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Donnerstag, 22. August 2024
Der frühe Vogel…
05.30 Uhr. Der neue Tag liegt draußen in den Wehen, ich bin längst hellwach! Gestern wollte mein guter Gatte schon um 20 Uhr schlafen, er murmelte was von Jetlag während ich unerklärlicherweise noch total fit war. Aber na gut, ich habe dann auch bald Licht ausgemacht, … nur um sechs Stunden später wieder quietschfidel zu sein… Rechts neben mir regte sich aber nichts also habe ich nach ein paar Nachrichten in die Heimat, auch noch mal geschlafen.
Aber jetzt ist mal gut! Um sieben öffnet endlich der Frühstücksraum und um acht die Starbucks Roastery [!keine Werbung!] um die Ecke! Wir gehen dort Kaffee trinken, was direkt nach dem Frühstück seltsam anmuten mag aber es lohnt sich total, denn jetzt sind wir noch vor dem Besucheransturm da. Wie wir in den kommenden Tagen nämlich noch feststellen werden, wird gerne vor dem Laden auch mal Schlange gestanden, um überhaupt rein zu kommen, dabei geht der Store über mehrere Etagen!
Aber wir sind pfiffig und früh und haben so zum Beispiel die kleine aber feine Dachterrasse zunächst ganz für uns alleine. Und das lohnt sich! Zwei Heißgetränke für 17 Dollar sind natürlich echt eine Ansage aber das machen wir ja auch nicht jeden Tag! Wie sich jedoch bald herausstellen wird, sind die Starbucks-Preise hier nicht zwingend teurer als wenn man seinen Kaffee anderswo einnimmt. Es gibt nur wenige günstigere Möglichkeiten. Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten…
Die „Roastery“ ist jedenfalls die weltweit größte Filiale dieser Kaffeekette, die wir sehr gerne mögen, und das obwohl wir die Doku über das Unternehmen gesehen haben. Das muss man ausblenden, genauso wie das Verbrechen, dass sie ein ganz bestimmtes Kaltgetränk mit Erdbeergeschmack vor geraumer Zeit aus dem Sortiment genommen haben. An mir hat´s nicht gelegen!
Erster kleiner Shopping-Streifzug
Nach dem fast einstündigen Kaffeeladenbesuch gehen wir rüber zu Marshalls [!keine Werbung!], wo ich seit jeher gerne einkaufe in Amerika. Philipp eskaliert hier erwartungsgemäß völlig, ich finde immerhin zwei Oberteile. Nach einer Stunde Shopping in diesem Geschäft, gehen wir noch einmal um den Block, dann aber auch zurück zum Hotel, es ist nun bald halb elf und wir wollen noch eine kleine Pause einlegen bevor wir unser eigentliches Tagesprogramm angehen!
Pflanzen und Tiere gucken im Lincoln Park
In der prallen Mittagssonne sind wir nun unterwegs per Bus und per pedes zum Lincoln Park Conservatory. Der Lincoln Park ist der Stadtpark von Chicago, wir waren hier gestern schon kurz mit der Bike Tour. Der Park ist sogar rund ein Drittel größer als der Central Park in New York, das weiß nur kein Mensch. Er muss also gigantisch groß sein, deshalb beherbergt er u.a. das Lincoln Park Conservatory und den Lincoln Park Zoo, beides kostenlos und beides sehen wir uns jetzt an!
Für das Conservatory benötigt man eigentlich einen vorab gebuchten Time Slot aber bei Verfügbarkeit dürfe man auch ohne hinein, hieß es auf der Website. Als wir ankommen, gilt das jedoch nicht so direkt, denn ich muss mich in deren WLAN einloggen, den Time Slot buchen und dann dürfen wir rein, in derselben Minute wie ich es gebucht habe! Das ist komplett sinnfrei und bloß Datenfischerei, das nervt mich kurz.
Lincoln Park Conservatory in Bildern – zum Durchblättern:
Aber wir wollen hier wirklich gerne rein weil wir Blumen bzw. Pflanzen angucken immer mögen und der Botanische Garten sich sehr weit außerhalb befindet. Außerdem wurde hier eine Szene einer unserer Lieblingsserien gedreht, in der eine der Hauptfiguren hier spazieren geht, doch wie zu erwarten war, erkennt man die genaue Stelle vor Ort dann doch nicht.
Trotzdem lohnt sich der Besuch dieses überdimensionalen Gewächshauses. Es ist meiner Meinung nach kein „Must See“ aber eben kostenlos, sehr gepflegt und eine ruhige, grüne Oase mit einer sehr großen Anzahl unterschiedlichster Pflanzen. Es soll auch noch Außengärten geben aber die suchen wir nicht extra und ich sehe auch ad hoc keine Beschilderung dorthin.
