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Sonntag, 23. März 2025
„Highway to hell“ (ACDC)
Wanderetappe Vila Praia de Ancora (PT) nach A Guarda (ES) ca. 14 km
Gehzeit ca. 04h15, Pausenzeit ca. 30min
Trauriger Abschied
In unserem so schönen Zimmer, habe ich so schlecht geschlafen! Erst konnte ich nicht einschlafen ohne eine ausgiebige Yogasession für die BWS, denn der Oberkörper hat inzwischen auch arg gelitten durch die Humpelei und das viele zu Hilfe nehmen der Wanderstöcke! Und dann kam ich mit keiner Sorte Ohrstöpsel gegen das Geschnarche neben mir an!
Und heute Morgen müssen wir auch noch diese tolle Unterkunft verlassen, das kleine, schicke Boutique Hotel, das wir so lieb gewonnen haben in der kurzen Zeit! Aber erstmal dürfen wir noch herrlich frühstücken. Die Auswahl ist nicht unbedingt sehr viel größer als sonst aber die liebevolle Anrichtung, mit ausnahmslos hochwertigem Zubehör, macht schon viel aus! Noch dazu schmeckt der Kaffee, ganz besonders das Obst, und die Frau des Hotelbesitzers hat hervorragendes Banana Bread gebacken!
Zum Abschied unterhalte ich mich noch eine Weile mit unserem Lieblingshotelier, er erzählt zum Beispiel, dass er überwiegend deutsche Caminho-Gäste hat, ca. 60% auf dem portugiesischen Caminho sind Deutsch, das ist auch unser Eindruck. Er sagt, die zweite größte Gruppe sind tatsächlich US Amerikaner und ansonsten ist es bunt gemischt. Viele Australier, ein paar Spanier und ganz wenige andere, schon gar nicht Franzosen, die haben ihren eigenen Camino.
Er gibt uns noch Wasser mit auf den Weg und etliche gute Wünsche, und dann stehen wir auch schon wieder auf der Straße! Wenigstens scheint die Sonne!
Grenzwertige Grenzwanderung
Es geht erstmal gut los! Bei Sonne und Wind verlassen wir Vila Praia de Ancora Richtung Norden, immer der Küste entlang. Wir kommen nur langsam voran weil es immer was zu gucken gibt, mal Schaukeln am Meer, mal Blumen, mal Schafe, mal Ziegen, mal Schnecken, meist aber die riesig großen Wellen, die wir noch nie so irre wild und groß wahrgenommen haben wie hier!
Doch bald ist der Spaß vorbei und wir werden wieder ordentlich nass. Bevor meine Wanderhose ganz durch ist, ziehe ich doch wieder die Regenhose über! Und so stapfen wir dahin. Wenigstens bin ich erstmal schmerzfrei, Phil hat mir kurz vor Abmarsch außerdem die Zinkleimverbände angelegt. Endlich! Leider tatsächlich im Plural, denn der rechte Fuß ist nicht mehr viel besser als der linke. Und da ein solcher Verband an einem Fuß eh zu dick wäre für die Wanderschuhe, haben wir ihn kurzerhand aufgeteilt.
Nach dieser schönen langen Strecke am Meer entlang, folgt eine ekelhaft langweilige Passage durch einen Ort, immer geradeaus, und, noch viel schlimmer, anschließend auf einer schnurgeraden Strecke parallel zu Bahnschienen immer nur Asphalt, Asphalt, Asphalt und ich kriege langsam Probleme mit den Füßen, versuche, wo es einen Grünstreifen gibt, auf diesen auszuweichen, weil das weicher, wenn auch uneben, ist. Immer wieder kommt mir „Highway to hell“ von ACDC in den Sinn aber Highway THROUGH hell trifft es hier eigentlich besser…
Schlussendlich erreichen wir Caminha, unseren letzten Ort in Portugal, viel schneller als gedacht. Leider ignorieren wir hier die Wegmarkierung, denn der Hafen ist in der entgegengesetzten Richtung, und dort wollen wir ja aufs Schiff nach Spanien!
Als wir die Fähre nach einer nicht enden wollenden Geradeausstrecke auf, rate mal, Asphalt (!) endlich erreichen, müssen wir feststellen, dass heute keine Fähre fährt! Puh, denke ich mir, muss auch nicht sein, die besteht ja nur noch aus Rost! Aber andererseits: Was nun?
In der Nähe steht ein Sechsertrupp Pilger: Zwei Asiatinnen, zwei Amerikanerinnen und ein rumänisches Pärchen. Eine der Amerikanerinnen spricht uns direkt an, sie habe sich erkundigt, heute fährt kein Schiff! Ein Taxi nach A Guarda kostet 38 Euro, die anderen vier würden sich eines teilen und ob wir vier uns eines teilen wollen. Uff, ähm, ja, müssen wir dann wohl?!
