<<< Gestern haben wir in Gaia auf dem Schiff eingecheckt.
Heute machen wir eine Stadtrundfahrt durch Porto und dann heißt es: LEINEN LOS!:
Freitag, 19.05.2023
Die erste Nacht auf dem Schiff war die Hölle gewesen für mich. Sämtliche Unterbrechungen ignorierend komme ich in Summe vielleicht auf zwei Stunden Schlaf. Mir kommen die Tränen, ich ertrage den tagelangen Schlafmangel durch das Geschnarche nicht mehr. Daraufhin möchte mein Mann, wenig lösungsorientiert, abreisen und guckt schon nach Flügen. Ob er das ernsthaft tut oder nur meine Reaktion testen möchte, weiß ich nicht. Aber was ich weiß ist, dass das albern ist und wir zum Beispiel entweder abwechselnd heimlich auf dem Sonnendeck schlafen oder für viel Geld eine zweite Kabine dazu mieten müssen. Beides nicht ideal aber vielleicht fällt uns ja auch noch was anderes ein…
07.30 Uhr. Das erste Frühstück an Bord und der Kaffee ist schlecht! Nach so einer Nacht kann ich das nur schwer verkraften! Ich halte mich an ein bisschen Müsli, Philipp sich nur an Säfte, wir haben keine wirkliche Meinung zu irgendwas.
Kurz Luft schnappen auf dem Sonnendeck und er scheint seine Abreisepläne so langsam zu vergessen, schließlich startet gleich unser erster gebuchter Ausflug. Das Schiff liegt immer noch am Anleger in Gaia, losfahren wird es erst heute Nachmittag!
08.30 Uhr. Stadtrundfahrt durch Porto. Ich konnte Phil begreiflich machen, dass er nicht abreisen soll, wir aber unbedingt eine Drogerie oder Apotheke aufsuchen und ir-gend-et-was ausprobieren müssen! Der schlaue Rat unserer Kreuzfahrtleitung lautete, mal in ein Schlaflabor zu gehen. Als ob eines an Bord wäre und er die nächste Nacht dort verbringen könnte… Vielen Dank für den Hinweis… Schön wär´s! Dann hätte ich mal eine Nacht Ruhe…
Aber immerhin informiert sie unsere Ausflugsleitung, dass eine Apotheke aufgesucht werden muss unterwegs. Diese entgegnet uns gleich, dass das Schiff ja gar keine Geräusche macht wenn es nachts am Anlieger ist, und wenn doch, dann so geringfügig, dass meine Nachtruhe ja unmöglich gestört sein könne bzw. die Geräuschkulisse wiederum normal und unvermeidlich sei, so nach dem Motto: Kein Grund für eine Reklamation nach der Reise… Vielen Dank für den Wortschwall, der hilft mir jetzt so richtig weiter. Und Stichwort Geräuschkulisse, wir können ja gerne mal eine Nacht die Kabine tauschen!!
Erst mal geht es von Gaia rüber nach Porto. Es erfordert einige Umwege, der Bus muss zwischendurch aus einer engen Gasse rückwärts wieder rausfahren weil ein liegengebliebener PKW die Straße blockiert. Buslenker Pedro meistert aber alle Widrigkeiten einwandfrei und so kommen wir früher oder später an der Kathedrale von Porto an.
