Montag, 21. August 2023
…und heute IST endlich dieser Tag gekommen…
Wir fliegen nach COLORADO! – Ein verrücktes und ungewöhnliches Reiseziel. Und ausdrücklich unser Wunsch.
Wenn mich jemand fragte wohin unser nächster Urlaub geht, konnte grundsätzlich niemand wirklich etwas damit anfangen. Bestenfalls gab es eine neutrale Reaktion, meistens gar keine, oder eben auch mal eine negative („Ach Amiland… Das ist nichts für mich!“ – höre ich übrigens besonders gerne von Personen, die noch nie auch nur einen einzigen Bundesstaat persönlich besucht haben…).
Mit Florida, Kalifornien und Co. kann eigentlich jeder etwas anfangen; Colorado ist eher den „Fortgeschrittenen“ unter den USA-Reisenden bekannt. Ich kenne genau drei Leute (oder „Parteien“) persönlich, die schon mal in Colorado gewesen sind. Zwei Pärchen auf Rundreise – wie wir. Eine Familie zum Schifahren in Aspen. Und nun wir! Und wir dürfen gespannt sein! Nicht nur auf Colorado an sich sondern auch, wie wir die Höhe dort vertragen werden… Der Staat liegt nämlich auf durchschnittlich 2073m Höhe. Für uns die „höchste“ Reise bisher…
Wir fangen in Denver an und befinden uns dort zunächst auf 1608m Höhe, was so ziemlich einer Meile entspricht. Deshalb ist der Spitzname von Denver auch „Mile High City“ und es gibt eine entsprechende Markierung an der 15. Stufe des Colorado State Capitols auf der Westseite. Mal sehen ob wir uns das anschauen werden… Alle weiteren Standorte unserer Route liegen jedenfalls höher als diese eine Meile. Wir werden sehen!
Anreisetag – Das Befinden könnte besser sein
6 Uhr. Ich trinke meinen morgendlichen grünen Tee und kann es nicht fassen, dass ich es geschafft habe, mich in der letzten Nacht vor der Reise noch zu verkühlen. Geschlafen habe ich gar nicht mal so schlecht, angesichts der Reise-Aufregung, aber bei über 30 Grad am Tag gestern und vorgestern, habe ich über Nacht gewagt, das Fenster auf zu lassen damit ich nicht ersticke, und werde nun gestraft mit einer stetig laufenden Nase und einem unguten Gefühl im Hals. Ich bin dolle geknickt. Mein Mann steht erst in zwei Stunden auf.
Nicht einschüchtern lassen von Handgepäcksregeln
Lufthansa hat mir heute Nacht um eins eine E-Mail geschickt gehabt, dass wir aus Platzgründen unser Handgepäck aufgeben mögen, der Flug sei so gut gebucht. Ich verstehe nicht alles weil die Mail unsinnigerweise auf Englisch kommt und ich keine Nerven für so etwas habe und es daher nur überfliege. Wehe irgendwer zwingt mich mein Handgepäck aufzugeben, eher gehe ich zu Fuß nach München!
Das war eh so ein Thema die letzten Tage! Das Handgepäck bzw. dessen Größe. Meine beiden Rucksäcke, die ich abwechselnd als Handgepäck zu nehmen pflege, scheinen zu groß zu sein für United Airlines. Die kleinen Rucksäcke würden gehen, so lange sie leer sind, aber vollgepackt (und kurz vorm Zerbersten) sprengen auch sie die angegebenen Maße. Also habe ich wieder einen der großen Rucksäcke genommen, schließlich ist das ein offizieller Handgepäcksrucksack und ich habe den IMMER genommen. Nur weil ich einmal darauf achte, wie die Maße sein müssen, kann ich den auf einmal nicht mehr nehmen? Nein das Spiel spiele ich nicht mit. Vor allem wenn dann andere Leute mit einem Handgepäck-Trolley von der Größe eines Kleinwagens an mir vorbei spazieren, würde ich nur aggressiv werden, dass ich mich auf die Größe eines Federmäppchens beschränkt habe…
Der Morgen
Dauer-niesend und ein wenig betrübt widme ich mich den letzten Handgriffen. Gegen neun schlagen wir bei meinen Eltern auf, ich muss doch meine Mama noch mal sehen. Auch mein Bruderherz guckt mit Hund vorbei und dann schnappen wir uns Papa, wie wir es „neulich“ vor dem Flug nach Portugal auch gemacht haben, und fahren mit ihm zum Flughafen Hannover. Nach der Kofferabgabe, die keine fünf Minuten dauert weil niemand vor uns dran ist, fährt er wieder nach Hause und wir haben uns die Strapazen mit der Bahn gespart.
