Drachenschlucht

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Drachenschlucht-Wanderung

Samstag, 24. Mai 2025

On the road

Und irgendwann sitzen wir dann im Auto und schon die Strecke ist einfach wunderschön: Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, Schäfchenwolken begleiten uns bis nach Thüringen, und die hügelige Landschaft in ungeahnter Vielzahl von Grüntönen ist allein schon die Fahrt wert!

Das einzige, das stört, ist meine plötzlich einsetzende starke Müdigkeit. Was soll das nur werden heute? Wir wollen uns heute schließlich noch ein bisschen was ansehen… Ursprünglich hatten wir für heute nur ein bisschen Altstadt und „mit Bleistift“ das Bach-Haus angesetzt. Für morgen waren Wanderungen geplant. Und das Highlight, die Wartburg, sollte am Montag vor der Heimreise unser krönender Abschluss werden. Das war ganz grob so besprochen, mit viel Spielraum für Spontanes, ganz entgegen meiner Natur!

am Burschenschaftsdenkmal

Und genau zu dieser Spontanität kommt es heute auch auf Anhieb, denn wir sind uns einig, dass wir heute schon wandern wollen, weil für morgen nun nämlich schlechtes Wetter angesagt ist! Allerdings können wir dann heute nur eine abgespeckte Wandertour machen weil wir keinen vollen Tag mehr zur Verfügung haben. Der Wandertag hatte drei Stationen (also drei kürzere Wanderungen) umfassen sollen: Die Drachenschlucht, das Burschenschaftsdenkmal und einen Abstecher in den Nationalpark Hainich.

Doch letzteren müssen wir für heute aus Zeitgründen canceln. Und so stelle ich alles ein bisschen um – und unser erstes Ziel im Navi ist das Burschenschaftsdenkmal östlich der Stadt! Dort befindet sich praktischerweise auch gleich ein Restaurant – wir haben beide tierisch Hunger!

am Burschenschaftsdenkmal

Erster Stopp: Burschenschaftsdenkmal

Hätte ich heute Morgen schon gewusst, dass wir umdisponieren und wandern wollen, wäre ich heute früh nicht so lange mit dem Pferd spazieren gegangen… Aber es ist, wie es ist. Und wir parken unterhalb des Denkmals, welches vorgestern vor 123 Jahren eingeweiht wurde und an die gefallenen Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erinnert.

Ein Schild verrät uns leider, dass das besagte Restaurant heute eine geschlossene Gesellschaft hat! Na Bingo. Dabei habe ich inzwischen schier unerträgliche Kopfschmerzen und bräuchte wirklich dringend Mal etwas zu Essen und zu Trinken. Fehlanzeige!

am Burschenschaftsdenkmal

Es hilft nix! Wir marschieren zum Denkmal hoch, das sind erfreulicherweise keine fünf Minuten Fußweg, und von dort oben ist die Aussicht Richtung Stadt und auf die Wartburg spektakulär! Das Denkmal kann man für 4€ auch von innen besuchen aber uns reicht es, dieses einmal zu Fuß zu umrunden und die Aussicht zu genießen.

am Burschenschaftsdenkmal

Zurück am Auto, trinke ich meine komplette Wanderblase leer, leider ohne Einnahme von (Kopf-) Schmerzmitteln, die ich jetzt wirklich nötig hätte, aber zu Hause nicht eingepackt habe… Mein Zustand erinnert mich langsam aber sicher an meinen körperlichen fast-total-Ausfall auf dem Flug nach Porto vor zehn Wochen… Es geht mir wirklich nicht gut.

am Burschenschaftsdenkmal

Enttäuschender Biergarten-Besuch

Trotzdem halten wir an unserem Plan fest und fahren Richtung Drachenschlucht. Diese befindet sich südlich der Stadt und soll einfach viel zu toll sein, als dass wir sie uns wegen „ein bisschen Kopfschmerzen“ entgehen lassen. Sie wurde uns von mehreren Leuten empfohlen, die dort gewesen sind. Wie sich herausstellt, befindet sich am Wanderparkplatz auch ein Biergarten, wo wir einkehren können, nachdem wir gerade so und mit ganz viel Glück eine Parklücke ergattert haben als jemand im richtigen Augenblick wegfuhr.