Danach gehen wir direkt nebenan in den Zoo, der, wie gesagt, ebenfalls kostenlos ist, deshalb sind meine Erwartungen auch nicht übertrieben hoch. Doch uns erwartet eine wunderschöne, weitläufige, gepflegte Anlage, die fast alle Tierarten beherbergt wie jeder andere große Zoo auch, ich „vermisse“ lediglich Elefanten und Tiger, doch da wir hitzebedingt nicht jeden Winkel des Zoos erkunden, kann ich auch nicht ausschließen, dass wir sie nur nicht gesehen haben. Auf jeden Fall kann man den Lincoln Park Zoo wirklich nur empfehlen! Es ist eine herrlich grüne Oase abseits des Stadtzentrums, und dennoch bequem und schnell erreichbar mit einem Bus aus der City.
Lincoln Park Zoo in Bildern – zum Durchblättern:
Und genau mit einem solchen geht es auch wieder zurück zum Hotel, wo wir erneut verschnaufen. Ich schnabuliere meine Reste aus dem Restaurant gestern Abend und dann brechen wir ein weiteres Mal am heutigen Tag auf.
Tipps für die Wahl der Lage des Hotels in Chicago
Ich bin froh, dass wir fast direkt an der Michigan Avenue wohnen, der Spitzname dieser „Champs Élysées“ ist übrigens Magnificent Mile bzw. abgekürzt Mag Mile. Wenn wir uns unterhalten sagen wir meistens nur „Michigan“.
Auf jeden Fall zieht sich die „Michigan“ von Nord nach Süd durch die gesamte Stadt, auch Chicago ist größtenteils im Schachbrettmuster angelegt. Der Teil nördlich des Chicago River beherbergt vor allem Geschäfte und Hotels und gilt allgemein als besonders sicher, hier befindet sich also unser Hotel. Südlich des Chicago River führt die Mag Mile zu sehr typischen Attraktionen wie der berühmten „Bohne“ und dem großen Kunstmuseum der Stadt. Hier befinden sich ebenfalls extrem viele Hotels.
Sicher fühlen wir uns bisher überall weil die Polizeipräsenz nach wie vor enorm groß ist und wir haben auch längst begriffen woran das liegt. Noch bis heute findet der Parteitag der Demokraten in Chicago statt, d.h. Harris, die Obamas, Carter (jun.) und Co., alle sind sie in der Stadt.
Zeitgleich gibt es immer wieder Proteste propalästinischer Demonstranten, von denen inzwischen bereits mehr als 50 festgenommen wurden. Doch das spielt sich alles weit, weit weg vom Stadtzentrum ab, hier in der City gibt es nur kleinere Aufmärsche, wir sehen auf der Mag Mile lediglich einen einzigen kleinen, polizeibegleiteten Trupp, deren Schildern und Rufen wir nicht einmal das Anliegen entnehmen können. Später werde ich online danach suchen und auch nichts Genaueres herausfinden, als dass es sich um eine kleine christlich-religiöse Gruppierung handelt, deren Auftrag oder Ansinnen sich mir nicht erschließt.
Die nun anstehende Busfahrt Richtung Loop zieht sich ganz schön weil der Verkehr unheimlich dicht ist jetzt am Nachmittag. Der Loop ist jener Stadtteil südlich des Chicago River, wo wir ursprünglich gewohnt hätten, bevor wir unser Hotel umgebucht haben. Gott sei´s gedankt, haben wir das aber – umgebucht!! Denn so richtig wohl fühlen wir uns nicht, als wir hier aussteigen!
Klar, der Touristenmagnet Millennium Park befindet sich hier, es wird schon nicht gefährlich sein, aber wir gehen erstmal in die entgegen gesetzte Richtung weil Philipp in einen bestimmten Plattenladen und in einen Comicladen möchte. Und hier, muss ich sagen, ist es nicht gerade idyllisch: Mehr Homeless People als bisher gesehen und vor allem gibt es ganze Straßenzüge, in denen man nichts als Grasgeruch einatmet. Den gibt es zwar in der ganzen Stadt immer mal irgendwo aber nicht so extrem wie hier! Man kann es irgendwie nicht beschreiben aber so ein dezentes, unterschwelliges „unsicheres“ Gefühl hatte ich oben in Streeterville, wo wir unser Hotel haben, noch nicht!
Nach dem Besuch der beiden besagten Läden, stromern wir durch einen Chicago Gift Shop und tigern dann hinüber Richtung Millennium Park, wo Philipp an einem der Food Trucks sein Glück versucht und irgendwas Mexikanisches mit Chicken verspeist. Er ist zufrieden und wird, das kann ich vorweg nehmen, keine Schäden davon tragen. Mir ist es hier zu trubelig aber ich habe ja auch schon im Hotel gegessen. Zum Glück, denn hier hätte ich dafür keinen Sinn, ich kann manche Menschen um mich herum einfach nicht einschätzen, ich beruhige mich aber damit, dass zwischen diesen vermeintlich seltsamen Personen auch zwei Fahrrad-Paramedics und augenscheinlich gut betuchte Jugendliche in der Schlange am Food Truck stehen.
