<<< Zurück zum Willis Tower, Chicago River Walk und Chicago History Museum
Samstag, 24. August 2024
Abseits der Hauptpfade
Es ist ca. 9 Uhr als wir das Hotel „endlich“ verlassen. Wir gehen bewusst einen kleinen Umweg, denn wir haben noch so viel Zeit bis wir für 10 Uhr den Besuch des Hancock Towers gebucht haben. Ja, ich weiß, wir waren gestern erst auf einem hohen Turm aber so passte es einfach am Besten, denn für sämtliche Attraktionen bzw. Museen mussten Öffnungstage und -zeiten berücksichtigt werden, deshalb haben wir jetzt zweimal hintereinander Aussicht. Ist auch egal…
Man muss einfach nur mal ein oder zwei Blocks abseits „unserer“ Mag Mile gehen, dann ist man mitunter in einer ganz anderen Welt, in diesem Fall streifen wir durch etliche Blocks und Straßen voller Medizineinrichtungen, Chicago scheint in der Urologie und Neurologie landesweit ganz vorn mitzumischen. Und es gibt hier etliche Lehreinrichtungen für angehende Chirurgen. Entsprechend ruhig ist die Gegend, und statt Fast Food Läden gibt es hier tendenziell Smoothie- und Salat Bars…
Mir war das vorher gar nicht klar, dass wir hier so viele medizinische Einrichtungen um die Ecke haben… Dental Center, General Internal Clinic, ein Nephrologe, plastische Chirurgie und gleich mehrmals jeweils Gynäkologie, Heart Hospitals und jede Menge Onkologie. Zudem ein Biomedical Center, irgendwas mit Forschung, und ein riesiger Komplex mit Kinderärzten für jegliche Fachrichtung und Dringlichkeit. Dass da die entsprechenden Schools of Medicine dazwischen stehen, versteht sich fast von selbst.
Das erklärt warum wir zu jeder Tageszeit, immer und ständig, medizinisches Personal in Hotelnähe oder im Bus sehen. Ob das so hygienisch ist, im Arbeitsdress herum zu laufen? In beide Richtungen gedacht… Mit dem Arbeitsfrack draußen herum zu turnen und dann am Patienten zu hantieren? Umgekehrt werden ja vielleicht auch Dinge aus dem Krankenhaus rausgeschleppt, die dort bleiben sollten…?!
Wolkenkratzer Vibes
Wir dürfen schon eine halbe Stunde früher rein mit unseren Tickets. Es ist aber kein Umtausch erforderlich wie gestern beim Willis Tower. Aber es ist ähnlich leer, was sehr angenehm ist, denn es gibt kein Gedränge und keine Warteschlangen, nicht mal am Lift. Fühlt sich an wie ein VIP Ticket!
Der Lift ist jedoch viel älter und wackliger als der gestrige. Das allein ist schon ausschlaggebend warum mir der Willis Tower auf Anhieb etwas sympathischer ist. Und schnell werde ich herausfinden, dass dort auch die Scheiben sauberer gewesen sind, aber ich sehe ein, dass das alles Momentaufnahmen sind. Ansonsten gefällt mir der knapp einstündige Besuch hier oben sehr gut.
Die Aussichtsetage nennt sich 360 Chicago [!keine Werbung!] und man kann in der Tat einmal rund herum gehen, natürlich ebenfalls indoor, wie gestern. In der sogenannten Cloud Bar gönnt Phil sich ein Guinness, im Anbetracht der Uhrzeit nicht so ganz verständlich aber simplen Kaffee entdecken wir auf der Karte leider nicht, und er möchte unbedingt ein Getränk genießen während wir Richtung Norden, Richtung Lincoln Park und Lake Michigan Küste blicken. Traumhaft schön ist das hier!
Auf der anderen Seite, Blickrichtung Süden gibt es die zuzahlungspflichtige Attraktion „Tilt“, bei der man sich links und rechts festhalten kann aber grundsätzlich auf einem „kippbaren“ Untergrund steht, d.h. man wird in einem gewissen Winkel nach vorne geneigt und hat vermutlich das Gefühl, gleich runter zu fallen. Und genau aus dem Grunde beschränken wir uns auf den regulären Besuch und verzichten auf solche Spielereien.
