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Samstag, 02. September 2023
Ankunft in Denver
Am Anfang unserer Reise, hatten wir die erste Nacht im Stadtteil Civic Center verbracht und uns sehr wohlgefühlt. Heute ist es schon vor der Ankunft am Hotel etwas anders, denn Downtown scheint viele Obdachlose zu haben. Wir fahren auf eine rote Ampel zu, an der wir auch stehen bleiben, und sehen eine Frau quer überm Gehweg liegen, sie scheint dort zu schlafen, wie in ein Bett gekuschelt, nur ohne Decke. Schräg vor uns ist das Ritz.
10.00 Uhr. Wir können unglaublicherweise schon einchecken. Das Magnolia Hotel [!keine Werbung!] ist da sehr kulant, weist uns jedoch darauf hin, dass aktuell nur einer von drei Fahrstühlen funktioniert und es zu Wartezeiten kommen kann.
Naja, erstmal müssen wir das Auto vollständig ausladen, denn unser Gepäck, verteilt auf mehrere Koffer, Taschen, Tüten und Rucksäcke, muss noch heute für den morgigen Flug sortiert, entrümpelt und auf zwei Koffer und zwei Handgepäckstücke verteilt werden. Philipp fährt dann das Auto in die Hotelgarage und danach fahren wir mit dem Fahrstuhl-Reparateur und unserem riesigen Haufen an Kram in die sechste Etage. Mit unserem Zimmer sind wir ausgesprochen zufrieden, es ist geräumig (ein Eckzimmer), sauber und größtenteils neuwertig.
Das Magnolia Hotel befindet sich übrigens in einem der ältesten Gebäude von Denver!
Lower Downtown bzw. 16th Street Mall
10.45 Uhr. Der einzige, bis eben, noch funktionierende Fahrstuhl, ist nun auch defekt und wir müssen das schmucklose Treppenhaus benutzen… Unweigerlich muss ich an 9/11 denken und an die vielen Menschen, die es über die Treppenhäuser versucht haben… Für uns alles machbar aber ein älterer Herr mit Krückstock braucht eine ganze Weile länger und beklagt an der Rezeption, dass sein Bruder nun oben fest sitze… Nicht alle Gäste schaffen es, ihren Unmut so gesittet zu äußern wie er.
Wir hingegen sagen einfach gar nichts, die Mädels an der Rezi können den Fahrstuhl schließlich auch nicht heile hexen. Stattdessen schnappen wir uns einen kostenlosen Coffee to go in der Lobby und dackeln los. Unser Hotel befindet sich in der Stout Street, Ecke 17. Straße, folglich ist es nur ein Block bis zur 16. Straße, die das Herz von LoDo, Lower Downtown, darstellt. Es soll eine schöne Bummelmeile mit Geschäften und Gastronomie sein, doch uns bietet sich ein tristes Bild. Samstagvormittag und alles wie ausgestorben. Ein großer Abschnitt der Straße ist aktuell zudem Baustelle.
11 Uhr. Die Cheesecake Factory [!keine Werbung!] ist schnell gefunden. Pünktlich als sie öffnet, kommen wir dort an. Unsere Lieblings-Restaurantkette, die es auf unserer Colorado-Reise auch wirklich nur in Denver gibt! Deshalb ist jetzt schlemmen angesagt! Wir hatten kein Frühstück und gönnen uns erst Burger (yes, sie haben sogar einen veganen!) und… dann natürlich noch Cheesecakes!
12 Uhr. Wir brechen auf und wollen zum Coors Field, dem Baseballstadion der Colorado Rockies. Auf dem Weg kommen wir an der Union Station, dem großen Bahnhof von Denver, vorbei. Kurz vorm Coors Field ist Public Viewing eines vergangenen Baseballspiels, doch die Leute feiern es, als würden wir zu Hause noch einmal das 7:0 gegen Brasilien auf einem überdimensionalen Bildschirm gucken.