10.30 Uhr. Wir haben das erste Mal einen Slot für die Sicherheitskontrollen gebucht, das ist in Hannover seit kurzem möglich. In unserem Fall ist es leider witzlos weil absolut niemand außer uns durch die Kontrollen möchte zu diesem Zeitpunkt…
Am Gate
Hier kaufen wir uns ein paar Getränke und Snacks um die Zeit zu überbrücken. Zum Frühstück hatte ich schließlich nur ein paar Haferflocken mit etwas Hafermilch, und Philipp eine Banane.
Es dauert nicht lange, da werden wir informiert, dass wir eine halbe Stunde verspätet nach München starten werden. Für mich eine kleine Katastrophe weil ich die zwei Stunden Umsteigezeit schon für sportlich gehalten habe und nun werden wir noch weniger Zeit haben!
Gegen 13 Uhr. Unsere Maschine aus und nach München rollt in einem nie zuvor gesehenen Affenzahn auf uns bzw. Terminal A, Gate 6 zu. In einer beachtlichen Geschwindigkeit wird die Maschine geleert, gesäubert und neu geboardet, doch trotzdem bleibt es natürlich nicht bei einer halben Stunde Verspätung…
Ich sitze am Fenster direkt hinter den Tragflächen und habe wirklich null Flugangst. Es kann mir alles gar nicht schnell genug gehen…
Zwischenstopp MUC
In München geht dann alles Schlag auf Schlag. Wir können nicht andocken und stehen so weit weg wie irgend möglich von der einzigen, zu sehenden United Airlines Maschine, und müssen zunächst mit einem Bus zum Terminal gebracht werden. Dort angekommen eilen wir der Beschilderung nach und müssen durch die Passkontrolle für einen internationalen Weiterflug außerhalb der EU. Zum Glück ist die Schlange kurz aber eilig hat es keiner der Kontrolleure. Nur wir.
Danach fallen wir in einen Laufschritt und werden irgendwann förmlich ausgebremst weil die nächste Kontrolle, Pass und Bordkarte, erfolgt. Diejenige Kontrolle, die vor USA Abflügen immer zusammen mit ein paar Fragen fällig wird: Warum? Wohin? Wie lange? Zum wievielten Mal? usw. Ich fühle mich dadurch nur aufgehalten und antworte etwas gehetzt und ungeduldig. Zum Glück hat das keinen negativen Einfluss auf den jungen Mann, der uns ausfragt.
Dann sind wir endlich am Abfluggate und es dauert nur noch Minuten bis wir dran sind. = Einmal Pipi und sehr kurz verschnaufen.
Der Langstreckenflug
Unsere gebuchten Plätze befinden sich in der allerletzten Reihe der, wie sollte es anders sein, Economy Class, in Reihe 57, denn das ist eine Zweierreihe wo wir mit niemand Fremden zusammen sitzen. Das hatten wir uns extra so gebucht und sind auch sehr zufrieden. Philipp kann am Fenster bzw. im Zwischenraum dorthin seine Beine lang machen und widererwarten ist hinter uns keine Wand, sodass wir auch die Rückenlehnen nach hinten stellen können. Das muss ich auch wirklich, denn Madame vor mir hat ihre Lehne von der ersten bis zur letzten Minute nach hinten gestellt… Vielen Dank für die Rücksichtnahme. Ich finde es sollte in bestimmten Situationen erlaubt sein, Menschen einfach mal zu packen und zu schütteln…
Man kann die zehn Stunden Flug als ereignislos zusammenfassen. Es ist wirklich ein angenehmer, durch und durch ruhiger Flug, nur kurz vor Grönland ruckelt es etwas von links nach rechts, aber nichts, das mich irritieren kann. Natürlich ist es relativ unbequem aber man kann zufrieden sein. Außer mit der eisigen Temperatur und dem starken Wind aus der Klimaanlage. Ich habe eine Kapuze auf und hänge mir die meiste Zeit noch die dünne Flugzeugdecke über das Gesicht, benutze zudem stündlich Nasenspray und Halsspray um nicht auszutrocknen, trotz dass ich viel trinke. Das ist wirklich alles etwas unangenehm. Wie manche Leute in T-Shirt und kurzer Hose oder Minirock fliegen und sich Kaffee und Wein dazu gönnen können, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. Ich würde spätestens am nächsten Tag völlig flach liegen.
