Jerez de la Frontera

<<< Zurück zur Einleitung zu dieser Reise.

Montag 09. März 2020

Sherry, Pferde und Flamenco…

… dafür steht Jerez de la Frontera! Die andalusische Stadt, die wir um kurz nach sieben am Montagmorgen erreichen. Wir sind gespannt!

Zunächst begeistern mich die modernen, neuen, sauberen WCs des Flughafens. Dann aber warten und warten und warten wir auf unsere Koffer… Offenbar hat das zahlreiche Golfgepäck Vorrang…

Der Flughafen von Jerez ist wirklich sehr klein! Mit dem Koffer gehen wir direkt durch den Ausgang zum Taxi – keine Entfernung!

11km und 18€ später erreichen wir unser sehr schönes Hotel und beäugen kurz unser Zimmer, das wir tatsächlich jetzt um 8 Uhr am Morgen schon beziehen dürfen. Ein hervorragendes „Willkommen“!

Was uns aber heute leider definitiv noch nicht zusteht: ein Frühstück vom Hotel. Daher machen wir uns direkt auf den Weg!

Plaza Mamelon

Jerez de la Frontera

Wir befinden uns hier im südlichsten Spanien, gar nicht so weit weg von Gibraltar, allerdings nicht am Meer. Bis zum Atlantik sind es noch mindestens 20km! Dennoch gefällt uns die Stadt sehr: Sie hat aufgrund der Nähe zu Nordafrika entsprechende arabische Einflüsse und zudem heute direkt auch wunderschön sonniges Wetter!

Vom Stadtzentrum selbst trennt uns allerdings ein guter Kilometer, der sich zu Fuß, zumal nach einer wirklich schlafarmen Nacht, jedoch weiter anfühlt.

Das erste Highlight scheint mir die Plaza Mamelon, mit einem beeindruckenden Denkmal mit Pferden, zu sein. Jedenfalls fange ich spätestens hier dann das Fotografieren an.

Ohne Kenntnisse und Kartenmaterial unterwegs

Ohne Stadtplan schauen wir zunächst einmal wohin wir, immer der Nase nach, so kommen.

Die Stadt ist von, sagen wir, mittlerer Größe. 211.000 Einwohner hat man hier. Es ist damit die größte Stadt der Region Cadiz. Im Vergleich dazu zur Veranschaulichung: die andalusische Hauptstadt Sevilla hat knapp 2 Mio, die spanische Hauptstadt Madrid knapp 7 Mio Einwohner.

Plaza Mamelon

Ein Dorf ist Jerez trotzdem nicht und so gibt es etliche Straßen und Gassen, die wir nun kennen lernen dürfen. Dabei fällt uns ganz besonders eines auf: Jerez riecht nach…

Orangenbaumblüte(n)

Die ganze Stadt! Wo man steht und geht: Man sieht ihn vielleicht nicht immer sofort einen aber man riecht ihn – den Orangenbaum!

Ein unbeschreiblich herrlicher Geruch. Die Bäume tragen bereits teilweise reife Früchte, auf jeden Fall aber die schönen kleinen strahlend weißen Blüten. Das Bild und das Aroma werden für mich vermutlich immer in Verbindung mit dieser Stadt stehen!

Wie ich später nachlesen werde, ist die Orangenblüte ähnlich bekannt und beliebt wie z.B. auf Mallorca die Mandelblüte, und im März für viele ein Reisegrund, z.B. in die südspanische Region Valencia zu reisen – oder eben auch nach Mallorca! Die Orangenblüte belebt, erfrischt und beruhigt gleichermaßen und vermittelt ein Frühlingsgefühl, heißt es. Dem kann ich nur zustimmen!

Kaffee & Kathedrale

Kaffee und Kathedrale

Über mitunter recht hübsche Umwege gelangen wir schließlich zur Kathedrale von Jerez, der wir jedoch noch keine weitere Beachtung schenken, denn es dürstet uns zu sehr nach einem Kaffee im Schatten eines Orangenbäumchens direkt gegenüber. Endlich sind wir fündig geworden und gönnen uns eine Dosis Koffein. Erstaunlich ist auf jeden Fall, wie warm und sonnig es hier am frühen Morgen schon ist! Herrlich!

