Field Museum & Boat Cruise

<<< Zurück zum Shopping & Buckingham Fountain

Montag, 26. August 2024

Das naturhistorische Field Museum

Evolving Planet

Schon um halb neun sind wir mit dem Bus am Museum Campus, etwas außerhalb des Zentrums. Vorgestern hat es hier einen Zusammenstoß zwischen Auto und Fußgänger gegeben, der Fußgänger starb, der Autofahrer flüchtete. Eine der Meldungen, die ich lieber nicht gelesen hätte, doch ich hatte gestern „Chicago News“ gegoogelt, in der Hoffnung etwas über den Triathlon zu erfahren, doch das war zu unspezifisch gegoogelt, stattdessen erfuhr ich alles, was man schon über die vielen Schießereien am Wochenende in den unterschiedlichsten Stadtteilen und Vororten von Chicago wusste, sechs der Schießereien mit Todesfolge, Täter werden gesucht. Vorzugsweise wird aus Autos geschossen. Ziel offenbar jede Hautfarbe, Geschlecht, Alter. Ich beschließe, derartige Links nicht mit Daheimgebliebenen zu teilen, sondern sie möglichst selbst schnell wieder zu vergessen, was, wie ich zugeben muss, stellenweise nicht ganz einfach ist.

Evolving Planet

Und auch jetzt als wir hier am Museum Campus aus dem Bus steigen und über die Straße gehen, muss ich an die eine besagte Meldung denken. Es ist hier jedoch nichts los, abgesehen von unserem Linienbus verkehren hier heute Morgen nur kleine Gefährte, die Tribünenteile von irgendwo her nach wo hin ziehen. Was genau es damit auf sich hat, wissen wir nicht, aber um die Ecke befindet sich das „Solder Field“, das riesige Stadion der Chicago Bears (die American Football Mannschaft) und von Chicago Fire (der Fußballmannschaft, nicht der Serie)!

Schon vom Bus aus hatten wir aus der Ferne die Westseite des Stadions gesehen, ein an sich moderner Bau, auf dieser Seite versehen von einer tempelartigen Front geprägt, in erster Linie historisch anmutende Säulen. Sehr ansehnlich und auffällig. Das macht die Spielstätte wirklich zu einer Art „Tempel“, wie man Stadien dieser Größe gerne umgangssprachlich bezeichnet. Und zwischen dem naturhistorischen Museum und dem Stadion ist es heute Morgen entsprechend ruhig, denn hier gibt es wirklich nichts anderes, okay, abgesehen vom sehr großen benachbarten Shedd Aquarium und das doch auch noch irgendwie fußläufig entfernte Adler Planetarium.

Restoring Earth

Wir planen also, das Field Museum of Natural History zu besuchen, welches zu den absoluten Top-Museen der gesamten USA zählt! Philipp hatte es ziemlich weit oben auf seine Prioritätenliste gesetzt, mich hätte es, offen gestanden, weniger interessiert aber ich bin jetzt trotzdem sehr gespannt wie es wohl wird und freue mich auf den Besuch! Manchmal muss man ja zu seinem Glück gezwungen werden…

Um 9 Uhr öffnet das Museum „endlich“ und wir sind, nach einem kleinen wartenden Spaziergang in der näheren Umgebung, die ersten und einzigen Besucher, jedenfalls am East Entrance. Das ist absolut herrlich und empfehlenswert, denn die Massen werden erst später kommen. Deshalb beschließen wir auch bald nach dieser Erkenntnis, dass wir mit der Hauptattraktion vielleicht nicht mehr lange warten und ziemlich zeitnah erstmal dorthin gehen sollten: Sue, ist das meist besuchte „Objekt“ des Museums, es ist weltweit das besterhaltene Skelett eines T-Rex-Dinosauriers, ca. 67 Millionen Jahre alt.

Evolving Planet - SUE the T. rex

Ich hab es nicht so mit Dinosauriern, aber Männer und natürlich Kinder finden das hier schon sehr spannend. Das Viech ist zwölf Meter lang und vier Meter hoch und bei den meisten der ausgestellten Knochen handelt es sich um Originale. Hat man das auch mal gesehen. Ich freue mich, dass Phil sich freut.