360 in Bildern – zum Durchblättern:
Der Tower war einer der ersten Skyscraper mit privaten Wohnungen, nur bis zur 43. Etage findet man Parkplatz- und Büroflächen. Ab der 44. Etage gibt es dann Ladenfläche, Fitnessräume und ein Schwimmbad, ganz exklusiv für die Bewohner aus den darüber liegenden Etagen. Die Aussichtsetage befindet sich im 94. Stockwerk, wo man, Achtung!, im Jahr 2013 temporär eine Eislaufbahn von rund 80 Quadratmetern installierte! Heute gibt es hier immerhin 3-4x pro Monat „Sky Yoga“ (für 55 Dollar pro Stunde…), wir treffen einige Frauen mit Yogamatten in der Cloud Bar…
Noch mehr Aussicht, bitte!
Unser nächster Weg führt uns per Bus in den Loop, jenem Bereich südlich des Chicago Rivers, in unserem Fall aber dennoch an der Mag Mile. Cindy´s Rooftop Bar [!Keine Werbung!] ist eine weitere Gelegenheit für uns, Chicago „von oben“ zu erleben, im Vergleich zu dem Hancock Center zuvor, sind wir hier natürlich nicht sehr weit oben, dafür aber direkt am Millennium Park, also mit Blick auf das Cloud Gate (die Bohne) und den Crown Fountain! Eine völlig andere Vogelperspektive.
Die besagte Roof Top Bar ist wunderschön und kostet keinen Eintritt (ich mein, es ist auch „nur“ eine Bar!). Drinnen kann man super teuer essen aber es ist dort so stylisch, lässig schön, zu 100% so wie ich mir rein optisch eine amerikanische Roof Top Bar vorstelle! Allein um hier einmal durch zu gehen, hat es sich gelohnt, herzukommen! Draußen kann man überteuerte Cocktails trinken (oder in meinem Fall Matcha Latte) und in der (leider prallen) Sonne den Ausblick genießen! Das ist es uns wert!
Aber ich muss schon sagen, dass ich viel hin und her tigere weil mir der Schatten fehlt, es ist heftig! Wer kann, sollte also nicht in den Mittagsstunden hier her kommen, jedenfalls nicht im Sommer. Ansonsten gehört dieser Ort in Chicago meines Erachtens zu den absoluten MUST DOs!! Und dabei hatte ich nur über zahlreiche Umwege überhaupt von der Existenz der Bar erfahren!
Schräg gegenüber befindet sich das Art Institute, für das wir heute noch Tickets haben! Doch zuvor muss ein Fotostopp auf der anderen Straßenseite sein: Startpunkt der Historic Route 66!
Kunst und Krempel
Was in Paris der Louvre ist, ist in Chicago das Art Institute. Regelmäßig unter die besten Museen der Welt gewählt. Und mein Mann äußerte den Wunsch, dass wir uns das mal genauer ansehen! Damit hatte ich zwar nicht unbedingt gerechnet aber natürlich haben wir auch diese Tickets vor der Reise gebucht!
Es gibt hier mehr als 300.000 Kunstwerke oder was man eben als solche bezeichnet. Entsprechend viel Zeit solltest du hierfür einplanen! Und ich muss zugeben: Wir bleiben fast drei Stunden hier und gehen dann auch nur weil uns die Füße qualmen und der Magen langsam knurrt, nicht etwa weil wir auch nur ansatzweise schon durch wären oder uns nicht gefiele was wir sehen…
Immerhin gibt es Kunstwerke und Künstler, von denen auch ich tatsächlich schon mal gehört habe, wie z.B. Monet, Manet, Renoir, Chagall, van Gogh, O´Keeffe oder Hopper. Kunstexperten haben vielleicht was dagegen, wenn ich diese Namen in einer Reihe nenne, aber so ist das eben.
