Bilbao

atemberaubende Ausblicke auf Bilbao

Ich hole mal etwas aus. Bilbao war lange Zeit hässlich und grau, geprägt von Schwerindustrie, farblos. Dennoch, durch die vielen Industrien war es auch immer eine der wenigen spanischen Städte, wo ein gewisser Wohlstand herrschte, wo man Arbeit fand, auch die Arbeiter aus dem ärmeren Süden. Zumindest vor der Werftenkrise.

Besonders in den 70ern ging es den Menschen gut: Schiffsbau, Kohle, Stahlproduktion. – Doch das Blatt wendete sich. Die technischen Entwicklungen gingen schneller voran als die Industrie hinterher kam. Veraltete Fabriken mussten schließen. Der Verfall setzte nach und nach ein und spätestens um 1990 war es nur noch traurig und trostlos und es gab unzählige Industrieruinen.

Erster Eindruck von Bilbao

1992 beschloss man, die Lebensqualität in Bilbao auf Teufel komm raus zu steigern! Unter anderem mit der Vision, bis zum Jahr 2000 die Industrieflächen irgendwie wieder zu beleben, schöne Spazierwege am Nervion anzulegen und ein attraktives Einkaufszentrum zu schaffen. Vor allem aber wechselte man von der Industrie zur Kunst und Kultur: Das Guggenheim und andere Museen entstanden. Ebenso das Kongress- und Musikzentrum. Es geschah richtig etwas!

Das Stadtbild wurde ganz allgemein aufgehübscht und moderner gestaltet. So ist es vielfach zu lesen. Wie sich das finanziert hat, erschließt sich mir spontan nicht. Macht aber nichts, Hauptsache Bilbao ist so farbenfroh und futuristisch wie es jetzt ist! Uns gefällt es auf jeden Fall:

Erster Eindruck von Bilbao

Mittwoch, 12. April 2023

Erster Eindruck von Bilbao

Unweit der zentral gelegenen Plaza Moyua spuckt uns der Airport Bus auf die Gran Via. Glück gehabt! Genau so hatte ich das zuvor recherchiert, sodass ich auf Anhieb weiß, welche Straße, schräg gegenüber, wir zu nehmen haben, damit es nur noch um die 300m geradeaus sind bis zum Hotel Ercilla [!keine Werbung!]. Das schaffen wir mit Gepäck noch gerade so.

Hotel Ercilla [!keine Werbung!]

Unser gebuchtes Hotel ist ziemlich exklusiv. Es hat zwar „nur“ vier Sterne, versucht aber durch ein elegantes äußeres Erscheinungsbild, inklusive Türstehern und Kofferträgern im Frack, nach mehr auszusehen. Für mich passt das hier zwar irgendwie nicht her aber wie sich herausstellt, werden wir uns trotzdem wohlfühlen. Einen kleinen Beitrag dürfte unser Upgrade auf das City View Zimmer geleistet haben. Denn nun haben wir ein Zimmer mit Fensterfront Richtung Straße, wo wir von einer eingebauten Fenstersitzbank einwandfrei auf die Passanten und Nachbarn blicken können – es wird nie langweilig werden!

Hotel Ercilla [!keine Werbung!]

16 Uhr. Wir haben kurz verschnauft und angefangen uns in unserer Streichholzschachtel einzurichten (okay, das ist übertrieben aber das Zimmer ist schon irgendwie etwas beengt, ansonsten aber wirklich sehr schön, abgesehen von fehlenden Haken, um mal etwas aufzuhängen…). Jetzt wollen wir eine erste Erkundungsrunde drehen. Wir haben kein Ziel und keinen Stadtplan, wir laufen einfach mal los.

Erster Eindruck von Bilbao

Erstaunlicherweise landen wir früher oder später am Fußballstadion von Bilbao, das liegt nämlich extrem zentrumsnah, beinahe mitten in der Stadt. Mich überrascht das, denn eigentlich waren wir in die entgegengesetzte Richtung gestartet, aber so ist es auch gut.

Erster Eindruck von Bilbao

Das 198 Millionen teure Estadio San Mamés ist erst zehn Jahre alt, man hat es direkt neben das alte San Mamés gesetzt, welches anschließend abgerissen wurde. 2015 hat man das neue Stadion als Bestes neues Sportgebäude der Welt ausgezeichnet. Wir nehmen uns jetzt die Zeit, es einmal zu umrunden. Dadurch gelangen wir auch erstmalig an den Fluss Nervion, der durch Bilbao fließt.

Erster Eindruck von Bilbao

Ob wir wohl noch Tickets bekommen werden? Online war uns das zuvor zu teuer gewesen mit mindestens 90-110€ pro Karte – Derby hin oder her! Aber vielleicht bekommt man hier ja noch günstigere Karten? Am Samstag ist Real Sociedad aus dem 100km entfernten San Sebastian zu Gast. Natürlich wäre es ein Fest, dabei zu sein, ganz egal, wie das Spiel ausgeht!

Erster Eindruck von Bilbao

Wir fragen im Mitgliederbüro nach. Ein Herr gibt uns Auskunft, dass nur am Freitag und Samstag um 10.30 Uhr die Ticketschalter für den Vor-Ort-Verkauf öffnen. Wow, das ist natürlich hart, denn am Freitag fahren wiederum wir  nach San Sebastian. Der Ausflug ist gebucht und soll auch so stattfinden. Was machen wir denn jetzt? Wir werden doch am Samstag, dem Spieltag selbst, im Leben keine Karten mehr kriegen! Wir müssen es versuchen… Und wenn nicht, dann soll es eben nicht sein. Dann quetschen wir uns eben in irgendeine Kneipe und  gucken das Spiel dort. Wie einst in Madrid, Real gegen Atlético.

