Zurück zum Tamiami Trail
Montag, 13.03.2017
„Der linke Fuß ist abgehackt! Häng ihn aus dem Fenster!“ – so mein Bruder 2011 auf meine Bitte hin, mir zu erklären, wie man wohl einen Automatikwagen fährt… Damals weil ich meinen ersten selbst gefahrenen Road Trip vor mir hatte – in Kalifornien.
Und seither ist das mein Mantra in jedem USA-Urlaub wenn ich das erste Mal in den neuen Mietwagen einsteige. Ich rufe mir seinen Rat wieder in Erinnerung und kann dieses Mal stolz berichten, dass ich ihn wohl verinnerlicht habe. Es scheint endlich das Natürlichste der Welt für mich, in einen Automatikwagen einzusteigen und ohne über die Füße nachzudenken loszufahren!
07.30Uhr:
So auch heute zu so früher Stunde! Der Grund, warum wir dieses unbeschreibliche Frühstücksbuffet tatsächlich sausen lassen, heißt KEY WEST! Wir wollen uns heute die volle Dröhnung Karibik-Flair geben und dafür mussten wir um halb sechs aufstehen! Für mich persönlich sehr hart nach nicht einmal fünf Stunden Schlaf!
09.00Uhr:
Frühstückzeit! Wir haben Miami hinter uns gelassen, die Dunkelheit verschwand ganz langsam, zu unserer Linken die aufgehende, glühende Sonne, zu unserer Rechten noch der weiße Mond, aber dann wurde es endgültig Tag und wir brauchen einen kurzen Koffein-Stopp bei der grünen Meerjungfrau auf Key Largo. Wir setzen uns dort eine Weile in die Sonne und fahren nach dem Verzehr unserer Toasties und Heißgetränke weiter. Aber mit Fahrerwechsel. Ich kann mein Bein wieder zum Fenster reinholen und es mir auf dem Beifahrersitz bequem machen!
Die weitere Fahrt verläuft ereignislos, gen Ende nicke ich sogar hin und wieder weg. Natürlich begleitet uns ein beeindruckendes Panorama, über die vielen kleinen Inseln der Florida Keys hinweg aber die Müdigkeit und Anstrengung der letzten Tage steckt mir doch etwas in den Knochen!
11.00Uhr:
Vor Wochen hatte ich uns bereits ein Parkhaus in Key West ausgesucht. Dieses hatte drei Kriterien zu erfüllen: 1. bezahlbar, 2. möglichst zentral, 3. in der Nähe einer Fahrradvermietung. In der Grinnell Street, Ecke James Street, befindet sich ein solches Parkhaus! Wir finden es dank Navi auf Anhieb (Hausnummer 300), lösen ein Tagesticket für 18 Dollar (bzw. 3 Dollar/Stunde) und schlagen zweimal lang hin bis wir bei der Fahrradvermietung ankommen. Diese befindet sich kurioserweise in einer kleinen Galerie (Art at 830 LLC – !KEINE WERBUNG!) in der Caroline Street, wo zahlreiche hübsche Florida-typische Bilder zum Verkauf stehen. Der alte, freundliche Mann dort vermietet eine Menge Räder und nimmt dafür 15 Dollar/Rad/Tag! Ich war nach meinen Internetrecherchen zwar von 10 Dollar ausgegangen, finde 15 Dollar aber immer noch einen verdammt fairen Kurs für diesen Standort! Ruck zuck sitzen wir auf unseren Drahteseln und fahren wirklich nur rund 600m bis zum Hard Rock Café [!KEINE WERBUNG!] in der Duval Street! Somit kann ich behaupten, dass das Parkhaus wirklich zentral liegt.
Die Duval Street ist die Touristen, -Shopping- und Partymeile der Stadt! Aber das bitte nicht negativ auffassen, denn es ist hier durchaus schön, wenn auch natürlich arg belebt. Neben dem Hard Rock Café gibt es zahlreiche weitere Geschäfte, Bars und Restaurants – man kann hier Stunden verbringen! Alle Gebäude sind absolut niedlich im -fast- Südstaatenstil, so wie eigentlich im gesamten Ort!
