Zurück zu Tag 3: Anna allein in Funchal
Mittwoch, 28. Dezember 2022
08.15 Uhr.
Wir frühstücken bereits das vierte Mal unser fantastisches Hotelfrühstück und müssen uns ein bisschen zusammenreißen, um es nicht zu übertreiben!
09.15 Uhr.
Wir begeben uns langsam Richtung Lobby, damit wir sehr rechtzeitig für den ersten Shuttle des Tages vom Hotel in Canico nach Funchal City bereit stehen. Wir haben zwar reserviert aber man möchte ja auch nicht auf die letzte Minute kommen. Schon gar nicht heute, wo wir auf jeden Fall noch weiter wollen, aus Funchal wieder raus, mit einem anderen Bus…
Ich hatte das gestern erst entdeckt: Den Yellow Bus [!Keine Werbung!], der im Hop on Hop off Stil durch Funchal bzw. wahlweise auch raus bis zum Fischerort Camara de Lobos fährt. Praktischerweise ist eine Haltestelle direkt an der Seilbahnstation, wo uns der Shuttle vom Hotel auch rauslässt. Also können wir dort aussteigen, ein Ticket kaufen und -nach etwas Wartezeit- direkt in den gelben Bus einsteigen!
Die Fahrstrecke führt zunächst natürlich ein Stück durch Funchal selbst. Wir passieren jedoch mehrere Stopps ohne anzuhalten. Liegt das daran, dass hier niemand ein- oder aussteigen will? Außerdem kommt der Bus nur sehr langsam voran, es herrscht zu viel Verkehr, und das führt dazu, dass der Kommentar, den wir über Ohrstöpsel hören, absolut nicht zu unserem jeweiligen Standort passt… Wäre ich gestern nicht schon so viel zu Fuß in Funchal unterwegs gewesen, wäre es mir vermutlich auch nicht unbedingt aufgefallen aber das tut es jetzt nun mal. Und es stört mich.
Unser erster Stopp, den wir auserkoren haben, befindet sich schon einigermaßen außerhalb. Ein öffentlicher Park, fünf Gehminuten entfernt von Funchal´s bzw. Madeira´s Fußballstadion: Ob die Magnolia Gardens wirklich einen Besuch wert sind werden wir aber nicht mehr erfahren, denn unser Bus hält, trotz gedrückter Stopp-Taste, nicht an. Und da wir oben sitzen, können wir nicht mal eben zum Busfahrer hechten… Wer weiß wozu es gut ist, sagen wir uns. Nicht, dass es am Ende zeitlich noch eng wird. Also konzentrieren wir uns auf die anderen beiden Stopps, die wir vor Camara de Lobos noch ins Auge gefasst haben.
Da wäre zunächst ein Friedhof. Der Cemitério Nossa Senhora das Angústias befindet sich in São Martinho. Philipp fand das eine gute Idee, denn „Du magst ja Friedhöfe so gerne!“. Aha. Das ist also seine Beobachtung? Okay, mag sein… Ich würde zwar nicht sagen, ich mag Friedhöfe. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ich schon in Krakau, Dublin und zum Beispiel auch Lissabon Friedhöfe besucht und fotografiert habe! So betrachtet, hat er irgendwie recht.
Dieser Cemitério ist verhältnismäßig klein aber dafür herrscht viel Betrieb. In einer Ecke, die wir meiden, gewinnt man den Eindruck, dass eine Beerdigung oder Trauerfeier kurz bevorsteht oder gerade stattgefunden hat, angesichts der Masse an entsprechend gekleideten Menschen, aber das verfolgen wir nicht weiter und bleiben schön weit weg davon. Und trotzdem mag ich nicht so recht fotografieren, wo hier jetzt doch der ein oder andere Besucher unterwegs ist.
Trotzdem sind wir wieder beeindruckt, wie anders ein Friedhof zu unseren deutschen Exemplaren sein kann. Es gibt gleich zu Beginn einen extra Bereich für die Feuerwehrmänner. Abgesehen von normalen Gräbern gibt es so etwas wie kleine Häuschen oder Kapellen, mit einem Raum, in denen ein oder mehrere Särge zu sehen sind und dazu ein Altar mit Deko, Fotos und vermutlich Gegenständen des/der Verstorbenen. Und natürlich auch die vielen, vielen kleinen „Boxen“ (Urnenfächer?), auch diese fast alle mit Foto!