Erster Eindruck von Bilbao

Über die Euskalduna Zubia (also sozusagen die „Baskische Brücke“) überqueren wir nun den Nervion. Übrigens ein guter Tipp für Stadt, Land, Fluss! Kennt niemand! – Auf der Nordseite des Flusses gehen wir nun also an der Promenade entlang. Es nieselt, mal mehr, mal weniger, aber insgesamt bieten die mehr als zwei Kilometer einen tollen Blick auf die „Skyline“ von Bilbao mit dem alles überthronenden Guggenheim Museum! Dieses veränderte das Stadtbild ab 1997 erheblich und viele weitere Projekte folgten, darunter schicke Brücken und Bürotürme!

Erster Eindruck von Bilbao

Über die optisch interessanteste Brücke innerhalb der Stadt, der Zubizuri Brücke, gehen wir wieder auf die andere Seite des Nervion zurück, Tendenz Richtung Hotel. Aber bleiben wir kurz auf (oder bei) der Brücke… Der Architekt ist uns nämlich wohl vertraut. Und ich kenne mich ansonsten mit Architekten ungefähr genauso gut aus wie ich eine Operation am offenen Herzen durchführen könnte.

Erster Eindruck von Bilbao

Calatrava. Er hat auch den Flughafen von Bilbao entworfen. Vor allem aber kennen wir ihn aus Lüttich, wo er uns einst mit dem Bahnhof geflasht hatte! Ich stand aber auch schon vor dem Turning Torso in Malmö, ohne zu wissen, dass dies sein Werk ist. Und das wohl größte und bekannteste Projekt dürfte wohl die U-Bahn Station am World Trade Center sein, was ich aber damals noch nicht erkannte, da war dort noch eine Baustelle!

Erster Eindruck von Bilbao

Die Zubizuri Brücke jedoch, auch ein Versuch, das Stadtbild 1997 zu verbessern, war zunächst einmal ein problematisches Objekt. Das Baskenland weist eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Regentagen auf (ja, das werden wir auch noch merken…) und die Brücke war mit einem Glasfußboden geplant und gebaut worden. Einer nach dem anderen hat sich lang gemacht, es gab viele Verletzte, ein rutschfester Teppich aus Kunststoff musste her. Ich empfinde ihn nicht als optische Beeinträchtigung. Es hat aber wohl auch weitere Streitereien um andere Konstruktionsprobleme gegeben und letztlich sogar einen Gerichtsstreit weil die Stadt im allgemeinen Interesse eine weitere Änderung an der Brücke vornehmen wollte, im Sinne der Fußgänger. Dies hätte das Durchbrechen einer der Stahlstangen erfordert – doch das Urheberpersönlichkeitsrecht bekam vom Gericht den Vorrang…

Erster Eindruck von Bilbao

Wir suchen uns jetzt mal ein kleines Abendessen. Irgendwo was zum Mitnehmen? Oder ein schönes Restaurant? Wir sind da nicht festgelegt. Hauptsache demnächst! Doch so schön das ist, dass es hier nicht die üblichen verdächtigen Ketten gibt, so schwierig ist es auch, etwas zu finden. Restaurants? Fehlanzeige. Nur Cafés und Pintxo Bars! Kann ja keiner ahnen, dass uns das für den Rest der Woche noch verfolgen wird… Aber heute ist das erstmal kein Drama. Wir finden so etwas wie eine Bäckerei, dort gibt es auch herzhafte Snacks, sogar frisch gepressten Orangensaft, wir werden fündig und sind soweit zufrieden. Eine echte Pintxo Kneipe werden wir schon noch ausprobieren. (Ohja. Und ob.)

Erster Eindruck von Bilbao

Pintxos sind übrigens die baskischen Tapas wenn man so will. Aber eigentlich auch nicht. Es sind im Allgemeinen kleine Snacks, die man zum Kaffee, Wein, Bier, jederzeit in Bilbao bekommt. Überall wo eben Kaffee, Wein, Bier ausgeschenkt wird. Das kann dann beispielsweise ein Spieß aus Oliven und undefinierbaren fischigen Teilchen sein. Oder eine kleine Scheibe Baguette, auf der sich Speck, Chorizowurst, Camembert und anderes türmen, immer mit einem kleinen Holzspieß fixiert. Oder es handelt sich um ein minikleines Schinkenbaguette. Oftmals ist es auch irgendwas mit Ei und/oder einer undefinierbaren Creme, die ebenfalls Ei und/oder Meeresgetier vermuten lässt. Ebenso gern verbaut werden Garnelen, die kleinen grünen spanischen Minipaprikas und alles was sich irgendwie frittieren lässt! Ergänzend gibt es häufig noch Omelette-ähnliche Gebilde und Stockfischkroketten. Kreativ sind sie auf jeden Fall! Nur nicht vegetarisch…

Erster Eindruck von Bilbao

Donnerstag, 13. April 2023

Vororte von Bilbao

8 Uhr. Wir sind wach. Dadurch, dass wir früh im Bett waren, sind wir halt auch früh wach. Auch wenn mir das Bett etwas zu weich ist. Passt schon.

9 Uhr. Wir brechen auf. Heute haben wir so einiges vor. Wir wollen ans Meer! Bilbao befindet sich fast am Golf von Biskaya, aber eben nur fast, ein ganzes Stück landeinwärts, eher am Nervion, als am Meer. Um dorthin zu gelangen, müssen wir mit der Metro in den Vorort Getxo fahren. Man kann das angeblich wunderbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen, 12km immer geradeaus, aber das ist heute nicht wirklich unser Vorhaben…:

>>>Vororte Getxo und Portugalete<<<

Zurück in Bilbao: Der Stadtteil Casco Viejo befindet sich eher im Osten, nämlich östlich des großen Abando Bahnhofs und auch östlich des Nervion. Und mitten in der Mitte drin: die Kathedrale von Bilbao. Auch wenn man meint, im restlichen Bilbao Altstadtflair zu verspüren, so bin ich überzeugt, dass Casco Viejo auf jeden Fall zu einem Besuch dazu gehört!