Und dann darf ich noch anmerken, dass die Kathedrale tatsächlich ein sehr imposantes Bauwerk zu sein scheint. Nach der ersten Tasse schwarzen Goldes sticht das sehr viel besser ins Auge. Allerdings hat man so früh am Tag noch nicht geöffnet, sodass wir vermutlich später wiederkommen werden.

Kleine Frühstückspause

Hinter der Kathedrale kommt man dann automatisch zum Alcazar de Jerez, die alte Festung. Wir umrunden diese zunächst unschlüssig ob wir sofort hinein gehen wollen oder vielleicht doch noch fündig werden was ein kleines Frühstück betrifft…

Ja! An der Plaza del Arenal, dem Hauptplatz von Jerez, finden wir ein Lokal, das für unsere Zwecke passt: Ungezwungen, lecker, günstig. Erneut starker Kaffee, dazu große belegte Brötchen mit spanisch-kräftigem Käse (Anna) bzw. iberischem Schinken (Papa). Summe: 4,80€. Check!

Das älteste Bauwerk der Stadt

Alcazar de Jerez - die alte Festung

Einen Alcazar hat fast jede andalusische Stadt! Das Wort kommt vom arabischen „al-qasr“ und bedeutet: Festung. Eine solche haben die Mauren gerne überall hingesetzt und für denkbare Zwecke genutzt.

Führungen soll es hier zwar geben aber wir kaufen uns das ganz normale 5€-Ticket für den Zugang auf eigene Faust und folgen der Nummerierung in unserem deutschsprachigen Flyer. Ein paar Eckdaten daraus brabbele ich vor mich hin, zwischen Staunen und Fotografieren.

Ich finde dies einen sehr eindrucksvollen Ort, den man wirklich unbedingt besuchen sollte, wenn man sich in Jerez aufhält! Wir sehen u.a. den eigentlichen Palast, die ehemalige Moschee, natürlich Gärten und auch z.B. den achteckigen Wehrturm. Insgesamt erinnert mich die maurische Architektur stark an meinen Besuch der (natürlich viel, viel größeren) Alhambra von Granada vor etlichen Jahren!

Alcazar de Jerez - die alte Festung

Wir brauchen eine schöpferische Pause

Gegen halb 12, noch im Alcazar, übermannt uns beide dann doch langsam eine dezente Müdigkeit… So gut es uns hier auch gefällt, wir hatten wenig Schlaf in der Nacht (im Flieger…) und spüren das nun! Ich komme mir vor wie in einer anderen Zeitzone mit Jetlag…

Schräg gegenüber hatten wir die Bodega Tio Pepe erspäht und fragen uns nun ob wir hier vielleicht eine Pause in Form einer Sherry Probe o.ä. einlegen können… Leider müssen wir feststellen, dass die nächste Tour erst in 45 Min beginnt… Wer weiß wozu es gut ist.

Stattdessen geht es für uns Richtung Hotel. Vorbei an der Kathedrale, die nun zwar geöffnet hat aber auch Eintritt kosten soll. Nein, im Moment nicht, danke, wir sind irgendwie doch erschöpft.

Gegen halb eins kommen wir also am Hotel an und teilen uns auf: Papa braucht Schlaf. Ich brauche einen Pool. Diesen finde ich im Untergeschoss des Hotels und er gefällt mir sehr gut. Am Besten gefällt mir, dass ich hier ganz alleine bin, ohne andere fremde Gäste.

