Tag 6 – Montag 27. November 2023
Auf einen Aperol nach Arrecife
Ich komme mir hier in unserem All inclusive Resort an der Playa de los Pocillos ein bisschen vor wie auf einem Kreuzfahrtschiff: Essen, Essen, Essen, und irgendwie ein bisschen gefangen. Wir können ja nirgends so richtig hin ohne fahrbaren Untersatz… Aber das wollen wir heute mal ändern.
Nach dem späten Frühstück gehen wir zu dem Fahrradverleih, der uns gestern so gut informiert hat und leihen uns Räder für den heutigen Tag. Philipp möchte wie immer strampeln, ich nicht. Jedenfalls nicht so exzessiv, deswegen nehme ich wie immer ein E-Bike. Und zwar plus Versicherung, Helm und Mineralwasser, alles was es gibt, kaufe ich noch dazu, und lande so bei 40€. Mit allem Drum und Dran ist das als Tagessatz für „E“ noch in Ordnung. Dass wir unterm Strich nur einen halben Tag unterwegs sein werden, ist ja unser freier Wille.
Wir radeln auf dem Fahrradweg die Playa de los Pocillos entlang, immer parallel zum Strand, wo wir die Tage auch schon marschiert sind und den View Point am Flughafen dann doch ausgelassen hatten. Der ist dann heute unser erstes Ziel und es dauert nicht lange, da donnert auch eine Maschine direkt über unsere Köpfe hinweg, beeindruckend.
Man kann fast sagen, alle fünf bis zehn Minuten startet oder landet hier eine Maschine, ich hatte nicht angenommen, dass Lanzarote so stark frequentiert ist. Aber gut für alle, die am Tourismus verdienen, und gut für alle Plane Spotter, die hier auf die landenden Maschinen warten. Gestartet wird auf derselben Bahn aber in der Regel in die andere Richtung, nach Norden. An unserem Hotel hören wir nur sehr selten etwas von dem Flugverkehr, je nachdem wie der Wind steht, man sieht mehr als man hört. Aber die Hotels näher am Flughafen, naja, unserer Auffassung nach, ist da ganz schön viel zu hören…
Unser Fahrradweg führt weiter Richtung Playa Honda, immer an der Start- und Landebahn des Flughafens entlang, natürlich getrennt durch einen doppelten Maschen- und Stacheldrahtzaun. Kurz vor Playa Honda, offenbar nicht nur eine Playa, also ein Strand, sondern auch ein Ortsteil, gibt es Bauarbeiten und Umwege, wir trudeln durch den Ort, immer der Nase nach, wir wissen ja in welche Richtung Arrecife liegt, und tatsächlich geht der Plan auf: irgendwann kommen wir wieder auf die Uferpromenade, die kilometerlang bis nach Arrecife führt.
Das erste, was wir von Arrecife „erfahren“ ist die Playa del Reducto, ein ziemlich schöner, weil geschützter Stadtstrand. Hier sind fast gar keine Wellen, das Wasser ist ruhig und schimmert unterschiedlich türkisblau, ein Traum.
Wir haben kein ausgesprochenes Ziel aber es zieht uns beide offenbar zur Charco de San Ginés, der kleinen Salzwasserlagune mitten in Arrecife. Dort sind wir 2017 bereits gewesen, damals zu Fuß, nun gut, heute letztlich auch, denn hier müssen wir natürlich schieben. Der kleine See im Stadtviertel La Puntilla ist mehr als 600 Jahre alt und gesäumt von Restaurants und Cafés. Bei unserem letzten Besuch von Arrecife sind wir hier auch tatsächlich irgendwo auf ein Getränk eingekehrt, leider ist alles extrem touristisch, denn dies ist der wohl touristischste weil fotogenste Ort in ganz Arrecife, und auch wirklich irgendwie schön.
Historisch hat dieser Ort sogar auch eine gewisse Bedeutung, denn der See war einst so ein wichtiger Hafen, dass man die Hauptstadt der Insel von Teguise hier her verlegte. Allerdings spielte ebenfalls eine Rolle, dass Teguise, im Landesinneren, immer stark beeinflusst war von vulkanischen Aktivitäten.
Wir würden auch heute gerne wieder auf ein Getränk irgendwo einkehren, werden aber dort, wo wir sitzen, abgewiesen. Wir müssen etwas zu essen bestellen, heißt es. Warum dann die meisten anderen Gäste nur etwas trinken, erschließt sich uns nicht unbedingt. Schade, dabei hatten wir so schöne Schattenplätze ergattert, neben die wir direkt unsere Räder stellen konnten… Wir schieben unsere Drahtesel weg von dem Gewässer, zurück in die Altstadtgassen und finden ein kleines Lokal, wo wir ebenfalls schattig draußen sitzen, die Räder direkt am Tisch. Genau genommen ist es hier sogar sehr viel schöner, auch wenn der Blick aufs Wasser fehlt! Wir bestellen zwei Aperol und freuen uns des Lebens. Selbst beim Bezahlen noch, denn hier scheinen einheimische Preise zu gelten.
Nun haben wir noch mindestens elf Kilometer Rückweg vor uns. Die Fahrt hier her und retour dauert auf jeden Fall länger als der Aufenthalt, den wir hier hatten, aber das macht nichts. Mit Rädern will man ja nicht shoppen gehen oder große Besichtigungstouren starten, man will radeln, vielleicht hier und da ein Päuschen einlegen und vor allem den Fahrtwind genießen. Oder nicht?
Heute hat es die gleichen 22 Grad wie gestern und vorgestern, doch es steht kein Wölkchen am Himmel. So langsam sind wir in Sorge, wie unserer Haut das bekommen wird. Eingecremt sind wir natürlich, aber das ist nun mal schon ein paar Stunden her…
Der Rückweg ist herrlich und auch „flüssiger“ weil wir uns die Ortsdurchfahrt in Playa Honda und den dortigen Straßenverkehr sparen, indem wir auch den Teil der Promenade beradeln, der Fußgängern vorbehalten ist, aber der Weg ist für uns so sehr viel einfacher und kürzer… und es geht ja auch gut. Erstens ist die Promenade an den meisten Stellen super breit, zweitens sind nicht viele Fußgänger unterwegs (mehr Radfahrer!), drittens fahren wir ganz, ganz langsam und viertens wo kein Kläger…
Am Plane Spotter View Point am Flughafen legen wir noch mal eine kleine Rast ein, doch wir scheinen eine Lücke erwischt zu haben, in der nur gestartet wird. Laut Flughafen-Website eine halbe Stunde auf die nächste Landung zu warten, erscheint uns unattraktiv, da in der prallen Sonne und in Gedanken schon bei der Dusche und dem Abendessen… Also radeln wir zurück zur Verleihstation.
Mit dem Service der Vermietstation sind wir ebenso zufrieden wie mit den Rädern an sich. Zwar ist mir einmal einfach so die Kette abgesprungen, ohne dass ich geschaltet oder sonstige Kunststückchen gemacht habe, aber das konnte mein Mann schnell beheben. Ansonsten war alles bestens und ich würde dort auf jeden Fall wieder ein Rad mieten. Nur nicht in diesem Urlaub. Dafür haben wir keine Zeit mehr, denn morgen steht unsere Vulkanwanderung an und Mittwoch streichen wir die Segel…
Arrecife in Bildern – zum Durchklicken:
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