Barca dAlva & Castelo Rodrigo

<<< Gestern waren wir in Pinhao und Umgebung unterwegs!

Heute und morgen machen wir Station in Barca d´Alva! Spricht sich übrigens „Barka“ aus und nicht wie die Abkürzung für einen beliebten spanischen Fußballverein!

Sonntag, 21.05.2023

10 Uhr. Ungefähr. Wir haben ein bisschen länger geschlafen (Silikon sei Dank!) und das Frühstück ausfallen lassen. Zum Einen um länger schlafen zu können, zum Anderen weil wir auch nicht mehr als essen können. Mittag gibt es schließlich schon immer ab ca. 12.30 Uhr und das Abendessen ist ähnlich umfangreich!

Jetzt sitzen wir jedenfalls herrlich auf dem Sonnendeck, haben halbwegs schattige Plätze ergattert und verbringen den Vormittag mit unseren Büchern. Die unbeschreiblich schöne Landschaft zieht an uns vorbei und die letzte Schleuse auf dem Weg Richtung Spanien passieren wir auch noch, das Kraftwerk Pocinho.

Sonnendeck

Uns gefällt es hier einfach sooo gut! Auf einem (Douro-)Flussschiff kann man erleben, was die Region ausmacht und ihr unvergleichliches Flair spüren! Und das auf unfassbar komfortable Weise: Immer beste Aussichten auf die herrliche Landschaft, vor allem die Weinterrassen! Und zwischendurch (zumeist) landestypische Gerichte, ach, und sogar ein kleiner Pool! Mehr geht eigentlich nicht! Obwohl… den Pool nutzt noch niemand, viel zu kalt! Aber man könnte

Aber auch ohne Pool: die vorbeiziehende Landschaft ist ein Genuss und wirkt sich meditativ auf den Betrachter aus. Jedenfalls auf mich. Und auch auf Philipp.

DAS Produkt aus dem Dourotal ist natürlich der Portwein – und das seit beinahe 300 Jahren! Einst waren die Briten die Hauptabnehmer, inzwischen -und das finde ich betonenswert- sind es ausgerechnet die Franzosen, die rund ein Viertel (!) der Gesamtproduktion versaufen importieren. Wer hätte das gedacht?

Wir unterbrechen unsere Sonnendeckmeditation nur kurz durch das Mittagsbuffet und ergattern danach sogar zwei Liegen weil alle anderen noch am Trog sind. Ja, so kann man es aushalten!

Sonnendeck

14 Uhr. Unser Schiff macht in Barca d´Alva im Parque Natural do Douro fest. Damit befinden wir uns am Wendepunkt unserer Reise, kurz vor der spanischen Grenze! Zu Fuß wären es 20-30 Minuten bis auf die spanische Seite, das empfiehlt die Reiseleiterin all jenen, die den heutigen Ausflug nicht gebucht haben. Einen Spaziergang über den Grenzfluss Agueda, der hier in den Douro fließt.

Das betrifft uns jedoch nicht, denn wir fahren heute mit unserer Seniorentruppe nach Castelo Rodrigo, wovon ich vorab überhaupt gar keine Vorstellung habe. Da ich mich nicht besonders gut bzw. überhaupt vorbereitet habe auf den Douro und die Ausflüge, stelle ich mir vor, dass wir eine Burg besuchen werden. Dass Castelo Rodrigo ein ganzes Dorf ist, erfahre ich dann auf dem Weg dorthin. Aber auch gut. So schlüpfe ich mal in die Rolle eines durchschnittlichen Pauschaltouristen und lasse ahnungslos alles auf mich zukommen, das ist auch mal eine Erfahrung. Und zur Abwechslung tatsächlich auch ganz entspannt, nicht alles akribisch vorab zu recherchieren sondern sich einfach in den Bus zu setzen und beschallen zu lassen.

Anleger in Barca d´Alva

Nach ca. einer halben Stunde Fahrt durch landschaftlich attraktive Mandelbaum- und Olivenbaumplantagen erreichen wir  das mittelalterliche Dorf Castelo Rodrigo (um die 500 Einwohner) mit seiner hochaufragenden Burg (oder was davon übrig ist…), teilweise stehen auch noch die dicken Stadtmauern.

