Monte

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Donnerstag, 29. Dezember 2022

08.30 Uhr.

Ich gehe alleine ein bisschen ans Meer weil ich wach werden und bessere Laune kriegen muss solange Phil noch duscht. Ich habe die Nacht mit ungefähr 9678 Schnarch-Unterbrechungen von der anderen Bettseite her geschlafen und bin maximal gereizt. Schlafentzug ist ein hervorragendes Folterinstrument.

Doch auf der anderen Seite ist das bloße Sitzen am Meer bei Wellenrauschen und Sonnenschein eine hervorragende Therapie! So habe ich mich nach einer Weile einigermaßen im Griff und hole meinen Mann zum Frühstück ab.

Donnerstag, 29. Dezember 2022

10.30 Uhr.

Shuttle nach Funchal. Mittlerweile mag auch Phil die immer gleichen sechs Songs unseres Hotelbusfahrers!

Leider müssen wir rund 25 Minuten an der Teleferico, der Seilbahn, anstehen. Das ist jedoch unumgänglich, denn unser grober Plan für heute lautet: Mit der Seilbahn nach Monte, dort den Botanischen und/oder den Tropischen Garten besuchen und zu guter letzt die für Madeira so berühmte Korbschlittenfahrt machen, die um die Ecke vom Tropischen Garten startet!

Also hilft es nichts und wir stellen uns in die Schlange für die Seilbahn. Glücklicherweise fühlt sich die Wartezeit gar nicht so lang an. Vor allem ist es tröstlich zu sehen, dass wir offenbar noch einen guten Moment erwischt haben, denn die wirklichen Menschenmassen kommen tatsächlich noch nach uns! Expo 2000 Feeling!

15 Minuten dauert die Seilbahnfahrt hinauf in den Vorort von Funchal. Wir genießen eine spektakuläre Aussicht: Einerseits auf Funchal und den Hafen hinunter, andererseits Richtung Monte, aber auch unter uns ist es superspannend Einblicke in Häuser, Gärten und Gassen zu bekommen, die sich einem eben nur aus der Vogelperspektive erschließen!

Monte befindet sich in 600-800 Metern Höhe. Entsprechend ist auch von hier natürlich der Ausblick. Aber da wir nicht an der Seilbahnstation verharren wollen, orientieren wir uns erstmal, und das ist einfach: Direkt links gegenüber befindet sich der Tropische Garten. Direkt geradezu befindet sich ein Wegweiser nach rechts zum Botanischen Garten. Schaffen wir zeitlich beides?

Leider müssen wir rund 25 Minuten an der Teleferico, der Seilbahn, anstehen.

Der Reiseleiter hatte den Tropischen Garten empfohlen und den Botanischen Garten verteufelt. Also entscheiden wir uns für den Botanischen Garten. Unsere bisherigen Erfahrungen sind einfach die, möglichst das Gegenteil von den Empfehlungen des Reiseleiters zu machen. Damit fahren wir hier bestens.

Wir wissen aber auch, dass der Botanische Garten nicht gerade um die Ecke liegt sondern nur mit einer weiteren Seilbahn, dieses Mal wieder bergab, erreicht werden kann. Die Seilbahnstation ist ungefähr 300 Meter entfernt von der, an der wir gerade ausgestiegen sind. Das Meiste davon feinstes Bergab. Wie gut, dass auf halber Strecke ein kleines Café zu finden ist! Dort gönnen wir uns Kaffeegetränke und ich mir ebenfalls einen frisch gepressten Orangensaft. Abgesehen von dem vielen Deutsch, das wir um uns herum hören, könnten wir ewig hier sitzen: Grandiose Aussicht in die grüne Berglandschaft hinab, Sonne satt, ganz liebes Personal und loungige Musik.

Die Seilbahn zum Botanischen Garten ist zum Glück fast komplett leer, keine Warteschlange. Mit uns ist nur noch ein weiteres Ehepaar da, sonst niemand. Wir teilen uns mit ihnen eine Gondel. Deutsche natürlich. Dieses Mal führt die Fahrt nicht über Häuser und Straßen sondern überwiegend über grüne Berge mit Schäfchen, Flüsschen und Wasserfall! Wunderschön, vor allem die Stille.