Wir steigen auch am Abando Bahnhof aus und bewundern hier zunächst die bunten Glasfenster in der großen Ankunftshalle. Fast die gesamte Front ist verziert und bildet unter anderem die Industrie-Vergangenheit der Stadt aber auch das grüne Umland ab. Und mittendrin eine Uhr, die uns sagt, dass wir jetzt ruhig mal einen Happen essen könnten!

Abando Bahnhof

In der Altstadt befindet sich auch die große Markthalle („Erribera merkatua“) von Bilbao. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und steht direkt am Nervion. In einem Video hatte ich zuvor gesehen, man könne hier fantastisch Pintxos essen, dazu ein Glas Wein oder Bier, zu Spottpreisen. Nur, dass dieser Plan nicht so ganz aufgehen will. Ich finde die Pintxos hier zwar nicht sehr teuer aber auch nicht ultragünstig, und vor allem ist es extrem schwer, drei vegetarische Pintxos zusammen zu suchen. Da habe ich schon keine Lust mehr, mir auch noch ein Getränk zu suchen. Ich treffe mich mit Papa an einem hohen Tisch mit Barhockern, und bin reichlich k.o.! Ich gehe gerne viele Kilometer durch die Stadt und schaue mir was an, aber es bereitet mir so gar keine Freude, wenn ich danach auch noch mein Essen selbst jagen bzw. umständlich identifizieren muss. Dass ich hier und jetzt mit meinen drei vegetarischen Pintxos noch äußerst gut und vielfältig bedient bin und die kommenden Tage kulinarisch betrachtet noch viel anstrengender werden würden, das kann ich ja nicht ahnen…

Fluss Nervion

Da die Markthalle bald aus allen Nähten platzt, gehen wir dann auch bald wieder, gemütliches Flair ist anders. Und satt bin ich auch noch nicht. Wir schlendern Richtung Kathedrale und ich bestelle in einem Pommesladen, der super viele Varianten anbietet, die Pommestüte mit kleinen grünen Bratpaprika und -gegen Aufpreis- veganer Mayo. Cooler Laden! Denke ich mir. Und bekomme eine Tüte stinknormale Pommes mit stinknormaler Mayo in die Hand gedrückt. Ein Seufzen. Alles klar, Bilbao! Ich hab´s kapiert! Englisch is nich! Und vegan schon gar nicht!

Bilboko Donejakue katedrala

Was mir aber trotz allem Gemecker bezüglich Sprache und Kulinarik wirklich zusagt, ist die Tatsache, dass ich hier das erste Mal im Ausland nicht an jeder Ecke Deutsch höre. Genau genommen höre ich in dieser Woche insgesamt nur zwei Mal Deutsch und empfinde das als unfassbar angenehm. Ich hatte nicht mehr daran geglaubt, dass es noch Ecken auf dieser Erde gibt, wo ich meinen Landsmännern entkommen kann. Und eine mangelnde Anzahl an internationalen Touristen hat nun mal zur Folge, dass man sich sprachlich und kulinarisch auch nicht auf diese einstellt. Wenn nur spanische Touristen kommen, dann reichen verständlicherweise Spanisch und Pintxos. Alles gut.

Souvenirshop

Nun ist der Tag auch schon ganz schön voran geschritten und es fängt an zu regnen. War ja auch lange genug trocken heute… Ich muss sogar meinen Schirm aufspannen. Die Luft ist irgendwie raus bei mir. Wir flüchten in die nächste Metro und von dort spontan zum Hotel. Meine Füße haben die Schnauze voll und wollen mal hoch gelegt werden…

19.15 Uhr. Wir raffen uns doch noch mal auf. Es scheint einen Moment trocken zu bleiben und wir möchten die Roof Top Bar unseres Hotels kennenlernen! Wenn man den Weg (den richtigen Fahrstuhl) erstmal gefunden hat, ist es dort oben gigantisch schön. In fast jede Richtung können wir gucken, Bilbao liegt uns zu Füßen. Wow!

Roof Top Bar

Zwischen Sonne und Niesel sitzen wir unter der Markise neben einem Heizstrahler und genießen Bier bzw. Cocktail mit einer großen und feinen Auswahl verschiedener salziger Nüsse. Es ist sogar so schön, dass wir gerne ein weiteres Getränk bestellen würden, doch mangels sich blicken lassendem Personal, geben wir die Hoffnung irgendwann auf und verlassen das Hotel.

Roof Top Bar

In der Parallelstraße werden wir fündig: Eine süße kleine Kneipe spielt Bruce Springsteen, auf einem Fernseher läuft Fußball und die ersten beiden Barhocker am Tresen sind nicht besetzt. Zwei Bier, bitte!

Ich beäuge die ausgestellten Pintxos, die sich zumeist auf dem Tresen in Glasvitrinen bzw. -boxen befinden, und kann wieder mal nichts für mich ausfindig machen. Daher bestelle ich „some bread and olives, please“. Schulterzucken. Eine Übersetzung auf dem Handy muss her. Pan y aceitunas. Werde ich nie wieder vergessen. Aaah! Aceitunas! Und die bekomme ich! Ich zähle hinterher 22 Steine. Ergo habe ich gerade ungefähr ein Glas Oliven zum Abendbrot gehabt! Dazu bestellen wir noch mehr Bier und noch mehr Brot. Es ist im Grunde schon längst wieder witzig! Inzwischen dudeln erst U2, dann Phil Collins aus den Lautsprechern, es ist doch alles in Ordnung!