Unsere Reiseleiterin, die uns im Übrigen für die gesamte Woche begleiten wird, und mit der wir, wie eben geschildert, nicht den allerbesten Start hatten, erzählt viele interessante Dinge, schon auf der Fahrt, aber natürlich auch hier an der Kathedrale und auf deren Vorplatz. Sie weiß eine ganze Menge, ist selbst Portugiesin, uns fehlt jedoch irgendwie der Charme. Fakten und Wissen ist einfach nicht alles. So wäre es zum Beispiel nett gewesen, hätte sie sich zu Beginn einmal vorgestellt mit ihrem Namen und vielleicht noch ihrem Herkunftsort (Lissabon, wie wir später rausfinden werden), irgendeine Einleitung…
Es sind nur ungefähr 500m zu Fuß von der Kathedrale zum Sao Bento Bahnhof, berühmt für seine mit rund 20.000 blau-weißen Keramikkacheln verzierte Vorhalle. Auch diese kennen wir bereits aber es ist natürlich auch dieses Mal sehr sehenswert, zumal mit Kommentar durch unsere Reiseleitung. Jeder aus der Gruppe hat ein kleines Audiogerät um den Hals hängen und einen Hörer für´s rechte Ohr. Die Lautstärke kann individuell reguliert werden und wenn man nicht mehr zuhören möchte, merkt auch niemand, dass man sein Gerät stumm oder aus geschaltet hat.
Bevor die Fahrt weiter geht, haben wir sagenhafte 15 Minuten Freizeit. Das reicht gerade so um die Schlange vorm Damen-WC zu bewältigen, eine Apotheke aufzusuchen und zurück zur Kathedrale zum Bus zu hechten, hügelaufwärts versteht sich. Wie das, auch ohne Apothekenbesuch, die älteren Herrschaften aus unserer Gruppe bewältigen, ist mir nicht so ganz klar.
In der Apotheke jedenfalls ergattere ich Silikonohrstöpsel und Wachsohrstöpsel, die ich beide aus Kostengründen noch nie ausprobiert hatte. Es gäbe auch noch schicke Nasenaufkleber für Philipp aber die sind dann mit über 30€ wirklich utopisch teuer, sodass ich es bei zwei Sorten Ohrstöpsel und einem Stoßgebet belasse.
Die Stadtrundfahrt geht weiter und wir ziehen endlose Kurven durch Porto. Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber man erreicht doch recht viel. Ich hatte Porto für eine Stadt gehalten, die man sich zu Fuß erschließen muss, und bleibe prinzipiell auch dabei, weil einem anderenfalls viele schöne Gassen entgehen. Aber dennoch haben wir mit dem Bus sehr viel mehr gesehen, und das hat sehr viel besser geklappt, als ich vermutet hätte. Dazu gibt es eine Menge über die Audiogeräte zu hören und da wir in der ersten Reihe sitzen, haben wir vermutlich auch die beste Sicht.
Aber: In Porto wird gerade unfassbar viel gebaut. Laut unserer Reiseführerin handelt es sich um Metro/U-Bahn, da tut sich wohl so einiges, denn bisher ist der Bus das Hauptverkehrsmittel in der Stadt.
Irgendwann führt die Route aus der Stadt hinaus und wir erhaschen tatsächlich noch einmal einen Blick auf den Strand von Matosinhos! Dass wir so schnell wieder hier her kommen würden, hätten wir auch nicht gedacht! Der Bus macht nun einen Schlenker am Meer entlang bis zur Douromündung und dann geht es bald wieder rüber nach Gaia. Zum Glück ist dies nicht unsere allererste Berührung mit Porto gewesen, ich wäre maßlos enttäuscht, nur im Bus zu hocken, abgesehen von einem kurzen Stopp, wo wir hatten aussteigen dürfen an der Kathedrale. Aber für das Klientel oder den Altersdurchschnitt unserer Gruppe war es so sicherlich optimal.
Wir sind wirklich bei weitem die Jüngsten, was zwar zu erwarten war, aber doch irgendwie etwas ernüchternd ist. Und dabei liegt der Altersdurchschnitt auf dieser Tour vermutlich noch bedeutend niedriger als normalerweise, denn eine große bulgarische Gruppe befindet sich an Bord, es ist ein Firmenausflug, d.h. alles noch arbeitsfähige Personen, die entsprechend jünger sind als die sonstigen Gäste.
