Financial District

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Financial District

Donnerstag 12. März 2015

Der GROBE Plan für heute ist die Wall Street und nachmittags die Ground Zero Tour. Da ich aber der Meinung bin, dass man keine drei Stunden ziellos durch den Financial District läuft, schlage ich vor, dass wir zunächst den von zwei Mitreisenden gewünschten Stopp bei Macy´s [!keine Werbung!] einlegen. Diese Idee findet großen Anklang.

Donnerstag 12. März 2015

Also fahren wir mit der Metro dorthin, gehen vorher aber auch noch bei Victoria´s Secret [!keine Werbung!] gucken, denn das gibt es in Deutschland nicht. Ich werde jedoch weder hier noch dort fündig. Aber das habe ich auch nicht erwartet, ich hätte hier gar nicht her gemusst. Das Einzige, was ich mir gönne ist endlich ein Strawberries and Cream Frappuccino.

Von der Penn Station fahren wir anschließend nach Süd-Manhattan, welches wir bisher noch gar nicht angesteuert haben, abgesehen von der Brooklyn Bridge. Es werden die üblichen Fotostopps: Erst der New York Stock Exchange und dann der Charging Bull.

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Dann setzen wir uns mit einem belegten „Baguette“ von einer „Baguette-Fast Food“-Filiale im kleinen Bowling Green in die Sonne. Der älteste (!) Park von NYC befindet sich direkt beim Charging Bull. Eigentlich wollten wir uns gerne in den berühmten Battery Park an der Südspitze Manhattans setzen – aber der ist mit Kränen, Baustellenfahrzeugen und -zäunen vollgestopft. Nagut, dann eben hier, und ohne Blick auf´s Wasser.

14 Uhr. Unsere vorgebuchte Ground Zero Tour mit Guide Nathalie beginnt. Sie ist in etwa in meinem Alter, und erzählt zunächst viel über die Twin Towers, welche Funktion diese hatten (Bürogebäude, Shopping Mall, Metrostation usw.). Dann gehen wir mit ihr in die St. Paul´s Chapel, vor der wir uns getroffen hatten. Diese blieb als einziges Gebäude in der Umgebung der Türme unbeschädigt und intakt, und fungierte so noch Monate nach 9/11 als Ort zum Schlafen und Essen für die vielen Helfer.

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Nathalie berichtet natürlich auch, wie sie selbst 9/11 erlebt hat. Und auch jeder von uns weiß noch, was er an dem Tag gerade gemacht bzw. wie er von der Tragödie erfahren hat… Nathalie selbst war erst 12 Jahre alt und gerade in der Schule als es passierte. Nach der morgendlichen Versammlung wurde durchgesagt, alle Kinder, deren Eltern im World Trade Center arbeiten, sollen bitte im Versammlungsraum bleiben. Dazu zählte sie zum Glück nicht, aber auch für sie gab es noch eine außerplanmäßige Versammlung, an der sie teilnehmen musste, in der den Kindern dann eröffnet wurde, was passiert war.

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Der Unterricht ging zwar normal weiter aber nach und nach wurden die Kinder von ihren Eltern aus dem Unterricht abgeholt. Nathalie wurde nicht abgeholt. Ihr Vater arbeitete zwar von zu Hause aus, kam aber schlichtweg nicht auf die Idee, sie (früher) abzuholen. Ihre Mutter war zum Zeitpunkt des Anschlags gerade in einem Flugzeug und zählte zu den unzähligen Menschen, die in Kanada auf einem kleinen Regionalflughafen notlanden mussten. Die Masse an Menschen und das Chaos in NYC machten es ihr erst nach einer geschlagenen Woche möglich, nach Hause zu kommen!

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Es folgten Geschichten von Nathalie´s Nachbar, der als Helfer am Ground Zero dabei war. Und wie es dessen Angehörigen ergangen war, warum sie gerade nicht im WTC waren als der Anschlag passierte, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt hätten dort sein sollen… Ein beeindruckender Bruchteil der Einzelschicksale dieses unvergesslichen Tages in 2001…

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In der St. Paul´s Chapel sehen wir uns noch ein wenig um, bevor wir vorbei am Firefighter Memorial zum neuen One World Trade Center gehen. Nach über acht Jahren Bauzeit wurde es erst vor wenigen Monaten eröffnet. Die Aussichtsplattform wird allerdings erst Ende Mai öffnen, weshalb wir das Gebäude heute nur von außen sehen werden.