Dinner in einer Pintxo Bar

Freitag, 14. April 2023

Ganztagestour durch´s Baskenland

06.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Eine unchristliche Zeit im Urlaub. Generell viel zu früh. Aber heute machen wir den Ausflug einmal quer durch´s Baskenland: Von Bilbao nach Biarritz und über St. Jean de Luz und San Sebastian zurück!

08 Uhr. Wir gehen zu unserer Metrostation Indautxu und fahren rüber in die Altstadt, das sind nur drei Stationen Fahrt. Dort befindet sich gleich an der Station die San Nikolas Kirche. Auf der anderen Seite der Kirche sollen wir nachher eingesammelt werden an einer Haltebucht für Busse.

in einem portugiesischen Café

Doch bis dahin: Frühstücken! Gestern Abend hatte ich hierfür über Google Maps „The World needs Nata“ [!Keine Werbung!] auserkoren! Ich kenne die Kette schon aus Portugal und denke, dass wir hier einen guten Kaffee und ein süßes Teilchen ergattern können, vielleicht sogar mit Blick auf die Kirche und unseren Abholpunkt.

Wir sind reichlich früh dran. Man sieht, außer in der Metro, beinahe keine Menschenseele. Aber umso besser, denn so sind wir die einzigen Gäste in dem winzigen Café und der Plan mit dem Kaffee und dem Blick auf die Kirche geht hervorragend auf. Dazu gibt es Süßkram und ich ergattere sogar eine getoastete Scheibe Brot mit Tomatenaufstrich und Käse. Ob ich das auf Spanisch oder Portugiesisch bestellt habe, weiß ich selbst nicht so ganz, aber wir konnten uns verständigen!

Freitag, 14. April 2023 - Frühstück

09.15 Uhr. Wir lernen Josh kennen. Unser Guide für den heutigen Tag lebt den Gothic Style durch und durch. Ich kenne mich nun wirklich nicht aus in der Gruftibewegung aber mir scheint, er nimmt das alles sehr ernst und hat sich von Kopf bis Fuß entsprechend gekleidet. Gerne wollen die Mitglieder ja als „unnahbar“ wahrgenommen werden, doch das gelingt ihm nicht. Er ist wirklich aufgeschlossen, schüttelt uns die Hände, begrüßt uns auf unserer Tour und erklärt uns, dass wir noch sechs weitere Teilnehmer erwarten, möglich aber, dass diese am zweiten Sammelpunkt zusteigen.

09.19 Uhr. Josh fährt los. Eigentlich war unser Treffpunkt um 09.20 Uhr, aber da kennt er keine Gnade. Und er plaudert auch gleich los. Germany, also. Er hat Freunde in Munich… Wo sonst?… Flott steuert er den nigelnagelneuen Neunsitzer zum Melia Hotel [!Keine Werbung!], wo dann die weiteren Teilnehmer einsteigen:

Ein Ehepaar aus Virginia, sie reden den gesamten Tag über fast kein Wort, wirken aber trotzdem nicht unfreundlich.

Zwei ältere Schwestern aus Massachusetts und Maine, die sich als die Schnatterelsen der Tour entpuppen werden, sie sitzen mir im Nacken. Eine von beiden hat ihren erwachsenen Enkel dabei und betont dies auch gelegentlich. Jo(seph) lebt in Bilbao und plaudert mit den beiden ebenfalls gerne ununterbrochen.

Zuletzt erwischt uns gerade so noch eine alleinreisende Mexikanerin. Eigentlich ist sie ebenfalls Spanierin. Sie lebt in Mexiko City, kann in ihrem Job (irgendwas mit Consulting, also Unternehmensberatung) aber ortsunabhängig arbeiten, wie das heutzutage für viele nun mal so läuft, ein Träumchen. Und deshalb ist sie momentan für ein paar Monate in Spanien, nutzt die Zeit aber auch um etwas umher zu reisen, so lernt sie gerade Bilbao kennen, war aber auch schon in Deutschland (Köln, München, Berlin – was für ein Querschnitt!). Dass sie als letzte dazu stößt wird sich heute auch nicht mehr ändern! Sie ist niemals unpünktlich, aber doch eben immer die letzte unserer Truppe. Jedes Mal wird es heißen… „Wer fehlt? Single Woman!“ (Josh). Und ich habe konsequent den Ohrwurm von Beyoncé´s „Single Ladies (Put a ring on it)“, was ich ziemlich witzig finde.

>>>Tagesausflug nach Biarritz und San Sebastian<<<

Zurück in Bilbao:

am Nervion

Wir steigen an der Kirche wieder aus, an der wir heute Morgen eingesammelt worden sind. Erschöpft aber zufrieden, schlendern wir noch ein bisschen über die Gran Via. Hier gibt es sogar eine Kreuzung mit Zebrastreifen schräg über die Kreuzung, wie die berühmte Shibuya Crossing in Tokio. Ich habe so etwas noch nirgends selbst gesehen, also gehen wir natürlich rüber! Dann noch in ein paar Geschäfte… erfolglos… und bald zum Hotel.

Straßenkreuzung an der Gran Via

Samstag, 15. April 2023

Erst Museum, dann Stadion

08.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Warum eigentlich? Natürlich! Es ist Match Day! Athletic Bilbao empfängt heute Nachmittag im Lokalderby San Sebastian und um halb elf öffnet der Ticketschalter ein letztes Mal. Da wollen wir dann schon pünktlich sein!

