Apulia nach Esposende

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Mittwoch, 19. März 2025

„Der Weg ist das Ziel“ – Konfuzius

Wanderetappe Apulia nach Esposende ca. 9 km

Gehzeit ca. 02h15, Pausenzeit ca. 35min

Start in den Tag

Heute Nacht habe ich für ein paar Stunden Licht anmachen müssen am Handy, um mich wachzuhalten. Auf gar keinen Fall wollte ich den Alptraum, der mich plagte, weiterträumen, wenn ich wieder einschlafe. Grausam war das, fürchterlich!

Als dann um viertel vor sieben der Wecker klingelt, bin ich nur mäßig begeistert aber trotzdem schaffen wir es pünktlich runter, ab halb acht gibt es Frühstück im Erdgeschoss des Hotels! Hier stärken wir uns kurz und halten einen Plausch mit der Frau, die gestern schon immer vor oder hinter uns gelaufen ist. Sie ist gestern aus Versehen bis nach Esposende durchgerauscht, erzählt sie, was unsere heutige Etappe wird! Sie hatte sich völlig verfranst, obwohl mir schleierhaft ist, wie das passiert sein soll, und ist dann tatsächlich von Esposende auch wieder zurück nach Apulia gelaufen. Warum eigentlich? Sie hätte ja auch in Esposende nächtigen können, zumal sie, nicht wie wir, vorreservierte Hotels und einen Gepäcktransfer hat…

Als wir ausgecheckt haben, treffen wir Marianne, die wir seit unserer gemeinsamen Taxifahrt nach Labruge (vorgestern) noch nicht wieder gesehen haben. Sie scheint wohl auf und wirkt ganz angetan, so wie wir.

Back on track

Heute ist es wirklich sehr windig!

Punkt halb neun marschieren wir los, vorbei an dem tollen Massagesalon, dem ich einen sehnsüchtigen Blick zuwerfe, er hat aber noch zu.

Kurz darauf begegnet uns ein Linienbus nach Esposende. Ob das wohl ein Zeichen ist? – scherze ich, und wir setzen weiter einen Fuß vor den anderen.

Aus Apulia rauszukommen dauert ein wenig und danach ist es sehr landwirtschaftlich-langweilig, aber immerhin laufen wir wieder bei trockenem Wetter, heute ist es nur wirklich sehr windig, weswegen wir nicht böse sind, dass wir heute nicht an der Küste entlanggehen werden.

Irgendwann beginnt ein kleines Waldstück, das zwei Besonderheiten aufweist. Erstens riecht es ganz toll nach irgendwelchen Bäumen oder Kräutern und zweitens gibt es eine mit Jakobsmuschel-Souvenirs behangene Pinie, an die Miguel, der Pilger, der hier auch in der Nähe wohnt, einen Zettel geschlagen hat. Gegen Spende in die aufgestellte Büchse, darf man sich etwas mitnehmen. Das mache ich doch gerne! Die Teile sind klein und leicht genug für einen Pilger!

Mit Jakobsmuschel-Souvenirs behangene Pinie

Kurz darauf erreichen wir auch schon den Ort Fão, ungefähr die Hälfte unserer heutigen Strecke. Dort gehen wir in eine kleine Kirche, schließlich haben wir unsere Stempel bisher nur in Gastronomie und Unterkunft bekommen. Leider sehen wir hier kein Schild, dass es Stempel gibt, aber einer der aufmerksamen Bauarbeiter hoch droben unterm Kirchendach, der gerade etwas frisch anpinselt, gibt uns einen Hinweis, dass vorne Richtung Altar Stempel vorhanden sind. Und eine Minute verschnaufen tun wir hier auch gleich noch.

Am Ortsausgang von Fão müssen wir einen ziemlich breiten Fluss überqueren. Wie auf den meisten Brücken, ist mir hier sehr unwohl. Im Stechschritt brauche ich vier Minuten auf die andere Seite, es ist also eine verdammt lange Brücke, jedenfalls für mich. Sie ist „eisern“, ich gehe lieber über Steinbrücken, die wirken vertrauenswürdiger.

Ponte metálica de Fão

Dafür sind wir nun schon so gut wie in Esposende und dort kehren wir irgendwann in der Fußgängerzone in einem hübschen Café ein. Gelockt hatte mich ein Gebäck in Form der Jakobsmuschel, bestellen tue ich aber mit überaus großer Begeisterung eine Flasche Maracuja-Limonade, die wir auf Madeira 2024 lieben gelernt haben, einen Käse-Tomaten-Toast und Philipp einen Kaffee.