Monte bzw. die Seilbahnfahrt hinauf in Bildern – zum Durchklicken:

zwischen Monte und der Seilbahnstation zum Botanischen Garten

Im Botanischen Garten, der im Grunde direkt an die Seilbahnstation, wo wir aussteigen, anschließt, verbringen wir eine Menge Zeit. Wieviel genau, das weiß ich nicht. Aber der Garten ist so groß und vielfältig, dass man hier nicht nur durch rauschen kann. Und einen nicht unerheblichen Anteil an das Tempo, das man hier an den Tag legt, dürfte auch die Tatsache haben, dass das sich das Gelände am Hang befindet, das bedeutet in unserem Fall, dass wir von oben nach unten durch den Park „hinabsteigen“ und auf dem Rückweg zur Seilbahnstation uphill „bergsteigen“ dürfen.

exotische Pracht

Der Garten wurde 1960 eröffnet und bietet in seiner heutigen Form über 2000 Pflanzen zu Bestaunen! Circa 100 der Pflanzenarten kommen auch nur hier auf Madeira bzw. auch noch auf den Azoren und Kanaren vor. Besonders gut gefällt uns der große Kakteengarten, der uns natürlich sofort an den Desert Botanical Garden in Phoenix erinnert! Und an einem kleinen Teich voller Schildkröten setzen wir uns eine ganze Weile auf eine schattige Bank und verschnaufen ein wenig. Uns will nicht einleuchten wie man diesen Botanischen Garten nicht beeindruckend finden kann! Und der Eintrittspreis von 6€ pro Person ist auch absolut angemessen. (Wobei wir ein Kombiticket mit der Seilbahn gekauft hatten!) Dafür gibt es Pflanzen, Höhlen, Aussicht, sogar ein typisches madeirensisches Nurdach-Haus zu bestaunen, sowie einen kleinen hübschen Formschnittgarten, einen extra Palmengarten und auch ein Café ist vorhanden! Aus meiner Sicht ein absolutes MUSS auf Madeira! Lass dich von meinen Fotos überzeugen:

Botanischer Garten Madeira in Bildern – zum Durchklicken:

Santanahaus

Aber wir wollen ja auch noch in den Tropischen Garten und nehmen daher wieder die Seilbahn zurück, wuchten unsere All-inclusive-Körper den Weg zum Tropischen Garten hoch und betreten diesen, ehrlich gesagt, schon reichlich erschöpft und ziemlich voller Eindrücke. Trotzdem erstehen wir die Tickets, ohne zu ahnen, dass dieser Garten mindestens genauso groß ist wie der Botanische Garten und noch sehr viele Eindrücke mehr für uns parat hält! Zudem auch sehr viel mehr Besucher! Das Gelände hat einfach eine einfachere Erreichbarkeit als der Botanische Garten und ist zudem vielleicht sogar noch einen Hauch besonderer!

Ich bleibe zwar bei meiner Meinung, dass man den Botanischen Garten nicht auslassen sollte, aber der Monte Palace Tropical Garden ist schon etwas ganz besonderes! Es ist eine Mischung tropischer Pflanzen und portugiesischer Fliesen, eingebettet am Hang in eine oftmals japanisch anmutende, und sehr, sehr grüne Umgebung. Klingt zusammengewürfelt und unpassend, ist aber in der Tat wunderhübsch und einfach nur schwer zu beschreiben… Die japanischen und chinesischen Elemente findet man in Form von Statuen, Brücken, Wasserläufen, Koi-Teichen und anderer Dekoration. Und das ganze ist so gelungen integriert, dass man nicht verwundert wäre, wenn hinterm nächsten Baum ein lebendiger Pandabär hervorlugen würde.

atemberaubend

Die drei Museen innerhalb der Anlage lassen wir aus, das übersteigt heute unsere Aufnahmefähigkeit. Natürlich empfinden wir den Eintrittspreis, der hier doppelt so hoch liegt wie im Botanischen Garten, trotzdem als gerechtfertigt, denn es wird einfach eine Menge geboten! Eine so vielseitige Gartenanlage ist mir wohl bisher noch nicht untergekommen. Nur eins fällt uns beiden hier ein: Die Gartenanlage vom Pena Palast in Sintra! Objektiv betrachtet liegt möglicherweise gar keine Ähnlichkeit vor aber für uns schon irgendwie.

