Montag, 29. September 2025
Es ist bereits nach 14 Uhr als wir endlich in unserem Hotel am Hamburger Stadtpark eintrudeln aber wenigstens können wir dadurch jetzt schon einchecken. Unser Zimmer ist schön und vor allem ganz nah am Fahrstuhl – ohne dass man diesen hört. Ich bin froh, über jeden Meter, den ich mir sparen kann…
Es wird aber nicht lange verschnauft. Das Wetter ist zu schön, wir wollen noch in die City. Und zwar nicht mit den Öffis. Eine Insuffizienzfraktur, die mir vor knapp einer Woche diagnostiziert wurde, macht mir das Leben gerade schwer. Morgen wollen wir auf die Azoren fliegen – heute wollten wir noch den Hamburger Bunker auf St. Pauli erkunden. Endlich!
Der Flakturm Heiligengeistfeld aus den 40er Jahren ist ein ganz markantes Gebäude gleich hinterm St. Pauli Fußballstadion. Er gehört immer schon zum Stadtbild dazu für mich. Vor zehn Jahren hat man dann beschlossen, die bisherige Nutzung als Standort für Radio-, Fernseh- und Musikproduktion umzustellen und hier ein Hotel, Veranstaltungsräume und Gastronomie unterzubringen.
Noch dazu hat man so viel Begrünung wie möglich geschaffen, darunter die sogenannten die „Bergpfade“ rundherum und die Dachterrasse obenauf. Seither spricht jeder vom Grünen Bunker in Hamburg – und auch ich finde, das klingt toll, aber es sieht vor allem toll aus! In Asien ist es schon lange etabliert, Betonbauten zu begrünen, vor allem in Singapur, China und Japan. Schön, dass es endlich auch mal ein Beispiel in Europa gibt.
Vom Hotel aus müssten wir mit Öffis mindestens einmal umsteigen zum Bunker – das behagt uns nicht. Wir fahren mit dem Auto, was wir normalerweise nicht tun würden, denn Autofahren ist in Hamburg wahrlich kein Geschenk: Der Stadtverkehr ist heftig für uns Landeier, und ich tue gut daran, wieder hinten zu sitzen, wo ich mein Bein hoch legen und nicht so viel sehen kann…
Der riesige Parkplatz Feldstraße befindet sich direkt neben dem Bunker und weil gerade ausnahmsweise Mal kein Dom ist, das große Hamburger Volksfest, das dreimal im Jahr stattfindet, können wir dort für akzeptable 6 Euro (Tagesticket) parken. Das ist für mich sehr komfortabel und uns die Sache wert, zumal wir auch beim Bunker keinen weiteren Eintritt zahlen werden.
Den Treppenaufgang, also den „Bergpfad“, einmal rundherum, kann ich natürlich leider nicht nehmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser schöne Weg, den Besuch des Bunkers ausmacht! Denn an so einem gewaltigen Bau außen herum eine begrünte Treppe hoch zu schlendern, ist bestimmt etwas Besonderes, vor allem weil einen hinter jeder Ecke eine neue Panoramaaussicht erwartet…
Ich muss also auf den Fahrstuhl setzen! Ich weiß, dass dieser den Hotelgästen und Behinderten vorbehalten ist, aber mal schauen ob und in welcher Form das ganze kontrolliert wird… Ein Sicherheitsmann, den ich gar nicht wahrgenommen hatte, weil er hinter einer Scheibe saß, durch die man nur von drinnen nach draußen gucken kann, wie im Verhörraum, kommt raus und mir „zuhilfe“. Ob denn wohl ein gebrochener Fuß (in welcher Form nun auch immer), der mich nur im Spezialschuh und im Schneckentempo gehen lässt, Behinderung genug ist, bedarf einiger Diskussion. Letztlich ist der Herr gnädig und ich darf den Lift dann doch noch benutzen.
Aber bis zum Ende des Gesprächs ist kein Funke eines Scherzes oder etwas Freundliches erkennbar. Er meint es ernst, dass das so eigentlich nicht gedacht ist… „Sie glauben nicht, was wir hier erleben, wie man uns veräppelt. Die Menschen sind sooo faul!„… Nur gut, dass Philipp von vornherein zu Fuß gegangen ist. Er hätte mit Sicherheit nicht in den Aufzug gedurft, das denke ich jedenfalls…
Oben angekommen schaue ich mich in Ruhe etwas um, bis Philipp die vielen Treppen bewältigt hat, und wir das hiesige Café aufsuchen. Hier trinken wir Eiskaffee und den besten Matcha Latte der Welt. Die belegten Brötchen/Baguettes haben leider die Qualität und die Preise einer Raststätte… Aber dafür können wir sitzen, haben Aussicht und ich kann problemlos die Flunke hochlegen.
