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Samstag, 13. April 2013 – Desert to Coast
6.15 Uhr: Das Aufstehen in Las Vegas ist heute ganz schön hart. Wir sind noch müde vom gestrigen Tag im Death Valley. Und unser Urlaub ist nun halb vorbei…
Zeit, mal eine Zwischenbilanz zu ziehen! Wir haben nun grob gesagt eine Woche „rote Steine gucken“ hinter uns – und eine Woche Bilderbuch-Pazifikküste vor uns. Das, was wir uns nur „toll“ aber nicht wirklich real vorstellen konnten, das haben wir bereits erlebt. Und fanden es sogar noch viel besser, als wir hätten ahnen können! Das, wovon wir wissen, dass wir es aus tiefstem Herzen lieben, liegt nun vor uns. Von daher geht es uns gerade ziemlich großartig!
Fassen wir „die roten Steine“ mal wie folgt zusammen: Utah – rote Felsmonolithe, malerische Canyons, einsame Wüsten, perfekte Filmkulissen, natürlich ebenso in Arizona! Eine Landschaft die vor Freiheitsgefühl und Abenteuer strotzt! Die man durchstreifen MUSS, will man das ECHTE Amerika erleben:
Schnurgerade Highways, endlose (!) Weiten, eine Landschaft die vor 200-300 Millionen Jahren entstanden ist, weil Flüsse, Wind und Wetter zusammen gespielt haben. Nirgends sonst liegen so viele steinerne Wunderwelten und Naturwunder auf so engem Raum zusammen.
Aber heute geht es nach Kalifornien. Da waren wir zwar gestern schon für ein paar Stunden (im Death Valley), aber nun werden wir die restlichen Tage unserer Reise dort verbringen. Und was erwartet uns? In erster Linie vertraute Städte und Orte vom Durchfahren oder Verweilen vor knapp zwei Jahren. Die Sehnsucht ist unendlich, wir wollen endlich ans Meer! Mit entsprechender Vorfreude erwarteten wir deshalb den heutigen Tag.
7.15 Uhr: Wir sind super in der Zeit und starten Richtung „Sonne, Strand und Redwoods“! Aber der Reihe nach!
F. fährt wieder zuerst. Sie fährt nun mal am Liebsten morgens, und auch wenn sie es gerne tut, hat sie es dann hinter sich. In der zweiten Tageshälfte sind wir meist noch müder, und sie beherrscht es ganz gut, mich wach und bei Laune zu halten, wenn ich nachmittags am Steuer sitze.
Wir wollen noch ein paar Besorgungen im Walgreens [!keine Werbung!] machen. Dazu fahren wir den Strip nach Norden komplett ab – das ist übrigens sehr empfehlenswert zu dieser Zeit. Morgens kann man hier wunderbar fahren, da der Strip zu dieser Zeit, also im Vergleich zu nachmittags, abends und nachts, wunderbar leer ist. Nächstes Mal würde ich es so handhaben, dass man möglichst am Vormittag versucht, ein paar Meter zu machen, wenn ich Las Vegas erkunden möchte. Denn das möchte ich irgendwann unbedingt noch einmal.
Ich behaupte mal: Diese Stadt hasst man oder man liebt sie. Ich finde sie einfach nur toll! Und dabei hatte ich tendenziell das Gegenteil von mir erwartet, muss ich gestehen.
Nach unserem kleinen Einkaufen fahren wir noch zur Graceland Wedding Chapel – ein kurzer Fotostopp ist hier ja mal so was von Pflicht! Die berühmteste Hochzeitskapelle von Las Vegas ist berühmt für ihre Trauungen mit Elvis-Imitatoren. Der berühmteste Promi, der hier schon geheiratet hat, dürfte wohl Jon Bon Jovi sein (1989)!
Aber Las Vegas hat noch ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk für uns: Auf der Interstate 15 South Richtung Kalifornien, verlassen wir die Stadt. Kurz nach der Grenzüberquerung zu Kalifornien erleben wir einen kleinen Zwischenfall…
Ich bin inzwischen längst ins Land der Träume entschwunden, als ich plötzlich ein nervendes, Pling-Pling-Geräusch vernehme. Mensch, warum sagt F. denn nichts? Das Navi braucht wohl Strom! Der Akku ist leer – so zeigt es jedenfalls an!
