Prolog São Miguel

City Walk

Ich bin siebenunddreißig. In nur sechs Monaten achtunddreißig. Und dann bald neunundfünzig… oder dreiundsiebzig. Und dann werde ich mich fragen, wie ich dorthin gelangt bin. Und vor allen Dingen, ob ich wirklich alle Reisen unternommen habe, von denen ich geträumt oder die ich mir vorgenommen habe.

Wir müssen keine Raketenwissenschaftler sein um zu begreifen, dass Zeit begrenzt ist. Erst recht die, in der es uns möglich ist, das zu tun, was wir gerne tun. Und deshalb stellte sich auch nicht die Frage, ob wir diese Reise antreten werden, als mir auf den Tag genau eine Woche vor Abflug der Orthopäde eröffnete, dass ich einen Ermüdungsbruch habe und die kommenden sechs Wochen einen Spezialschuh tragen würde und mich zu schonen hätte…

Miradouro da Nossa Senhora da Paz

Die Auf und Ab´s in den Wochen vor der Reise

Ungefähr vier bis fünf Wochen vor unserer Reise auf die Azoreninsel São Miguel begann mein linker Fuß heftig zu schmerzen. Das war irritierend, plagte mich doch seit dem Jakobsweg eigentlich vorrangig der rechte Fuß, und das auch auf ganz andere Art und Weise.

Drei Wochen vor der Reise stellte sich heraus, dass die Schmerzen dennoch steigerungsfähig gewesen waren und ich vereinbarte einen Termin beim Hausarzt. Mit einer gewissen Vorahnung machte ich mich zudem an die Recherche, Aktivitäten ohne Wandern auf São Miguel zu finden – gar nicht so leicht!

Botanischer Garten

Zwei Wochen vor der Reise war dann dieser Termin beim Hausarzt auch endlich – und ich wurde zum Orthopäden überwiesen.

Und dann diese Diagnose! Und: Alles was weh tut, sei zu vermeiden. – Bähm!

Das musste erst mal 24 Stunden sacken. Aber nun denn: Fliegen wir also mit einer kaputten Flunke in den Wanderurlaub. Meine Vorahnung war also richtig – es braucht ein Alternativprogramm zum Wandern! Auf eine Wanderinsel! Grande!

City Walk

Aber nicht nur der Fuß raubte mir die Nerven:  Rund anderthalb Wochen vor der Reise meldete der Flughafen Hamburg, von dem wir starten würden, dass er kein Kerosin mehr vorrätig hat. Ja wo leben wir denn hier?

Der nächste Punkt: Die Lufthansa überlegte mal wieder, zu streiken – wir hatten zwar die TAP gebucht, aber es rief einem ins Gedächtnis, dass ja auch noch spontan Fluglotsen oder Flughafen-Mitarbeiter streiken könnten!

Heimreise PDL-LIS-HAM

Und last but not least: Wenige Tage vor der Reise zog ein Hurrikan über die Azoren. Klar – wir haben Ende September. Wie konnte ich so dumm sein? Die Hurrikan-Saison schlechthin für u.a. die Karibik – und ich buche uns genau für diesen Zeitpunkt eine Reise mitten in den Atlantik, über den eben jene Hurrikans in dieser Zeit regelmäßig hinweg fegen… Ich war sprachlos ob meiner eigenen Dämlichkeit, schließlich hatten wir schon oft genug andere Reiseziele für diese Jahreszeit aus genau diesem Grund ausgeschlossen!

Miradouro do Pico dos Bodes

Blick nach vorn

Aber das größte Problem blieb natürlich der Fuß. Mindset war jetzt alles! Das war mir sofort klar! Stornieren kam also nicht infrage – trotz allem. Ich packte also einen Badeanzug mehr ein und nahm endlich mal wieder so richtig viele Bücher mit in den Urlaub!

Ich nahm mir ganz fest vor, möglichst nicht zu sehr frustriert zu sein, wenn etwas nicht geht – und mich auch nicht über Langeweile zu beschweren, sondern diese Zwangspause mal zur Erholung zu nutzen. Ich fliege nun also nicht dort hin, um Kilometer zu wandern, sondern um Luft, Natur und Ruhe zu tanken. Intention gesetzt!

Miradouro da Santa Iria

Aber Wer? Wie Was? Wieso? Weshalb? Warum eigentlich São Miguel?

Die neun Inseln der Azoren befinden sich ungefähr auf halber Strecke zwischen Europa und Nordamerika. Bekannt sind sie in unseren Gefilden bestenfalls durch das beliebte „Hoch“ aus dem Wetterbericht – das stabile Hochdruckgebiet beeinflusst im Sommer West- und Mitteleuropa und bringt schönes, trockenes, stabiles Wetter. Ob wir schönes, trockenes, stabiles Wetter auf den Azoren erleben würden, das sei zunächst noch dahingestellt. Im Oktober ist dort eher mit Niederschlag zu rechnen, aber das haben wir eingeplant!

Praia de Santa Bárbara

Warum aber überhaupt die Azoren? – Und da darf ich mich direkt korrigieren: Denn wir bereisen nicht „die Azoren“ sondern lediglich eine einzige Insel des Archipels, wenn auch die größte: São Miguel. Die Welle auf dem „a“ in „São“ spare ich mir allerdings aus Bequemlichkeitsgründen fortan.

