San Mauro nach Caldas de Reis

<<< Zurück zur vorigen Etappe

Zum Durchblättern: Album unserer 16. Wanderetappe

Back on track

Dienstag, 1. April 2025

„Mein Weg zu mir“ (Udo Jürgens)

Wanderetappe San Mauro nach Caldas de Reis ca. 12,5 km

Gehzeit ca. 03h20, Pausenzeit ca. 30min

Ohne Frühstück los

Heute ist alles ein bisschen anders. Wir wollen auf das Hotelfrühstück in Pontevedra verzichten und die Koffer müssen heute, aus ungeklärten Gründen, eine halbe Stunde früher an der Rezeption für die Abholung bereitstehen.

Caldas de Reis

Deshalb haben wir gestern mit dem Taxifahrer, der uns von San Mauro nach Pontevedra gebracht hat nach unserer gestrigen Etappe, die Abholung für heute auch eine halbe Stunde früher vereinbart: Um acht statt um halb neun. Da bringt er uns wieder nach San Mauro, wo wir unseren Weg fortsetzen werden.

Erstaunlicherweise ist es noch fast ganz dunkel als er uns abholt. Wir sind etwas zu früh am Taxi und tragen kurz vorm Einsteigen noch einen kleinen Disput aus, was für keinen der Beteiligten schön ist. Nun müssen wir drei noch etliche Minuten verharren bis auch Marianne eintrifft, aber wir kommen pünktlich um acht los.

Von San Mauro nach Caldas de Reis mit gemischten Gefühlen

Back on track

Gestern haben wir mit Marianne sehr nett im Pilgerrestaurant in San Mauro geluncht nach unserer Tagesetappe, und gemeinsam besprochen, hier heute auch zu frühstücken bevor wir weitermarschieren. Gesagt, getan, und wieder ist es hier sehr nett, es war einfach genau die richtige Idee!

Marianne startet kurz vor uns weil sie wohl merkt, dass unsere Grundstimmung heute eine andere ist. Ich hoffe, sie bezieht es nicht auf sich, ich weiß es nicht, kann es aber auch gerade nicht ändern. Wir haben sie dann zwar sehr schnell wieder eingeholt und gehen eine kurze Weile auch mehr oder weniger zusammen, aber sie lässt sich dann auch sehr bald wieder zurückfallen.

Back on track

Ich brauche insgesamt mindestens sechs Kilometer, um unseren kleinen Streit wegzuwischen und wahrscheinlich gelingt es mir überhaupt auch nur, weil zu dem Zeitpunkt unverhofft ein kleines Pilgercafé an der Strecke auftaucht. Dieses reißt mich aus meinen Gedanken, denen ich heute mehr hinterher hänge als auf der gesamten Pilgerreise.

In erster Linie geht es uns um Stempel und ein WC, aber natürlich kaufen wir auch noch Getränke und Snacks und machen ein kleines Päuschen im sonnigen Hinterhof, wo wir schon mal hier sind. Außerdem sind wir zu so früher Stunde noch die einzigen Gäste und die Café-Frau ist sehr, sehr nett. So wohlgesonnen sind uns hier ja nicht alle Gastronomen…

Zweites Frühstück

Es geht weiter und wir sehen Marianne vor uns laufen, sie hat uns während unserer Pause einge- und über-holt. Wir schließen rasch zu ihr auf, gehen ein paar Minuten mehr oder weniger zusammen, bis sie ihr übliches Picknick machen will, da gibt sie uns von ihrer exquisiten Schokolade aus Pontevedra ab, und wir gehen dann schon mal ohne sie weiter. Heute sind wir alle etwas reserviert aber höflich und wollen niemandem zu viel zumuten. Zuvor war das alles etwas unbeschwerter gewesen.

Back on track

Landschaftlich ist die Strecke heute auch nicht überragend aber auch nicht unattraktiv. Inzwischen habe ich begriffen, dass der Zweck einer Pilgerreise ein anderer ist, als eine Panorama-Reise, auch wenn das an den Küstenabschnitten, sowohl in Portugal als auch Spanien, durchaus der Fall war. Aber grundsätzlich lenkt so bilderbuchhafte Landschaft ja nur vom Sinnieren ab.

