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Mittwoch, 28. August 2024

Time to cry goodbye

Mit dem Bus geht es wieder zurück vom Navy Pier Richtung Hotel. Der Brüller war das da jetzt nicht, als letzte Amtshandlung, letztes kleines „To do“ und „Must see“, okay, wir waren da! Vermutlich gibt es aber viel schönere Plätzchen, um den Lake Michigan zu besuchen und zu betrachten, für mich braucht´s da keine Fahrgeschäfte und Candy Shops. Egal.

Navy Pier Spazierweg

Wir unterbrechen den Fußweg vom Bus zum Hotel bei der grünen Meerjungfrau. Dort ist es kühl und schattig und wir bekommen eisgekühlte, koffeeinhaltige Getränke. Wann immer mich hier in dieser Stadt in den vergangenen Tagen jemand bei meiner Kaffeebestellung fragte „Hot or iced?“ war ich maximal irritiert und habe sehr bestimmt „HOT, please!“ geantwortet. Doch dieses Mal ist es soweit und mir ist auch mal nach „iced“ (inklusive Hafermilch)! Ich hoffe nur, die Eiswürfel ruinieren mir nun nicht den Heimflug, man kann ja nie wissen…

In der Hotellobby machen wir eine ausgiebige Pause, ich kann die Haxe(n) hoch legen und gegen 15 Uhr sammeln wir uns und unsere sieben Sachen ein, mehr oder minder bereit für Bus und Bahn zum Flughafen. Eine Stunde soll dafür laut Goggel reichen, zwei planen wir lieber ein. Und wenn das so aufgeht, sind wir immer noch locker vier Stunden vor Abflug dort. Das mag früh erscheinen aber es kann so vieles schief gehen unterwegs… Da sitzen wir „lieber“ am O´Hare als im Hotel herum.

Zeitvertreib: Fliescher gucke

Der internationale Flughafen von Chicago ist nach Edward Henry O´Hare benannt, einem Marineoffizier, der sich im zweiten Weltkrieg eine Ehrenmedaille „erschoss“. Das machte ihn bei den Amerikanern so beliebt und berühmt, dass sie ein Kriegsschiff und einen Flughafen nach ihm benannten. Ich denke, man muss ihn nicht kennen. Den Edward. Den Flughafen unter Umständen schon, denn falls es dir noch nicht aufgefallen ist, ich kann Chicago als Reiseziel nur empfehlen!

Auf unserem letzten Weg zu „unserer“ Bushaltestelle „Michigan, Ecke Ohio“ schaue ich mich noch mehrmals um und bestaune die Hochhäuser, die mich vor einer Woche so beeindruckt haben und mich durchaus immer noch beeindrucken, aber man hat sich einfach an sie gewöhnt, sie sind schnell normal geworden, dabei sind sie doch so besonders!

Unsere Hood, unser Stadtteil, wo wir diese Woche gewohnt haben in vielen schönen Bildern – zum Durchblättern:

Shopping Day

Wir stehen verhältnismäßig lange an der Bushaltestelle und ich genieße die Wartezeit so gut es in der Hitze eben geht, indem ich ein letztes bisschen Mag Mile, ein letztes bisschen Chicago versuche in mich aufzusaugen. Was für eine verdammt geile, und völlig unterbewertete Stadt!!! Warum fliegt nie jemand nach Chicago???

Der weitere Weg gestaltet sich beschwerlich… Philipp muss größtenteils beide Koffer ziehen weil ich mit einem behinderten Fuß und etwas zu schwerem Handgepäck schon reichlich bedient bin. Erst geht es in den Bus und dann in die Bahnstation, wo wir erstmal ein Ticket kaufen müssen! Selbst auf Nachfrage ist die Mitarbeiterin erstaunlicherweise nicht gewillt, uns am Automaten behilflich zu sein, was das krasse Gegenteil ist zu dem gut gelaunten, helfenden Mitarbeiter letzte Woche an der ticket machine am Airport.

Generell kann ich locker an einer Hand abzählen, wie oft in all den USA-Reisen Menschen mir gegenüber einmal nicht hilfsbereit gewesen sind. Oder ist es vielleicht überhaupt das allererste Mal? Es verwirrt mich jedenfalls, dass die Frau auch nicht nach einer Weile doch noch zu uns kommt, denn wir stehen wirklich wie zwei Fragezeichen vor dem Automaten…

Erster Bummel über die Michigan Avenue

Aber letztlich kriegen wir es irgendwie hin, es dauert halt, und dann stürzen wir uns in die Menschenmassen unten am Bahnsteig. Ich bedaure sehr, dass Philipp sich nicht neben mich setzt, schließlich fährt uns der Zug vor der Nase weg und es soll siebzehn Minuten bis zum nächsten dauern! An seiner statt nimmt dann ein seltsamer Mann neben mir Platz, dem ich normalerweise weiträumig aus dem Weg gehen würde, aber ich bin zu erschöpft und es ist hier zu eng und zu laut und zu wuselig und siebzehn Minuten sind einfach zu viel zum Stehen wenn man nur ein Bein belasten kann… Es dauert nicht lange, da holt der Typ sein Handy raus und hört lautstark irgendeinen Rap, von dem ich nur immer wieder „Pussy“ verstehe, denn das meiste wird übertönt von einer verstärkten E-Gitarre, die direkt hinter uns ausgepackt wird… New Yorker U-Bahn-Flair kommt auf.

