so wirklich besonders, jedenfalls nicht besonders umwerfend. Besonders ich, als Vegetarier, lenkte meine Blicke gerne weg von dem einen oder anderen Schaufenster…
China Town geht dann auch irgendwann nahtlos über in Little Italy. Statt chinesischer Restaurants sind hier plötzlich italienische und an den Straßenlaternen lauter Bändchen mit den Farben der italienischen Flagge. Diesen Stadtteil hatten wir gar nicht auf unserem Plan aber Jordan wollte hier gerne essen gehen, was uns auch wesentlich lieber war, als in China Town zu essen. Das Essen war auf jeden Fall fantastisch, ich hatte Pizza mit Zucchini und Mozzarella!
Anschließend fragten wir die Männer ob sie noch ein Weilchen ohne uns unterwegs sein wollen, da ich es anfangs so verstanden hatte, dass Phillip uns in China Town absetzt und ein bisschen Zeit allein mit Jordan verbringt. Damit waren sie auf jeden Fall einverstanden und zogen von dannen. F. und ich stellten derweil China Town auf den Kopf, denn hier kann man immerhin extrem gut Souvenir-shoppen weil die Auswahl bedeutend größer und auch bedeutend günstiger ist als anderswo in der Stadt. Folge mir für mehr Pro-Tipps!
Treffpunkt mit den Männern war anderthalb Stunden später am Dragon´s Gate in der Bush Street, Ecke Grant Avenue. Weil die beiden es aber nicht so genau nahmen mit der Pünktlichkeit, setzten wir uns gegenüber in den Starbucks [!keine Werbung!] und erfrischten uns mit je einem Strawberrys & Cream Frappuccino! Hier trafen wir auf ein deutsches Pärchen, welches schon den weiten Weg von Seattle hier her gefahren war, also insgesamt eine größere Rundreise unternahm als wir das tun würden. Sehr selten beschränken sich Rundreisende auf nur einen Bundesstaat im Westen der USA – so wie wir.
Im Auto weiter durch die Stadt
Etwas später erblickten wir Jordan und Phillip und gingen gemeinsam mit ihnen spontan in eine Shisha-Bar. Jordan hat das netterweise auch noch komplett bezahlt: Erst den Italiener, dann die Shisha-Bar, naja und später übrigens auch noch komplett den Rest des Abends… Da war auch nichts zu machen!
Zunächst fuhren wir noch ein bisschen weiter durch die Stadt. Nun war es Jordan, der uns im Eos einmal quer durch den Golden Gate Park kutschierte. Phillip hatte damit wirklich alle unsere Wünsche aufgenommen und uns alles gezeigt was wir hatten sehen wollten! Der Park ist einer der größten innerstädtischen Parks, sodass hier ein Auto sogar Sinn macht!
Später kamen wir an einen wunderschönen Strand, ich schätze es muss der Ocean Beach im Westen des Golden Gate Parks gewesen sein. Hier waren überall junge Leute, die in kleinen Grüppchen an Lagerfeuern standen. Jordan zeigte auf ein paar Häuser, in einem davon hat er mal gewohnt. Die monatliche Miete in dieser (aussichtstechnisch) einmaligen Lage kann ich mir wahrscheinlich nicht einmal vorstellen… Er ist letzten Endes näher in die Stadt gezogen um nicht so weite Wege zu haben. Auch nachvollziehbar.
Nach einem kurzen Stopp am China Beach war aber erstmal ein Päuschen angesagt. Jordan kam mit uns ins La Luna, wo F. und ich uns umziehen konnten.
Abendprogramm mit Phillip & Jordan
Wir fuhren mit dem Taxi zu einer Bar, vor der Türsteher standen, welche uns ganz sicher nicht ohne Jordan´s Begleitung hinein gelassen hätten. Hier lernten wir die köstliche Mischung von Cranberrysaft mit Vodka kennen. Ich schätze das ist die amerikanische Variante von Vodka-O bei uns?!
Anschließend ging es nebenan in das (damalige) Restaurant Betelnut in der Union Street, wo ich zunächst einen fantastischen Mai Tai trank und die Jungs viele verschiedene Gerichte orderten, darunter u.a. Knoblauch-Spargel, Frühlingsrollen, Schweineknochen und zum Nachtisch heiße Banane mit Vanilleeis. Alles wurde auf dem Tisch verteilt, sodass wir ganz viele verschiedene Sachen miteinander teilen konnten. Das war einfach eine großartige Idee, extrem lecker und vermutlich auch extrem teuer.
Ganz untypisch amerikanisch, legten wir den Rückweg zum La Luna zu Fuß zurück, aber es waren auch noch nicht mal anderthalb Kilometer. Mehr hätte die arme F. wahrscheinlich auch nicht mitgemacht mit ihrem Fuß! Es wurde richtig spät, bis wir endlich im Bett lagen, bzw. Phillip auf seiner Isomatte zu unseren Füßen… Erst um zwei Uhr löschten wir die Lichter.
Komm mit! Es geht weiter nach Alcatraz >>>















