Soweto

Zurück nach Johannesburg, Sterkfontein und Pretoria.

Dienstag ~ 03.09.19

South Western Township(s) war bis 2002 eine eigene Stadt aber gehört seitdem zur Metropolgemeinde von Johannesburg. Und Soweto ist riesig. Wir fahren mit dem Bus und einem weiblichen einheimischen Tour Guide abwechselnd durch durchaus vorzeigbare Straßen mit Kliniken, Shopping Malls, Autohäusern, Museen etc. … und …: Wellblechhüttengebiete.

Soweto Township Bus Tour

Aber bei den Wellblechhütten gibt es Unterschiede. Mit oder ohne Strom bzw. fließendem Wasser. Manche ordentlicher, manche dreckig und vermüllt. Manchmal stehen dort richtige kleine feste Häuser, teilweise wie in allen anderen Städten auch mit Mauer und Stacheldraht und Auto vor der Tür. Manchmal ist man davon aber auch weit, weit entfernt und das Elend springt uns an.

Soweto  ist geballt das was wir die ganze Woche schon oft im Vorbeifahren gesehen oder erahnt haben, hier und da, an einzelnen Stellen. Aber hier ist alles auf einem Haufen. Und dennoch machen wir hier eine: Stadtrundfahrt!

Soweto Township Bus Tour

Unser Tour Guide beteuert, dass die Menschen froh sind über jeden Touristen, der herkommt, selbst wenn er kein bzw. kaum Geld da lassen sollte, bringt er ihnen doch auch ein Stück Normalität wenn man ihren Stadtteil nicht meidet und ignoriert. Aber wir… fühlen uns überwiegend ekelhaft, die Menschen und ihre schrecklichen Situationen zu begaffen wie Tiere im Zoo. Ich traue mich fast keine Fotos zu machen, ich finde das geschmacklos.

Sie verrichten ihre alltäglichen Arbeiten… Waren auf dem Markt anbieten… Müll für´s Recycling sammeln… den Hund ausführen… Autos waschen… Einkaufen… Wenn sie Glück haben: zur Arbeit gehen… etwas mit ihren Kindern unternehmen… Ach und man kann hier sogar Bungee springen von der Brücke oben zwischen den beiden markanten, bunt bemalten Türmen des Kraftwerks!!

Soweto Township Bus Tour

Noch dazu fühlen wir uns nur begrenzt sicher. Aber das ist hier in Johannesburg generell der Fall gewesen. Ich kann mir nicht helfen… aber ich kann und werde Johannesburg und Pretoria niemals explizit jemandem empfehlen. Man muss zumindest vorher ansatzweise wissen, was einen erwartet – und dann selbst entscheiden.

Insgesamt steigen wir dreimal aus dem Bus aus in Soweto. Das erste Mal auf einer Art Flohmarkt. Wir fühlen uns schrecklich (und) unsicher. Plötzlich stellen sich auch zwei junge Schwarze zu uns……….. und beginnen wunderschön zu singen. Zuerst denke  ich, das gehört zur Tour. Nein, es ist ihre Art, um bei uns um etwas Geld o.ä. zu bitten – erfolgreich.

Soweto Township Bus Tour

Der zweite Stopp erfolgt am vom Touristen viel besuchten Hector Pieterson Denkmal vorm gleichnamigen Museum. Pieterson wurde 1976 im Alter von 12 Jahren bei einer anfangs friedlichen Demo erschossen. Man demonstrierte dagegen, dass die Sprache Afrikaans, die Sprache der Weißen, als Unterrichtssprache eingeführt wird. Man wollte in Englisch unterrichtet werden. Pieterson war nur eines von insgesamt über 500 Opfern!

Das Museum hier im Township Orlando eröffnete Nelson Mandela vor wenig mehr als siebzehn Jahren an Pieterson´s 26. Todestag. In Berlin hat man eine Schule nach ihm benannt. Nicht weit davon entfernt hält unser Bus wieder. An der Ecke wo Pieterson erschossen wurde. Dort beginnt dann auch die Vilakazi Street, die sehr belebt und eigentlich fast normal wirkt – man wähnt sich hier nicht gerade in Soweto: man bietet Souvenirs an Ständen an, wir passieren Schulen, Restaurants und auch das Haus mit der Nummer 8115, in dem Mandela von 1946 bis 1962, vor seinem Leben in Gefangenschaft, gelebt hat. Es beherbergt heute ein Museum.

Soweto Township Bus Tour

A pro pos Mandela. Den habe ich bisher ganz schön vernachlässigt… Nur kurz: Ich habe die ersten 100 Seiten seiner Biografie vor dieser Reise gelesen. Alle 800 Seiten erschienen mir dann doch zu viel in recht kurzer Zeit, sodass ich abgebrochen habe. Doch auf diesen ersten 100 Seiten habe ich durchaus einen Eindruck von seiner Kindheit und Jugend gewonnen.

Alles was danach geschah ist in groben Zügen sowieso bekannt: Er eröffnete die erste schwarze Anwaltskanzlei, kämpfte gegen die Rassentrennung, wurde zum Symbol für die Überwindung der Apartheid, die das Leben von Schwarzen und Weißen strikt trennte und den Schwarzen sehr viel weniger Rechte zusprach. Dabei war es, damals wie heute, so, dass ca. 40 Millionen Schwarze und nur ca. 4 Millionen Weiße im Land lebten!

Soweto Township Bus Tour

Er saß dann 27 Jahre hinter Gittern und wurde am 11. Februar 1990 wieder frei gelassen, woraufhin er sich sofort wieder an die Arbeit machte um seine Ziele zu erreichen! Ein berühmtes Zitat von ihm lautet: „In my country we go to prison first and then become President.“. Denn nachdem er 1993 zunächst den Friedensnobelpreis bekommen hatte, wurde er 1994 Präsident von Südafrika.

Wir besuchen das Mandela Museum aber leider nicht sondern kehren ein Stück weiter in ein einfaches Restaurant ein: 3-Gang-Menü, Hotelauswertung und Abschlussbesprechung.

Und das war sie dann… Meine 1. Südafrika-Reise!

Kommt mit! Es geht nach Hause.