Die ehemalige Goldgräbermetropole Denver mit über 700.000 Einwohnern, was mehr als der Hälfte der Einwohner Colorados entspricht, erreichen wir dann gegen 18.20 Uhr Ortszeit. Denver ist flächenmäßig der größte Flughafen der USA!
Welcome to Denver, Colorado!
Sehr viel geschlafen haben wir nicht aber wir fühlen uns gerade ganz gut. Wir erhaschen sofort das WLAN vom Airport für eine erste kurze Info nach Hause, finden schnell ein WC, die Flure sind leer, die Immigration ist so schnell und locker wie nie erfolgt (lediglich Fragen an Phil bzgl. der Reiseroute, die er mehr schlecht als recht verinnerlicht hat, und zehn Fingerabdrücke von mir, bei einem übermotivierten Officer, der sich selbst sehr lustig zu finden scheint), auch die Koffer kommen zügig, obwohl wir mit denen eigentlich gar nicht gerechnet hatten nach der Eile in München, und den Shuttle zur Mietwagenstation finden wir auch auf Anhieb.
Als wir das Flughafengebäude verlassen trifft uns temperaturtechnisch allerdings der Schlag. Solche Temperaturen hatten wir in unserem verkühlten, verregneten „Sommer“ 2023 in Deutschland noch nicht…
Mission Mietwagen
Nach wenigen Minuten erreichen wir die Mietwagenstation und hier beginnt dann das große Warten! Die Schlange ist gar nicht so furchtbar lang aber die Besetzung an den Schaltern unterirdisch hinsichtlich der Mitarbeiteranzahl. Dadurch bricht dann doch noch die Dunkelheit herein, pünktlich, als wir losfahren wollen, denn es ist nun schon nach 20 Uhr. Aber wir sind auf den ersten Blick sehr zufrieden mit unserem Toyota RAV4 und Philipp opfert sich, die gute halbe Stunde in die City zu fahren. Bei Dunkelheit sehe ich nun wirklich nichts, das muss jetzt nicht sein!
Endlich im Hotel
Die beleuchtete Skyline von Denver sehen wir linkerhand kurz bevor wir unser Hotel im Viertel Civic Center erreicht haben. Ich husche schnell an die Rezi und frage wo wir parken können, denn dass das Hotel eine Möglichkeit bietet, wissen wir, haben die Einfahrt zum Parkhaus jedoch nicht gesehen gehabt. Man erklärt mir wo die Einfahrt ist, 24h kosten 25 Dollar. Alternativ kann man an der Straße kostenlos stehen, aber nur bis 8 Uhr morgens, danach müsste man eine Parkuhr füttern. Und gegenüber ist ein Public Parking für 12 Dollar pro 24h. Ob das außerhalb safe ist, frage ich. Eigentlich erübrigt sich die Frage, wir sind hier umgeben von Regierungsgebäuden, es wird nicht die schlimmste Ecke der Stadt sein! Das wird mir so auch bestätigt – und trotzdem nehmen wir das Hotelparkhaus, das hatten wir eh von Anfang an so einkalkuliert.
Das Denver Element Downtown East by Westin [!keine Werbung!] empfängt uns freundlich und scheint dem erwarteten Standard zu entsprechen. Wir kaufen uns noch ein paar teure Wasserflaschen vom Hotel, um für die Nacht versorgt zu sein, und das wird sich als goldrichtig herausstellen, denn kaum haben wir geduscht und uns schlafen gelegt, dürstet es uns unaufhaltsam. Ich schiebe es auf die Austrocknung durch die Klimaanlage im Flieger und im Mietauto, Phil schiebt es eher auf die Höhe Denvers, wir sind hier „one mile above sea level“, und als er dann auch noch, nachdem ich schon zwei Stunden wunderbar tief geschlafen habe, anfängt mir zu erzählen, dass es sich so schlecht atmen lässt, frage ich mich was mit ihm los ist und warum ich es nicht bin, die klagt…
Komm mit! Es geht los mit Denver >>>