Zudem fällt mir dieses Mal auf, mehr als in Lissabon, dass es nicht viele portugiesische Nachnamen zu geben scheint… Eigentlich heißen Sie alle Gomes, Goncales, Rodrigues, Pereira, da Silva oder de Sousa…
Wir nehmen direkt den nächsten möglichen unserer Hop on, hop off Busse und steigen sehr bald wieder aus:
Der Miradouro Pico dos Barcelos ist nur knapp anderthalb Kilometer entfernt. Anderthalb Kilometer feinstes Bergauf allerdings!
Miradouro ist das portugiesische Wort für Aussichtspunkt. Ein Pico ist ein Berg. Folglich sind wir hier sehr weit oben und haben ein fantastisches Panorama! Genau genommen schaffe ich es aber gar nicht bis zum eigentlichen Aussichtspunkt weil mich zuvor ein Café ausbremst, das ich für den Miradouro halte. Schließlich gibt es auch hier schon Aussicht ohne Ende – und dazu Bica und Pastel de Nata! Was soll ich noch sagen?…
Wir setzen uns auf die Dachterrasse und genießen ohne Hast die Sonne und den Ausblick. Kurz bevor wir dann zur Bushaltestelle zurückgehen, suche ich noch einen Ort zum Austreten auf und Philipp erkundet den eigentlichen Miradouro, vielleicht 50-100 Meter weiter… Er legt ihn mir ans Herz aber mir hat es schon am Café gut genug gefallen und ich möchte den Bus nicht verpassen. Noch wissen wir beide nicht, dass ich sehr bald eine zweite Chance bekommen werde, den eigentlichen Miradouro doch noch zu besuchen…
In Camara de Lobos steigen wir dann wieder aus und haben ungefähr 30/45 Minuten Zeit für einen Bummel durch den Ort, bevor unser Mini Bus (im Ticket enthalten) zu den höchsten Steilklippen Europas, dem Cabo Girao, rausfährt. Das alte Fischerdorf ist touristisch extrem stark frequentiert. Ich vermute, dass man hier abends und früh morgens eine schöne Zeit hat aber wenn tagsüber die Busse aus der Stadt kommen und, wie heute, sogar noch die Kreuzfahrer die Insel bzw. das kleine Städtchen überschwemmen, dann hat das, meiner Meinung nach, so gar keinen Charme mehr. Ich erinnere mich unwillkürlich an vorletzten Monat in Cochem…
Sehenswürdigkeiten oder Aussichtspunkte sind uns hier nicht bekannt… Zu den Touristenmassen, die sich an ihre Biergläser krallen, in den Restaurants möchten wir uns nicht gesellen… Also bleibt nur ein kleiner Schlendergang entlang des Hafens, der bunten Fischerboote und ein Schattenplätzchen aufzusuchen. Viel haben wir heute noch nicht gemacht oder erlaufen, doch wir fühlen uns ein bisschen so. Es ist ganz schön warm, auch der Wind ist nicht nur angenehm sondern manchmal ein bisschen anstrengend… Legen wir hier also ein Päuschen ein.
Der Komet brennt. Wir schleppen uns die Treppe zurück zum Bus wieder hoch und warten sehnsüchtig auf den Mini Bus. Es dauert und dauert so seine Zeit. Doch dann ergattern wir prima Plätze in der letzten Reihe. Der an sich offene Bus hat ganz hinten zumindest einen kleinen Windschutz, den ich sehr gerne annehme.
13.10 Uhr.
Wir sind am Cabo Girao angekommen und erfahren hier erfreulicherweise, dass der Busfahrer 25 Minuten auf uns wartet und uns dann wieder mit zurück nach Camara de Lobos nimmt. Laut Fahrplan hätten wir hier zwei Stunden bleiben müssen – wir sind ganz froh, dass das jetzt doch nicht der Fall ist. Natürlich hätten wir die Aussicht hier sehr lange genießen und diverse Tassen Kaffee trinken können aber so ist uns nun doch lieber!