Wir machen direkt nach Sue eine kleine Kaffeepause im Museums-Bistro und bleiben dann noch bis 13.30 Uhr im Museum, doch ich muss sagen, wir hätten hier locker bis zum Feierabend um 17 Uhr bleiben können und das obwohl wir nur das Basic Ticket gebucht hatten! Wie man hier an einem Tag durchkommen will wenn man auch noch die Zusatzoptionen für bestimmte Sonder-Ausstellungen und -Attraktionen gebucht hat, kann ich mir nicht erklären!

Es gibt verschiedene Bereiche, zum Beispiel „Evolving Planet“, hier erfährt der Besucher wie das Leben auf der Erde entstanden ist, die Erklärungen reichen mehr als vier Milliarden Jahre zurück!

Restoring Earth

Zwischen den verschiedenen Themenbereichen, die meist Pflanzen oder Tiere umfassen, sieht man gelegentlich auch kleine Forschungslabore, in denen wirklich gearbeitet wird. Das Museum ist nämlich gleichzeitig Ausbildungsstätte für junge Wissenschaftler, denen man hier live zusehen kann.

Natürlich gibt es auch einen großen Bereich „Amerikanische Menschheitsgeschichte“ ebenso wie „Rätsel der Pharaonen“ und viele weitere… So kommt es, dass wir überall mehr oder weniger durch „rauschen“ und nirgends besonders ausgiebig verweilen! Denn um 15 Uhr haben wir noch einen Termin – und das fast 3km Fußweg entfernt.

Was ich dann aber noch unbedingt wissen wollte: Wieso heißt es Field Museum? – Es stellt sich heraus, Field war ein Mensch. Marshall Field war erfolgreicher Unternehmer und Kaufhauskettengründer und stellte 1893 eine sehr große Summe Geld für die Errichtung eines Museums anlässlich der Weltausstellung zur Verfügung. Anfangs war es mehr ein Kunstmuseum, ab 1905 konzentrierte man sich auf Naturkunde und so entstand das heutige Museum.

Field Museum in Bildern – zum Durchblättern:

Südseite und Haupteingang des Museums

Durch die glühende Hitze

Glaub es, oder nicht, aber auf der Strecke vom Museum zum Bootsanleger im DuSable Harbor gibt es keine Busverbindung. Und generell muss man sagen, dass man in Chicago viel zu Fuß geht! Busse verkehren nur auf ganz bestimmten Routen, besonders von Nord nach Süd, und dann natürlich nicht auf jeder Straße! Das wird sich auch noch nach der nun anstehenden Bootstour zeigen: Vom Anleger zur nächsten Bushaltestelle sind es anderthalb Kilometer auf dem Schachbrett nach Westen, zur Michigan Avenue…

Schon im Museum humpele ich teilweise vor mich hin, mein linker Fuß ist mittlerweile völlig überlastet, das deutete sich gestern bereits an. Und nun die schnurgerade Strecke vom Museum am Wasser entlang zum Schiffsanleger, ist eine echte Herausforderung, zumal in der prallen Sonne und mit nur wenigen Wasserreserven. Frag nicht nach Sonnenschmiermittel oder Hut…

Der Ausblick auf die näher kommende Skyline ist aber wunderschön und am Wasser entlang sind wir noch gar nicht gegangen in diesem Urlaub, sieht man mal vom Chicago River ab.

Lakefront Trail

Unweit des Bootes, das wir schon von weitem erkennen, hat sich eine Rentnergruppe im Schatten eines Baumes versammelt, wir hocken uns dazu bzw. ich, denn Phil stellt sich tapfer an einer Bude an um uns WASSER zu kaufen! Ich ahne es schon: Die Truppe will mit uns aufs Schiff! Sobald Phil zurück ist, marschieren wir deshalb lieber schon mal Richtung Anleger!

Eine ganz besondere Bootsfahrt

Es handelt sich um ein ganz besonderes Boot: Die Fred A. Busse ist ein Stück Chicagoer Geschichte! Das historische Löschboot war von 1937 bis 1981 aktiv und war zu dieser Zeit das größte Diesel-betriebene Löschboot der Welt! Nun ist es -mehr oder weniger- in Rente und schippert Touristen über den Lake Michigan und den Chicago River.

Monroe Harbor

Der absolute Klassiker, „when in Chicago“, ist nämlich eine River Cruise auf dem Chicago River. Man kann eigentlich nicht in Chicago gewesen sein ohne eine solche Flussfahrt zu machen, meist „Architecture River Cruise“ genannt, denn all diese Touren werden kommentiert und beziehen sich auf die ungewöhnliche, spektakuläre Architektur zu beiden Seiten des Flusses.