Kurz darauf telefoniert sie aber auch noch mit dem Boat Taxi, der Alternative zu der Fähre. Das ist zwar nirgends zu sehen aber sie erreicht jemanden und es heißt, das Boot kommt in fünf Minuten. Was dann nach fünf Minuten kommt, ist ein alter, klappriger Minibus, der uns acht Pilger zum Boot bringen soll. Nagut, zu acht wird man ja wohl nicht entführt, also rein da! Und es ist ein kleines Abenteuer! Keiner der Anschallgurte funktioniert, die Sitze wackeln und sind offenbar nicht mehr befestigt, wir sind froh, dass die Fahrt nicht lange dauert, ein bisschen wie in Afrika oder Indien, so stelle ich es mir vor.
Wir fahren tatsächlich zu dem Mini Boat, das wir auch zu Fuß erreicht hätten, wären wir vorhin weiter brav den Pfeilen gefolgt. Nagut, es waren noch andere so fixiert auf den Hafen wie wir! Das Mini Boat kostet nun 6 Euro pro Person und der inoffizielle Abholservice war inklusive. Das winzige Bötchen, das ich am Liebsten gar nicht besteigen würde, fasst jedoch nur vier Pilger, das heißt der gute Mann muss zweimal fahren.
Die Amerikaner und Rumänen steigen zuerst ein, sollen sie mal, es schüttet gerade aus Kübeln. Wir stehen unter der Kofferraumhaube des Kapitäns. Als er nach wenigen Minuten zurück ist, hat es fast aufgehört zu regnen und wir steigen zusammen mit den Asiatinnen ein. Ich hätte es nicht gedacht, aber die rasante Fahrt über den Fluss Minho ist gar nicht so schlecht! Sehr windig aber nicht schlimm! Und aussteigen tun wir direkt an einem Strand ohne Anleger, wir müssen also vorne vom Boot in den Sand runterspringen. Philipp fühlt sich wie „geschmuggelt“.
Ich würde sagen: wie „ausgekippt“ stehen wir nun da und der Bootsführer schickt uns nach links. Wir lassen uns aber nicht beirren, auf der Karte geht es rechts zum Caminho. Das behaupten auch die Asiatinnen, und sollen recht behalten! Allerdings ist die Strecke, bis auf den äußerst idyllischen, reizvollen Anfang hier am Strand, später absolut öde und trist. Ein verlassener Spielplatz, ein verlassener Tennis Club, ein Energieproduzent, dann irgendwann der Fähranleger, dann wieder Hauptstraße, Hauptstraße, Hauptstraße. Denn wir gehen hier dann bewusst nicht den Caminho, sondern den etwas kürzeren (direkteren) Weg zum Hotel!
Am Ende haben wir wieder 14km auf der Uhr und ich kann ziemlich genau sagen, bis zur Grenze kam ich irgendwie klar, aber alles darüber hinaus, alles auf der spanischen Seite, war dann zu viel für meine Haxen. Das kann so nicht weitergehen!
A Guarda – Pizza und kein Luxushotel
Unser Hotel hat auch heute wieder zwei ganze Sterne und ist damit kein Luxushotel, aber wir sind ganz zufrieden. Selbstredend ist es nicht so grandios wie gestern aber wir haben ein vernünftiges Zimmer und können nicht meckern.
Trotzdem zuckeln wir sofort wieder los. Ohne Wanderschuhe ist das auch mal ganz angenehm, aber es sind ohnehin nur 250m bis zu unserem favorisierten Restaurant, dem einzigen, von dem wir wissen, dass es jetzt auf hat, denn es ist natürlich mal wieder zwischen 15 und 18 Uhr, und alles andere geschlossen. Das gilt nämlich auch für Spanien, nicht nur für Portugal.
Unsere Uhren ticken nun auch wieder auf deutscher bzw. spanischer Zeit, und so ist es 16 Uhr als wir unsere riesigen und sehr leckeren Pizzen erhalten. Schade, dass das Personal so lustlos ist und nicht mal lächeln kann. Naja, die Hauptsache ist das Essen für einen Pilger!
Mehr sehen wir dann auch gar nicht von dem Ort! Aber er wirkt eh wie ausgestorben, was vielleicht dem Sonntag geschuldet ist. Und auch der Tatsache, dass wir uns gar nicht bis zum Hafen begeben, wo möglicherweise mehr los ist, allein schon weil es dort natürlich Cafés usw. gibt.
Aber für uns heißt es früh wieder Heimkehr in die Herberge und Füße hoch! Ganz wichtig!
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