Direkt am Millennium Park gibt es dann Sicherheitskontrollen für all jene, die hinein wollen. Diese sind zwar lasch aber immerhin vorhanden. Ist das hier immer so? Oder liegt das alles an der aktuell stattfindenden und oben erwähnten Democratic National Convention? Oder gar weil ab morgen der Triathlon ist? Ich weiß es nicht. In den kommenden Tagen werden wir aber beobachten, dass keine Kontrollen und Absperrungen mehr vorhanden sind, das war also alles dem Politikeraufmarsch geschuldet.
Touristenmagnet Millennium Park
Der Millennium Park ist Teil des Grant Parks, welcher, gigantisch groß, u.a. auch noch Rosengärten, den Buckingham Brunnen, das Art Institute und etliche (!) Softballfelder beherbergt!
Der Millennium Park ist dabei aber auch nicht gerade klein! Neben den Highlights, die ich gleich im Folgenden erwähnen werde, gibt es hier u.a. noch eine Konzertbühne mit großer Zuschauer-Wiese sowie im Bereich Maggie Daley Park Unterhaltungsmöglichkeiten wie z.B. Tennis, Kletterwand, Skaterrundweg, Minigolf und Spielplätze.
Wir sind aber wegen der beiden Top-Fotomotive Chicagos hier: Wir schauen uns in aller Ruhe erst die Crown Fountain, danach das Cloud Gate an. Beides kennt man eigentlich, wenn man jemals Bilder von Chicago angesehen hat, das unterstelle ich jetzt einfach mal.
Crown Fountain ist die (wenn überhaupt!) „unbekanntere“ von beiden Installationen und existiert seit genau 20 Jahren an dieser Stelle. Es handelt sich um zwei rechteckige „Klötze“ von an die 15 Metern Höhe, die sich gegenüberstehen und die entweder schwarz zu sein scheinen oder aber eben per LED als Videobildschirm fungieren. Alle paar Minuten wechseln die Motive, es handelt sich jeweils um Gesichter Chicagoer Bürger, die per Casting ausgewählt worden. Aus ihren Mündern schießen in regelmäßigen Abständen Wasserfontänen, was eine wahre Freude ist für alle Kinder, die von ihren Eltern durch die Hitze der Stadt geschleift werden.
Hier sitzen wir in aller Ruhe eine ganze Weile schön im Schatten und beobachten einfach das bunte Treiben. Man merkt sofort eine entspannte Atmosphäre, dieser Ort scheint jeden zu entschleunigen, man nimmt sich einfach Zeit, hier zu verweilen und das natürliche Geräusch des Wassers zu genießen, eine willkommene Abwechslung zum Verkehrslärm nebenan auf der „Michigan“…
Einigermaßen zeitgleich (aber deutlich zeitaufwendiger) mit dem Entstehen der Crown Fountain installierte man nebenan auch das Cloud Gate, bekannt als „The Bean“ (die BOHNE) und wohl DAS Wahrzeichen von Chicago! Ich habe keinen Schimmer was vorher das Wahrzeichen gewesen sein mag, ich assoziierte Chicago bis vor Kurzem fast ausschließlich erst einmal mit der Bohne! Das ist hier sozusagen der „Eiffelturm“!
Keine Sehenswürdigkeit in Chicago wird häufiger fotografiert als die Bohne, wahrscheinlich auch weil sie aus Spiegelfläche besteht und man wunderbare „Selfies“ darin machen kann. Aber auch die umstehenden Hochhäuser, Bäume und der Himmel spiegeln sich hervorragend darin. Insbesondere weil die Bohne gerade frisch poliert wurde, bis vor einigen Tagen war sie nämlich noch abgesperrt und pünktlich für unsere Anreise wieder zugänglich gemacht!
Millennium Park in Bildern – zum Durchblättern:
Die Bohne ist zehn Meter lang, 13 Meter breit und 20 Meter hoch, man kann darunter hindurch gehen! Ich weiß aber nicht was der Künstler Anish Kapoor, der auch im New Yorker Guggenheim und in der Madrider Reina Sofia Skulpturen stehen hat, sich dabei gedacht hat. Angesichts der Tatsache, dass die Skulptur offiziell „Cloud Gate“ heißt, soll der Fokus wohl schon auf die sich darin spiegelnden Wolken liegen?!
Den anderthalb Kilometer langen Weg zurück zum Hotel legen wir zu Fuß zurück, als wären wir heut noch nicht genug gelaufen…, weil der Bus auf dem Hinweg schon wirklich sehr lange gebraucht hatte und die Straßen nicht leerer geworden sind seitdem. Wir machen sogar noch einen üppigen Umweg um günstig Wasserflaschen einkaufen zu können bevor wir den Tag beschließen.
Gelaufene Kilometer heute: Messbare Wegstrecke 6km
zzgl. etlicher Wege innerhalb Hotel, Geschäfte, Lincoln Park Conservatory, Lincoln Park Zoo und Millennium Park
Hier entlang geht es weiter zu zwei, drei absoluten Highlights von Chicago… >>>







