Pontevedra nach San Mauro

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Schattenspiele

Montag, 31. März 2025

„One way street“ (Bruce Springsteen)

Wanderetappe Pontevedra nach San Mauro ca. 10 km

Gehzeit ca. 02h30, Pausenzeit ca. 20min

Startschwierigkeiten

Heute komme ich nicht gut in Gang. Ich fühle mich in diesem Hotel nicht wohl und habe schlecht geschlafen. Das ewige Füße einschmieren macht mir auch nicht viel Spaß. Seit ein, zwei Tagen habe ich sogar eine scheinbar geplatzte Blase oder vermutlich eine anderweitig aufgescheuerte Stelle am linken Fuß am zweiten Zeh, sieht jedenfalls so aus, gespürt habe ich davon nichts.

Das Hotelfrühstück toppt alle schlechten Frühstücke der Reise, sodass ich „rückwärts“ wieder rausgehe aus dem Frühstückssaal, Philipp ist tapfer. Später wird auch Marianne ihre Negativ-Erfahrungen mit uns teilen.

Kurzstreckensprint nach San Mauro

Altstadt Pontevedra

San Mauro oder auch San Amaro (ersteres ist spanisch, letzteres die galizische Schreibweise) ist nur 10 km entfernt und entsprechend entspannt und guter Dinge starten wir unsere Etappe um 08.45 Uhr. Die ersten ca. drei Kilometer gehen durch Pontevedra, sodass wir heute auch die Altstadt kennenlernen, von der wir ein gutes Stück entfernt wohnen. Ich finde aber leider zunächst kein Café, das mich anspricht.

Altstadt Pontevedra

Ich kann nachvollziehen, warum Pontevedra zu den „städtischen Perlen der Region Galizien“ gezählt wird. Die Kleinstadt ist eher ruhig aber nicht verschlafen und versprüht eine Menge Charme. Im Mittelalter starteten von hier aus viele Schiffe Richtung „Neue Welt“. Auffällig ist, wie viel Fußgängerzone es hier gibt und wie wenig Autoverkehr direkt im Zentrum stattfindet. Sehr angenehm.

Altstadt Pontevedra

Etwas abseits vom Zentrum dann endlich eine Frühstücksmöglichkeit! Leckerer Cappuccino und Joghurt mit Erdbeeren und Müsli. Philipp trinkt einen Kaffee und wir bekommen mal wieder kostenlos Süßteilchen dazu. Es hat heute Morgen frische elf Grad, sodass wir es sehr genießen, draußen in der Sonne sitzen zu können.

Am Rio Lerez

Als wir Pontevedra langsam verlassen, wird die Strecke irgendwann grüner und es dauert nicht lange, da treffen wir auf eine neue Pilgerbekanntschaft: Kathleen, 66, neuerdings Rentnerin, stammt aus Chicago, hat später neun Jahre in Vermont gelebt und wohnt nun in St. Petersburg/Florida. Und damit haben wir sofort etliche Anknüpfungspunkte. In Chicago waren wir schließlich letztes Jahr! In St. Pete in Florida war ich vor ungefähr 20 Jahren mal. Und nicht zuletzt haben wir auch unsere Flitterwochen in Florida verbracht! Außerdem lebt ihre Tochter in Colorado, welches uns vorletztes Jahr sehr begeistert hat.

Camino Ausblicke

Wir unterhalten uns sehr viel übers Reisen und es ist so interessant, dass ich gar nicht merke, wie sie nach und nach das Tempo steigert und die grüne Waldlandschaft, sonnig, wie schattig, regelrecht an uns vorbeifliegt. Irgendwo treffen wir dann Marianne, bei der Philipp hängen bleibt, die beiden kommen langsamer hinter uns her.

Kathleen und ich unterhalten uns auch über den Camino, die Leute, die Strecken, die Übernachtungsmöglichkeiten, das Essen, alles Mögliche. Kathleen hat ihre Europa-Reise in Lissabon begonnen. Nach ausgiebiger Stadtbesichtigung der Hauptstadt fuhr sie per Bus nach Porto, um ihre Pilgerreise dort einen Tag vor uns zu beginnen. Nach Ankunft in Santiago plant sie noch Städteaufenthalte in Bilbao und evtl. Barcelona, sowie einen Besuch bei Freunden in den Niederlanden, genau geplant ist das aber alles noch nicht.