Hamburg, du bist schön! Auch wenn ich heute „nur“ auf dich herunter schauen kann und nicht kilometerlang am Hafen entlang schlendern… Besonders die strahlende Sonne gefällt mir gut, die Sicht ist hervorragend! Und außerdem waren wir ganz schön lange nicht in Hamburg. Da geht einem das Herz ja sowieso schon auf!
Im nicht sehr vielfältigen aber dafür umso teureren Rock Shop werden wir nicht fündig und so machen wir uns langsam auf den Weg nach unten. Philipp geht schon mal vor… und ich nehme bald darauf den Aufzug nach unten, oben gibt es keinen Kontrolleur. Wir sind dann zufällig exakt gleichzeitig unten.
Der Rückweg zum Hotel ist etwas angenehmer, ein kleines bisschen weniger Verkehr. Und im Hotel angekommen machen wir uns erstmal eine Weile lang. Der Abend verläuft unspektakulär. Wir essen im Hotelrestaurant in der Lobby/Bar an einem unbequemen kleinen Tischchen ein hochpreisiges aber minderwertiges Abendessen (ich jedenfalls, wohingegen Philipp ganz zufrieden wirkt) und gehen nochmal ein paar wenige Meter vor die Tür Luft schnappen.
Der Bunker in Bildern – zum Durchblättern:
Dienstag, 30. September 2025
7 Uhr. Mein Wecker klingelt. Die Nacht war eine Katastrophe für mich gewesen, denn ich gehöre zu den Menschen, die keine trockene Klimaanlagenluft ertragen und dieser war ich die ganze Nacht ausgesetzt. Individuell steuerbar pro Zimmer war das ganze leider nicht, deshalb bin ich völlig ausgetrocknet und kann es kaum erwarten, vor die Tür an die frische Luft zu kommen.
Die „frische Luft“ entpuppt sich dann leider als stark Zigarettenrauch-geschwängert und so gehen wir einfach direkt zum Frühstücksraum weiter. Das Frühstücksbuffet ist überraschenderweise sponsored by meiner Mama und meinem Papa, denn ich hatte angekündigt, dass wir keine 27 Euro pro Person für ein Hotelfrühstück bezahlen sondern uns was in der Nähe suchen würden. Da es in der Nähe aber nur exakt eine andere Option gegeben hätte, bin ich doch ganz froh, dass wir nun im Hotel frühstücken können, auch wenn wir denen hier für die Übernachtung, den Parkplatz für zwei Wochen und das Abendessen am Vortag schon reichlich in den Rachen geworfen haben…
Aber das Frühstück hält auch ein Erlebnis für uns bereit, welches sich nicht erahnen ließe! Abgesehen von dem unglaublichen Buffet, wo es sogar vegane und überhaupt sonstige Optionen gibt, treffen wir hier eine Frau mit einem Känguru-Baby vor ihrem Bauch in einem Beutel! Ich kann es gar nicht fassen – und auch nicht weggucken…
Es vergeht ein laaaanges Frühstück und viiiiel Wartezeit bis ich mich traue, sie zwischen Pancakestation und Wurstbuffet anzusprechen, weil dies mittlerweile auch andere Gäste getan haben. Ich darf ein Foto von Snoopy machen und erfahre, dass sie Tierschützerin ist und öfters Kängurubabys aufzieht. Herzzerreißend!
Bis 12 Uhr ist es dann noch genug Zeit, einmal zu Fuß das Hotel zu umrunden, um der Klimaanlagenluft zu entkommen, wenigstens 5-10 Minuten… Und die Füße hoch zu legen, bis wir dann auschecken müssen. Nach weiteren anderthalb Stunden in der Lobby, bestellen wir unseren Transfer zum Flughafen und sitzen dort wiederum unsere weitere Zeit ab. Von nicht mal 14 Uhr bis Abflug um 17.35 Uhr ist es ganz schön lang aber darauf haben wir uns heute auch schon eingestellt…
Doch dann geht es irgendwann los! Komm mit nach Sao Miguel! >>>











