Samstag, 25. Mai 2024
Heute vor einem Jahr sind wir aus Porto zurück geflogen. Was bin ich froh, dass der jetzige Urlaub noch ein paar Tage dauert! UND auch, dass es heute für mich wieder nach Portugal rüber geht!
Philipp steht früh mit mir auf, geht mit mir frühstücken, sorgt dafür, dass ich bloß pünktlich um viertel nach neun in den richtigen Minibus steige und freut sich dann auf einen Tag Ruhe, Fitnessraum, flanieren, Poolliege und Strand.
Auf dem Weg nach Faro
Derweil werde ich binnen 45 Minuten mit dem nun voll besetzten Minibus über die Grenze und zum ROBINSON CLUB Quinta da Ria [!keine Werbung!] gebracht, denn dort ist der Sammelpunkt für die spanischen und portugiesischen Gäste, die heute gemeinsam in einem normalen großen Reisebus auf Entdeckungstour an der Ostalgarve gehen.
Die Hauptstadt der Region Algarve, also Südportugals, ist Faro. Bei Faro teilt sich die Algarve in West- und Ostalgarve. Den westlichen Teil kenne ich bereits ein wenig, dort habe ich bereits drei Urlaube in Lagos verbracht vor vielen Jahren. Heute freue ich mich auf ein paar Stippvisiten zumindest, an der Ostalgarve, die mir noch völlig neu ist, abgesehen von den Bruchteilen auf dem gestrigen Ausflug.
Nun geht es also los. Wieder ist eine Stunde „gewonnen“, denn Portugal ist eine andere Zeitzone als Spanien. Das hat uns aber auch gestern und am Anreisetag schon nicht gestört, die Handys stellen sich ja automatisch um.
Nach Faro ist es noch eine knappe Stunde Fahrt im großen Bus. Unser Guide Anna erzählt uns schon viel auf dem Weg, sodass die Zeit schnell vergeht. Besonders interessant finde ich ihre Erklärungen bezüglich der Mauren, die in Andalusien und Portugal viel Einfluss hatten und somit überall ihre Spuren hinterlassen haben. Kürzlich durfte ich zum Beispiel noch einmal die Alhambra in Granada bewundern.
Aber ich meine nicht nur Bauwerke sondern beispielsweise auch die Sprache. So erzählt uns Anna, dass unglaublich viele portugiesische und spanische Wörter mit „A“ arabischen Ursprungs sind! Mir fällt sofort die Alhambra selbst ein. Aber sie nennt auch „Andalucia“, also Andalusien, die südspanische Region, kommt vom arabischen Wort „Al Andaluz“ (Bedeutung: Alles im Osten). Oder die Algarve, die südportugiesische Region, kommt vom arabischen Wort „Al Gharb“ (Bedeutung: Alles im Westen). Das ergibt so viel Sinn!
Oder man nehme die typisch portugiesischen verzierten Fliesen, die Azulejos. Und so weiter und so fort! Denken konnte ich mir das bei vielen Wörtern zwar, gewusst habe ich es aber nicht sicher.
Außerdem mit „A“ gibt es auch viele Themen, die mit den Mauren zu tun haben, allem voran die Apfelsinen (ok Orangen…) haben sie mitgebracht. Aber auch hatten sie, wie wir schon wissen, sehr großen Einfluss auf die Architektur hier, bis heute! Und nicht zuletzt das Thema Agrikultur! Das wiederum hat uns gestern Josh schon erzählt, die Mauren haben viele neue Technologien mitgebracht und in Europa etabliert!
A pro pos Josh, der hat gestern auch noch etwas anderes erklärt, wo wir gerade bei den Mauren sind. Die für die Algarve so typischen reich verzierten Schornsteine, über die es ganze Postkarten und Bildbände gibt, rühren daher, dass der damalige portugiesische König, der die Mauren abgesägt hat, sinngemäß (und beeindruckenderweise) gesagt hat: „Ihr habt hier jetzt nichts mehr zu sagen aber ihr dürft gerne bleiben. Behaltet eure Häuser, behaltet eure Dörfer und Familien, aber baut keine Moscheen! Macht euch zu Hause eigene kleine Moscheen und betet zu Hause!“
Und daraus entstanden die besagten Schornsteine, die es bis heute gibt und die so typisch für die Region sind! Auch heute sehen wir davon viele unterwegs während der Fahrt! Aber noch mehr sehen wir Störche und ihre Nester! Den ganzen Tag, immer und überall! Teilweise sieht man sie sogar sehr nah in ihren Nestern oder im Flug. Wunderschön!
Langsam aber sicher erreichen wir unser erstes Ziel, das unser Busfahrer für uns ansteuert. Anna´s Bezeichnung „Schopfeur“ (womit sie wohl Chauffeur meint), ist einfach goldig! Ich glaube sie ist Holländerin, das wird leider nicht aufgeklärt aber sie sagt, sie lebt seit 22 Jahren in Faro. Andererseits erzählt sie etliche Stunden später, sie wohne in bzw. bei Tavira. Ich werde nicht ganz schlau aus ihr aber sie liefert tolle Informationen, allesamt im Wechsel auf Deutsch und Holländisch.