Am Coors Field angekommen, stellen wir fest, dass man auch Stadionführungen machen kann, aber wir wollen eigentlich wirklich nur Tickets für das Spiel heute Abend haben. Wieder einmal werden wir von einer älteren Person bedient, die eigentlich nicht mehr arbeiten sollte, meiner Meinung nach… Die Frau ist wirklich herzensgut und verkauft uns genau die Tickets, die ich uns vorher online schon „ausgesucht“ hatte. Für 21 Dollar pro Person, kann man sich mal einen schönen Abend machen! Dies ist fast die günstigste Kategorie, nach oben gibt es -gefühlt- keine Grenzen…
13 Uhr. Wir „besichtigen“ den Larimer Square und landen im Starbucks [!keine Werbung!]. Dort müssen wir erstmal ein halbes Stündchen pausieren, es hat wieder über 30 Grad draußen, und ich brauche einen Iced Espresso!
Man gewinnt den Eindruck, Denver, zumindest Downtown, besteht aus exakt zwei Seiten: die Obdachlosen und die Feierwütigen. Es gibt scheinbar viele Bars und Clubs, auch einige exklusive Restaurants, ach und es steht auf offener Straße auch mal ein Margaritastand, wo doch sonst Alkohol nur relativ heimlich getrunken wird in der Öffentlichkeit… Die Kontraste sind jedenfalls etwas merkwürdig. Einerseits liegen Menschen am Boden oder laufen unerträglich nach Pisse stinkend an dir vorbei, andererseits gibt es schicki Micki Publikum, lustige Junggesellenabschiede, etc.
Zurück im Hotel
Endlich duschen und abkühlen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn es kommt kein warmes Wasser! Wenigstens hatte der eine Fahrstuhl nach oben wieder funktioniert… Ich bete vor allem, dass er morgen fährt, wenn wir mit Sack und Pack aufbrechen wollen!
A pro pos Gepäck, das machen wir jetzt auch noch zurecht und so vergeht die Zeit im Nu! Ich checke noch schnell unsere Flüge für morgen ein und dann wollen wir zum Baseball!
Colorado Rockies vs. Toronto Jays
Baseballspiel in Bildern – zum Durchklicken:
16.30 Uhr. Wir marschieren los. Bis zum Coors Field sind es zu Fuß von unserem Hotel um die 20 Minuten auf direktem Weg. Dank der wunderbar schachbrettartig angelegten Straßen, wie in vielen amerikanischen Städten, kommt man auf Anhieb problemlos zurecht. Ich jedenfalls.
An einem Teeladen gibt es ein großes Polizei-Aufgebot. Es stellt sich jedoch heraus, dass die hier einfach nur Pause machen. Für Philipp die Gelegenheit, ein Denver Police Motorrad aus nächster Nähe zu fotografieren, natürlich nicht bevor ich gefragt habe.
Die nächste Begegnung mit ein paar Officern haben wir direkt vorm Baseball Stadion. Mir brennt etwas auf die Seele und ich spreche sie an. Wie safe ist es, heute Nacht im Dunkeln durch Downtown zu laufen? Man beruhigt mich freundlich, das sei kein Problem, nach dem Spiel sind so viele Menschen unterwegs, das können wir machen! Wir sollten aber zum Beispiel von einem Spaziergang um den Block um 2 Uhr nachts absehen…
Einlass war, je nach Eingang, bereits um 16 Uhr bzw. 16.30 Uhr. Das war für uns aber unschaffbar gewesen. Doch wir sind trotzdem noch früh genug da, Spielbeginn ist um 18.10 Uhr. Reichlich Zeit, das bunte Treiben vorab noch auszukosten.
Die Menschenmassen sind gleichermaßen anstrengend und faszinierend. Es dauert ziemlich lange bis wir unseren Block finden aber wir haben ja Zeit. Wir flanieren die Fressmeilen auf und ab und stellen fest, dass man hier ordentlich Geld lassen kann. Das ist bei Großveranstaltungen in Deutschland aber genauso. Und so kaufe ich mir eine (wenigstens richtig gute) Limo mit viel Eis für 7 Dollar und Phil sich ein großes Bier für 13 Dollar. Dafür darf er den Colorado Rockies Becher sogar mit nach Hause nehmen. Und am Eingang hatte er kostenlos eine Deko-Figur von dem beliebtesten Spieler der Mannschaft bekommen, die man dort an beinahe jeden Besucher verteilte.