Also stöpsel ich es das Navi schnell ein, um weiter schlummern zu können… Nur, dass das Pling Pling Pling nicht aufhört. Leicht genervt frage ich F., die immer noch reaktionslos neben mir sitzt, und sich ganz auf die Fahrbahn vor sich konzentriert, ob sie hier irgendwelche Knöpfe gedrückt hat im Auto… In so einem neumodernen Wagen sind wir beide ja nicht so bewandert, was die Technik betrifft… Nein, sie wisse auch nicht was los ist. Der Blinker blinkt auch nicht… Keine Ahnung!
Nun, manchmal ist ein Blick in den Rückspiegel ganz hilfreich! Ich habe keinen Schimmer WIE lange (und geduldig) die HIGHWAY PATROL nun schon hinter uns her gefahren ist mit „Alarm“ – so mag ich das gar nicht nennen, dieses zarte Pling, Pling… F. fährt nun aber sofort rechts ran und wir warten auf das was da kommen mag…
Mr. F. (wie ich seinem Namensschild entnehme), kommt an die Beifahrerseite, ich mache deshalb das Fenster runter und er teilt uns mit, dass F. irgendetwas falsch gemacht hat. In der ganzen Aufregung, verstehen wir aber nicht so richtig, was genau. Eine Polizeikontrolle auf Englisch ist ein bisschen was anderes, als im Restaurant einen Veggie Burger zu bestellen…
Es kann aber wohl nichts wirklich Schlimmes gewesen sein, denn er gibt uns lediglich eine mündliche Verwarnung. Er…
-kontrolliert noch F.´s Pass und Führerscheine
-fragt uns nach dem Grund und der Dauer unseres USA-Aufenthaltes (das scheint hier immer jeden brennend zu interessieren…)
-sagt, dass man uns das Auto wegnimmt, wenn wir uns noch einmal etwas erlauben (daraus schließe ich, dass er sich das Kennzeichen notiert hat…) und
-dass wir zusehen sollen, dass wir nicht weiterhin so „verkehrsgefährdend“ fahren!
Ich kann mir nach wie vor nicht vorstellen, dass F. etwas falsch gemacht hat. Aber ich habe auch geschlummert und kann es letztlich nicht beurteilen. Mit Absicht wird sie jedenfalls tausendprozentig keinen Fehler gemacht haben.
Kaum ist Mr. F. verschwunden und F. wieder auf die Fahrbahn gerollt, kann ich sofort laut und lange über dieses Erlebnis lachen, insbesondere, da wir uns einig sind, dass wir da ein besonders schmuckes Exemplar von Officer an unserem Fenster stehen hatten…
Nach ungefähr einer Stunde kann auch F. endlich darüber lachen… Das war auf jeden Fall ein Erlebnis, an das wir uns immer erinnern werden. Und ein -glücklicherweise- kostenloses noch dazu!
11.30 Uhr: Wir erreichen Calico Ghost Town. 7 Dollar Eintritt pro Person kostet der Besuch der aufgemotzten Geisterstadt. Sie ist nicht wirklich verlassen, sondern stark touristisch zurechtgemacht, sodass man hier gut und gerne einen halben bis ganzen Tag verbringen könnte: Es gibt historische Gebäude, alte Minen, kleine Museen, zahlreiche Gift Shops, sogar Pferde und natürlich jede Menge Wild West Flair. Vor allem für Familien mit kleineren Kindern ist das hier sicherlich ein beliebtes Ausflugsziel!
Für uns ist es nur ein Zwischenstopp, denn wir haben heute einen weiten Weg vor uns. Von Vegas kommend, hat F. uns schon zwei Stunden gefahren. Wir haben nochmal mehr als das Doppelte vor uns.