In Faro geht Anna mit uns von der Bus-Parkstelle an der Avenida de Republica zum Arco da Vila, einem der drei Eingänge zur Altstadt. Auf dem großen Platz Largo da Sé halten wir kurz, um die umliegenden schmucken Regierungsgebäude sowie die große Kathedrale von Faro zu bewundern. Alles schlicht aber schön.
Am Hafen, Porto Nova, gibt sie den Startschuss für eine Stunde Freizeit. Ich flitze zurück zur Kathedrale und zahle brav 5 Euro Eintritt, was ich eigentlich nicht gut finde aber es ist eine mittlerweile weit verbreitete und akzeptierte Unart, für Kirchen Eintritt zu nehmen, wie mir seit Florenz 2018 überall auffällt.
Aber ich sehe hier die Chance, Faro von oben zu sehen und außerdem hat Anna gesagt, hier gibt es WCs und eine „Knochenhalle“. Also mal sehen! Zunächst gehe ich einmal durch den Kirchenraum, dann hinauf auf den Torre. In der Tat kann man hier ein bisschen Faro von oben sehen, allerdings weniger von der Stadt selbst, als das Meer bzw. Naturschutzgebiet Ria Formosa. Das Highlight sind aber die Flugzeuge, die hier beinahe im Minutentakt vorbei kommen, es ist definitiv die Einflugschneise für den Flughafen Faro, und man sieht sie auch auf der Landebahn landen.
Dazu sei gesagt, JA, es ist hier umrum alles Naturschutzgebiet aber der Flughafen war zuerst da, bevor die Gegend, in der er sich befindet, zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Besonders schön sieht man, einen Fensterplatz vorausgesetzt, aus dem Flugzeug auf die Küstenlandschaft!
Die angekündigte „Knochenhalle“ ist eine kleine Nische, draußen, die ich mir kurz anschaue, weil es echte menschliche Knochen sein sollen und ein Foto für meinen Mann nicht schaden kann! Danach schaue ich mir noch die mittelmäßige und hygienisch fragwürdige „Keramikabteilung“ der Kathedrale an und dann mache ich einen Schuh!
Am Hafen entlang lasse ich mich über einen kleinen Handwerksmarkt Richtung „Neustadt“ treiben. Hier befindet sich sehr viel Gastronomie und ich finde ein kleines Café nach meinem Geschmack: Schattig, freundlicher junger Mann und der Espresso inklusive Pastel de Nata kostet gerade mal 1.90 Euro.
Faro in Bildern – zum Durchklicken:
Olhao – charaktervoll und ursprünglich
11.15 Uhr. Abfahrt in Faro. Es geht nach Olhao, um die 15 Minuten soll die Fahrt dauern. Es ist wieder sehr kurzweilig.
Der Ort ist einer der wenigen an der Algarve, wo der Tourismus nicht die Haupteinnahmequelle ist. Hier leben viele Fischerfamilien und es gibt im Grunde keine Sehenswürdigkeiten, es sei denn man zählt das wunderschöne Kopfsteinpflaster-Gassen-Labyrinth dazu.
Wir steigen 500 Meter entfernt von der Markthalle in Olhao aus, wo Anna uns zunächst an die Hand nimmt und zum Fischmarkt bringt, dort sollen wir das bunte Treiben begucken und dürfen dann unserer Wege gehen, müssen nur um 13.30 Uhr bitte wieder am Bus sein. Also ziehe ich wieder alleine los und stürme im zweiten Gebäude den Obst- und Gemüsemarkt, wo ich auch unendlich viele Souvenirs in Form von Trockenobst, Salzen, Gewürzen, Süßem etc. finde.
Danach schlendere ich durch die verwinkelten weißen Gassen aber es ist mir hier zu voll. Es ist Samstag, und halb Portugal tobt durch Olhao, so kommt es mir vor. Daher marschiere ich ein ganzes Stück die Avenida 5 de Outubro hoch und finde so, etwas außerhalb, ein kleines buntes, legeres, französisches, fancy Restaurant. Für 12.30 Euro bekomme ich einen riesigen (!) Salat, ein großes Wasser und einen köstlichen Espresso.
Olhao in Bildern – zum Durchklicken:
Möglicherweise hätte ich von Olhao noch mehr sehen können aber diese ruhige, schattige Pause, abseits von Wind und Menschenmassen, war gerade genau richtig für mich! Gut erholt gehe ich zum Bus zurück. Sowohl in Faro als auch in Olhao hätte ich wirklich gerne sehr viel mehr Zeit gehabt! Beide Städte lohnen definitiv einen ausgiebigen Besuch, auch ohne explizite Sehenswürdigkeiten.