15 Uhr. Nun bin auch ich im Bett ein paar Minuten eingenickt. Verdammt. Wir wollen doch noch mal raus! Wir brauchen Verpflegung. Das Hotelrestaurant muss es heute nun wirklich nicht mehr sein. Wenn das öffnet, werden wir schon im Reich der Träume sein…

Unser Hotelpool

Den ersten Tag der Reise beschließen

Auf unserem Spaziergang, der der Nahrungssuche dient, kommen wir an der sehr nahe gelegenen königlich-andalusischen Hofreitschule vorbei, die wir morgen besuchen wollen! So sind wir direkt im Bilde, wo sie sich befindet.

Ein Stück weiter nehmen wir draußen in einem Bistro Platz, erfahren jedoch leider, dass die Küche nicht mehr geöffnet hat, nur Kaffee sei möglich. Nein, danke.

Glücklicherweise tut sich dann ein riesiger Supermarkt vor uns auf! Hier finden wir doch noch was wir brauchen: Baguette, Käse, Möhrchen, Muffins, Chips, Mandeln, Haribo, Rotwein und natürlich Wasserflaschen! Top!

Auf unserem Balkon ist es heute zwar tierisch windig und wir haben Ausblick auf ein halbwegs hässliches Häusermeer – aber unterm Strich könnten wir gerade vermutlich nicht glücklicher sein, dass wir hier nun, bei Sonnenschein, unseren Tag ausklingen lassen können, nachdem wir die Anreise erfolgreich hinter uns gebracht haben und bereits die Schönheiten von Jerez kennen lernen durften! Auf den Urlaub!

Balkon-Dinner

Dienstag 10. März 2020

Kurz vor acht. Und kurz vorm Wecker. Wir werden langsam wach. Dreizehn Stunden nachdem wir ins Bett gegangen sind. Wir hatten was nachzuholen!

Das Hotelfrühstück ist nicht schlecht. Damit können wir eine Woche leben.

Fundacion Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre

Oder anders gesagt: die Königlich Andalusische Hofreitschule in der Avenida Duque de Abrantes. Duque heißen hier übrigens viele Orte, Plätze, Straßen, Hotels etc., ich kam nicht umhin, es zu googlen: Es ist das spanische Wort für Herzog.

Um 10Uhr, pünktlich zur Öffnung, sind wir da. Weil nur 400 Meter Fußweg von unserem Hotel entfernt! Der Eintritt inklusive der Museen und der Show kostet pro Person sehr faire 25 Euro. Man beachte: Besagte Show, mit dem Titel „How the Andalusian Horses Dance“, war bereits auf Tournee, sogar bei uns in Deutschland!

Fundacion Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre

Pferde in Andalusien

Im 15. Jahrhundert begannen die Kartäusermönche mit der Pferdezucht in Jerez, nachdem die Mauren bereits 720 nach Christus die ersten Pferde überhaupt nach Spanien (und Portugal) gebracht hatten. So nahm alles seinen Anfang. Die Hofreitschule jedoch wurde erst 1973 gegründet.

Das Pferd, bisher überwiegend als Arbeitstier und Prestigeobjekt genutzt, sollte fortan auch touristisch genutzt werden können: man entwickelte die „How the Andalusian Horses Dance“-Show.

Heute ist die Reitschule, verständlich formuliert, wie eine „Universität“ für besonders talentierte Pferde und Reiter und zudem Austragungsort diverser Dressurreitprüfungen. Besuchen kann man diesen Ort täglich. Das heißt man erlangt Zugang zu dem Gelände inklusive Führanlage, Reitplätze, Gärten, teilweise sogar Stallungen (im Teil des Kutschenmuseums) und kann jederzeit beim freien Training zusehen, die Shows finden derzeit 2x pro Woche statt (Winterprogramm).

Unser Besuch der Reitschule

Als Einführung ist ein 15 minütiger Film zu sehen (viersprachige Untertitel), der gut auf den Besuch einstimmt. Dennoch würde ich ihn nicht als Muss einstufen.

Fundacion Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre

Anschließend streifen wir durch die sehr grüne und extrem gepflegte Gartenanlage mit Palast, Brunnen, Reithalle und Trainingsplätzen, auf denen reger Betrieb herrscht.