Der Ausflug endet am Schiff noch nicht. Es soll zu Fuß noch in eine Portweinkellerei zur Weinprobe gehen. Ich kämpfe aber stark gegen mein Schlafdefizit an, fühle mich regelrecht wie mit einem Jetlag, und Phil ist auch noch nicht wieder die Frische in Person, sodass wir beschließen, den Alkohol auszulassen und direkt auf´s Schiff zu gehen. Das kommt bei unserer Reiseleiterfreundin vermutlich nicht gut an aber damit können (müssen?!) wir leben. Philipp setzt sich auf´s Sonnendeck und ich habe Gelegenheit fast eine ganze Stunde störungsfrei im Bett zu liegen und zu schlafen!
Leider nützt das „Bitte nicht stören“-Schild nichts gegen die Schiffsdurchsagen. Die Kreuzfahrtleitung ruft zum Mittagsbuffet. Ich traue meinen Ohren kaum aber das tut sie wirklich. Und wir werden sehr schnell begreifen, dass sie für jede Mahlzeit, für jede Brücke, für jede Schleuse, für einfach alles eine Durchsage machen wird. Meistens finden wir das auch gut und informativ, manchmal stört es aber auch, vor allem aufgrund der nicht regulierbaren und auf Seniorenohren ausgerichteten Lautstärke!
13.15 Uhr. Das Mittagessen war ausgesprochen gut, aber wir haben uns nicht allzu viel Zeit gelassen denn wir möchten pünktlich auf unseren Sonnenliegen liegen und die Abfahrt von Gaia bzw. aus Porto raus nicht verpassen. Erstaunlicherweise sind mit uns nur 14 andere Passagiere zu diesem Zeitpunkt auf dem Sonnendeck, das bedeutet über 100 Passagiere verpassen diesen schönen Augenblick, es sei denn sie sitzen vielleicht auf ihrem privaten Balkon, der aber natürlich nur einen begrenzten Ausblick ermöglicht.
Wir fahren an Militärschiffen und der „Sagres“ vorbei und unter der Luis Brücke hindurch, Porto und seine Brücken liegen schnell hinter uns. Es dauert keine halbe Stunde, dann wird die Umgebung immer ruhiger und weniger städtisch. Im Nu sind wir umgeben von Natur. Angler und Kajakfahrer sind zu sehen. Es gibt sogar ein paar wunderschöne Douro-Strände. Ich sehe viel Grün.
Eine weitere halbe Stunde später flüchtet Philipp auf die Kabine, nachdem ich ihn ein paar Mal wecken musste, denn sein Geschnarche neben mir auf der Liege verstimmt mich…
14.40 Uhr. Der erste Staudamm. Sechs Stück werden wir insgesamt passieren, das heißt insgesamt zwölf Mal auf dieser Reise geschleust werden. Jetzt handelt es sich um die Crestuma-Lever Talsperre. Der Staudamm ist 90m lang, 12m breit und wir werden 14m hoch geschleust. Damit handelt es sich tatsächlich noch mit Abstand um die kleinste Höhe, die wir angehoben werden, es folgen weitaus größere Dämme! Und manchmal wird auch das Sonnendeck gesperrt werden, hier aber reicht es, wenn man nicht aufsteht, so der Kapitän. Nicht jeder hält sich daran aber ich bleibe brav liegen und schaue mir das Spektakel an. So furchterregend nah wie wir plötzlich dem Beton kommen, sehe ich es durchaus ein, nicht aufzustehen…
15.30 Uhr. Pflichtübung im Salon: Seenotrettungsübung oder auch: Sicherheitsspielchen mit Rettungswesten. Einmal das Anziehen der Westen üben, danach (auf freiwilliger Basis – aber alle bleiben sitzen) die Vorstellung der buchbaren Ausflüge durch unsere Kreuzfahrtleitung. Auch wenn ich mich bisher vielleicht negativ über die Dame aus Heiligenhafen geäußert habe, so macht sie unterm Strich einen sympathischen Eindruck und ihren Job gar nicht so schlecht.