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Doch direkt daneben stehen wir an den Reflecting Pools. Zwei viereckige Löcher im Boden, und zwar genau die Grundrisse der ehemaligen Twin Towers. Hier läuft Wasser hinunter und verschwindet in einem nicht einsehbaren wiederum viereckigen Loch im Boden. Drum herum befindet sich eine Art Geländer mit den Namen aller Opfer, wobei die Familien angeblich Einfluss darauf hatten welcher Name neben welchem steht, damit z.B. die geliebte verstorbene Person nicht direkt neben seinem meistgehassten Kollegen oder Chef verewigt wird! Unglaublich.

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Hier endet die bewegende Tour nun. Aber wir haben ein Kombi-Ticket und gehen noch ins 9/11 Museum, das sich gewissermaßen zwischen den beiden Türmen bzw. am Rande des Twin Tower Areals befindet.

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Das Museum ist wirklich sehr groß. Und gleichermaßen informativ wie intensiv und erschütternd. Ich finde es wahnsinnig interessant und lese mir ganz viel durch. Es macht sehr nachdenklich. Wie schnell kann man zur falschen Zeit am falschen Ort sein…

9/11 Museum

Gleich am Anfang wird auf einer Karte anschaulich dargestellt, welches Flugzeug von wo aus gestartet ist, und wie die Route ab dem Zeitpunkt der Entführung verlief.

Danach sieht der Besucher wechselnde Bilder von Menschen, die gerade sehen was passiert. Emotionen pur auf den ungläubigen und entsetzten Gesichtern.

Es folgen sehr viele Original Teile von den Twin Towers, zum Beispiel Stahlträger und Treppen.

9/11 Museum

Später gibt es einen Film, der ist, zugegeben, sehr amerikanisch, patriotisch, voller Pathos.

Im nächsten Raum hängen die Namen und Fotos von ALLEN Opfern. Dazu gibt es Touch Screens, auf denen man jedes einzelne Opfer anklicken kann. Es gibt dann mehr Fotos und ein paar Daten wie Geburtsdatum und Geburtsort sowie die Geschichte dazu, warum er oder sie im WTC gewesen ist, als das Unglück passierte. Es ist maximal erschütternd, sich diese Einzelschicksale durchzulesen. Ich könnte sie mir allesamt durchlesen…

9/11 Museum

Weiter im Museum. Als Nächstes hat man eine Übersicht erstellt, von Filmen und Serien, in denen das WTC drin vorkommt. Eine Menge, wie man sich vorstellen kann!

Dann erst kommt sozusagen der Hauptteil der Ausstellung. Dort findest du Unmengen an Fotos: Abschiedsbriefe von Leuten, die wussten, dass sie gleich sterben, obwohl ich mich frage warum diese Schriftstücke nicht verbrannt sind… Original TV Ausschnitte in den US Medien damals. Original Eintrittskarten für das Spiel der NY Yankees gegen die Chicago White Sox, das am Abend des 11. Septembers stattgefunden hätte. Aber auch Fotos von Feuerwehrautos, Polizeiautos, Rettungswagen. Auch der Text, der in den entführten Flugzeugen gesprochen wurde – inklusive Uhrzeit…

9/11 Museum

Darüber hinaus gemalte Bilder von Kindern, die sich bei der Feuerwehr und den Helfern bedanken. Ausgestellte Kleidung und Schuhe, die die Helfer getragen haben sollen. Filme und Fotos von Privatpersonen, die in umliegenden Hotels, Büros und Privatwohnungen gewesen sind und das Desaster dokumentiert haben. Vermisstenanzeigen der Angehörigen, die ganze Wände tapezierten. Angebrannte Schriftstücke, die aus den Twin Towers geflattert sind. Und natürlich Flugzeugteile, Feuerwehrhelme, und noch so vieles mehr…

Ich gucke mir möglichst viel an und würde  gerne noch ein paar Stunden (!) bleiben, doch die anderen Drei möchten weiter. Ich schließe nicht aus, das Museum eines Tages erneut zu besichtigen, denn ich habe das Gefühl, hier noch nicht genug Zeit verbracht zu haben.

Unser Tag endet an dieser Stelle. Man muss die letzten Stunden auch irgendwie verarbeiten, weshalb wir nun nichts mehr unternehmen.

Aber morgen! Kommst du mit zum Yankee Stadium? >>>