Im Pferdemuseum sehen wir uns um, die Beschriftungen sind auf Spanisch und Englisch. Es ist nice to see aber bei hohem Besucherandrang würde ich es nicht empfehlen.

Eines von angeblich zwei Przewalski-Pferden bekommen wir live zu sehen! Diese Tiere gelten als die letzten echten „Wild“-Pferde.

Selbst an den Longierzirkel und die Führanlage kommt man heran. In letzterer werden alle Pferde im Schritt vor dem Reit- oder Fahrtraining ausgiebig aufgewärmt.

Zu den Stallungen kommt man von hier aus nicht. Verständlicherweise ist das ein Bereich, zu dem der Besucher eher keinen Zutritt bekommt. Es gibt aber sehr wohl einen Stallbereich, den man betreten kann, doch dazu später mehr.

How the Andalusian Horses Dance

12Uhr. Die Show in der großen Reithalle beginnt. Sie dauert inkl. kleiner Pause anderthalb Stunden.  Zu spanischer Musik und in traditionellen Kostümen wird uns eine richtig tolle Show geboten, hinter der derart viel Arbeit steckt, die man als Laie wohl kaum zu erfassen vermag. Papa und ich haben jedoch eine vage Vorstellung wie viel Fleiß und Feingefühl dieses Ergebnis erfordert!

Fundacion Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre

Ob gerittene klassische Dressur, Bodenarbeit mit dem Pferd oder auch das Gespannfahren! All dies erfordert unglaublich viel Geschick und Können!

Obgleich ich mich bei manchen Übungen doch auch wieder frage ob das dem Pferd selbst nun Spaß macht. Beispiel: Die beliebte Kapriole. Wo das Pferd mit allen Vieren in die Luft springt und dabei nach hinten auskeilen soll.  Dies gilt als „vollkommenster aller Sprünge des Pferdes“. Warum? Sieht beeindruckend aus – ja, aber: stammt aus dem Kampf(!)verhalten, extra antrainiert für die Verteidigung im Krieg damals… Im natürlichen Verhalten eines Pferdes ist so etwas, im Gegensatz zu den meisten anderen Übungen, jedoch eher selten bis gar nicht zu sehen… Aber mir ist auch klar, dass man dann ganz wo anders anfangen müsste, nämlich da, wo es heißt, dass das Pferd an sich generell anatomisch gar nicht dafür vorgesehen ist, einen Reiter zu tragen… Geschweige denn über Hindernisse zu springen und so weiter…

Das Kutschenmuseum

Nach einer Sandwichpause im Schatten der Reithalle bei mittlerweile 27 Grad, shoppt Papa noch Sherrygläser mit dem Logo der Reitschule und dann gehen wir weiter ins Kutschenmuseum der Anlage, die man hierfür aber kurzzeitig verlässt.

Fundacion Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre

Nach fünf Minuten Fußweg sind wir da. Auf das Kutschenmuseum ist man seitens der Reitschule extrem stolz, mich persönlich interessiert es jedoch nur mäßig, wie ich unerwarteter Weise feststellen muss.

Es werden zwar teils prachtvolle und vor allem sehr unterschiedliche Kutschen ausgestellt, diese stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, und es ist auch eine große Anzahl, ebenso wie Zaumzeug und sonstiges Zubehör. Am Meisten jedoch interessieren mich die lebenden Vierbeiner, die hier angrenzend in einem Teil der Stallungen der Reitschule untergebracht sind. Erstaunlicherweise ist es möglich, diesen Bereich zu begehen, solange man sich an die Spielregeln hält: Nur durch die Boxenstäbe gucken – nichts anfassen! Und Fotos ohne Blitz, natürlich!

Einerseits freut mich diese Möglichkeit gigantisch, doch andererseits bin ich irritiert, das hier jeder so einfach rein spazieren kann, zumal es keine erkennbare Überwachung über die Besucher und ihr Treiben gibt! Sogar in den Arbeitsbereich, wo Sattel, Zaum- und Putzzeug dieser Tiere gelagert wird, kann man theoretisch reingehen!