Das Kap ist um die 580 Meter hoch und ich schaue auf den sonnenbeschienenen Atlantik hinaus bevor ich den Blick nach unten wandern lasse und feststelle, dass es gar nicht so schlimm ist, wie angenommen. Ich traue mich sogar auf die Glasplattform, den Sky Walk, hinaus. Die Fläche ist kleiner als zuvor angenommen, aber immerhin, man kann wirklich all die Meter nach unten schauen, auf die Klippen, auf das Meer unter sich. Den Skywalk gibt es mittlerweile schon seit zehn Jahren – dass man hier immer noch keinen Eintritt bezahlen muss, ist verwunderlich… Auch Richtung Funchal hat man wieder einen tollen Blick, natürlich nun von ein bisschen weiter entfernt. Ich verweile einen sehr, sehr dankbaren Moment, dass ich hier sein darf. Hier am Kap, hier auf der Insel, hier in Portugal…
Wir könnten wirklich noch ewig hier stehen… Aber wir nehmen mal lieber den Minibus zurück nach Camara de Lobos, wo wir hoffentlich bald in den normalen „Yellow“ nach Funchal umsteigen können. Und in der Tat: Wir warten nicht so lange wie auf dem Hinweg. Es dauert ungefähr ein Eis am Stiel lang und noch ein bisschen länger, aber nicht viel.
An der Avenida do Mar, dem eigentlichen Startpunkt unserer Busroute, steigen wir aus. Mitten in Funchal am Hafen. Wenn es nach Philipp gegangen wäre, wären wir durchgefahren bis zur Haltestelle Nummer 3, der Seilbahn, wo unser Bus zum Hotel abfährt. Aber was wollen wir da rumsitzen und auf den Bus warten, wenn wir genauso gut noch einmal über den „Mercado de Natal“ schlendern und Poncha probieren können…?!
Poncha ist DAS Nationalgetränk von Madeira. Die klassische Variante besteht aus Orangen- und Zitronensaft, Honig und madeirensischem Brand aus Zuckerrohrsaft. Angeblich kann man davon becherweise trinken und merkt den Alkohol erst viel zu spät! Daher sollte man es bei ein, zwei Gläschen belassen. Nun gut, der Meinung sind wir auch, dass ein Gläschen reicht. Das hat aber eher damit zu tun, dass es uns geschmacklich nicht so zusagt, wie wir angenommen hatten. Denn dass man den Alkohol nicht raus schmeckt, kann ich nicht behaupten! Jedenfalls nicht in der klassischen Variante des Getränks, die ich mir gekauft habe. Als ich von Philipp´s Becherchen probiere, was wirklich nur nach Maracuja schmeckt, sehe ich das schon wieder anders… Aber Philipp findet auch diese Sorte nicht sonderlich süchtig machend. Und somit belassen wir es dabei. Es kann uns zumindest niemand vorwerfen, wir hätten es nicht versucht!
Da Philipp von Funchal bisher nur aus dem Bus heraus etwas gesehen hat, nutze ich die Gelegenheit, ihn vom zentral gelegenen Weihnachtsmärktchen aus, noch durch ein paar Gassen zu schieben, vorzugsweise auch welche, die auch ich noch nicht kenne. Mein grobes Ziel ist die Markthalle, da sich diese in der Nähe des Busstopps an der Seilbahn befindet. Ungeachtet dessen, dass mein Mann eigentlich schon am Ende seiner Kräfte ist, trotz eines Snacks aus einer Bäckerei am Wegesrand, lotse ich ihn noch in die Markthalle weil ich diesen Farbenrausch gerne mit ihm teilen möchte. Und außerdem bin ich in der oberen Etage noch gar nicht gewesen. Ein Souvenirparadies hinsichtlich Gewürze, Marmeladen, Bonbons und Co. Für fußlahme Ehemänner gibt es zum Glück auch reichlich Sitzgelegenheiten.
Durch die Rua de Santa Maria gehen wir dann aber zurück zu unserem Hotelshuttle. Die Street Art Gasse ist heute wesentlich belebter, was ich der Uhrzeit zuschreibe. Es ist jetzt ungefähr 16 Uhr und die Restaurants und Geschäfte bieten alles Mögliche feil. Trotzdem hat es hier immer noch seinen Charme. Oder vielleicht sogar gerade deshalb. Und viele verzierte und bemalte Türen kann man trotzdem noch erhaschen!
17 Uhr.
Geschafft! Wir fahren zurück zum Hotel! Wie immer mit der guten Laune und der Gute-Laune-Musik unseres Busfahrers! Das weckt wieder die Lebensgeister! Das war ein toller Tag!!
Der Tag in Bildern – zum Durchklicken:
18 Uhr.
Wir essen wieder hervorragend zu Abend und sind sehr zufrieden mit dem Tag. Es war zwar irgendwie ganz schön anstrengend, ohne genau sagen zu können weshalb. Aber es war einfach rundum schön.
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