Nun schon auf direktem Weg zum Hotel zu gehen, ist uns wirklich viel zu früh! Wir schlendern ans Wasser und lassen uns viel Zeit auf der Zielgeraden. Heute liegt unsere „Herberge“ nämlich direkt am Jakobsweg, das ist mal sehr praktisch, denn gestern in Apulia war das Hotel einen Kilometer abseits des Weges, was sich nach der sowieso schon langen Tagesetappe durchaus bemerkbar machte…

Auf dem Weg zum Hotel!

Esposende – Fauler Faulenztag

Der heutige Tag geht eigentlich schon fast als Ruhetag durch. Wäre da nicht mein Fuß, der sich immer deutlicher bemerkbar macht! Es ist noch nicht ganz so schlimm wie in Chicago 2024 aber der Schmerz ist der gleiche, also werde ich wohl bald einen Zinkleimverband brauchen, denn nur der, und ausreichend Ruhe, hatten mir damals geholfen. Nun, letzteres kann ich dem Fuß hier nicht bieten, es muss also ein Verband reichen. Aber so weit ist es noch nicht! Heute will ich erstmal mit Schmerzsalbe überbrücken…

Wir können unfassbarerweise schon deutlich vor 12 Uhr in unserer Unterkunft einchecken, ich bin völlig begeistert und auch unser Zimmer stellt uns zufrieden. Wir haben viel Ablagefläche und Stauraum, eine kleine Sitznische und eine riesige Terrasse, auch wenn letztere in der jetzigen Jahreszeit nicht wirklich nützlich ist…

Unsere Bleibe für die eine Nacht.

Minuspunkte gibt es für die schmuddelige Wanne, den kaputten Spiegel, das Waschbecken mit Raststättenflair und insgesamt der ältlichen Badezimmerausstattung. Trotzdem landet das Hotel auf Platz 2 meiner bisherigen Hit-Liste, auf der aber natürlich erst vier Unterkünfte drauf stehen! Abwarten.

Wir verbringen die nächsten Stunden liegend bzw. versuche ich außerdem mal Grund reinzubekommen in mein Gepäck, es ist schon sehr anstrengend, derart aus dem Koffer zu leben, aber so ist das eben.

Unsere Bleibe für die eine Nacht.

Philipp hat Hunger, also suchen wir uns eine Snack Bar, wo wir von einer sehr freundlichen, engagierten Russin bedient werden. Mittels eines wilden Sprachenmix kommen wir mit ihr gut zurecht und schmecken tut es auch, nur satt ist mein Mann danach nicht! Deshalb landen wir zwei Türen weiter in einem Café, wo wir noch Kaffee und Süßteile verzehren. Ich kann nicht glauben, dass ich dort für zwei Café Americano, ein Pastel de Nata und ein riesiges Schokocroissant nur vier Euro bezahlen soll.

14.30 Uhr. Der Minimercado nebenan öffnet und es stellt sich heraus, dass ihn unser Kellner aus dem Café betreibt. Philipp hatte noch gescherzt, als ich sagte, dass die Frau, die gerade reinkam, jetzt hinterm Tresen steht und ihre Schicht antritt. Phil meinte, naja dann geht der junge Mann jetzt bestimmt rüber und macht den Supermarkt auf, höhöhö. – Und genau so war es!

Fauler Faulenztag nach dem Pilgern

Wir kaufen aber nur ein paar Flaschen Wasser und Philipp braucht noch Chips und dann dackeln wir Richtung Hotel. Nicht jedoch ohne einen Umweg zu den Buchstaben E-S-P-O-S-E-N-D-E am Meer. Die hatten wir schon von weitem gesehen und sie eignen sich perfekt für einen Fotostopp.

Zurück im Hotel, sitzen wir den Großteil des restlichen Tages in der Nähe der Bar und lesen. Der Tag geht ins Land. Wir sind mehr als gespannt, wie ich mich morgen schlagen werde. Inzwischen tut auch der andere Fuß so ähnlich weh wie der sowieso schon geschädigte. Außerdem laufe ich, allein schon durch den Muskelkater in den Oberschenkeln, nur noch wie ein Pinguin. Phil hingegen schlägt sich sehr gut. 

ESPOSENDE-Schriftzug am Leuchtturm

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