Nicht zu frühstücken, daran haben wir uns inzwischen gewöhnt, aber dafür ist dann auch ein verhältnismäßig früher Lunch erforderlich! Wir essen in Calico also auch gleich. Ich bestelle mir eine Beilage, aber ich schaffe sie nicht, weil die Portion Pommes so riesig ist!
12.30 Uhr: Wir fahren weiter. Ich fahre ab jetzt. Erst mal tanken wir. Später machen wir noch eine Pipi-Pause. Nach zwei Stunden tauschen wir wieder die Plätze.
Calico in Bildern – zum Durchblättern:
Wir wollen in der Nähe von Solvang zur Flag is Up Farm, die Farm von „Pferdeflüsterer“ Monty Roberts. Die hat nur bis 17 Uhr auf und wir haben sehr dichten Verkehr und zum Schluss auf dem Küsten-Highway auch noch Stau, der mich irgendwann verzweifeln lässt, denn: Werde ich jemals wieder hier her kommen und die Farm besuchen können?
Es ist so jammerschade, weil irgendwann absehbar ist, dass wir es nicht mehr schaffen werden… Trotzdem versuchen wir es! Obendrein ist uns das Navi keine Hilfe, als wir versuchen den Stau zu umfahren, und so müssen wir uns auf die Schilder, unser Gefühl und den Road Atlas verlassen…
16.45 Uhr: Wie in einem ganz schlechten Film! Wir fahren aus dem Örtchen Solvang raus und ich weiß von meinen Recherchen zu Hause auf Maps, dass nun bald auf der rechten Seite die Farm kommt – und sie kommt auch! Wir jubeln und F. bremst ab, biegt rechts ein und das Tor der Einfahrt geht gerade vor unserer Nase zu! Gaaaanz langsam………. Ich weiß nicht ob ich lachen oder heulen soll!
F. entdeckt links an der Mauer ein Knöpfchen… Sie drückt einfach mal drauf – und das Tor öffnet sich wieder. Juhuuuu! Kurz vor Peng aber egal! Wir parken direkt vor dem Besucherhäuschen. Und dann war es das. Leider macht man hier überpünktlich Feierabend… Niemand mehr da. Abgeschlossen und dunkel.
Es bleibt mir nur ein Blick über Zäune und Hecken… Die Stallburschen sitzen vorm Stall und klönen… Direkt am Parkplatz befindet sich aber auch eine Weide mit drei ganz jungen Stuten. Die kann ich kurz streicheln aber dann weiß ich leider auch irgendwann nicht mehr, was wir hier noch sollen. Wir sind halt doch zu spät für eine Tour… Oder auch nur irgendwas. Wir fahren also zurück nach Solvang!
Flag is Up in Bildern – zum Durchblättern:
17.30 Uhr: Die Kleinstadt im dänischen Stil wirkt tatsächlich authentisch skandinavisch, ich bin überrascht, wie gut sie die Architektur hier umgesetzt haben und selbst Bäckereien und Souvenirläden wirken wirklich dänisch. Ich kenne zwar bisher nur Kopenhagen persönlich, aber trotzdem…
Wir stellen unser Auto beim kostenlosen Public Parking ab und bummeln ein wenig umher. Es gibt nicht nur Gift Shops und Danish Bakeries, sondern vor allem immer und überall ein Weinlokal, und zwar in absolut idyllischer, schnuckeliger Umgebung und entspannter Atmosphäre!
Warum Dänemark in Kalifornien? Der Grund ist simpel: Das Städtchen wurde (1911) von dänischen Einwanderern gegründet, die ihre Kultur, Architektur und Gemeinschaft zu bewahren versuchten. Das bringt neben Fachwerkhäusern und Windmühlen auch dänische Straßennamen mit einher. Und der Name Solvang, aus dem Dänischen, bedeutet in etwa „Sonnenfeld“ oder „Sonnenwiese“. Wie schön. Ein bisschen Europa in den USA! Hier hätten wir unbedingt eine Übernachtung einplanen sollen…
Solvang in Bildern – zum Durchblättern:
18 Uhr: Die letzten Meter, eine knappe Stunde, werde ich das Steuer wieder übernehmen! F. darf sich erholen von den Staustrapazen und meiner schlechten Laune auf dem Beifahrersitz…
Unser letzter Weg für heute führt uns nach Pismo Beach, wo wir das Spyglass Inn [!keine Werbung!] vorgebucht haben. Wir sind schon sehr gespannt und voller Vorfreude auf die Unterkunft und die Umgebung, da wir direkt am geliebten Pazifik übernachten werden.