Der Zug ist brechend voll, wir kommen gerade so rein und müssen ganz lange Zeit erstmal stehen bis wir irgendwann endlich Sitzplätze ergattern können. Es ist heiß und mir ist unglaublich schlecht, ich habe heute viel zu wenig getrunken bei der Hitze! Mein Kreislauf hat die Schnauze voll und ich sehne den Flughafen so herbei…

Hall of Flags

Insbesondere auch weil ein von Kopf bis Knie durchtätowierter Typ mich nervös macht. Er steht eine halbe Stunde lang im Eingangsbereich des Zuges und bei jeder Station hat man das Gefühl, er wird aussteigen, was er aber nicht tut. Wirklich das gesamte Gesicht, Hals, Arme und Co. sind tätowiert, er wirkt nervös, bestimmt ist er auf Drogen?! Er reibt sich nonstop seinen Oberschenkel, mittlerweile habe ich durchaus so viel Fantasie, dass ich mir vorstellen kann, dass hier jemand einfach mal eine Waffe zieht. Das passiert zum Glück nicht aber es verdeutlicht vielleicht wie blank meine Nerven mittlerweile liegen.

Am Flughafen angekommen bin ich klitschnass durchgeschwitzt trotz der Klimaanlage in der Metro. Wie andere Leute dort entspannt lesen, fotografieren oder schlafen/meditieren konnten, ist mir ein Rätsel! Ich bin froh, dort raus zu sein und wir bringen den Check in und die Sicherheitskontrollen fast gänzlich ohne Wartezeit sofort hinter uns. Im Abflugbereich kann ich mich endlich noch einmal umziehen gehen und dann gehen wir in ein Restaurant, mit Bedienung am Tisch. Das habe ich noch nie am Flughafen erlebt, aber leider ist das Essen auch wirklich nicht der Rede wert.

Erstmal Richtung London

Am Gate sitzen wir anschließend noch etwas länger, da unser Abflug immer wieder verschoben wird. Wir sehen unseren Anschluss in London schon wieder ohne uns abfliegen, was Philipp schier in den Wahnsinn treibt und ihn nonstop mehr oder weniger aggressiv fluchen lässt, was mich viel mehr nervt als die Verspätung an sich.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, wäre aber selbstverständlich auch wenig begeistert, den ganzen Tag oder sogar noch eine Nacht in London bleiben zu müssen, falls wir stehen bleiben… Aber für mich zählt in erster Linie, dass wir heile über den Teich kommen, egal wann! Schließlich fragt man sich ja doch manchmal wie viele Flüge so ein Schutzengel bereit ist zu begleiten. Habe ich unendlich viele Flüge frei oder gibt es da ein Limit? Ich hoffe, dass meine Aversion gegen Extremsport und andere adrenalinreiche Hobbys, hilft. Schließlich ist beim Reiten und Wandern weniger Schutzengelaktivität erforderlich als beim Bungee Jumpen von hohen Türmen und Brücken oder beim Surfen in gefährlichen Haigewässern. Behaupte ich mal. Und vielleicht verschafft mir das fairerweise so viele Flüge in meinem Schutzengel-Flugkontingent, wie ich in meinem Leben insgesamt nehmen werde… Wie viele auch immer es sein mögen. Der nun bevorstehende nach London ist jedenfalls #139 und der von London nach Hannover #140!

Ich liebe es: Flugkarte gucken!

Die Verspätung begründet man uns nicht aber der Pilot sagt später etwas von „fertig repariert“, was ich eigentlich gar nicht hätte wissen wollen. Wer steigt schon gern in eine Maschine, die kurz zuvor noch reparaturbedürftig gewesen ist? Ja, ich weiß, die meisten Menschen finden es toll, dass etwas repariert wurde, denn das bedeutet, man ist nicht losgeflogen mit etwas Kaputtem. Mir jedoch hilft so eine Information nicht. Denn schließlich war gerade eben etwas noch KAPUTT!!!

Endlich kann es losgehen! Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass wir in London stranden werden, wir haben jetzt nur noch so ein winziges Zeitfenster, dass es wenigstens eine klare Kiste ist, sodass man nicht mehr bangen muss!