Wir haben das Ausflugspaket bereits von zu Hause aus gebucht aber wer das nicht gemacht hat, kann die Ausflüge jetzt auch einzeln buchen. Daher noch mal diese kleine Werbeshow Vorstellungsrunde. Außerdem gibt es auch noch zwei Ausflüge, die nicht im Ausflugspaket enthalten sind und die man natürlich auch noch voll kriegen möchte:
Im Ausflugspaket enthalten:
-Stadtrundfahrt Porto
–Castelo Rodrigo ab Barca D´Alva
–Wallfahrtsort Lamego ab Régua
Zusätzlich buchbar:
-Salamanca (in Spanien) ab Barca D´Alva
-wahlweise Braga oder Guimaraes in Nordportugal am Ende der Reise, wenn das Schiff die letzte Nacht wieder in Gaia liegt
Eigentlich wollte ich ganz unbedingt Salamanca und Guimaraes noch dazu buchen aber jetzt wo wir hier sind und jeden Tag Programm haben und ich deutlich erschöpfter bin, als gedacht, überlege ich es mir doch so langsam wieder anders. Man kann nun mal nicht alles haben.
Nach den Ausflugsvorstellungen wird Kaffee und Kuchen im Salon gereicht und wir bleiben ein Weilchen sitzen, genießen die Leckereien und spielen Uno. Die bulgarische Gruppe ist für mich eine Zerreißprobe. Entweder bin ich nach dieser Woche austherapiert oder man kann mich einweisen. Ich tue mich unglaublich schwer mit der sehr osteuropäischen Kultur und Sprache!
17.15 Uhr. Der höchste Staudamm des Douros steht an. Per Durchsage erfahren wir, dass wir sage und schreibe 35m hoch geschleust werden. Eine riesen Anlage, die Carrapatelo Schleuse! Allein das Tor wiegt 150 Tonnen!
18.30 Uhr. Das Schiff legt in Caldas de Aregos an. Angekündigt wurde uns das Örtchen mit „12 Häuser, 12 Hunde, 12 Katzen“, aber es braucht halt eine Anlegestelle weil auf dem Douro Nachtfahrverbot herrscht. Der Fluss sei zu schmal, nicht tief genug und die Umgebung schlichtweg zu dunkel. Deshalb wird hier ein Stopp eingelegt, während wir uns schon mal seelisch auf den Kapitänsempfang einstellen.
19 Uhr. Das gesamte Schiffspersonal wird unter Musik und Applaus einmal vorgestellt – Vornamen und Herkunftsländer. Die bulgarische Reiseleitung „übersetzt“ nervtötend ausführlich alles, was es nicht zu übersetzen gibt – darunter: die Vornamen und Herkunftsländer!!
Die Meisten sind tatsächlich aus Portugal, dicht gefolgt von -na klar- Brasilien, aber es gibt auch ein paar wenige z.B. aus asiatischen Ländern und unser Stammkellner ist Afrikaner.
Im viel zu kalten Restaurant wird dann das Abendessen serviert: Vorspeise, Suppe, Hauptgang, Dessert. Es ist alles köstlich und wunderschön aber wir sind viel zu müde, uns dauert es zu lange, obwohl sie sich die Hacken wund rennen und tierisch beeilen!
Die „12 Häuser, 12 Hunde, 12 Katzen“ wollen wir uns trotzdem noch anschauen und stellen fest, es hat hier sogar einen kleinen Yachthafen, ein Hotel, eine Pension und mindestens drei Restaurants. Ganz so verschlafen und nutzlos kommt uns das Örtchen gar nicht vor! Für uns ist es jedenfalls die perfekte Möglichkeit, noch ein bisschen Luft, Ruhe und Bewegung zu genießen bevor wir früh in die Federn fallen.
Morgen geht es weiter nach Pinhao und Mateus! >>>