Auch in den ruhigeren Nebenstraßen sieht man nur hübsche Häuschen, ich könnte jedes einzelne davon fotografieren! Das ist mein persönliches Bilderbuchamerika und am Liebsten würde ich gleich ein paar Tage bleiben!
Das Hard Rock Café ist also unser erster Stopp. Wir kaufen die obligatorischen T-Shirts (bei einer durchweg unmotivierten Verkäuferin) und kehren ein auf einen typischen Key Lime Pie und alkoholfreie Cocktails. Geschmacklich ist es leider nur Durchschnitt. Ich empfehle, den Key Lime Pie wo anders zu bestellen, vielleicht nicht gerade in einem Kettenrestaurant, was ich eigentlich auch hatte vermeiden wollen…
Wir binden die Räder wieder los und fahren die Duval Street komplett hinunter, biegen einmal rechts ab und kommen zum „Southernmost Point“. Dieser Marker ist ein Touristenmagnet und auch ich hätte gerne ein Bild damit, aber die Schlange ist uns zu lang!
Weiter radeln wir Richtung Leuchtturm, der aber leider 10 Dollar Eintritt kosten soll – da wir auf Key Biscayne schon einen Leuchtturm ähnlicher Größe und Optik erklommen haben, sparen wir uns auch diesen Programmpunkt.
Last but not least: Ein weiterer Punkt, den ich vorab notiert hatte ist der Fort Zachary Taylor State Park, für den wir als Radfahrer nur 2,50 Dollar/Person zahlen. Dort können wir das alte Fort aus dem 19. Jahrhundert besuchen. Die Anlage diente bis 1947 als Küstenbefestigung und danach bis 1970 tatsächlich als Schrottplatz, bis man sie später unter Schutz stellte und einen State Park daraus machte.
Wir sehen uns ein bisschen um aber es gibt nicht furchtbar viel zu sehen. Alte Gemäuer, ein paar dekorative Kanonen und Kanonenkugeln, das war´s. Muss man nicht zwangsweise gesehen haben aber für diesen geringen Eintrittspreis kann man ruhig einmal herkommen -schließlich ist es der südlichste State Park der USA-, die Aussicht auf das Meer genießen und wird sicher den einen oder anderen Leguan oder ähnliches Getier vor die Linse bekommen!
13.00Uhr:
Nicht weit entfernt und zum State Park zugehörig ist auch ein Strand – davon hat Key West ja nicht allzu viele. Leider haben wir weder die Zeit noch die Kleidung, um hier zu verweilen, also blicken wir uns nur etwas um und brechen dann wieder auf.
Da jetzt nur noch der Mallory Square auf der Liste steht, wir aber doch noch so viel Zeit haben, radeln wir zunächst kreuz und quer, ohne Stadtplan und gucken was passiert. Wir vermeiden die großen, stark befahrenen Straßen und durchstreifen die Wohngegenden. Ein paar wenige Häuschen stehen laut Schild zum Verkauf – man darf ja wohl noch träumen… 2004 hatte Key West mir auch schon gefallen – gewiss! Aber heute! Das ist etwas anderes! Das ist einfach ganz zauberhaft! Ich möchte am Liebsten für immer hier bleiben!
Aber das geht natürlich nicht… Wir kehren zurück zur Duval Street, parken vorm cvs [!KEINE WERBUNG!] und starten noch einen kleinen Rundgang: Durch den cvs (Postkarten, Briefmarken und Getränke kaufen) und über den Mallory Square (wunderherrliches Flair, sogar jetzt am Nachmittag plus Souvenirshopping) bis hin zur Island Dogs Bar [!KEINE WERBUNG!] in (halbwegs) Sichtweite unserer Räder!