09.30 Uhr. Wir machen uns auf den Weg, der eigentlich nur zehn, fünfzehn Minuten von unserem Hotel aus dauert. Aber wir hegen die Hoffnung, unterwegs so was wie ein kleines Frühstück zu finden. Im Zweifel eine Tasse Kaffee und ein paar imaginäre Pintxos (…). Tatsächlich jedoch, werden wir wirklich fündig, eine Pintxo Bar hat eine Sorte vegetarische Pintxos: Mini-Körnerbrötchen mit Rucola, getrockneter Tomate und Camembert. Ich bin völlig aus dem Häuschen. Hier kehren wir also ein… aber irgendwas ist im Busche. Ich weiß es eigentlich sofort: Wenn ich überhaupt gar keine Lust auf Kaffee habe, dann werde ich krank. Ausnahmslos. Und das würde auch die gestrige Abgeschlagenheit erklären. Ich bin bedient. Aber einfach ignorieren – ist jetzt meine Strategie.

Samstag, 15. April 2023 - Frühstück in einer Pintxo Bar

Wir stellen uns um kurz vor halb elf ans Ticket Office, vor uns ein paar Engländer, einer von ihnen kurzärmelig im pfeifenden Wind… Das liebe ich ja: ich ziehe mir immer brav Schal und Jacke an, habe meistens einen Schirm dabei, oft sogar was für die Ohren, und bin gerade im Begriff eine Erkältung zu bekommen. Und andere stellen sich stundenlang nackt bei Rekord-Minusgraden in den Schneesturm und schaffen es, keine Lungenentzündung davon zu tragen. Es ist so unfair.

MATCH DAY

Sie öffnen pünktlich den Ticketschalter und die Entscheidung muss schnell getroffen werden… Südkurve, nahe Gästeblock, ganz oben, 110€ für zwei Karten. Alles klar! Das ist zwar kein Schnäppchen aber da es mal eben einer 50%igen Preisreduktion gegenüber den Online-Preisen entspricht, schlagen wir natürlich zu! Schakka! Was ein geiles Duell! Und wir live dabei!

Das Ziel in den Händen!

Sofort fängt es an zu rattern… Wo bekomme ich jetzt eine Winterjacke und Handschuhe her? So windig wie das hier rund um´s Stadion ist, möchte ich nicht wissen wie eisig es beim Spiel wird… Ich erinnere mich da an das HSV-Heimspiel Anfang des Jahres… Mann, war das bitterkalt!

Samstag, 15. April 2023

Erstmal haben wir aber einen ganz anderen Termin! Wir gehen zum Guggenheim Museum. Das ist schließlich DIE Attraktion der Stadt, die Hauptsehenswürdigkeit von Bilbao! Und auch wenn wir mit moderner Kunst (voraussichtlich) nicht viel anfangen können – drin gewesen sein muss man ja! Oder?

Guggenheim Museum

Für 11.30 Uhr hat mein Mann uns gestern von zu Hause aus Online-Tickets gekauft, damit wir uns nicht in die Schlange stellen müssen. Das wird sich noch als goldrichtig herausstellen, nicht nur was die Wartezeit betrifft, sondern es ist sogar ein bisschen günstiger.

Aber ein bisschen Zeit ist noch. Wir müssen uns nicht beeilen. Wir gehen langsam. Schnell kann ich heute sowieso nicht. Es regnet… ich bin genervt davon… ich kriege langsam eine Schnupfnase… Und bin erschöpft… Wir umrunden das Museum einmal vollständig und begeben uns dann ein bisschen verfrüht zum Eingang.

Guggenheim Musem

Das Bauwerk vom Architekten Gehry ist äußerst faszinierend! Ha! Ich kenne doch noch einen Architekten außer Calatrava. Dann sind es ja schon zwei! Na jedenfalls kommen viele Besucher primär um das Gebäude zu sehen und nicht die Kunstausstellung. Und so geht es auch mir: Ich finde den Bau aus jedem Blickwinkel super faszinierend, den sogenannten Kunstwerken kann ich nicht wirklich etwas abgewinnen.

Guggenheim Museum

Wir starten mit dem Kunstwerk „The Matter of Time“, riesigen, begehbaren Stahlkonstruktionen. Die erste Stahlspirale macht uns regelrecht schwindelig, man läuft (Spirale…) immer im Kreis, wobei die Wände mal mehr, mal weniger schief sind, nichts ist gerade, es ist abartig. Wir sind froh, wieder draußen zu sein und gehen an den weiteren Stahlskulpturen einfach nur vorbei. Ich muss mich mal hinsetzen, ich hab Fieber, das weiß ich auch ohne zu messen…

Guggenheim Musem

Im nächsten Ausstellungsraum hängen Werke von Miro. Den kenne ich auch gerade noch. Doch in den weiteren Räumen und auf den weiteren Etagen kenne ich nichts und gefällt mir nichts. Gefühlt stellt das Guggenheim frei nach dem Motto aus: „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Jetzt muss sich auch Papa mal hinsetzen. Hier wird einem schlecht. Es ist anstrengend. Es ist laut. Es sind viel zu viele Leute da. Interessieren die sich wirklich alle für Kunst oder wollen sie nur dem ewigen Regen entkommen?

Guggenheim Musem

Nach nur einer Stunde sind wir fertig. Fix und fertig. Wir setzen uns in den Eingangsbereich und warten, dass der Regen etwas nachlässt. Ich habe meinen Schirm nicht dabei weil ich dachte, das sei im Museum zu unpraktisch, und der Weg zum Hotel ist immerhin noch ungefähr einen Kilometer lang… Genau genommen möchte ich sogar noch einen recht großen Umweg gehen, denn im Shoppingcenter Zubiarte [!Keine Werbung!] hoffe ich noch auf Handschuhe für´s Fußballspiel… Um es abzukürzen: Dieses Unterfangen ist leider nicht von Erfolg gekrönt. Tante Ida´s selbst gestrickte Socken müssen heute wohl zweckentfremdet werden…

Guggenheim Musem

Im Hotel machen wir erstmal ein Nickerchen. Ich bin schlag-k.o. und froh, dass erst um 16.15 Uhr Anpfiff ist und wir keine weite Anreise haben, und den Weg zu Fuß absolvieren können, uns nicht in eine Metro quetschen müssen.

