San Sebastian

Biarritz, St. Jean de Luz und San Sebastian

09.30 Uhr. Unsere Tour nach Biarritz, St. Jean de Luz und San Sebastian startet (und endet später) in Bilbao. Guide Josh kaut uns ein Ohr ab. Einerseits bin ich dankbar für viele Informationen, andererseits spricht er so rasend schnell (was auch seinem Fahrstil entspricht), dass es mir manchmal schwer fällt, zu folgen. Zudem ist seine Aussprache so verrückt, dass ich manchmal überlege ob er noch Englisch oder schon wieder Spanisch spricht, denn obwohl unsere alleinreisende Mit-Ausflüglerin „Single Woman“ mehrfach betont, dass sie einwandfrei Englisch versteht und spricht, widmet er sich ihr immer zusätzlich auf Spanisch. Mir wird schon vom Zuhören schwindelig.

Oder ist es die rasante Fahrweise? Ich sitze hinter Josh und sehe nicht so viel wie ich sehen können müsste, damit mir nicht schlecht wird. Vor allem weil es wie aus Kübeln schüttet. Das macht es nicht besser, die Fülle an Informationen zu verarbeiten. Und gleichermaßen ist es super interessant zu hören, wie die Dinge, die er zuvor auf Englisch gesagt hat, auf Spanisch klingen. Wenn er manchmal zuerst auf Spanisch etwas sagt, freue ich mich diebisch, wenn sich danach im Englischen herausstellt, dass ich schon das Spanische verstanden hatte! Vielleicht sollte ich einem Volkshochschulkurs doch noch mal eine Chance geben…

Nach fast zwei Stunden Fahrt erreichen wir den Phare de Biarritz, also den Leuchtturm von Biarritz, Frankreich.

Am Phare de Biarritz

Es regnet ein wenig und der Wind pfeift aber, ich glaube, wir sind alle froh aus dem Gefährt heraus zu kommen. Mir geht es zumindest so! Es war recht warm gewesen und für die Weiterfahrt muss ich mit Papa Plätze tauschen, ich hoffe, dass ich auf dem Mittelplatz, zwischen Papa und Single Woman, besser rausgucken kann und, dass mir dann nicht so schnell schlecht wird. Ich muss dazu sagen, heute ist meine generelle Verfassung nicht die allerbeste, ich bin überdurchschnittlich müde und k.o.!

Den Leuchtturm im Rücken, blicken wir hinab auf den großen Strand (La Grande Plage) von Biarritz und Josh hört auch hier nicht auf vom Baskenland und den Basken zu erzählen. Ich schalte ab. Mir ist zu kalt, es ist zu nass, der Wind eh viel zu laut. Ich starre auf den Atlantik, es ist extrem diesig. Papa entfernt sich Richtung Leuchtturm, um ein paar Meter zu gehen.

Nach fünf Minuten Fahrt lässt Josh uns mitten in Biarritz oberhalb des markanten Casino-Gebäudes raus.

Le Casino Municipal in Biarritz

Halbe Stunde Freizeit. – Bitte? Eine halbe Stunde? Ist das nicht ein bisschen wenig? Just in diesem Moment schaut auch die Sonne raus… Wir sind verunsichert. Was sollen wir in einer halben Stunde beschicken? Und bleibt es sonnig oder ist es eh gleich wieder nass? Wir gehen einen Kaffee trinken! Gleich das nächstbeste Café darf es sein, es ist nicht besonders schön und nicht besonders lecker und nicht besonders billig.

Dann gehen wir also doch noch an den Strand. Die Sonne scheint weiter. Sie hat sich dafür den absolut richtigen Moment ausgesucht. Wellen, Wind und Wolken geben ein faszinierendes Bild ab, hier „à la plage“! Wunderschön – und leider unter Zeitdruck. Nach dem überpünktlichen Start heute Morgen bei der Abholung will man wirklich nicht riskieren, dem Van hinterherwinken zu müssen… Deshalb verlassen wir den Strand nach wenigen Minuten auch schon wieder und ich fühle mich ein bisschen gehetzt. Besonders viel Biarritz war das jetzt nicht. Wenn schon keine Stadtführung, so wäre es doch irgendwie nett gewesen hier mal zwei Stunden bummeln gehen zu dürfen. Was soll so ein Quickie? Wir sind etwas enttäuscht oder zumindest irritiert, dass wir für einen Aussichtspunkt am Leuchtturm und 30 Minuten „Wohin mit uns?“ extra bis nach Biarritz gefahren sind. Da wäre ich lieber etwas früher in Bilbao losgefahren…

Biarritz in Bildern – zum Durchklicken:

La Grande Plage

12.10 Uhr. Abfahrt in Biarritz und, ich wiederhole mich, aber von dem „eleganten Seebad“ haben wir wirklich fast nichts gesehen. Stattdessen will Josh uns den 17km entfernten französischen Ferienort St. Jean de Luz zeigen. Als erstes geht es dort in einen kleinen Schokoladen-Laden und es gibt vier verschiedene Kostproben, jede einzelne für sich wirklich herausragend. Die freundliche Verkäuferin erklärt u.a., dass eine der Schokoladen, die wir probieren, von der New York Times als beste Schokolade der Welt ausgezeichnet wurde. Ja, ok, mag sein. Schmeckt jedenfalls alles wirklich mehr als gut! Kaufen möchte ich hier jetzt aber leider nichts, auch wenn sich das Wetter eignen würde, um die Dinge nach Hause zu transportieren… zumindest würde nichts weg schmelzen…

Aber wir haben hier jetzt Freizeit. Ich glaube sogar länger als in Biarritz… Papa und ich gehen die Rue Tourasse hoch zum Strand, doch weil es so ungemütlich ist, bald auch die Parallelstraße Rue de la République wieder zurück. Überall gibt es kleine süße Geschäfte und sehr touristische Restaurants. Aber es packt mich nicht. Auf dem Place Louis XIV müssen wir uns sogar zunächst unterstellen, denn es regnet jetzt wirklich doll! Hier treffen wir auch auf das Ehepaar und Single Woman aus unserer Gruppe.