Der Biergarten ist leider absolut enttäuschend. Zwei Limos, zwei kleine Laugenbrezeln und eine mini Currywurst am SB-Tresen kosten ganze 17 Euro! Als ich unsere Speisen und Getränke zu Philipp an den Tisch balanciere, denke und sage ich: „Dafür können wir auch ein Flugticket nach Madeira kaufen!“ – In Portugal ist Verpflegung so viel günstiger – und das haben wir immer noch im Kopf seit Madeira 2024 und unserer Pilgerreise 2025 von Porto nach Santiago de Compostela.

Drachenschlucht-Wanderung

Tages-Highlight Drachenschlucht

13.50 Uhr. Wir gehen am Biergarten/Parkplatz los Richtung Drachenschlucht. Der Rundweg beträgt offiziell 3,5km, aber das auch nur in der Theorie. Dort, wo die Tour nämlich beginnt und endet, gibt es keinerlei Parkmöglichkeiten, man muss noch mindestens anderthalb Kilometer drauf schlagen in Summe, vom und zum nächstgelegenen Wanderparkplatz. Ich verstehe nicht, wieso man dann nicht am Wanderparkplatz entsprechend korrekt ausschildert und die Tour mit den tatsächlichen Kilometern ausschreibt.

Drachenschlucht-Wanderung

Uns ist das fast noch egal aber weniger wander-affinen Familien mit Kindern mag diese unkorrekte Angabe unter Umständen weniger gefallen. Und es tummeln sich hier in der Tat in erster Linie Familien in der Drachenschlucht! Kein Wunder, es ist ein einziger Abenteuerspielplatz für Kids! Aber vielleicht gehen die meisten Familien auch gar nicht den ganzen Rundweg, sondern nur eben durch die Schlucht, die sich ziemlich am Anfang befindet, und dann wieder zurück. Mag auch sein.

Drachenschlucht-Wanderung

Uns gefällt jedenfalls die gesamte Strecke! Zuerst muss man vom Parkplatz aus zwar parallel der Hauptstraße gehen, und diese irgendwann überqueren, aber dann beginnt auch schon der schöne Teil. Wir staunen u.a. über die vielen Grüntöne, das klare Flusswasser des Wiesengrundbachs (auch Marienbach genannt!), und die riesigen Baumwurzeln. Es geht sich hier sehr schön aber es ist natürlich auch ein gut besuchter Ort.

Drachenschlucht-Wanderung

Als dann die Passage kommt, wo man sich zwischen moosbedeckten Felswänden hindurch schlängelt, verteilt es sich erstaunlicher gut, sodass man sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt… Die Umgebung wirkt surreal, ich komme mir vor wie in einem guten Museum, das eine solche Landschaft nachgebildet hat, aber sie ist echt! So etwas Beeindruckendes gibt es wirklich!

Drachenschlucht-Wanderung

Ein Naturwunder, das ich mit nichts vergleichen kann, aber Philipp fällt dazu sofort der Antelope Canyon in Arizona ein, obgleich wir diesen (noch?) nie besucht haben, man kennt ihn einfach von Bildern! Natürlich dort in Rot- und Orangetönen, nicht moosbedeckt-grün!

Drachenschlucht-Wanderung

Wir haben tierisch viel Spaß in der Schlucht, der Abschnitt ist auch nicht unbedingt kurz, sondern lohnt wirklich unbedingt einen Besuch! An manchen Stellen ist die Schlucht nur 68 Zentimeter breit, während die Felswände bis zu zehn Meter hoch sind! Der plätschernde Bach ist stets zu hören, das Sonnenlicht fällt durch die Baumwipfel und man merkt deutlich, dass es hier durch die Moose und Farne viel kühler ist als vor und hinter der Drachenschlucht-Passage!