Unsere Plätze sind in der prallen Sonne, wir zerfließen fast. Aber pünktlich zu Spielbeginn ziehen herrlich große Wolken direkt vor die Sonne und machen es erträglicher, und dann geht die Sonne sowieso bald unter… Die Aussicht auf die Bergkette der Rocky Mountains im Hintergrund ist von unseren Plätzen aus gigantisch. Allein hierfür hat es sich schon gelohnt!
Auch das Rahmenprogramm ist der helle Wahnsinn hier! Auf dem Spielfeld und am Spielfeldrand beobachten wir über den großen Bildschirm u.a. wie Menschen mit 30 Jahren Vereinsmitgliedschaft geehrt werden, mein persönliches Highlight ist Mr. Magerfleisch… Eine Frau singt die kanadische Nationalhymne. Ein Kinderchor die us-amerikanische. Es gibt einen extra Bereich für die Spieler, der einem Garten nachempfunden ist, daneben sogar ein kleiner Wald mit Wasserfällen, mitten zwischen den Zuschauerrängen. Ich meine, ich hatte ja keine Ahnung… Das einzige Mal in meinem Leben, dass ich in einem Baseball Stadion gewesen bin, war für das U2 Konzert in Anaheim 2011… Reisen bildet eben.
Aber auch abseits des Spielfeldes ist eine Menge los! Ich gehe nämlich während des Spiels zwischendurch ausgiebig spazieren. Philipp hat sich heute tagsüber online noch die Spielregeln angeeignet und gibt sich auch allergrößte Mühe, es mir zu erklären, aber es ist aussichtslos. Deshalb schaue ich mir lieber das Drumherum an:
Es wird erstaunlich viel Bier konsumiert. Es laufen durchaus schwankende Personen herum, wie man das vom deutschen Fußball kennt. Das hatte ich nicht erwartet. Es laufen auch ein paar Frauen herum, über deren Kleidungsstil man nur die Stirn runzeln kann, vielleicht müssen sie nach dem Spiel noch „zur Schicht“… Aber, und das ist natürlich die Mehrheit, vor allem sind Familien anwesend! Kinder, kleine Kinder, Babys, sogar Hunde! Man wundert sich!
Besonders beeindruckend finde ich, dass sogar schon vor Spielbeginn überall sauber gemacht wird. In den Food-Bereichen fällt schließlich immer mal was herunter und es gibt tatsächlich Personal, das zwischen den Besuchern unauffällig fegt und kehrt.
Neben Futtern und Trinken gibt es aber noch weitere Bereiche. Ich entdecke zum Beispiel einen kompletten Kinderspielplatz, aber auch „Übungskäfige“, wo die Kids drin Baseball „spielen“ üben können. Man staunt!
Vor allem staune ich aber über die Treppenstufen und Kilometer, die ich in diesem Gebäude hinter mich bringe! Eigentlich wollte ich hier beim Sport lediglich zugucken… Ach es ist schon schön, v.a. weil es Phil so viel Spaß macht! Ich kaufe uns noch ein Wasser, ein Bier und eine Brezel für 27 Dollar, obwohl ich rein rechnerisch auf 22 Dollar komme, aber das merke ich zu spät und Phil sagt, es könnte sich mal wieder um Tax handeln… Egal, Haken hinter!
Wir sitzen in unserem Block in Reihe 21, eine Reihe über der purple row. Die lila farbene Sitzplatzreihe markiert die 1 Mile High Stelle des Stadions! Entsprechend windig ist es hier auch irgendwann, aber es ist ja ein warmer Wind! Wir sitzen hier auch um 21 Uhr noch in Shorts und T-Shirt. Wirklich stören tun mich nur die ca. fünf spanischsprachigen Männer eine Reihe hinter uns, ich habe das Gefühl, sie sitzen mir im Nacken und noch dazu stinkt es hier irgendwann gewaltig. Dafür dass wir an der frischen Luft sind, ist es gewaltig stickig von all dem Bier und Fast Food…
Ein letztes Mal: Good night!
22 Uhr. Wir sind zurück im Hotel! Die Colorado Rockies haben knapp gesiegt! Das war ein toller Abschluss für diese Reise!
Denver Downtown in Bildern – zum Durchklicken:
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