Ca. 15Uhr. Wir verlassen das Museum und würden gerne auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei Sandeman eine Sherry Verkostung machen aber in Jerez findet momentan alles irgendwie nur vormittags statt. Die Tore werden hier, ebenso wie die der Reitschule und des Kutschenmuseums, jetzt geschlossen!

Sandeman

Balkonien

Da wir gestern und heute schon eine Menge erlebt und gesehen und den Rest der Woche noch wirklich viel vorhaben, macht es uns aber nichts, den weiteren Tag im Zimmer zu verbringen. Papa organisiert uns ein weiteres Abendessen für den Balkon und dort festigen wir unseren ungefähren Plan, morgen nach Cadiz zu fahren!

Gegen 19Uhr wird es mir dann draußen zu frisch und ich schreibe und lese im Bett weiter, während Papa sich noch einmal auf den Weg macht, um in Erfahrung zu bringen wo sich die Bushaltestelle befindet, von der aus wir morgen unseren Weg in die Hafenstadt antreten möchten. Sobald er zurückkehrt, ist für uns dann auch wieder Schlafenszeit!

Mittwoch 11. März 2020

Halb acht. Der Wecker schellt. Wir wollen in aller Ruhe in den Tag starten, stehen lieber sehr rechtzeitig auf. Der Bus fährt erst um zehn.

Unser Hotel in der Calle Caldas

Das Hotelfrühstück erwähnte ich bereits, das ist okay. Aber Kaffee können sie nicht so richtig. Er erfüllt seinen Zweck aber man lechzt geschmacklich nicht nach mehr.

Klick hier für Cadiz !!

Am späten Nachmittag/frühen Abend kommen wir mit der Bahn zurück aus Cadiz. Jedoch bedeutet die Ankunft am Bahnhof Jerez noch eine halbe Stunde Fußweg zum Hotel. Durch die pralle Sonne. Das schreit nach Snacks und Buch auf dem Balkon…

Donnerstag 12. März 2020

Heute wollen wir wieder den 10Uhr-Bus ab Plaza del Caballo „Richtung“ Cadiz nehmen, um am Bahnhof Jerez in einen Zug nach Sevilla umzusteigen. Problem: Aus einem nicht erforschbaren Grund kommt dieser Bus heute nicht…

Wir warten fast eine halbe Stunde und nehmen dann die Linie 4, die ebenfalls zum Bahnhof fährt! Damit haben wir den 10.15Uhr-Zug nach Sevilla verpasst! Der nächste Zug? Fährt zwei Stunden später! Für eine gerade mal 90km entferne Stadt ist das eine recht niedrige Frequenz an Verbindungen.

Klick hier für Sevilla !!

23.15 Uhr. Außergewöhnlich spät sinken wir ins Land der Träumchen.

Calle Caldas

Freitag 13. März 2020

Aus Freitag dem 13. machen wir uns so überhaupt gar nichts. Und abgesehen von einer leichten (…) Verzögerung der Abfahrt nach Cordoba, welches wir heute kennen lernen wollen, widerfährt uns auch nichts Schlechtes oder Schlimmes. So viel vorab.

Nun. Der Plan ist also, nachdem wir mit dem Bus um kurz vor zehn zum Bahnhof von Jerez gefahren sind, Tickets für den Zug um 10.15 Uhr nach Sevilla zu kaufen und dort umzusteigen nach Cordoba.

Der freundliche Herr der spanischen Eisenbahnlinie erklärt uns aber geduldig und umfassend, dass die erste Strecke 23€ und die zweite 67€ für uns beide kosten würde, was recht viel klingt, und damit wären wir ja auch noch nicht wieder zurück in Jerez!

Er empfiehlt uns die direkte Verbindung zwei Stunden später ab Jerez, denn offenbar kann man Jerez-Cordoba nicht als Umsteigeverbindung buchen sondern benötigt für jede Strecke ein Ticket. Am Ende zahlen wir für hin und zurück zu zweit 89€ und fahren beide Strecken ohne Umsteigen. Das ist fair beraten!