Authentisches Portugal in Tavira
Knapp 20 Minuten fahren wir nun bis zum charmanten Städtchen Tavira. Die kleine Fast-Küstenstadt am Fluss Gilao ist etwas größer als Olhao aber etwas kleiner als Faro und zählte einst zu den bedeutendsten und wohlhabendsten Städten des Landes. Ganz so beschaulich und ruhig, wie gedacht, kommt es mir heute nicht vor, aber das wird wohl am Wochenende liegen. Es ist schon ganz schön was los, aber man sieht der Stadt an, dass es keine reine Touristenhochburg ist.
Als erstes gehen wir um 14.15 Uhr in eine Kirche, die Igreja da Misericordia, unweit der Praca da Republica, was sozusagen der Hauptplatz des Städtchens Tavira ist. Dort erleben wir eine 45-minütige Fadovorstellung. Zwei Herren spielen wunderschön Gitarre und Fado-Sängerin Sarah Goncalves, unter Fado-Kennern durchaus bekannt, trägt zwei typische schwermütige, ansonsten recht locker-flockige Stücke vor. Es ist wirklich super schön, mich stört nur wie sie einen der Gitarrenspieler, offenbar ihr Partner, immer wieder betatscht, es passt absolut nicht zusammen. Der andere Gitarrist sieht ein bisschen aus wie Bruce Springsteen, darauf freue ich mich im Übrigen auch schon sehr im Juli in Hannover!!!
Nun haben wir noch eine Stunde Freizeit und ich schlendere ziellos durch die Gassen, in denen es mittlerweile auf 30 Grad zugeht. Man merkt´s! Und so flüchte ich mich in ein Café, an der Praca Dr. Antonio Padinha, auf die nächste Flasche Wasser und den nächsten Espresso! 2.20 Euro in Summe, hier will ich bleiben, in diesem Land! Naja, … sowieso…
Als ich zurück zur Praca da Repulica komme, gibt es hier inzwischen ein bisschen Live Musik. Ich suche mir ein kleines schattiges Plätzchen und rufe mal zu Hause an. Mama und Papa bereiten gerade den Grill vor, schlechtes Wetter ist also auch dort nicht!
16 Uhr. Abfahrt in Tavira. Schade, ich hätte auch hier gerne mehr Zeit gehabt und dafür auf den letzten, den vierten Stopp verzichtet. In Tavira gibt es sooo viele Möglichkeiten, darunter das alte Castelo de Tavira, das unsere Reiseleitung mit keinem Wort erwähnt. Die (ja, touri) Tuk Tuk Touren durch die Altstadt. Schöne Aussichtspunkte. Oder auch hier die Markthalle bzw. generell könnte man in Tavira schön bummeln und ggf. shoppen gehen.
Tavira in Bildern – zum Durchklicken:
Historisches Cacela Velha
Nicht, dass der kleine, kreisrunde Ort Cacela Velha keinen Stopp lohnt, aber es hätte den Tag etwas entzerrt, auf diesen, nun ja, letztlich -Aussichtspunkt- zu verzichten. Aber nun gut, wir haben hier 45 Minuten Zeit, ein bisschen auf eigene Faust umher zu wandeln.
Der Ort selbst gibt also nicht viel her, es ist mehr die Aussicht auf die Küste bzw. die vorgelagerten Strände. Denn eines muss der Badeurlauber an der Ostalgarve wissen: Fast überall muss man mit dem Boot übersetzen um zur Sandbank, sorry, zum Strand zu kommen! Später werde ich feststellen, dass wir hier, mehr oder weniger, „nebenan“ vom ROBINSON CLUB [!keine Werbung!] sind, das heißt die wenigen Menschen auf den Sandbänken werden tendenziell deren Gäste sein, das ist dann wirklich ein exklusiver Standort für ein Hotel.
Die Ausblicke für uns hier oben sind jedenfalls wirklich traumhaft, ich weiß nicht wozu man die Malediven braucht, wenn man das hier haben kann!? Auch wenn ich es mir nur von Weitem begucke und nicht selbst im weißen Puderzuckersand liegen kann…
In der kleinen Kirche des Dorfes wird gerade geheiratet. Durch die komplett geöffnete Tür kann jedermann der Trauung mehr oder weniger beiwohnen, ich beschränke mich auf einen kurzen Blick auf das Brautpaar.
Cacela Velha in Bildern – zum Durchklicken:
Kurz gesagt, es war hier sehr schön aber eine halbe Stunde hätte bei Weitem gereicht, bzw. hätte man die Zeit in Faro, Olhao oder Tavira auch nutzen können, aber sei es drum. Trotzdem war das…:
Ein absolut gelungener Tag!
Für mich und ein paar andere geht es jetzt in einen anderen Bus, den der die „Spanier“ weg bringt. Der Hauptteil der Gruppe bleibt auf dem bisherigen Bus und wird in die portugiesischen Touristenorte verteilt. Ich und die Minibus-Gang von heute Morgen bekommen zusammen mit ein paar weiteren Ausflüglern einen wieder anderen Bus zugeteilt und ich habe das große Glück, dass mein Hotel der zweite Stopp ist, das heißt ich bin nach einer dreiviertel Stunde schon auf dem Weg Richtung erlösender Dusche!
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