Als wir aufbrechen fühle ich mich schon viel besser. Wir müssen nur die Poza Lizentziaturen Kalea (so der Straßenname – du siehst, Baskisch ist etwas crazy) schnurgeradeaus hoch laufen, um zum Stadion zu gelangen. Dies geschieht in einem Pulk Fußballfans. Sie stehen auf den Gehsteigen und trinken fein und gesittet hier oder da ein schönes Gläschen Wein, selbst wenn ein gegnerischer Fan dazwischen steht, und machen sich dann nach und nach auf den Weg. Je näher wir dem Stadion kommen, desto eher geht man auch direkt auf der Straße. Freiwillig fährt hier sowieso kein Auto lang heute. Normalerweise mag ich solche Menschenmassen gar nicht aber weil sie alle so friedlich sind und man niemanden Bierdosen werfen sieht oder rumpöbeln hört, stört es mich gar nicht. Im Gegenteil: es ist eine ganz besondere Stimmung, eine ganz besondere Energie, die spürbar und  nicht beschreibbar ist. Wir freuen uns einfach tierisch auf das Spiel!

Pilgerweg

Einlasskontrollen gibt es erstaunlicherweise nicht. Jedenfalls keine Sicherheitskontrollen. Nur die Tickets müssen natürlich an die Schranke gehalten werden, damit man reinkommt und dann ist man drin. Erstaunlich. Andererseits sind die Sicherheitskontrollen in Deutschland normalerweise auch so lachhaft, dass sie sowieso überflüssig sind. Was man ja auch daran sieht, was alles mit reingenommen und vielfach angezündet wird… Ich glaube manchmal das soll sogar so…

Athletic Bilbao empfängt im Lokalderby San Sebastian.

Unsere Plätze sind ganz oben. Wir müssen eine lange Treppe hoch. Weil ich so viel angezogen habe und eben nicht besonders fit bin, habe ich nach der Treppe das Gefühl, mein Herz explodiert. Alte Frau braucht kurz Pause… Dann geht´s weiter. In Block 324 sind wir wirklich dermaßen weit oben, dass wir so hoch unterm Dach sitzen, dass es dort erstaunlich angenehm temperiert ist. Null Wind, wie auf dem darunter liegenden Rang, ich kann sogar erst mal meine Jacke ausziehen und die Stricksocken werde ich auch nur zwischenzeitlich mal über die Hände streifen.

Wir freuen uns einfach tierisch auf das Spiel!

Eine Rolle spielt natürlich auch die absolut aufgeheizte Stimmung! Im positiven Sinne. Allein als die Mannschaften kurz zum Aufwärmen das Spielfeld betreten, eskalieren die wenigen schon im Stadion befindlichen Fans in einer Lautstärke, die bereits voll besetzte Ränge vermuten ließe! Wie man sich da täuschen kann!! Als es dann nämlich wirklich losgeht und auch im Verlauf des restlichen Spiels, stelle ich fest: Das hier ist das lauteste Fußballspiel, das ich bisher gesehen, pardon: gehört!, habe! Wahnsinn! So eine Stimmung, und das so konsequent und ausdauernd, habe ich noch nicht erlebt! Nicht mal in Glasgow. Das muss am südländischen Temperament liegen… Und dabei läuft alles ganz gesittet ab! Fast niemand trinkt Bier, dafür sind sie alle viel zu beschäftigt mit Schal schwingen, singen und anfeuern!

vor dem Spiel

Mal ganz abgesehen davon, dass sich bei den hiesigen Ticket- und auch Getränkepreisen, wahrscheinlich keiner noch Verpflegung leisten kann… Aber das nur am Rande.

Das Spiel endet 2:0! Sieg für Athletic! Ich bin maßlos begeistert, wie auch die meisten um mich herum! Mein linker Sitznachbar ist da übrigens ganz flexibel: Als er merkt, das wird nichts mehr, verstaut er die blau-weiße Flagge und hängt sich einen rot-weißen Schal um! Da schlagen wohl zwei Herzen in einer Brust…

Sieg für Athletic!

Nachdem es auch im Stadion keine vegetarische Verpflegung gegeben hatte, wollen wir nach dem Spiel also noch irgendwo einkehren oder etwas mitnehmen. Natürlich fließen die Fan-Massen in sämtliche Gassen und Lokalitäten, sodass das ein schwieriges Unterfangen werden dürfte… Aber kurz vorm Hotel werde ich ausgerechnet beim Argentinier fündig: ein Empanada-Laden mit zwei, drei Stehplätzen bietet eine relativ große Auswahl, auch vegetarischer, Teigtaschen an. Wir suchen uns was aus und verzehren es auf dem Zimmer. Geschmacklich rangieren die verschiedenen Varianten dann von sehr gut bis sehr schlecht, aber die Verkäuferin war ausgesprochen freundlich und gesprächig gewesen, sprach sie nämlich das bisher meiste Englisch, das wir diese Woche hier gehört haben.

Ganz Athletic Bilbao in Bildern – zum Durchklicken:

absolut aufgeheizte Stimmung!