Bei Ankunft erhalten wir ein paar Mandelkostproben von den dortigen Souvenirläden und eine Straßenkarte des Dorfes mit eingezeichneten Rundwegen. Unsere Reiseleiterin führt uns mit Kommentar über unsere Audiogeräte bis zur Kirche und danach haben wir Freizeit und können das Dorf und die sehr wenigen Shops auf eigene Faust erkunden. Und ich liebe solche Orte, wo alles so aussieht als wäre die Zeit vor Ewigkeiten einmal stehen geblieben, es hat ein ganz eigenes Flair, und man schlängelt sich durch die Gassen und guckt hier und dort. Und zwischendurch auch einmal in die Weite, denn wir befinden uns hier auf einer etwa 800m hoch gelegenen Ebene.

Der vollständige Name des Ortes lautet übrigens Figueira de Castelo Rodrigo, denn hier wachsen vor allem: Feigen! Und die kaufe ich in einem besonders schönen Souvenirshop auch. Unter anderem…

das mittelalterliche Dorf Castelo Rodrigo

Auf jeden Fall ist es unfassbar schön hier. Und wäre der Ort nicht so abgelegen, würde er sicherlich von Touristenmassen überschwemmt werden.

16.15 Uhr. Wir verlassen Castelo Rodrigo und steuern einen Aussichtspunkt in luftiger Höhe an: Der Miradouro do Alto da Serra da Marofa befindet sich fast 1000m über dem Meeresspiegel und ermöglicht uns tolle Ausblicke über die Region Beira Alta und das Marofa-Gebirge. Natürlich auch auf Castelo Rodrigo und sogar rüber bis nach Spanien. Das Highlight ist eine Christusstatue wie man sie zum Beispiel aus Lissabon oder Rio de Janeiro kennt.

Auf dem Weg zurück zum Schiff halten wir noch an einem weiteren Aussichtspunkt aber der hat keinen bestimmten Namen, es ist eine Haltebucht an der Straße und zufälligerweise ist gerade Platz für den Bus. Von hier können wir runter zum Douro gucken und ebenfalls ein Stückchen Spanien erhaschen. Leider fällt Philipp und mir der ganze Müll ins Auge, der hier rum fliegt. Was bewegt Menschen, überall auf der Welt, so viel Müll an so wunderschöne Orte in der Natur zu schleppen, und ihn dann nicht wieder mitzunehmen? Was geht in ihren Köpfen vor?

17.45 Uhr. Wir sind zurück in Barca d´Alva aber der Zustieg auf das Schiff ist momentan nicht möglich. Der Kapitän hat gerade den Liegeplatz gewechselt und die Gangway ist noch nicht wieder draußen. Wir müssen ein paar Minuten warten.

Castelo Rodrigo in Bildern – zum Durchklicken:

Miradouro do Alto da Serra da Marofa bei Castelo Rodrigo

19 Uhr. Das Abendessen ist so überragend gut wie immer, ich bin wirklich erstaunt, wie konstant sehr gut die Küche hier ist und vor allem, dass derart Rücksicht genommen wird auf meine fleischlose Ernährung! Das honorieren wir auch noch einmal mit einem ordentlichen Trinkgeld an unseren Haupt-Kellner. Ob er das für sich behält oder so etwas wie einen Teamtopf existiert, wissen wir nicht aber beides wäre uns recht.

Im Salon gönnen wir uns noch einen Cocktail und ein paar Runden Uno.

Montag, 22.05.2023

Heute ist ein etwas besonderer Tag. Fast alle Passagiere sind „ausgeflogen“. Wir sind nur noch um die 30 Personen auf der „Queen“ und das macht sich natürlich bemerkbar auf dem Sonnendeck. Zwar bekommt man auch auf dem vollem Schiff immer ein Plätzchen aber mit so wenigen Leuten ist es natürlich noch sehr viel entspannter und ruhiger!

Montag, 22.05.2023

Der Grund ist der heutige Ausflug nach Spanien. Der ist nicht im Ausflugspaket enthalten, kann aber noch on top gebucht werden für ungefähr 85€. Die hätte ich auch unwahrscheinlich gerne investiert, denn die Universitätsstadt Salamanca soll sehr sehenswert sein und es ist ein Mittagessen mit Flamenco Show in einem Fünf Sterne Hotel inkludiert. Jedoch gibt es auch Gründe dagegen, u.a. waren und sind wir uns absolut einig, dass wir auch mal ein Päuschen brauchen, ein bisschen Erholung, nicht jeden Tag Programm, zumal das heute ein ganztägiger Ausflug ist, nicht die üblichen 4 Stunden +/-.