Nun war ich von Anfang an der Meinung, dass wir diese Architektur-Highlights auch zu Fuß vom Riverwalk aus bewundern können, denn ich war nicht bereit 50 Dollar für eine Stunde Flussfahrt zu bezahlen, vor allem wenn man vielleicht nur die Hälfte versteht von dem, was da erzählt wird. Sorry, da war ich einfach raus!

Chicago River

Wie ich dann irgendwann aber auf das Fireboat gestoßen bin, weiß ich gar nicht mehr! Der Preis war mit 40 Dollar zwar immer noch heftig aber es wäre wenigstens ein besonderes Boot und würde Philipp sehr begeistern. Zudem dauert diese Fahrt sogar anderthalb Stunden! Das war für mich ein Kompromiss, also buchten wir diese Tickets!

Man muss aber ganz klar sagen: Die Erreichbarkeit des Anlegers ist nicht so einfach als wenn man direkt am Chicago River einsteigt. Die meisten „Standard“-Boote halten am Wrigley Building, zentraler geht es gar nicht, als direkt an der Mag Mile! Um jedoch zum Fire Boat zu kommen, läuft man von dort aus (als Beispiel) mal eben eine knappe halbe Stunde, oder (als anderes Beispiel) vom Loop aus, nehmen wir die „Bohne“, sind es auch immerhin 20 Minuten Fußweg. Das muss man also schon wollen. Öffis fahren hier nicht nah ran, Parken ist auch schlecht, falls man einen Mietwagen hat, da hilft nur ein Uber wenn man nicht (mehr) laufen möchte oder kann. Und außerdem fährt das Fireboat nicht zigmal am Tag sondern nur drei Mal.

Chicago River

Glücklicherweise sind wir nun die ersten an der Ticketkontrolle, auch wenn wir noch nicht auf das Schiff dürfen. Wir wissen: Die Amis sind so gesittet, wer zuerst da war, geht dann auch zuerst, da bin ich also ganz beruhigt! Wir sitzen also noch eine Weile auf einem kleinen Stück Mauer, neben uns ein Teil der besagten Rentnerreisegruppe.

Die Dame neben mir hat recht: Ohne Schatten ist es hart, aber ohne die Brise wäre es unerträglich. Ja… Aber die Brise ist eigentlich alles andere als kühl! Und das wird erstaunlicherweise sogar auf dem Wasser so bleiben: Der Wind kühlt einen einfach nicht! Das habe ich so noch nie erlebt auf einem Schiffchen! Eigentlich ziehe ich dort bei jeder Hitze und jedem Wetter eine Jacke und einen Schal an! Daran ist hier nicht zu denken! Ich habe tagelang immer alles im Rucksack aber benötige nichts davon!

Chicago River

Die Gruppe, so erzählt meine Banknachbarin, kommt aus Iowa, dem benachbarten Staat von Illinois, sie befinden sich auf einer viertägigen „Mystery Tour“, sie wissen vorher nur wo sie übernachten, kennen aber keine Programmpunkte. Diese Bootstour ist ihr erster Programmpunkt der Reise, abgesehen von dem Mittagessen in einem Fast Food „Restaurant“, das schon hinter ihnen liegt. Später werde ich das Unternehmen googeln (alle haben einen Brustbeutel um, auf dem der Name des Reiseunternehmens steht) und herausfinden, dass der Spaß pro Person mal eben „ab 900 Dollar“ kostet für die drei Nächte mit Guide, im Doppelzimmer versteht sich!

Und dann schippern wir los! Wir verlassen den DuSable Harbor, durchkreuzen den Monroe Harbor mit seinen vielen kleinen Segelböötchen und fahren raus „aufs offene Meer“ will man meinen, aber wie gesagt: Das ist ja hier der Lake Michigan… Es geht Richtung Navy Pier und hinein in den Chicago Harbor Lock, was im Grunde einer Schleuse entspricht, wo wir vom Lake Michigan auf den Chicago River wechseln.

Lake Michigan

Ich weiß nicht ob ich es an anderer Stelle schon erwähnte aber aus Hygienegründen hatte man damals die Fließrichtung des Chicago Rivers umgekehrt, damit das verdreckte Flusswasser nicht das Trinkwasser im Lake Michigan verunreinigt. Aus diesen Gründen müssen wir hier durch die Schleuse, denn nach wie vor ist die Wasserqualität des Chicago Rivers umstritten. Einige gehen hier Kanu fahren oder angeln, andere würden das im Leben nicht tun! So sagte jedenfalls unser Guide auf der Bike Tour!