Fundacion Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre

Den Vormittag vertrödeln

Zwei Stunden später abfahren bedeutet nun aber auch, dass wir genau diese zwei Stunden eben auch totschlagen müssen. Zurück zum Hotel, das lohnt nicht bei mindestens einer halben Stunde Fußweg pro Strecke, aber die nähere Umgebung gibt eigentlich auch nichts her. Zwei, drei Cafés sind zu sehen gegenüber vom Bahnhof… aber wir haben ja gerade erst im Hotel gefrühstückt!

In einem kleinen Supermarkt kaufe ich uns Snacks für die Fahrt. So langsam kommt „Corona“ auch in Spanien, oder vielmehr: bei uns, an! Denn hier trägt man Einweg-Handschuhe, bittet um Abstand etc. All dies, was wir so noch nicht kennen, uns zu Hause aber bald in noch sehr viel drastischerer Form erwarten wird, auch wenn wir das jetzt noch nicht ahnen…

Während meines Mini-Shoppings erblickt Papa einen Frisör – ich will unbedingt zu einem! Jedoch kommen wir überein, dass es sich wohl um einen Herrenfrisör handelt. Während ich noch rum eiere, überlege ob ich frage, entdeckt Papa im Fenster des Frisörs eine Tageszeitung. Die Titelseite ziert eine Überschrift, die wir auch entziffern können, ohne Spanisch zu sprechen: zwei bestätigte Corona-Fälle in Jerez.

Unsere Hotelanlage

Ich finde noch einen anderen Frisör. Ich spreche kein Spanisch, die Frisörin kein Englisch. Wir nehmen Platz und warten… und warten… und warten… Offenbar heißt ihre Geste über der Wanduhr nicht, dass es noch zwanzig Minuten dauert, wie ich es interpretiert hatte, sondern, dass ich um 12 dran komme. No! Sorry! Gracias! Viertel nach 12 fährt doch die Bahn!

Also doch Kaffee in Bahnhofsnähe. Und reichlich Geduld…

Klick hier für Cordoba !!

In einem Taxi nach Paris

Nein. Nur bis zu unserem Hotel. Denn um 23 Uhr, als wir Jerez erreichen, gibt es keine andere Möglichkeit mehr, um vom Bahnhof weg zu kommen. Der Taxifahrer mit seiner Schniefnase würde mich normalerweise weniger stören aber heute… habe ich ehrlich gesagt vielleicht doch schon ein paar Atemschutzmasken zu viel erlebt… Man weiß ja nicht wirklich was man wovon halten soll…

Samstag 14. März 2020

Den Zug um 10.15 Uhr gibt es heute gar nicht nach Sevilla. Es ist Samstag und es geht nur um 12.15 Uhr eine Bahn. Was mir sehr recht sein soll, ansonsten schlafe ich bestimmt irgendwann im Gehen ein.

Entsprechend spät frühstücken wir, denn der Bus zum Bahnhof Jerez fährt auch erst um 11.41 Uhr. Das ist doch genau meine Zeit!

Von der Fundacion Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre zum Kutschenmuseum.

Und dann. Am Bahnhof. Wir sind bald die einzigen, die noch ohne Mundschutz oder Handschuhe (deren Sinn sich mir nicht erschließt, nebenbei bemerkt) herumlaufen, eines von beiden hat fast jeder. Immerhin: Endlich fühle ich mich nicht mehr außen vor mit meinem stets griffbereiten Handdesinfektionsmittel! Das kommt gerade so richtig in Mode!

Zu meinem vollständigen Glück wäre jetzt nur noch erforderlich, dass auch der letzte Erdenbürger begreift, dass es wünschenswert ist, dass man in die Armbeuge niest anstatt in seine Umgebung hinein und auf die Mitmenschen… Und das nicht erst seit Corona!

Klick hier für einen weiteren Tag Sevilla !!