Good Bye Chicago & Good night!

Gelaufene Kilometer heute (inklusive Navy Pier): Messbare Wegstrecke 3,2km

zzgl. etlicher Wege innerhalb Hotel und Flughafen

Unserer Rückreise in Bildern – zum Durchblättern:

Zeitvertreib: Fliescher gucke

Donnerstag, 29. August 2024

Wir landen irgendwann mittags und reichlich verspätet in London. Abgesehen von den zwei Mahlzeiten habe ich von Chicago bis hier her nur geschlafen! Dadurch vergingen die siebeneinhalb Stunden ziemlich zügig! Auch Philipp habe ich dazu verdonnert zu schlafen, schließlich waren wir den ganzen Tag in Chicago auf den Beinen und er will heute noch Autobahn fahren, falls wir heute noch irgendwie nach Hannover kommen. Und da das wohl eher heute Nacht als heute Nachmittag sein wird, so spät wie wir hier landen, war ich der Meinung, er muss nicht die ganze Nacht Filme gucken. Ein Nachtflug ist schließlich die perfekte Gelegenheit, die Nacht dafür zu nutzen, wofür sie da ist…

In London müssen wir -Überraschung- mit dem Bus von Terminal 5 (American Airlines) zu Terminal 3 (British Airways) wechseln, wo uns wieder die berüchtigte Sicherheitskontrolle von Heathrow erwartet. Berüchtigt weil es einfach viel zu lange hier dauert und man noch keine Infotafeln mit Abfluggates einsehen kann. Die Mitarbeiter haben die Ruhe weg, es ist zum Verrücktwerden, denn Philipp denkt immer noch, wir bekommen unseren Anschluss. Aber da wir eine bestimmte Bordkartenkontrolle passieren konnten, die wir auf dem Hinflug nicht ohne Personalhilfe hatten passieren können, habe ich nun doch auch wieder einen Funken Hoffnung. Denn wenn wir überall durchkommen mit dem Code auf unserer Bordkarte, dann heißt das vielleicht, dass wir noch für unseren Flug angedacht sind.

Über London

Und genauso kommt es auch. Zwar dauert es an der Security wirklich nervenaufreibend lange, zumal wir beide eine Extrakontrolle bekommen, Philipp auf Sprengstoff und ich weil ich zu viele Flüssigkeiten dabei habe (Kühlgel für meinen Fuß zusätzlich zu meinen normalen Flüssigkeiten, was ich also plausibel erklären kann, sogar auf Englisch, und deshalb durchgeht), aber dann „rennen“ wir zu Gate A3 und die haben tatsächlich noch nicht einmal mit dem Boarding angefangen! Dies geschieht erst als ich vom WC wiederkomme, und so sind wir wirklich baff, dass wir hier sogar noch ganz kurz verschnaufen können!

In Chicago hatten wir gestern Abend am Gate zwei ältere Herren kennen gelernt, die ebenfalls nach Hannover wollen. Wir haben sie seitdem immer mal wieder gesehen. Vor Abflug in Chicago haben wir uns immer wieder unterhalten weil wir durch die Immer-wieder-Verschiebung ja Leidensgenossen waren, und sind dann auch zusammen ins Flugzeug gegangen. Im Flieger hat dann einer von ihnen irgendwann mal einen kleinen Spaziergang gemacht, da war ich auch gerade wach weil ich vom Klo kam, also haben wir etwas gesmalltalkt. Im Bus von Terminal zu Terminal haben wir uns dann zu viert ausgetauscht ob das wohl noch klappen kann. Und jetzt am Gate freuen wir uns, dass wir es alle geschafft haben! Von London nach Hannover sitzen wir zufällig sogar genau hinter ihnen. Die Maschine ist sogar so leer, dass immer ein oder zwei Personen eine ganze Reihe für sich haben.

Aber ich muss sagen, die Kurzstrecken nach einer Langstrecke kriege ich sowieso grundsätzlich nicht mit. Da steige ich ein und, ich will nicht sagen, dass mir alles egal ist, aber zumindest hat die Flugangst keinen Platz mehr. Ich mache die Augen zu und einen Fingerschnipp später landen wir schon in Hannover. Das gefällt mir sozusagen immer sehr.

Die Koffer kommen schneller als Philipp von der Toilette zurück ist und dann holt uns unser Hotelshuttle ab, wo wir unser Auto noch stehen haben. Als wir aus dem Shuttle steigen erklingt aus den Außenlautsprechern des Hotels unser Hochzeitstanzlied und ich bin glücklich, dass sich hier der Kreis schließt. Eine Woche später und so viele wunderschöne Erinnerungen reicher, sind wir wohlbehalten zurück am Ausgangspunkt.