Und dann passieren wir…

-die Franklin D. Roosevelt Bridge am Ostende des Chicago Rivers

-die William P. Fahey Bridge = Columbus Drive

-die DuSable Bridge = Michigan Avenue am Wrigley Building

-die Irv Kupcinet Bridge am Trump Tower

-die Bataan Corregidor Memorial Bridge sowie

-die Dearborn Street Bridge an den Marina Towers

-die Clark Street Bridge sowie Mashall Suloway Bridge am Reid Murdoch Building

-die Wells Street Bridge sowie die Orleans Street Bridge am Merchandise Mart…

…und kurz vor der Kinzie Street Bridge bzw. an der Chicago & Northwestern Railway Bridge drehen wir wieder um und fahren denselben Weg zurück zum Schiffsanleger, wo wir her kommen.

Fire Boat

Die gesamte Fahrt ist humorvoll kommentiert von einem jungen Mann, der mit Mikrofon vorne an Deck sitzt. Auch wir geben bald unsere schattigen, überdachten, windgeschützten Plätze im hinteren Bereich des Schiffes auf, weil wir hier nichts sehen. Man muss schon die Sonne aushalten oder, wie ich es praktiziere, von Mini-Schattenfleck zu Mini-Schattenfleck hin und her hüpfen rund um das Schiff, wenn man etwas sehen und gleichzeitig die Hitze aushalten können möchte.

Die Tour ist wirklich toll aber für mich auch sehr anstrengend. Der Tag, oder vielleicht auch die vergangenen Tage, haben ihre Spuren hinterlassen. Wir sind nun den sechsten Tag in Folge auf Städtereise mit reichlich Programm, die meisten Menschen bevorzugen zwei bis drei Tage. In so einem Moment wie jetzt, kann ich es ganz kurz ansatzweise verstehen. Obwohl ich bequem auf einem Kutter sitze und eigentlich gar nichts tun muss.

Boat Cruise in Bildern – zum Durchblättern:

Chicago River

Von den Leiden eines Städtereisenden…

Und nun, nach der Tour, muss ich noch mal extra stark sein, denn der weiter oben beschriebene Weg zum Bus ist eine Qual! Ich kann inzwischen kaum noch auftreten, es sei denn, es geht ein klein wenig bergauf oder bergab, das funktioniert noch relativ gut… Ich muss an Madrid denken, da hatte ich ähnliche Schmerzen und hinterher war es ein Bänderriss.

Ich glaube ganz so doll ist es noch nicht, aber eine krasse Überlastung von zu vielen Kilometern und absolut ungeeignetem Schuhwerk, das ganz sicher! Ich hatte gestern und heute nämlich die beschissensten Schuhe an, die ich für die zurück gelegten Entfernungen auf Asphalt hätte tragen können! Ich muss aber auch sagen, ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass wir in einem Museum so dermaßen viele Schritte machen würden!!

Chicago River

Merke: Diese Schuhe niemals wieder! Lieber was mit Fußbett, egal wie scheiße das zu den Sommerklamottchen aussieht!

Abgekämpft sitze ich in der Bushaltestelle an der Mag Mile als wir diese erreichen, und halte mich eigentlich nur über Wasser indem ich mir ausmale, wie ich bald, bald, bald unter der Dusche stehen werde und dann alles wieder gut wird… denn die Hitze macht mich mürbe!

Doch da kommt mein hungriger Mann um die Ecke und möchte nochmal in die Cheesecake Factory [!keine Werbung!]! Ich ringe mit mir und dann schmeißen wir meine Duschpläne vorerst über Bord. Die Alternative wäre ja bloß, sich nach dem Duschen nochmal aufzuraffen und statt auf dem Zimmer rum zu lungern, nochmal loszumarschieren… Dann lieber gleich durchstarten, der Bus hält fast vor der Tür des Restaurants und es ist auch sehr lecker und natürlich angenehm kalt kühl dort.

Gelaufene Kilometer heute: Messbare Wegstrecke 6,2km

zzgl. etlicher Wege innerhalb Hotel und Geschäfte

Und morgen wieder Shopping, achja und ins Musical! >>>