15.00Uhr:
Endlich gibt es auch mal ein paar vegetarische Gerichte, abseits von Cheese Maccaroni und Ceasar Salad auf der Speisekarte! Ich bestelle in freudiger Erwartung einen Wrap mit Salat, Hummus, Spinat, Bohnen, Tomate und Avocado plus Pommes und Phil die Key West Pizza mit Salami, Käse und Shrips! Was soll ich sagen? Eines der besten, und vor allem das preiswerteste, Essen seit wir in Florida sind!
Wir lassen die Räder stehen und bummeln noch ein wenig zu Fuß über die Duval Street und durch ihre Shops, müssen dann aber irgendwann aufbrechen, da noch ein paar Stunden Fahrt nach Miami vor uns liegen…
Ja, das ist ein weiter Weg! Ja, das ist wirklich brutal anstrengend und macht nur Sinn, wenn man wirklich, wirklich nach Key West will! Aber es lohnt sich so sehr! Natürlich würde ich immer mindestens eine Übernachtung in Key West empfehlen, aber wenn es aus zeittechnischen Gründen partout nicht anders möglich ist: es GEHT! – Als Tagesausflug!
16.30Uhr:
Die Räder sind abgegeben und ich hänge wieder meinen Fuß aus dem Fenster… Die Rückfahrt gestaltet sich zunächst entspannter als befürchtet. Die Müdigkeit lässt noch auf sich warten und es ist noch recht lange hell! Im nächsten Walgreens [!KEINE WERBUNG!] decken wir uns dann allerdings reichlich mit Apres Sun ein, da es uns beide ganz, ganz böse erwischt hat! Ein Kunde dort nimmt sich, nach einem zufälligen Blick auf meinen Rücken, meiner gleich an und empfiehlt mir ein Spray, das er von Kindesbeinen an gegen Sonnenbrand nimmt, und ich glaube ihm alles und kaufe, was ich kriegen kann. Im Auto wird dann gesprüht und geschmiert was das Zeug hält, immer treu dem Motto „Viel hilft viel“…
Wir stoppen für einen kleinen Spaziergang im Bahia Honda State Park (9 Dollar/Auto) und fahren dann durch bis Key Largo. Auch der Bahia Honda ist wieder so ein State Park, den man besuchen KANN aber nicht MUSS. Es sei denn, man verbringt seinen -mehr oder weniger- ganzen Urlaub in Key West und sucht einen vernünftigen Strand. Dann hat man hier gute Chancen! Man kann hier wunderbar baden, Kajak fahren, angeln, etc. aber dafür sollte man sich schon am Besten einen halben oder ganzen Tag Zeit nehmen und nicht, wie wir, im Vorbeifahren kurz stoppen, für ein Foto von der alten Eisenbahntrasse.
Key Largo: Hier hatten wir heute Morgen bereits zum Frühstück angehalten, jetzt soll es noch ein kleiner (eigentlich überflüssiger) Snack bei Wendy´s [!KEINE WERBUNG!] sein.
19.00Uhr:
Für die restliche Strecke muss mein Mann wieder ran. Es wird dunkel, ich bin k.o., ich habe keine Lust auf den Verkehr in Miami. Clevere Wahl, denn: Es wird 21.30Uhr bis wir endlich unser Hotel erreichen.
Und immer noch! Bin ich der Meinung, dass es sich gelohnt hat!! Auch wenn wir dafür viele Stunden on the road waren – dadurch, dass wir uns beim Autolenken abwechseln konnten und uns vor Ort auf den Rädern auch nicht vollends verausgabt haben, war die Strecke hin und zurück an einem Tag zwar hart aber definitiv KEIN Ding der Unmöglichkeit! Es gibt eben Orte auf der Welt, wenn man die besucht, dann ist das so ein „Once in a Lifetime“-Ding. Und wenn man dann doch unverhofft ein zweites Mal dorthin kommt mischt sich das Gefühl von „WOW! Twice in a Lifetime! Wahnsinn!“ mit dem von „Vielleicht komme ich ja doch immer wieder hier her zurück weil es, ungeachtet der Entfernung und des Geldes, einfach so, so, so, so schön hier ist…“ – ….
Der Tag in Bildern – zum Durchklicken:
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