Es geht heute durch sehr grüne Gebiete, wenig Asphalt, viel Weinanbau, Wiesen, es läuft sich sehr angenehm und vor allem sind wir plötzlich auch schon da! Außerdem positiv: Es ist heute nicht ganz so heiß wie gestern und wir sehen kaum andere Pilger.

Back on track

Trotzdem brauchen wir zwischendurch ein bisschen Unterstützung, die wir uns in Form von Marschmusik auf die Ohren geben. Seit Beginn der Reise bitte ich Philipp darum und heute ist es soweit, denn es scheint sich niemand in Hörweite zu befinden. Schade, dass er es nur drei Stücke lang aushält, mir gefiel das sehr gut, auch wenn es etwas albern ist und man immer wieder losprusten musste. Es geht sich damit tatsächlich besser!

Back on track

Kurz vorm Ziel sehe ich den dritten Aufkleber eines Fußballvereins, den ich nicht dulden kann. Der erste war noch in Portugal gewesen, der zweite kurz vor Baiona, und den dritten, hier kurz vor Caldas, kann ich endlich heldenhaft entfernen. In den kommenden Tagen werden wir noch einen vierten sehen, aber auch da werden meine Bemühungen erfolglos sein. Aber immerhin einer ist heut schon mal weg!

Muss schwer zu ertragen zu sein für die Anhänger dieses Vereins, dessen Erzfeind die Farben Blau und Gelb trägt, denn auf dem Camino ist einfach alles Blau und Gelb, also zumindest die Wegmarkierungen. Man folgt einem gelben Pfeil oder einer gelben Muschel auf blauem Grund. Diese Farbkombi begegnet einem einfach unentwegt.

Caldas de Reis

Caldas de Reis – Hotelaufenthalt mit Hindernissen

Und auf einmal sind wir da! Und das Hotel ist leicht gefunden weil es sich unmittelbar a) am Jakobsweg und b) an einem Fluss befindet, man kann sich gar nicht vertun. Gut gelaunt, aber natürlich verschwitzt, kommen wir an. Die Lobby ist gut geheizt, das schmälert die Laune ein wenig.

Genauso unser Zimmer: Dusche ohne Scheibe oder Vorhang, sodass man das gesamte Bad fluten würde. Und ein winziges Doppelbett. Ich frage an der Rezeption ob wir ein anderes Zimmer haben können und wir haben Glück, müssen dafür allerdings rüber ins Nebengebäude. Der arme Philipp müht sich mit unserem Gepäck ab!

Caldas de Reis

Das neue Zimmer sagt uns auf Anhieb mehr zu. Natürlich ist es kein Luxusstandard aber für eine Nacht sind wir sehr einverstanden und es ist vor allem besser als die letzten beiden Nächte!

Wir wechseln nur schnell Shirts und Schuhe und „sprinten“ direkt wieder los bevor die lästige Siesta einsetzt. Unweit unserer Unterkunft gehen wir in einen Burger Laden weil sie dort einen Veggie Burger anbieten. Ich kann mir zwar Schöneres vorstellen als schon wieder ein Weißmehlbrötchen, noch dazu mit einem Burgerpatty unbekannter Zusammensetzung, und einmal mehr Pommes, aber es ist immerhin etwas. Nur nicht besonders toll…

Caldas de Reis

Schräg gegenüber vor einem Café nehmen wir noch Kaffee und diverse Zuckerportionen ein, sitzen draußen auf einem kleinen Platz zwischen Straße und grünen Palmen. Es ist eigentlich sehr nett.

Im Hotel bleibe ich lange, lange in der Lobby sitzen weil ich heute noch lange genug auf dem Zimmer sein werde. Als ich dann doch endlich mal duschen will, haben wir gerade einen Stromausfall. Also dusche ich mehr oder weniger im Dunkeln, während Philipp nochmal los zuckelt, Wasser kaufen, denn hier in Caldas de Reis haben selbst die Supermercados Siesta!! Keiner öffnet vor 16.30 Uhr!

Weiter zur nächsten Etappe >>>