Auch hier ist es durchaus wieder anstrengend bergab zu steigen, denn natürlich befinden wir uns auch hier an einem Hang. Die Wege sind verschlungen und verschachtelt, manchmal Sackgässlein. Den Lageplan kann man getrost wegstopfen, hier muss man einfach der Nase nach gehen, nach Gefühl abbiegen. Es ist unmöglich jeden Weg zu gehen, jede fantastische Perspektive zu erhaschen. Eine großartige Gelegenheit sich darin zu üben, den Moment zu genießen, und auch: zu verzichten. Wirklich alles, alles kann man eben nicht ablaufen, egal wie viel Zeit man sich nimmt.

Relativ weit unten angelangt, gibt es glücklicherweise eine Art kleine Cafeteria mit Käsebrötchen, Kaltgetränken und Schattenplätzen! Spätestens hier steht dann fest, dass wir uns langsam Richtung Korbschlitten begeben sollten, denn wir haben schließlich noch einen Bus zurück zum Hotel zu erreichen und der Nachmittag ist schon ein gutes Stück voran geschritten…

An dem großen See mit Wasserfall gibt es einen Golfcart-Shuttle bergauf zurück zum Eingang. Die 2 Euro pro Person ist es uns wert, ich hätte auch das doppelte bezahlt, denn den Weg, den wir nun hoch kutschiert werden, den will kein normaler Mensch zu Fuß gehen…

Tropischer Garten Madeira in Bildern – zum Durchklicken:

atemberaubend

Der Versuch einen Korbschlitten zu ergattern scheitert traurigerweise. Philipp´s Top Number 1 Thing To Do auf Madeira bleibt uns verwehrt! Die Warteschlange ist so lang, dass ich am Ticketschalter frage, wie lange wir warten müssten. Mindestens eine Stunde! Wow! Und das für 2km bergab rutschen? Schade, das ist uns zu lange, bzw. würde uns vermutlich den letzten Hotelshuttle verpassen lassen und da Philipp nicht mit einem öffentlichen Linienbus bis nach Canico rausgurken möchte, müssen wir eben jetzt schon einen solchen suchen, damit wir irgendwie nach Funchal runterkommen. Sollte uns das nicht gelingen, müssten wir halt noch mal in den sauren Apfel beißen und teure Seilbahntickets kaufen.

Korbschlittentradition

Aber mobiler Daten sei Dank, finde ich schnell eine halbwegs nahe gelegene Bushaltestelle und weil wir im Sprinten schon ein bisschen geübt sind, ergattern wir auch den nächsten Bus, der uns direkt zum Standpunkt des Hotelshuttles bringt! Busfahren in Portugal ist billig aber auch actionreich: Unser Fahrer hat offenbar ein Heidenspaß am Gaspedal, ist aber gleichermaßen gezwungen, genauso exzessiv das Bremspedal zu benutzen, denn es geht nun mal verdammt steil bergab und kurvig ist es noch dazu! Er hält wirklich an jeder Milchkanne aber letztlich sind wir ziemlich schnell am Ziel!

Jetzt bekommen wir tatsächlich sogar noch einen Bus früher zum Hotel. In mir regt sich der leise Verdacht, dass wir das Risiko hätten eingehen können mit der langen Warteschlange bei den Korbschlitten… Aber sei es drum. Es steht eh schon lange fest: Wir waren nicht das letzte Mal auf Madeira!

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