Sonntag, 16. April 2023

Blick auf Bilbao von oben

Das war´s mit Bilbao und mir. Ich muss mir eingestehen, dass ich heute keine Kräfte mehr habe, großartig Bäume auszureißen, obwohl ich das unheimlich gerne tun würde, denn -oh Wunder- heute scheint die Sonne!! Jetzt schon am Morgen, und auch für den Rest des Tages ist kein Regen angesagt! Das grenzt ja schon an ein Wunder…

Bilbao bei Sonnenschein

Ich wahre erstaunlich gut die Fassung und bitte Papa, alleine loszuziehen, wenigstens er soll das herrliche Wetter genießen und noch irgendwas Tolles erleben in dieser schönen Stadt! Glücklicherweise lässt er sich darauf ein und verzichtet nicht wegen mir. Ich versuche derweil abwechselnd schon mal den Koffer zu packen aber mache auch das ein oder andere Nickerchen. Ich schätze, ich habe immer noch bzw. schon wieder Fieber, jedenfalls fühle ich mich so.

Wo ich das her habe? Da kann man jetzt viel spekulieren. Die „trockene Nacht“ in Düsseldorf oder vielleicht schon der volle ICE dorthin? Viele Menschen am Flughafen und im Flieger? Oder schon die stressigen Wochen davor? Die hustende Trulla hinter mir im Airport Bus nach Bilbao rein oder irgendwer irgendwo unterwegs in der Stadt? Unser stickiger Ausflugsbus nach Biarritz? Dazu das nasskalte Wetter und die durchweg ungesunde Ernährung… Es ist nun mal nicht rekonstruierbar und würde auch nicht weiterhelfen! Es ist wie es ist.

Bilbao bei Sonnenschein

Papa verbringt den Vormittag spazierengehend und im Museo de Bella Artes, ähnlich erquickend wie das Guggenheim gestern… Immerhin kostenlos weil man sonntags keinen Eintritt bezahlen muss. Witzigerweise trifft er unterwegs einen „alten Bekannten“, der ihn auch sofort grüßt: Der Amerikaner, der mit seiner Frau auf dem Biarritz-Ausflug dabei war.

Meine Laune sinkt weiter, also denke ich mir, als Papa wieder da ist, wir wagen mal zusammen einen Schritt vor die Tür. So gerne wollte ich doch auf den Hausberg von Bilbao, der direkt von der Stadt aus per Standseilbahn erreichbar ist. Das sollte doch im Rahmen des Möglichen liegen?! Einen Kilometer entfernt ist die Standseilbahn vom Hotel, das ist jetzt meine Aufgabe für heute!

Bilbao bei Sonnenschein

12.15 Uhr. Wir brechen auf. Im Schneckentempo kriechen wir voran. Mein erster Stopp ist eine Apotheke 200m vom Hotel entfernt. Dort stehe ich eine Ewigkeit an… Die Verkäuferin spricht mutmaßlich Baskisch mit mir, und zwar unbeirrbar! Ich zeige ihr einen Screenshot vom Nasenspray meiner Wahl (ich habe es extra von der spanischen Marke rausgesucht) aber sie hat es nicht da. Auf Englisch und per Zeichensprache bitte ich um ein anderes, denn da kommt sie nicht von selbst drauf… Für insgesamt acht Euro noch was bekomme ich dann sogar noch ein Päckchen Hustenbonbons dazu und ziehe mit meiner Beute von dannen.

Bilbao bei Sonnenschein

Papa ist die Geduld in Person – wie immer. Gefühlt brauche ich Stunden bis zur Standseilbahn. Genau genommen frühstücken wir dort erst mal in einem kleinen Café, das tatsächlich so etwas ähnliches wie Pizza Margherita in der Vitrine liegen hat. Gesund suche ich schon gar nicht mehr, vegetarisch ist schon lange nur noch mein einziges Ziel!

Danach bin ich zumindest soweit gestärkt, dass wir die Standseilbahn und den Monte Artxanda in Angriff nehmen können! Seit 1915 (mit Unterbrechungen) fahren die knallroten Waggons dort hoch. Kein Wunder, denn wie wir gleich sehen werden, bietet die Gegend da oben atemberaubende Ausblicke auf Bilbao, den Nervion und das Umland!

Blick auf Bilbao von oben

Sowohl die Bahn als auch der Ausblick erinnern mich seltsamerweise an Karlsruhe im letzten Jahr. Auch dort bin ich mit einer solchen Bahn gefahren und fand die Aussicht ähnlich gut. Genau genommen ist sie hier aber noch viel besser weil man irgendwie „näher dran“ ist an der Stadt und viel mehr Details sieht! Wie rund wäre die Sache doch, wenn ich fit wäre und wir zu Fuß in die Stadt runter laufen könnten, denn natürlich gibt es auch einen kleinen „Wanderweg“ (ca. 3km bis zum Guggenheim), versehen mit ein paar weiteren Aussichtspunkten…

Supercoolster "Zaun" ever!

Aber was soll´s. Dafür sitzen wir hier jede Parkbank einmal Probe und ich schnaufe ordentlich vor mich hin. Es ist so herrlich sonnig und windstill, wir hätten keinen besseren Tag für dieses Vorhaben wählen können. Jedenfalls nicht in dieser Woche, in der wir hier waren und die wettertechnisch einfach zu durchwachsen und grau gewesen ist. Natürlich hat es nicht durchgehend geregnet, wir konnten ja trotzdem viel unternehmen, aber so eine klare Sicht hätten wir einfach nicht gehabt!

Die Bahn bringt uns auch wieder den Berg hinunter und ähnlich langsam wie auf dem Hinweg, tapern wir nun zurück Richtung Hotel.

Monte Artxanda in Bildern – zum Durchklicken:

Blick auf Bilbao von oben

16 Uhr. Kurz vorm Ziel entdecke ich einen Frozen Yoghurt Laden, der geöffnet hat und sehe ein Bild von einem Becher mit viel Obst und Nüssen. DER soll es sein! Der und kein anderer! Papa schließt sich an. DAS tut gut! Etwas kühles, frisches, vitaminreiches, ich bin selig! Und auch hier treffen wir einen „alten Bekannten“! Unser Bierkellner von dem Olivenabend… Er erkennt uns zuerst und grüßt freundlich. Auch er bestellt sich einen Becher und nickt noch mal beim Gehen.