19 Uhr: Wir checken ein und überlegen nicht lange. Unser Hunger ist riesig und im Hotel gibt es ein Restaurant – Alternativen gibt es keine! Unser Kellner, ein Double von Dirk Nowitzki, ist absolut engagiert. Ich hätte zu meiner Pizza gern ein Bier, kenne mich aber mit den amerikanischen Sorten nicht aus. Daraufhin kommt er mit einem Tablett Schnapsgläsern vorbei, in denen verschiedene Biersorten sind. Alle Biere schmecken hervorragend, ich wähle eines aus, und auch die Pizza enttäuscht nicht!
Es ist ein herrlicher Abend draußen unter Heizpilzen, direkt am Ozean! Wir lassen den Tag mehrere Male Revue passieren, vor allem die Highway Patrol-Geschichte, kaum dass wir Kalifornien erreicht hatten… Wir lachen viel. Und gönnen uns noch jeder einen Cocktail: Den BIKINI FLIRTINI.
Ein Volltreffer: Wodka, Prosecco und Ananassaft ist eine verdammt gute Kombination! Trotz aller Hindernisse, stoßen wir auf einen sehr gelungen Tag an, und auf ein richtig gutes Hotel für die kommende Nacht! Gegen 22.30 Uhr fallen wir in die Federn.
Sonntag, 14. April 2013 – Kalifornien erreichen: Zwischen Ankommen und Abschied
Es ist schon einer unserer letzten Tage in Amerika und spätestens heute werden wir so richtig traurig weil wir wirklich, wirklich, wirklich nicht nach Hause wollen… Wir sind gerade erst am Ziel unserer kalifornischen Träume angekommen…
Nicht nur die unglaublichen Natur- und Landschaftsphänomene sondern auch die Menschen, die Kalifornier, sind einfach so herrlich entspannt und sogar noch freundlicher als der Amerikaner an sich sowieso schon. Wir fühlen uns hier so wohl, wir sind hier zu Hause, wir gehören hier her…
9.30 Uhr: Pismo Beach. Es fällt uns wieder einmal schwer, aber wir stehen langsam auf. So spät waren wir noch nie dran.
11 Uhr: Ich entdecke in unserem Zimmer auf einem Gemälde an der Wand die deutsche Bildunterschrift „Der wunderschöne Turm von Warnemünde“. Aber dann müssen wir auschecken und tanken fahren. Die Tankstelle ist direkt gegenüber vom Hotel, aber es dauert leider eine Weile, weil ein paar Zapfsäulen nicht so richtig wollen, oder möglicherweise liegt es auch an uns…
Als wir endlich wieder Sprit haben, suchen wir die Dünen von Pismo Beach. Suchen ist wirklich das Stichwort! Und dieses Problem hatten wir 2011 schon! Da waren wir auch in und am Pismo Beach und der einzige auffindbare Strandzugang von damals, ist auch der einzige, den wir heute finden. Das Navi lotst uns derart falsch, falscher geht es schon gar nicht mehr (nehme ich an). Wir fahren nach Gefühl und Zufall bevor wir schlussendlich aufgeben. Nur ein paar Schritte durch den Sand und dann haben wir genug Zeit vergeudet…
12.15 Uhr: Ich habe Hunger. Da wir wieder kein Frühstück hatten und unser Ziel noch einige Stunden entfernt liegt, muss ich jetzt schnell noch was essen. F. stoppt für mich kurz am Sandwich-Schnellrestaurant und dann mampfe ich auf dem Beifahrersitz…
Kommt mit auf den Highway No. 1 >>>