St. Jean de Luz in Bildern – zum Durchklicken:

Place Louis XIV

Zurück nach Spanien. Etwas mehr als eine halbe Stunde dauert die Fahrt nach San Sebastian, auf Baskisch Donostia, deshalb auch oft abgebildet als Donostia-San Sebastian. Hat etwas gedauert bis ich begriffen habe, dass es sich nicht um zusammengewachsene Städte mit Doppelnamen handelt, wie Clausthal-Zellerfeld oder Castrop-Rauxel…

San Sebastian wurde 1180 gegründet und war einst Sommerresidenz der spanischen Könige und ein beliebtes Städtchen mit Seebad-Flair, ohne seine Seele an den Massentourismus zu verkaufen. In jüngster Vergangenheit war San Sebastian 2016 Kulturhauptstadt Europas.

Auf meinem Mittelplatz habe ich jetzt in der Tat den besseren Ausblick, auch auf Josh´s extrem feuchte Aussprache. Er hat ja immer noch eine Menge zu erzählen, was ich an sich wirklich begrüße, aber das Tempo und der dabei entstehende Sprühregen überfordern mich sehr. Ganz ähnlich dann in San Sebastian. Im Parkhaus zeigt er uns Bilder der Stadt und redet eine ganze Menge darüber, bevor wir ans Tageslicht gehen und uns alles auch noch live anschauen. Er geht mit uns ein kleines Stück durch die Gassen und ich würde wirklich, wirklich gerne aufmerksam zuhören, allein schon aus Höflichkeit, aber auch weil ich gerne mehr erfahren will. Es ist mir jedoch schier unmöglich, dauerhaft diesen Tanz um ihn herum aufzuführen. Ich möchte nah genug dran sein um ihn zu verstehen, allein schon akustisch, doch ich möchte auch nicht in der Schusslinie stehen und seine feuchte Aussprache abkriegen. So ausgeprägt ist mir das wirklich noch nicht begegnet und so renne ich unentwegt kreuz und quer vor ihm her und um ihn herum und setze mich zwischendurch doch wieder ab weil mir das zu anstrengend wird. Ich glaube Papa geht es ähnlich. Ich bin fertig für heute.

Unterwegs in den nassen Gassen von Donostia-San Sebastián

14.30 Uhr. Freizeit. Nun dürfen wir volle zwei Stunden in der Altstadt verbringen. Gemerkt habe ich mir leider gar nichts über San Sebastian. Ich bedaure das in diesem Moment aber noch nicht wirklich, denn mir ist es einfach nur wichtig, jetzt irgendwo ein Mittagessen zu finden und dem eisigen Wind zu entkommen, der hier durch die schleusenähnlichen Gassen fegt. Und so gucken wir -wieder mal- in 895 Pintxo-Bars rein, entdecken nirgends etwas vegetarisches, bis ich entnervt aufgebe und mir sage, dass ein heißes Getränk ja auch schon ein Anfang wäre. Papa kriegt bestimmt irgendwo sein obligatorisches Mini-Schinken-Baguette, und ich nehme einen Tee. Es ist einfach so, so kalt!

Und ta da, wir setzen uns ausgerechnet in eine Pintxo Bar, eine verhältnismäßig große, und überfüllte Pintxo Bar, wo es tatsächlich auch Hauptgerichte gibt. Ich überblicke das nicht vollständig aber sie haben zumindest EIN vegetarisches Gericht: SALAT! Ich bin überglücklich, ich bestelle happy den Salat mit Ziegenkäse, einen heißen Kamillentee und Papa sein Schinkenbaguettchen mit Weißwein. Wunderbar. Abgesehen davon, dass der Tee zum Kotzen schmeckt (das muss man erstmal hinkriegen!) und die Toiletten im Keller (man steht dort quasi direkt in der Küche) zu wünschen übrig lassen, ist alles gut und wir wärmen uns etwas auf.

Danach gucken wir noch am Rathaus vorbei und werfen einen Blick auf die Bahia de La Concha, die Bucht von San Sebastian, bevor es so langsam zurück zum Treffpunkt auf dem Boulevard geht.

Playa de La Concha

16.30 Uhr. Josh fährt mit uns noch zu einem letzten Punkt. Es ist ein Aussichtspunk hoch über San Sebastian: Auf dem Monte Igeldo befindet sich ein Hotel und ein ganz kleiner Freizeitpark, momentan aber nicht in Betrieb. Der Ausblick auf die Bucht ist der Grund warum wir hier sind und in der Tat eine Wucht! Ein gelungener Abschluss für diesen Tag.

Jetzt bin ich auch wirklich groggy. Auf der langen Rückfahrt wird auch Josh langsam etwas ruhiger aber so einiges fällt ihm doch immer noch mal ein.

San Sebastian in Bildern – zum Durchklicken:

Playa de La Concha

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