Das wird kein klassisches Fazit „Wie ist Sao Miguel? Lohnt es sich? Was sind die Highlights?“… Es ist ein bisschen persönlicher – und für mich passender.
Allen Widrigkeiten zum Trotz, haben wir versucht, aus diesem Urlaub noch das Beste rauszuholen. Das war nicht immer leicht mit einem lädierten Fuß und zwei angeknacksten Immunsystemen. Auch wenn wir uns nicht erholt und überglücklich fühlen, wie nach manch anderem Urlaub, so war ja wirklich nicht alles schlecht! Und das möchte ich versuchen zusammenzufassen:
Was war gut?
Das Wetter im Oktober war gigantisch! Wenn man die hohe Luftfeuchtigkeit einmal ausblendet, so war es fast immer herrlich sonnig. Vor allen aber herrschten stetig angenehme 22-25 Grad!
Damit war das Wetter einfach nur PERFEKT, perfekter denn je, egal wo wir schon gewesen sind! Und das zwei Wochen lang! Das kleine Bisschen, was an Regen runterkam, ist nicht der Rede wert und hat uns auch nicht beeinträchtigt!
Zwei besonders positive Nebeneffekte von diesem Wetter waren zum Einen, dass ich wirklich nie Haare föhnen musste (was ich super nervig finde) weil die Haare im Nu von selbst trockneten, und zum Anderen, dass ich wirklich nie Socken brauchte nachts (und ich habe selbst auf Bali in Socken geschlafen…).
Was war gut?
Das Autofahren auf Sao Miguel kann ich nur aus der Perspektive des Beifahrers beurteilen, denn auch wenn wir extra einen Automatikwagen gebucht hatten, schon bevor mein Fuß kaputt ging, so wollte ich trotzdem nicht so gerne mit einer Verletzung fahren, auch wenn diese den linken Fuß betrifft. Deshalb habe ich mich voll und ganz auf Philipp verlassen und insgesamt betrachtet war das Autofahren sehr entspannt. Jedenfalls wesentlich entspannter als auf Madeira!
Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, denn das eine oder andere Mal muss man schon beten, dass einem niemand entgegen kommt an besonders engen und/oder steilen Stellen, da liegen die Nerven durchaus schon mal blank. Aber zu mindestens 80% war es übersichtlich, flach und vor allem die Straßen nicht so voll, wie man befürchten könnte. Und wenn man ein, zwei Mal eine bestimmte Strecke gefahren ist, schafft man es bereits ohne Navi und fährt relativ routiniert, sogar durch die wilden Kreisel, die in Portugal ganz anders funktionieren als bei uns…
Was war gut?
In diesem Atemzug sei auch unser Auto erwähnt! Für die eine oder andere Gasse war der sehr moderne SUV vielleicht einen Hauch zu groß aber ansonsten waren wir voll zufrieden. Wir hatten unheimlich viel Platz und Komfort, was wir alles gar nicht gebraucht hätten. Es gab nur einfach keinen kleineren Wagen mit Automatik, und das war uns wichtig gewesen nach der letzten Madeira-Reise! Vielleicht wäre hier gar kein Automatik nötig gewesen, aber bei einem so geringen Aufpreis würden wir es jederzeit wieder so machen!
Was war gut?
Gesundheitlich sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen! JA – ein paar Tage lag Phil mit Fieber und Abgeschlagenheit und wir konnten gar nichts machen, außer im Moment zu sein. Aber das Ganze sah zuerst eigentlich danach aus, als würde es noch viel länger dauern bei ihm.
Stattdessen habe ich dann übernommen und auch wenn mich das wirklich Laune und Nerven gekostet hat, so kann ich behaupten, dass es glimpflicher abgelaufen ist, als ich das von meinen vielen Erkältungen gewöhnt bin. Das heißt nicht, dass es Spaß gemacht hat, aber mit viel Geduld, Tee, Vitaminpillen, Bonbons und Menthol-Taschentüchern haben wir uns gegenseitig immer wieder gut zugesprochen und das Befinden und Auftreten des Anderen gut tolerieren können.
Was war gut?
Das mit dem Fuß ging schon irgendwie. Natürlich hat uns das enorm ausgebremst und uns jeglicher Erlebnisse beraubt, die wir uns vorgenommen hatten, wie zum Beispiel im Meer baden, am Kraterrand entlang reiten, versteckte Wasserfälle erwandern, eine spannende Führung mit einem Imker inklusive Imker-Outfit, eine interessant klingende Tour mit einem Kuhbauern – und noch vieles mehr…
Aber letztlich sind die Schmerzen unterm Strich immerhin nicht schlimmer geworden, das heißt, ich habe es ganz gut hinbekommen, und mit der Belastung nicht übertrieben. Es wird zwar noch ein paar Wochen brauchen, aber wenigstens konnten wir hier Sonne tanken!
Was war gut?
Vitamin D. Fällt mir gerade beim Sonne-Tanken ein. Unsere Vitamin-D-Speicher konnten wir für den Winter noch einmal wunderbar auffüllen! Gold wert!
Was war gut?
Die Menschen. Auch wenn wir manche Azoreaner als weniger herzlich wahrgenommen haben, als die Portugiesen auf Madeira und auf dem Festland, bleibt letzten Endes dann doch wieder der Eindruck, dass wir hier gut behandelt wurden, wahrgenommen wurden, gern gesehen waren. (Das Gros des Hotelpersonals klammern wir an dieser Stelle einfach mal aus!)
