Porto 2023

<<< Gestern sind wir in Portugal angekommen.

Heute wollen wir uns Porto anschauen. ♥

In meinem Reiseführer, den ich etwa zwei Monate vor Abflug gelesen hatte, stand, dass wir staunen würden, wenn wir Porto längere Zeit nicht gesehen hätten. Zählen knapp fünf Jahre schon als „längere Zeit“?

Die Rede war von frisch verputzten Fassaden und allerlei Aufhübschungen. Ich denke jedoch, dass das nicht in den letzten fünf Jahren passiert ist, sondern ganz allgemein in den letzten über zwanzig Jahren, nämlich seit Porto 2001 Kulturhauptstadt gewesen ist, und sich die Stadt daraufhin verjüngt und verschönert hat.

Uns jedenfalls hat es wieder ausgesprochen gut gefallen (denn wir sind bereits 2018 hier gewesen), auch wenn es dieses Mal nur ein Tag war… Man muss aber zugeben, dass man an warmen Tagen ordentlich ins Schwitzen kommt. In Porto geht es bekanntermaßen immer bergauf oder bergab, die schmalen Gassen befinden sich allesamt irgendwie an steilen Hängen…

Câmara Municipal do Porto

Aber lies selbst:

Dienstag, 16.05.2023

Gegen 11 Uhr kommen wir in Porto´s Stadtmitte am Cordoaria Park an. Die Busfahrt aus Matosinhos hat rund eine dreiviertel Stunde gedauert, aber langweilig war es nicht. Es gab viel zu sehen unterwegs, alltägliches, aber eben eine Menge.

Torre Dos Clérigos

Es sind nur ein paar Meter von der Bushaltestelle bis zum Kirchturm unserer Wahl. Die barocke Clérigos Kirche befindet sich sehr zentral in Porto an der Praca de Lisboa und unweit der großen Praca da Liberdade, dem Dreh- und Angelpunkt der Stadt.

Wir kaufen uns Tickets für den Kirchturm (8€ pro Person), dummerweise hatte ich nicht bedacht, dass es ja unter Umständen keinen Fahrstuhl geben könnte. Ich hatte überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass ich 240 Stufen würde bewältigen müssen, oder überhaupt Stufen… Manchmal bin ich nicht so ganz bei mir…

Igreja & Torre dos Clérigos

Da es aber noch ein paar Minuten dauert bis wir hoch können, weil erst die Besucher aus dem Zeitfenster vor uns wieder runter kommen müssen, schauen wir uns zunächst die Kirche selbst einmal an. Im 18. Jahrhundert von einem italienischen Architekten erbaut, verfügt sie über den höchsten Kirchturm Portugals, der als eines der Wahrzeichen Porto´s gilt und im Übrigen seit zehn Jahren auch einige portugiesische 2-Euro-Münzen ziert.

11.30 Uhr. Wir dürfen hoch. Zuerst führen die Treppen etappenweise um das Kirchenschiff herum, so gewinnt man ungewöhnliche Blicke auf den Kircheninnenraum von oben. Irgendwann beginnt dann aber der noch sehr viel engere Treppenabschnitt, man versucht hier Gegenverkehr zu vermeiden, dadurch, dass man kleine Grüppchen in bestimmten Zeitfenstern los schickt aber so ganz geht der Plan nicht auf, dafür müsste man vielleicht früher morgens kommen. Wir jedoch haben noch etlichen Gegenverkehr, man zwängt sich gerade so aneinander vorbei, immer den fremden heißen Atem von irgendwem im Nacken, zum Glück ist das Gemäuer kühl und die Fensterluken lassen stetig frische Luft hinein.

Igreja & Torre dos Clérigos

Der Blick von oben auf Porto entschädigt aber alle Strapazen! 360 Grad Rundumblick über Stadt, Douro und bis zum Atlantik in rund 75 Metern Höhe! Wenn du über eine einigermaßen gute Fitness verfügst, empfehle ich dir den Aufstieg hier dringend, es sei denn du leidest unter Klaustrophobie, denn auch ohne Menschenmassen ist die Treppe schon ziemlich eng.

Praca da Lisboa & Livraria Lello

Vom Turm aus hatte uns die Praca de Lisboa sehr beeindruckt. Genau genommen war sie mir auch schon unten aufgefallen: Ein in meinen Augen architektonisches Meister- oder wenigstens Wunderwerk, denn es handelt sich um einen kleinen Shoppingkomplex samt Parkgaragen und Cafés, und obenauf befindet sich eine Grünfläche zum Entspannen und ebenfalls etwas trinken gehen. Sehr schwer zu beschreiben aber extrem nett anzusehen. Wir gehen einmal kurz durch diesen wunderbar schattigen Komplex hindurch, jedoch ohne irgendwo einzukehren, denn wir wollen anderswo etwas verzehren.