Bilbao bei Sonnenschein

Ich gehe ins Hotel, mich langmachen, und Papa noch etwas spazieren. Was bin ich froh, dass wir das heute noch gemacht haben!

Montag, 17. April 2023

Strapaziöse Heimreise

Bye Bye Bilbao

Unser Flieger geht erst gegen 15 Uhr. Ein ganzer halber Tag, den ich verschenken muss. Ich habe kein Fieber oder Halsweh mehr aber Schnupfen, und fühle mich ein bisschen wie ausgekotzt. Beim Gedanken an lange die Rückreise, die ich schon „in gesund“ anstrengend fände, werde ich bald verrückt.

Wir schlagen die Zeit also auf dem Zimmer tot, denn unternehmen kann ich heute Vormittag nichts mehr. So ein halber Tag wäre perfekt gewesen, ein bisschen shoppen zu gehen, aber nichts liegt mir im Moment ferner! Also warten wir einfach nur ab. Da ich seit gestern Abend starke Kopfschmerzen habe, ist Musik hören oder Fernsehgucken nicht drin.

11.30 Uhr. Letzte Handgriffe am Koffer und dann checken wir aus. Wir sind jetzt echt früh dran aber wer weiß wozu es gut ist. Die Strecke bis zur Plaza Moyua, wo der Airport Bus startet, will mit Sack und Pack auch erstmal von mir bewältigt werden… Klappt aber besser als gedacht! Leider ist der Bus wieder rappelzappel voll, Papa bekommt nicht mal mehr einen Sitzplatz. Zum Glück dauert die Fahrt ja nicht so lange.

Und weil es noch so früh ist stehen wir fast ganz vorne am Check in Schalter. Hier in Bilbao muss man so einen Zauber wie in Düsseldorf nicht machen mit den Automaten. Hier darf man sich ganz old school einfach an den personenbesetzten Check in begeben, auch wenn es noch etwas dauert bis dieser überhaupt öffnet. In der Zwischenzeit organisiere ich mir einen frisch gepressten Orangensaft und verabschiede endlich meine Kopfschmerzen!

Bye Bye Bilbao

Auch an den Sicherheitskontrollen ist fast kein Mensch, sodass das ebenfalls schnell über die Bühne geht. Schwieriger ist es dann, ein Frühstück aufzutun, denn auch hier am Flughafen spielt Bilbao mit mir noch das Pintxo-Spiel ohne vegetarische Optionen… Im Starbucks [!keine Werbung!] werden wir aber tatsächlich doch noch fündig. Endlich! Meine erste vegane Mahlzeit seit Ewigkeiten: ein Bagel mit Tomatencreme und dazu einen Obstsalat! Für Papa gibt es Kaffee und sein obligatorisches Croissant und so bin ich zufrieden. Sitzplätze und WLAN dazu. Passt. Hier können wir die Wartezeit überbrücken.

Bye Bye Bilbao

15 Uhr. Wir sitzen in einer lettischen Maschine neueren Datums und zwar auf unseren gebuchten Plätzen in der ersten Reihe mit maximaler Beinfreiheit. Hier gefällt es mir bedeutend besser als auf dem Hinflug, einschließlich der viel schickeren und freundlicheren Crew, auch wenn diese nur Englisch spricht. Leider kommen wir aber nicht pünktlich los, wir scheinen noch auf eine Person zu warten… Fun Fact: 2017 galt diese Fluggesellschaft als pünktlichste Fluggesellschaft der Welt (mit einer Pünktlichkeit von 90%). Nun ja, das ist heute nicht so ganz der Fall. Und die fehlende Person kommt auch nicht mehr. Ich kann´s verstehen. Wenn ich könnte, würde ich auch noch länger in Bilbao bleiben…

Der Rückflug kommt mir nicht ganz so zäh vor wie der Hinflug, doch beim Landeanflug habe ich große Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich. Wen wundert´s? Meine Nebenhöhlen sind dicht, ich habe also nichts anderes erwartet. Es tut weh aber es geht vorbei.

Was nicht so besonders gut vorbei geht ist die Wartezeit am Kofferband… Ewig lässt man uns stehen, sodass unser favorisierter ICE natürlich ohne uns den Flughafen verlässt. Man muss es so sehen: Jetzt ist noch Zeit, eine vegane Kleinigkeit beim Bäcker zu organisieren…

19 Uhr. Wir sitzen auf unseren neu reservierten Plätzen im nächsten ICE und fahren schon wieder rückwärts. Was habe ich denn nur verbrochen?… Die Fahrt nach Hannover ist ultra anstrengend. Immer mehr und mehr verspäten wir uns. Den Anschluss-IC verpassen wir. Die nächstmögliche Regionalbahn werden wir aber zum Glück noch erreichen weil wir auf der Strecke einiges an Verspätung wieder reinholen und nicht zuletzt auch weil die Bahn auf uns in Hannover wartet. Anderenfalls hätten wir eine geschlagene Stunde dort in der Kälte rumgestanden…

Was war das eine anstrengende Rückreise! Wenn ich gestern noch dachte, ich hätte schlechte Laune… Das war ein Irrtum! HEUTE ist dies der Fall. Ich bin platt.

ABER: Wir sind letztlich heile und fast komplikationsfrei nach Hause gekommen und es liegt eine erlebnisreiche, aufschlussreiche, wirklich tolle Woche hinter uns!

Ganz Bilbao in Bildern – zum Durchklicken:

Puente de La Salve & Maman by Louise Bourgeois