Ein wichtiger Punkt (vielleicht der wichtigste): Die Azoren gehören zu Portugal! Und Portugal bereisen wir am Liebsten! Da wäre die Vielfalt, da wären die tollen Menschen, da wäre so viel Natur, so viel Vertrautes… – nach mittlerweile ca. 10 Portugal-Reisen!

Freitag, 10. Oktober 2025

Ein anderer Punkt: Seit wir 2016 auf Hawaii gewesen sind, streute Mama immer mal wieder ein, dass es mit den Azoren ja auch noch ein „Hawaii Europas“ gibt – und ein bisschen Bildrecherche bestätigt diesen Gedanken durchaus: Es gibt Unmengen Vulkane, Kraterseen, grüne Berge, Wanderregionen, Wassersport, Wale, eine großartige Pflanzenwelt und auch einen Hauch Exotik – ein bisschen also wie Hawaii, wenn auch sicherlich anders.

Serra de Agua de Pau

Last but not least: Bekannte besuchten letztes Jahr die drei Inseln Sao Miguel, Pico und Faial. Ich wurde in die Urlaubsplanung sehr stark involviert und stellte schnell fest: DAS will ich auch!

So mutig, direkt drei Inseln zu kombinieren, war ich jedoch nicht, aber auf die Hauptinsel habe ich mich ziemlich schnell eingeschossen: 1. Wegen der einfacheren Anreisemöglichkeiten als auf die kleineren Inseln. 2. Sao Miguel dürfte für zwei Wochen genug Highlights bieten – und wenn nicht, dann ist das trotzdem in Ordnung, dann bleibt uns genug Zeit, auch mal den Hotelpool zu nutzen, faul rumzuliegen, Urlaub zu machen – und wir sind nicht ausschließlich in Action. – Das war der Plan, als wir natürlich noch nicht wussten, dass das mit dem Faul-Rumliegen der Hauptbestandteil der Reise werden würde…

Serra de Agua de Pau

Recherche und Buchung

Die Flug-Buchung erfolgte fast ein Jahr im Voraus: Wir fixierten preislich sehr vertretbare Flüge von Hamburg via Lissabon nach Ponta Delgada, und auf der gleichen Strecke wieder zurück. Lieber wären wir von unserem Heimatflughafen Hannover geflogen – aber das wäre zum Einen preislich eskaliert und zweitens hätten wir noch einmal mehr umsteigen müssen. Im Sommer gibt es gelegentlich Direktflüge von Frankfurt aber in diesen Genuss kommen wir leider nicht.

IMG-20251010-WA0011

Ebenso sofort wurde ein Mietwagen für 12 (von 14) Tage gebucht, und das kann ich so früh auch nur empfehlen! Denn ich habe sehr regelmäßig später immer wieder die Preise gecheckt und es war nie wieder so günstig wie zu dem Zeitpunkt, als wir gebucht haben. Meiner Erfahrung nach, kann man auf Madeira und in den USA durchaus noch mal sparen, wenn man später neu bucht weil der Preis gesunken ist, und man storniert die bisherige Buchung. In unserem Fall traf das bei Sao Miguel jedenfalls definitiv nicht zu und eine Buchung empfiehlt sich daher so früh wie irgend möglich!

Praia Grande de Agua d Alto

Unsere Hotelbuchung war zunächst etwas wirr: 2 Nächte in Ponta Delgada, 10 Nächte an der Nordküste mit Wellness und Halbpension, dann wieder 2 Nächte in Ponta Delgada. Damit waren wir auch sehr zufrieden – bis ich es nach einigen Monaten nicht mehr war. Die Hotelbewertungen in dem gebuchten Hotel an der Nordküste waren voller Kakerlaken und ich konnte das nicht mehr ignorieren. Daher suchte ich kurzerhand eine Alternative raus, die da lautet:

Ostufer des Lagao das Furnas

Wir buchen ein völlig anderes Hotel, und zwar für die gesamten 14 Nächte, und nur mit Frühstück, und das in Ponta Delgada. Aber nicht mitten im Zentrum sondern so, dass man drum herum auch vernünftig parken kann.

Die Urlaubsrecherche und -vorbereitung hinsichtlich der Aktivitäten lief hingegen zunächst schleppend. Immer mal las ich einen Reiseführer über die Azoren und notierte mir das Wichtigste. Ich las zwischendurch auch etliche Reiseblogs zum Thema und schrieb mir ebenfalls raus, was ich gut fand.

Nordufer des Lagao das Furnas

Aber andere Reisen bzw. deren Vor- und Nachbereitung hielten mich auf Trab:

Eine sehr große, besondere und intensive machten wir nämlich gleich im Frühjahr auf den Camino Portugues, also dem portugiesischen Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela. Darüber schrieb ich anschließend lange und ausführlich.

Es folgten ein paar innerdeutsche Touren, erst nach Eisenach, dann in die Pfalz. Und damit war ich dann eben auch entsprechend beschäftigt, teils vorher, aber eben auch sehr viel hinterher, um Texte und Fotos zusammen zu bringen.

Und nicht zuletzt ging der Blick dann im August auch schon Richtung 2026, als ich einen Bildungsurlaub an der Algarve [ LINK FOLGT ], sowie unsere (Wander-) Reise auf bzw. nahe dem portugiesischen Fischerpfad [ LINK FOLGT ] vorbereitete…

ein Gartentraum zwischen Serpentinen

Trotzdem war die Vorfreude auf Sao Miguel riesig! Und je näher der Termin rückte, desto mehr beschäftigte ich mich auch mit der Insel.

Komm mit nach São Miguel >>>