Drachenschlucht-Wanderung

Dieser wunderschöne, verwunschene Ort ist vermutlich einmalig in Deutschland und mutet äußerst märchenhaft an. Der größte Teil des Rundweges kommt aber noch. Zwischendurch geht es nun auch ab und zu Mal ordentlich bergauf. Nicht meine Disziplin. Aber das Wald-Grün, die kleinen Teiche, die Sonne und die eindrucksvolle Elfengrotte geben der Tour ihre Daseinsberechtigung. Es muss nicht immer eine Riesen-Wandertour sein!

Drachenschlucht-Wanderung

Der Rückweg entlang der Straße, auf derselben Strecke wie auf dem Hinweg, ist natürlich weniger spektakulär, aber insgesamt hatten wir herrliche anderthalb Stunden und die Natur hat meine Kopfschmerzen vorerst gut in die Schranken gewiesen. Trotzdem wollen wir jetzt unbedingt ins Hotel und dann dringend irgendwo etwas essen.

Drachenschlucht-Wanderung

Eisenach City

In die Stadt fährt man von hier 5-10 Minuten, parken können wir direkt am Hotel. Eingecheckt haben wir bereits online, sodass wir einfach zum Zimmer gehen können, weil wir die Zimmernummer und den Schlüsselcode auf das Handy bekommen haben. Das ist schon sehr praktisch, obwohl wir normalerweise gerne bei echten Menschen einchecken. In diesem speziellen Fall hatten wir aber gern von der online Variante Gebrauch gemacht, weil wir nicht hatten einschätzen können, wann wir eintreffen würden. Hätten wir uns „verwandert“ oder so, und wären erst nach 18 Uhr gekommen, wäre unser Zimmer uns nicht mehr sicher gewesen.

Abendspaziergang

Das war eine kluge Idee, denn wie sich noch herausstellen wird, ist das Hotel komplett ausgebucht. Morgen ist Halligalli in Eisenach, wegen irgendeines albernen Weltrekordversuchs  wird morgen richtig was los sein in der Stadt. Na toll! Da haben wir ja einen Volltreffer gelandet…

Mit dem Zimmer sind wir zufrieden und im Restaurant gleich nebenan, plaudern wir so nett mit dem Kellner, dass er uns eines von Phil´s alkoholfreien Weizen und meinen Beilagensalat erlässt auf der Endabrechnung. Das macht meine weniger gelungenen Käsespätzle wieder wett.

zünftiges Abendessen

Interessant ist, was der Kellner (=Inhaber) erzählt. Das alkoholfreie Weizen eines sehr bekannten deutschen Bierherstellers, dessen Name auch außen am Restaurant prangt, sei nicht zu bekommen, auch nicht für ihn als Betreiber eines Restaurants dieser Marke. Nur mit ganz viel Glück eine ganze Kiste pro Monat…

Im Internet kann man zu horrenden Preisen einzelne Flaschen erwerben… Man habe es nämlich geschafft, ein alkoholfreies Weizen herzustellen, das exakt gleich schmeckt wie das normale Weizen derselben Marke. Die Nachfrage sei daher explodiert und es kann nicht so schnell so viel, wie erforderlich, produziert werden. Was für eine tolle Sache! Wenn Angebot und Nachfrage in ein besseres Verhältnis gerückt werden können, gibt es -eigentlich- kaum einen Grund, das Weizen mit Alkohol zu trinken!

Abendspaziergang

Da auch der Espresso meine zurück gekehrten Kopfschmerzen nicht in den Griff kriegt, will ich eigentlich sofort ins Bett. Es ist aber erst 17 Uhr knips, und damit etwas früh. Deshalb ordnet Philipp noch einen kleinen Altstadtspaziergang an.