Was mir jedoch überhaupt nicht gefällt ist das Museums-Bistro, in dem wir pausieren. Es gibt hier nur eine kleine, unattraktive Auswahl an Snacks und Getränken, zu hammer-heftigen Preisen, und dann schmecken die „hausgemachten Rosmarin-Kartoffelchips“ auch noch echt scheiße weil sie gnadenlos übersalzen sind. Es soll auch noch ein größeres Café geben, bis dorthin sind wir aber gar nicht mehr gekommen.
Art Institute in Bildern – zum Durchblättern:
Mein Mann erfüllt sich einen Traum
Bis zum Cadillac Palace Theatre gehen wir anschließend vom Art Institute fast anderthalb Kilometer, als hätten wir heute nicht schon einen Marathon innerhalb des Museums hinter uns gebracht…
Im Cadillac Palace Theatre läuft dieser Tage das Musical „Back to the Future“ und Philipp wollte es un, un, unbedingt sehen! Ich hatte schon vor dem Urlaub alles daran gesetzt, vorab Karten zu organisieren aber von Deutschland aus wäre das nur für New York möglich gewesen, nicht für den Chicago Broadway! Doch wir haben Glück und haben noch Auswahl. Leider kosten die Karten der billigsten Kategorie auch mal eben das Doppelte als für Online-Käufer im Vorhinein… Philipp ist es das aber wert! Er lädt mich ein!
Ich habe noch nie einen dieser Filme gesehen und werde hiermit in wenigen Tagen also eine Bildungslücke schließen. Außerdem ist mein Mann jetzt gänzlich selig, das ist doch auch was Feines.
Endlich Chicago-Pizza!
Eine halbe Stunde Fußmarsch später kommen wir an meinem geliebten Wrigley Building an. Wieder haben wir keinen Erfolg im dortigen Pizzarestaurant. Da ich aber inzwischen noch ein bisschen recherchiert hatte, weiß ich, dass die allererste Chicago Deep Dish Pizza auch gar nicht hier sondern im Restaurant Uno [!keine Werbung!] serviert wurde!
Und das war 1943! Bis heute besteht die klassische Version dieser Pizza aus einem sehr festen, pizza-untypischen Boden, einer ultradicken Schicht Käse und darauf Unmengen passierter Tomaten. Doch um diese Spezialität der Stadt probieren zu können, muss insbesondere ich einige Opfer bringen…
Wir müssen erst einmal hungrig und entkräftet noch vom Wrigley Building zu Uno laufen. Und benötigen dann insgesamt anderthalb Stunden für diesen Restaurantbesuch, was mir für lediglich eine Pizza ein bisschen viel erscheint. Und es fühlt sich doppelt so lange an wenn man a) Hunger hat und b) dem gnadenlosen Wind der Deckenventilatoren ausgesetzt ist. Chicago trägt zwar den Spitznamen „The windy city“, dass ich das aber wirklich nur in einem Restaurant zu spüren kriege, hätte ich auch nicht erwartet! Schlussendlich sind wir gnadenlos überfressen und nehmen die Reste mit! Fazit: Pizza schmeckt zwar und kann man auch mal probieren, aber man muss es nicht!!
Abendprogramm
Unbedingt ist jetzt eine Pause angesagt, was für ein Tag! Anderthalb Stunden Stopp im Hotel müssen sein, doch dann unternehmen wir noch einen kleinen „Abendspaziergang„: In einem unserer Lieblingsgeschäfte kaufe ich ein paar Kleinigkeiten, Philipp wird im Hard Rock Shop fündig und ansonsten beobachten wir unterwegs das bunte, abendliche Treiben…
Abends gleichen Mag Mile und Umgebung manchmal dem Ocean Drive in Miami. Fette Karren, laute Musik und schräge Typen. Es gibt eine Menge zu gucken… Auch wenn man vieles davon eigentlich gar nicht sehen will.
Gelaufene Kilometer heute: Messbare Wegstrecke 6,8km
zzgl. etlicher Wege innerhalb Hotel, Geschäfte, Tower und Museum
Begleitest du uns morgen zum Shopping & Buckingham Fountain ?! >>>