Und so genießen wir die Leere auf dem Schiff, haben das Frühstück wieder absichtlich verschlafen und lesen auf dem Sonnendeck fleißig unsere Urlaubslektüre.

12 Uhr. Heute gibt es das Mittagessen schon etwas früher (was uns ohne Frühstück ja entgegen kommt), und  in Menüform, serviert. Für so wenige Personen lohnt sich einfach kein Buffet. Währenddessen parkt der Kapitän die Queen wieder um. Warum, das wissen wir auch nicht, spielt aber letztlich keine Rolle. Danach räume ich ein bisschen unsere Kabine und meinen Koffer auf. Das Chaos und der fehlende Stauraum setzen mir langsam zu. Aber ich komme recht gut voran und geselle mich bald wieder zu meinem Mann an Deck. Ein bisschen fehlt uns heute der Fahrtwind. Das Schiff liegt ja immer noch in Barca d´Alva und es ist doch recht knackig heiß.

Cocktailbar in Carca d´Alva

15.15 Uhr. Für ein bisschen Abwechslung könnten wir heute den Spaziergang nach Spanien rüber unternehmen von hier aus, aber wir sind beide ein bisschen träge geworden hier zwischen all den „entschleunigten“ Menschen. Wir verlassen das Schiff zwar aber wir fallen eigentlich nur vom Schiff runter und 10 Meter weiter schon in eine wunderschöne Bar wieder rein. Die hatten wir gestern schon ins Auge gefasst. Wir sind die einzigen Gäste und der Inhaber (?) springt sofort für uns auf, damit wir schattig (Sonnenschirme) und sauber (Stühle unnötigerweise noch mal abwischen) sitzen können.

Zwischen Orangen- und Mandelbäumen sitzen wir hier einfach nur perfekt! Ich bestelle einen weißen Porto Tonic (also statt Gin Tonic eben -weißer- Portwein mit Tonic) und Philipp einen blauen Gin Tonic – und das haben wir noch nicht erlebt: Der Bar-Mann schleppt alles einzeln zu uns an den Tisch und befüllt vor unseren Augen unsere Gläser mit Eiswürfeln aus einem edlen Behälter, viel zu großzügigen Mengen Alkohol, dem Tonic Water, getrockneten Limettenscheiben und bei Philipp kommen noch Kardamomkapseln rein. Prost!

Cocktailbar in Carca d´Alva

Die Cocktails sind ziemlich gut aber auch sehr stark! Sie zählen für mindestens die doppelte Anzahl an Cocktails. Zudem sind wir gespannt was uns der Spaß kosten wird, denn eine Karte gab es nicht. Wir kommen mit dem Bar-Mann noch ins Gespräch, und so erfahren wir, dass die hiesige Leere nur eine Momentaufnahme ist. Es sei zwar richtig, dass die Schiffstouristen hier, bzw. generell an Land, normalerweise nicht einkehren weil sie auf Ausflug gehen bzw. an Bord ihr Getränkepaket „raussaufen“ wollen, aber es kämen über Land regelmäßig Gruppen für z.B. Weinproben. Vor allem Amerikaner seien hier stark vertreten. Das wundert mich, denn dass Amis das Dourotal kennen, kann ich mir nur schwer vorstellen, bei ihnen ist hinsichtlich europäischer Reiseziele ja klassischerweise Paris, Rom und München im Gespräch, oder bei etwas mehr Budget auch noch Inselhüpfen in Griechenland… Aber ich freue mich, dass es hier deutlich mehr Tourismus zu geben scheint als ich vermutet hätte. Unsere Rechnung beträgt am Ende (inklusive einer Flasche Wasser) 19€. Wir hatten mindestens das Doppelte befürchtet, daher ist alles fein!

19 Uhr. Heute gibt es ein portugiesisches Buffet. Besonders für Fleisch- und Fischliebhaber ist das natürlich eine Wucht! Aber auch für mich ist natürlich gesorgt.

Noch ein paar Runden Uno und dann stehen auch schon die letzten beiden Tage für uns an…

Morgen halten wir in Regua und fahren von dort aus nach Lamego! >>>