Kurze Zeit später stehen wir an der Predigerkirche, einer der wichtigsten Kirchen der Stadt. Es dauert nicht lange, da entdecke ich die gelbe Muschel auf blauem Grund, für die ich auf dem Camino letzten Monat, ein sehr gutes Auge entwickelt habe. Obwohl ich wusste, dass wir ihr hier in Eisenach begegnen würden, rufe ich Philipp heran, um es ihm voller Begeisterung zu zeigen.

Abendspaziergang

Das bekommt ein Passant mit – ein Mann, den ich, wenn überhaupt, auf „frisch in Rente“, schätzen würde, vom Alter her. “Ja“, sagt er, „das hier ist der Predigerplatz. Aber hier predigt gerade keiner.“… Und ich höre ihm irgendwie schon an, dass er gleich dafür sorgen will, dass das doch jemand tut und antworte auch: „JETZT ja vielleicht DOCH?“ – Und tatsächlich nimmt er die Herausforderung an!

Wie „neulich“ schon in Baiona, haben wir wieder mal einen monologisierenden Mann „gewonnen“, dem wir nicht entkommen können. 20 Minuten lang (gefühlt doppelt so lange) referiert er u.a. über Eisenach, seinen Sohn, der in einer norddeutschen Hansestadt lebt, und die beeindruckende Handwerkskunst der alten Ägypter. Was er zu sagen hat ist teilweise durchaus interessant und mein Gefühl bestätigt sich später: Er hat hier in Eisenach mal Stadtführungen gegeben. Aber, offen gestanden, bin ich viel zu müde, und mir ist kalt, als dass ich gerade Lust auf weitere Konversation mit Fremden hätte. Sorry! Einfach der falsche Zeitpunkt.

Abendspaziergang

Als wir ihm also zu verstehen geben, dass wir aufbrechen wollen, stellt sich heraus, dass wir in dieselbe Richtung wollen, Richtung Marktplatz. Erst dann begreifen wir, dass er an der Ecke einen Zeitungswagen stehen hat, und jetzt Zeitungen austeilt. Wir gehen bis zum Marktplatz gemeinsam und dann geht aber jeder seines Weges.

Für uns wird es nur noch ein kurzer Blick auf den Marktplatz, wo für morgen schon eine Bühne etc. aufgebaut wird. Nein danke, ich muss hier morgen nicht her, aber heute Abend ist der Marktplatz angenehm leer. Meine Vorstellungskraft reicht für eine Massenveranstaltung jedoch aus – und das brauche ich morgen nicht in der heutigen Zeit! Aber wir bewundern kurz (von außen) die Georgenkirche, die vor allem deshalb bekannt ist weil die Heilige Elisabeth von Thüringen hier heiratete (1221). Weil Martin Luther hier mehrfach predigte (1521). Und weil Johann Sebastian Bach dort getauft wurde (1685).

Marktplatz am Morgen

Auf dem kurzen, direkten Weg zum Hotel, kaufen wir im Späti noch drei Flaschen Wasser. Als auf dem Display „7,50€“ erscheint, überlege ich kurz, ob ich sie doch da lasse, nehme sie aber zähneknirschend mit, weil es alternativlos ist. Schade, dass wir eine leere Kiste Wasser im Kofferraum stehen haben, die wir unterwegs nach Eisenach hatten umtauschen wollen in eine volle… Hätte preislich ziemlich viel Sinn gemacht…

Im Hotel angekommen, ist es gerade mal 18 Uhr aber es kommt mir vor wie 23 Uhr. Ich bearbeite kurz meine Fotos von heute und schlafe dann bei vollem Licht ein, Philipp schon lange vor mir… Gegen viertel vor acht wachen wir auf, gehen Zähne putzen und dann wirklich offiziell und final ins Bett. 

Morgen ist auch noch ein Tag… >>>