Was war gut?
Das preisliche Gefüge. Wie wir es von Portugal kennen, sind die Nebenkosten für einen Touristen noch überschaubar weil tendenziell niedriger als in Deutschland, selbst auf den Inseln. Essen gehen, einen Kaffee trinken, alltägliche Produkte im Supermarkt kaufen, all dies ist für uns in der Regel sehr, sehr erschwinglich gewesen. Und auch beim Tanken kostete der Liter rund 20 Cent weniger!
Was war gut?
Die Langsamkeit. Zuerst hat sie mich in den Wahnsinn getrieben, weil ich sie mir nicht ausgesucht habe, sondern mein Fuß sie mir vorschrieb, aber dann habe ich sie irgendwann akzeptiert und tadaaa, plötzlich hat sie mir manchmal sogar gefallen. Nicht immer! Das wäre gelogen! Aber hin und wieder schon.
Denn man nimmt viel mehr am Rande wahr! UND: Ich habe endlich mal wieder ein Buch gelesen, insbesondere als ich mich ohne Philipp beschäftigen musste. Genau genommen sogar ein ganzes und zwei halbe. Für zwei Wochen ist das zwar nicht besonders viel aber viel mehr als ich in letzter Zeit zu Hause gelesen habe.
Was war gut?
Mein Sofa!! Definitiv mein Sofa in der riesigen Hotellobby, weiter hinten, weg von der Rezeption. Hier konnte ich stundenlang liegen und lesen, Fotos sortieren, Mails oder Tagebuch schreiben und abkühlen. Denn hier war es einfach immer schön kalt, aber meistens auch ruhig, und ich konnte hier jederzeit ein Päuschen einlegen wenn es mir auf dem Zimmer zu warm, zu stickig, zu sonstwas war. Das habe ich täglich so gemacht und war mein Safe Space in diesen zwei seltsamen Wochen!
Was war gut?
Gut wäre eine freche Bezeichnung: GROSSARTIG fand ich die Natur auf der Insel, auch wenn ich nur einen Bruchteil davon sehen konnte, im Vergleich zu einem Wanderer. Dennoch: Alle Grüntöne dieser Erde sind auf Sao Miguel zu finden, für mich wird „die grüne Insel“ vermutlich nie wieder Irland sein, sondern immer Sao Miguel!
Und außerdem gefällt mir das gelegentliche Lava-felsige und, dass sogar per Auto Wasserfälle erreichbar waren! Ganz abgesehen von den vielen schönen Ausblicken auf Kraterseen oder das Meer! Wenngleich die Miradouros definitiv nicht mit denen auf Madeira mithalten können, gab es doch ein paar sehr schöne! Man darf auch nicht immer vergleichen…
Einziger Wehrmutstropfen: Die Hortensienblüte im Mai/Juni wäre das I-Tüpfelchen gewesen! Die ganze Insel ist wirklich voller Hortensienbüsche und selbst im verblühten Zustand hatten sie was – wenn ich mir ausmale, dass die alle in Blüte stehen, dann leuchtet die ganze Insel plötzlich blau und nicht mehr grün! Das muss der helle Wahnsinn sein und ist meine absolute Empfehlung!
Mein vielleicht meist gesagter Satz unterwegs war: „Wow! Und jetzt stell dir mal vor, die würden gerade alle blühen!!“ Ungefähr so wie ich mir einst auf dem Weg in den Rocky Mountain Nationalpark dachte: „Wow! Und in wenigen Wochen ist das hier alles herbst-bunt, statt sattgrün!“ …
Was war gut?
Unser Hotel definitiv nicht. Aber unser Zimmer schon! Philipp hängt sich zwar jederzeit am Alter des Kleiderschrankes auf, aber den nutzen wir eh kaum – und das Alter beeinträchtigt ihn ja auch gar nicht, solange er stabil und sauber ist, was der Fall war. Wir hatten reichlich Platz und die Putzfeeen haben es wirklich jeden Tag rausgerissen, was das sonstige Personal nicht gut gemacht hat. Auch deren Freundlichkeit war um Längen besser als an der Rezeption, was aber auch kein Kunststück war…
Was war gut?
Oftmals das Essen! Vielleicht nicht gerade das Frühstück im Hotel aber ansonsten hatten wir großes Glück! Zwar war es, wie so oft, schwierig etwas Vegetarisches zu finden aber es hat immer geklappt und war immer lecker. Klar, manchmal musste ich mich mit Cheese Toast begnügen, aber was sie hier richtig gut konnten, das war Kaffee, Tee natürlich, Ananas, Süßgebäck und Salate bzw. Bowls.
Was war gut?
Ich habe das „Surfern zugucken“ für mich entdeckt. Die Anfänger waren an der Südküste zu finden, die Fortgeschrittenen toben sich an der Nordküste aus. Ihr Können und Versuchen zu beobachten, hat Spaß gemacht.
Was war gut?
Von ganz wenigen Ausnahmen, meist das Autofahren betreffend, gab es keine großen zwischenmenschliche Krisen und die Stimmung war erstaunlich gut im Angesicht der Dramen die uns widerfahren sind. Wenn es hart auf hart kommt, halten wir zusammen. Das ist doch auch eine schöne Erkenntnis! Und ein ganz passabler Schlusssatz.















![Plantação de Ananás dos Açores [!!keine Werbung!!]](https://live.staticflickr.com/65535/54901641533_85eecaee41_c.jpg)