Camino Ausblicke

Interessant finde ich den Fakt, dass sie den Camino eigentlich „zusammen“ mit einer Freundin macht. Sie haben allerdings eine eher ungewöhnliche Vereinbarung: Sie laufen nicht zusammen, weil sie ein sehr unterschiedliches Tempo gehen, aber sie planen von Tag zu Tag gemeinsam die jeweilige Etappe, wobei die Freundin ihre Unterkünfte ein, zwei Tage im Voraus bucht, weil sie sich den Luxus des Gepäcktransports gönnt und zudem Appartements mit Kochmöglichkeit bevorzugt, während Kathleen ihr Gepäck unbedingt selbst tragen und hin und wieder auch in Herbergen schlafen möchte. Manchmal schläft sie mit in der Unterkunft ihrer Freundin, manchmal nicht, aber sie treffen sich jeden Abend zum gemeinsamen Kochen. Verrückt, oder?

Buen Camino!

Und ich finde nichts, aber auch gar nichts daran falsch! Es gibt so viele Gestaltungsmöglichkeiten wie man den Camino individuell für sich selbst passend machen kann, und auch wenn es zunächst etwas seltsam und kompliziert klingt, ist es doch eigentlich eine spannende Sache, wie die beiden das lösen. Und so lange es für beide passt, das auf diese Weise anzugehen – Warum nicht?

Einen Kilometer vor unserem Etappenziel legt Kathleen eine Pause an einer hübschen Stelle am Fluss ein, weil sie heute noch wesentlich mehr Kilometer vor sich hat als wir. Heute hatte ich fast keine Schmerzen weil ich so gut unterhalten wurde! Ich war einfach glücklich, so ausgiebig mit jemandem Englisch sprechen zu können.

San Mauro – Pilgerpause mit Charme

Lieblingsstopp

Gegen 12 Uhr kommen wir in San Mauro an, d.h. wir haben locker zwei Stunden Zeit bis unser Taxitransfer zurück nach Pontevedra angesetzt ist. Wir hatten vorab ein bisschen Sorge gehabt, wie wir die Zeit wohl rumkriegen würden, denn San Mauro hat gerade mal ganze zwei Pilger-„Tankstellen“. Wie sich herausstellt, hat auch nur eine davon geöffnet. Aber diese erweist sich als Glücksgriff: Gute Auswahl an Speisen, nette Plätze draußen zum Sitzen, sehr saubere WCs und außerdem Stempel!

Ich esse Salat, Philipp Baguette mit Omelette, und dann trudelt auch Marianne ein und gesellt sich zu uns. Wir trinken zusammen Kaffee und haben einfach eine schöne Zeit auf dem einzigen Schattenplätzchen, das ich uns ergattert habe. Hier wollen wir morgen auch frühstücken, das beschließen wir gemeinsam! Denn morgen werden wir von Pontevedra nach San Mauro gefahren, um hier unsere Etappe fortzusetzen und, da hier Frühstück angeboten wird und unser Hotel das nicht so drauf hat, ist das die perfekte Möglichkeit!

Pilger-Alltag

Zurück im Hotel geht es ausgiebig an die Körperhygiene und Fußpflege, wir haben heute 26 Grad, laut Marianne sogar 28, aber einigen wir uns auf „warm“! Das heißt wir müssen uns dringend frisch machen. Ich lege dann unbedingt die Füße hoch und Philipp geht Wasser einkaufen und im Waschsalon seine Sachen waschen, das hat er in Ancora wohl für sich entdeckt.

Als er wiederkommt, beginnt wieder die leidige, alltägliche Futtersuche. Nicht nur, dass es selten vegetarisch gibt, hinzu kommen die unpraktischen Öffnungszeiten, und wenn ein Lokal auf hat, heißt es noch lange nicht, dass auch die Küche gerade „open“ ist, meistens kann man dann nur was trinken.

Falafel-Döner in Caldo Verde-Schüssel

Und so landen wir heute doch nochmal in der Altstadt und suchen ewig rum, bis wir bei einem „Laden“ landen, der dem Namen nach Pizza und Pasteis de Nata anbietet, wir entscheiden uns aber für Falafel-Döner, denn auch die gibt es  hier, und je ein Pastel de Nata mit Schokolade, die uns durchaus sehr gut schmecken aber wir bevorzugen die klassische Variante ohne Schokolade. 

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