Zurück in Jerez

In Jerez kommt es uns nicht ganz so gespenstisch leer vor (was wahrscheinlich täuscht) aber der Busfahrer hat auch eine Atemschutzmaske auf, langsam gewöhnt man sich an dieses Bild, und desinfiziert zwischendurch die Hände.

Im Hotel sind wir dennoch nach wie vor tiefenentspannt. Harren wir der Dinge! Der Rückflug wird schon noch erfolgen! Dass es zu Hause kein Klopapier mehr zu kaufen gibt können wir uns auch nicht vorstellen. Wahrscheinlich wird alles ein bisschen heißer gekocht als gegessen… Trotz allem erreicht uns die reale Welt in unserem Urlaub nicht so vollständig. Dass ich mich wenige Tage später auf Kurzarbeit einstellen muss und erst in 13 (!) Tagen wieder Klopapier zu kaufen schaffe, kann ich mir jetzt wirklich noch nicht ausmalen!

Unsere Hotelanlage

Sonntag 15. März 2020

24h Urlaub

Der letzte Tag ist dann wirklich mal faul! Von vornherein war klar gewesen, dass wir heute keinen Ausflug mehr machen, von vornherein wollten wir heute nur rum gammeln und den Koffer packen, vielleicht noch ein bisschen durch Jerez schlendern. Denn morgen früh um 8 geht unser Rückflug. Entsprechend kurz würde also die Nacht wieder werden!

Letztlich sieht es so aus, dass wir erst einmal ganz entspannt frühstücken gehen und da aber feststellen, dass kaum noch andere Gäste da sind. Das Buffet hat man ungefähr halbiert, genug zur Auswahl haben wir aber immer noch.

Zudem lese ich ganz viel, wir liegen im  Bett und schauen Nachrichten, packen die Koffer und irgendwann gehen wir auch noch einmal raus! Es ist wieder ganz schön heiß für den März! Wir benötigen noch etwas Verpflegung für den weiteren Tag.

Allerdings: Außer eine Dame mit Dackel ist eigentlich niemand unterwegs. Wir haben Jerez ganz für uns! Ich kann mich absolut für die leeren Straßen begeistern! Zum Glück finden wir noch eine kleine Pastelaria, in der wir Gebäck und Wasserflaschen für unsere Balkon-Mahlzeit bekommen!

Unterwegs in Jerez

Wir müssen es einsehen: Morgen ist irgendwie der optimale Zeitpunkt um zurück zu fliegen. Die Grenzen werden bald dicht gemacht! Genau genommen kommt unser Flieger auch schon leer nach Spanien. Man bringt keine Urlauber mehr her, man holt sie nur noch ab!

Montag 16. März 2020

Jeder Urlaub geht einmal zu Ende. In unserem Fall ist das sogar schon um 5 Uhr morgens. Denn um diese Zeit kommt unser vorbestelltes Taxi zum Flughafen! Auch dieser Taxifahrer, ich muss es gar nicht mehr erwähnen, mit Mundschutz! Am Flughafen sind wir (und die meisten anderen deutschen Fluggäste) dann wirklich die einzigen ohne!

Die Sicherheitskontrollen sind wieder einmal für die Katz. Das Frühstück vom einzigen geöffneten Shop am Airport zwängen wir uns rein. Pünktlich erfolgt dann der Rückflug. Es ist nun mein mittlerweile 120. Sicherheitsballett, das ich über mich ergehen lasse, bevor wir abheben und auch dieser Flug vergeht auch wieder überwiegend im Schlaf. Da sind wir noch mal gut weg gekommen!

Abflug am frühen Morgen...

Wenn ich mir vorstelle, wir wären nur wenige Tage später in unseren Urlaub gestartet, dann hätten wir noch sehr viel weniger davon gehabt, hätten ihn womöglich sogar abbrechen müssen. Aber wer ahnt so etwas schon??

Schön war die Woche trotzdem – und für unbestimmte Zeit auch erst einmal der letzte Urlaub weg von zu Hause…

Jerez in Bildern – zum Durchklicken:

Fundacion Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre