Getxo und Portugalete

Donnerstag, 13. April 2023

Unsere Metrostation um die Ecke unseres Bilbao Hotels heißt Indautxu. Genau wie übrigens auch in „Pintxo“ und „Getxo“ wird das „x“ hier als „sch“ gesprochen. Wenn man es weiß, macht es das sehr viel einfacher. Von Indautxu geht es also nach Getxo, welches mehrere Metrostationen hat. Meiner Recherche nach, kommen die Stationen Areeta, Gobela und Neguri infrage. Wahllos nehmen wir die Goldene Mitte. Zuerst will die Metrostation Papa nicht rauslassen, ich muss mich beim Ticketkauf vertan haben, da sich die Schranken nicht öffnen… aber einen Trick 17 zu kennen, ist immer gut…

Von hier aus gehen wir höchstens fünf bis zehn Minuten bis zum Wasser. Ich würde es vorsichtig als Hafengebiet bezeichnen, jedenfalls noch nicht als das offene Meer, aber es ist auch nicht mehr der Nervion. Vielleicht die Mündung des Flusses, ein geschützter Bereich eben. Gesäumt von der Uferpromenade Areetako Kaia, der wir bis zur Playa Ereaga folgen. Die historischen Gebäude, an den denen wir währenddessen vorbei kommen, muten einigermaßen prachtvoll an und erinnern irgendwie auch an Schottland oder Irland. Das vermittelt leichtes Seebad-Charme, nur, dass jetzt nichts los ist. Wir sind fast die einzigen, die ein paar Sonnenstrahlen einfangen und sich den Wind um die Ohren sausen lassen. Nur vereinzelte Gassigänger begegnen uns.

auf der Promenade Areetako Kaia

Die Playa Ereaga entpuppt sich als Hundestrand, was fantastisch anzusehen ist. Ab Mai und über den Sommer dürfen hier keine Hunde her aber im Moment tollen sie sich im Sand und im Flutsaum. Ein kleiner Welpe wirkt etwas überfordert, so ein großer Spielplatz! So ein riesiger Sandkasten! Er bleibt bei Herrchen, ich glaube es ist ihm zu viel. Während die größeren Hunde Stöckchen oder Wellen jagen. Mir fehlt nur noch das Popcorn…

A pro pos… Wie wäre es mal mit einem Frühstück? Bisher haben wir jedoch keine einzige Einkehrmöglichkeit gesehen… Also gehen wir einfach weiter und kurz vorm Kai Zaharreko Park sieht Papa zwei Herren, die mit Walkingstöckern an uns vorbeigezogen waren, in einer Art Taverne verschwinden. Niemals hätte ich diese wahrgenommen, und schon gar nicht als geöffnet vermutet, doch wir versuchen unser Glück und es klappt!

10.45 Uhr. Wir ergattern den letzten der wenigen Tische und freuen uns wie Bolle auf den ersten Kaffee des Tages! Statt „black“ kommt er leider mit Milch daher, aber dazu gibt es für Papa ein Croissant und für mich, da der gute Mann tatsächlich etwas Englisch spricht, eine getoastete Scheibe Brot mit Frischkäse und Tomatenscheiben, achja und frisch gepressten Orangensaft! Perfekt! Was will man mehr?

10.45 Uhr: Frühstückchen

Englisch spricht hier wirklich nicht jeder. Das ist nicht schlimm, mein Englisch ist auch nicht spitze. Aber wir werden noch feststellen, dass die meisten wirklich nicht ein einziges Wort beherrschen. Wir steigen bald auf Formulierungen wie „Café Americano“ und „Agua sin gas“ um, statt diese Dinge auf Englisch zu bestellen, obwohl man meinen sollte, dass „black coffee“ und „still water“ weltweit geläufige Begriffe sind. Naja macht nichts, man kann sich ja dem Land mal ein wenig anpassen. Eigentlich ist es ja nur fair, ein paar spanische Floskeln oder Begriffe zu beherrschen… Mehr als Gracias hatte ich bisher nie herausgebracht…

Hinzu kommt aber, dass so gut wie nie etwas auf Englisch geschrieben steht – das ist, so gesehen, ja nur konsequent… Das bedeutet aber, wir müssen das Baskische als geschriebenes Wort ignorieren (da bleibt einem gar nichts anderes übrig) und tatsächlich mit dem Spanischen zurechtkommen, welches wiederum wir nie gelernt haben. Nach zahlreichen Spanienreisen ist einem aber natürlich das eine oder andere bekannt oder man kann es sich teilweise zumindest zusammenreimen. Manchmal macht das Spaß, vor allem, wenn man wirklich etwas versteht, und manchmal ist es auch zermürbend.

So nett wie es sich hier auch sitzt, wir ziehen bald weiter, andere wollen auch sitzen. Um die Ecke befindet sich dann ein Aufzug, der Ascensor Portu Zaharra, und den nehmen wir auf meinen Verdacht hin, dass wir so demnächst zu einer Metrostation gelangen. Oben angekommen landen wir inmitten einiger niedlicher Gassen, die vielleicht gar nichts gemein haben mit denen in Coimbra, aber diese fallen mir sofort dazu ein…

Aretxondo Kalea

In einem Supermarkt kaufen wir Wasserflaschen, die Umgebung wirkt eigentlich sogar sehr einladend zum Bummeln und Kaffee trinken gehen aber wir gehen zur Metrostation Algorta und kaufen uns Tickets bis Areeta. Getxo war also ein voller Erfolg! Das sollte man nicht auslassen und sich unbedingt ein paar Stunden dafür Zeit nehmen. Es ist hier ruhiger aber trotzdem nicht der Hund begraben. Weniger Stadt, mehr Kleinstadt bis Dorf, dazu Strand und Meer.

Nach vier Stationen steigen wir aus und gehen zu Fuß das kleine Stück bis runter an den Nervion. Hier, kurz bevor sich der Fluss dem Meer öffnet, bzw. in das bereits erwähnte geschützte Hafengebiet fließt, wird er überspannt von einem UNESCO Weltkulturerbe! Einer riesigen Attraktion: von der Bizkaya-Brücke! Ein 130 Jahre altes Meisterwerk, das man nur zu Fuß überqueren kann; alternativ betritt man die Schwebefähre, die an der Brücke baumelt.

Es ist die älteste Schwebefähre der Welt. Ich wusste bis vor einigen Wochen nicht mal, dass es so etwas gibt! Sie verbindet Getxo mit dem gegenüber liegenden Portugalete. Und ich hatte zuvor eine Doku gesehen, die den Tipp gab, nicht zwingend über die Brücke zu laufen in Schwindel erregender Höhe, und auch nicht die Hängefähre zu benutzen, sondern das kleine Boot zu nehmen, das zusätzlich als Personenfähre fährt, denn von dort aus hat man natürlich die Brücke perfekt im Blick. Als ob man sich da irgendwie entscheiden könnte! Also machen wir doch einfach alles drei! Hin, zurück und wieder hin, nach Portugalete. Gesagt, getan!

Puente de Vizcaya

Für je 50 Cent kaufen wir jeder ein Ticket für die Fähre. Vier bis sechs Autos finden darauf Platz. Seitlich davon gibt es jeweils einen kleinen überdachten bzw. geschlossenen Bereich für Fußgänger. Alle acht Minuten wird die Flussseite gewechselt, die Fähre steht nie wirklich still, jeden einzelnen Tag des Jahres, von früh bis spät…

Zurück von Portugalete nach Getxo fahren wir fast direkt im Anschluss mit dem kleinen Boot, ebenfalls für 50 Cent. So viel, wie in der Doku, sieht man aber nicht von der Brücke, denn gegen Wind und Regen sind die Seiten mit Planen verschlossen.

Jetzt kommt noch der Action-Teil. Hoch auf das Ding! Die Brücke ist ca. 50m hoch und 160m lang, man sieht schon von unten, außer ein paar Eisenstriemen oben und an den Seiten, ist da nicht viel. Ich hasse Höhe! Der Fußboden besteht aus Holzstreben, zwischen denen ich sogar von hier unten durchschauen kann. Das wird wackelig, aber ok: Zeit für einen Mutausbruch!

Das Ticket kostet pro Person 9,50€ und beinhaltet die Rückfahrt mit der Schwebefähre. Das kann ja keiner ahnen! Das müssen wir also verfallen lassen… Es geht mit dem Fahrstuhl hoch über Getxo und dann heißt es gewissermaßen Augen zu, und durch! Der Holzfußboden ist ziemlich wackelig und man kann wirklich durch die Abstände hindurch gucken auf den Fluss bzw. die Fähre, wenn sie unter einem hindurchfährt. Aber es ist immerhin sehr viel weniger windig als befürchtet. Wenn man den Blick hebt und in die Ferne richtet, ist das außerdem auch noch wunderschön. Und zudem sind wir im Moment nahezu alleine hier oben! Ich glaube, die Überwindung hat sich gelohnt!

Puente de Vizcaya

Nun sind wir wieder in Portugalete und bleiben auch auf der Westseite des Nervion. Deutlich belebter als Getxo und man kann erahnen, dass es hier im Sommer auch sehr viel touristischer zugeht. Selbst jetzt stehen hier ein paar tapfere Männer mit Regenschirmen und Fußballtrikots, die sie unaufdringlich versuchen loszuwerden an die paar Touristen, und ein kleines Stück weiter ist ein winziger Wochenmarkt aufgebaut, wo ich ein Glas Honig mitnehme. Außerdem geht es hier zum Jakobsweg, für diejenigen, die die ruhigere Küstenstrecke gehen.

Wir gehen zu dem kleinen Bahnhof von Portugalete und fahren zurück in die Stadt, nach Bilbao. Spontan beschließen wir, die Endstation anzusteuern, denn diese befindet sich so nah wie möglich an der eigentlichen Altstadt von Bilbao, die wir bisher noch nicht gestreift haben.

Getxo in Bildern – zum Durchklicken:

Puente de Vizcaya

Portugalete in Bildern – zum Durchklicken:

Puente de Vizcaya

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