Auf der anderen Seite der Praca de Lisboa befindet sich die möglicherweise berühmteste Buchhandlung der Welt, zumindest aber Portugals! Ich habe von Harry Potter nur das erste Buch gelesen aber eingefleischte Fans wissen in der Regel, dass Joanne K. Rowling einige Jahre in Porto gelebt und diese Buchhandlung gerne besucht hat. Dort ließ sie sich von den Treppen inspirieren für Hogwarts. Wer die Filme kennt, sieht das vermutlich, ich gehöre nicht dazu, denn ich habe die Filme mangels Interesse nicht gesehen. Mag eine Bildungslücke sein, bisher hat sie mir aber nicht geschadet.

Vor der Buchhandlung stehen die Leute jedenfalls Schlange als wäre Harry Potter heute höchstpersönlich für eine Autogrammstunde da (Oder stirbt der irgendwann in den Büchern? Ich habe ja keine Ahnung… und es ist mir auch herzlich egal.). Dabei muss man sogar 5€ Eintritt bezahlen (wird beim Buchkauf verrechnet, fairerweise soll es wohl auch eine große Auswahl nicht-portugiesisch-sprachiger Bücher geben).

Essen (?) gehen

Rua da Fábrica

Wir gehen schnell weiter. Lassen die Universität von Porto links liegen und biegen bald rechts ab in die Rua da Fabrica, denn wie ich weiß, führt diese zum Hard Rock Café Porto [!keine Werbung!], welches mein Mann so gerne noch einmal besuchen möchte. Als wir das letzte Mal in Porto waren, hatten wir das Restaurant mehr als einmal besucht und entsprechend für ganz besonders schön (weil leer) empfunden.

Ziemlich leer ist es auch heute, doch für mich gibt es leider nur zwei vegetarische Gerichte zur Auswahl, die Speisekarte kommt mir extrem gekürzt vor, aber was weiß ich schon, mein letzter Besuch dieser Restaurantkette ist über drei Jahre her, in Sevilla [LINK FOLGT], das war noch in einer anderen Welt, einer anderen Zeit…

Philipp bestellt sich glücklicherweise trotzdem etwas zu essen, ich trinke nur ein kühles portugiesisches Radler und tröste mich mit dem Gedanken an die Markthalle von Porto, wo ich hoffentlich etwas für mich finden werde.

Lunch Time

Nach dem obligatorischen T-Shirt-Kauf (Phil) drängt es uns (mich) nun aber doch zur Markthalle. Wir stoppen nur noch kurz am Rathaus von Porto für ein paar Fotos, denn dort ist der riesige Porto-Schriftzug, den wir bereits vom letzten Besuch in der Stadt kennen, aufgebaut (offenbar steht er immer mal wo anders), und dann stürzen wir uns in das Gewühl des riesigen Mercado do Bolhao:

Markthalle von Porto

Die Aufmachung hier toppt sogar meine Lieblingsmarkthallen von unter anderem Rotterdam. Es handelt sich um lange Reihen von überwiegend Obst- und Gemüseständen in einer Art Innenhof, also Freiluft, aber schön schattig überdacht. Einheimische wie Touristen schlendern mit einem Glas Weißwein durch die Reihen und betrachten die Waren oder genießen einfach das Flair.

Auch wir bestaunen die ausgelegten Fische, die vielen bunten Blumen und natürlich etliche Souvenirstände mit z.B. Trockenobst, Olivenöl und Co., suchen aber in erster Linie etwas zu essen für mich. Das gestaltet sich dann doch wieder schwierig, ich muss sogar kurz lachen, denn es gibt einen waschechten Pintxo-Stand, darüber habe ich kürzlich in diesem Bilbao-Artikel geschrieben. Natürlich auch hier wieder nicht vegetarisch.

Mercado do Bolhão

Letzten Endes kaufe ich mir einen großen Becher gemischtes Obst, mundgerecht vorbereitet, für sagenhafte 2,50€. Philipp bezahlt für ein sehr prall gefülltes Glas Rotwein sogar noch weniger. Wie er den bei dieser Hitze auswählen kann, ist mir zwar schleierhaft aber ich drücke ihm, bzw. uns, anschließend einfach jeweils einen ordentlichen Espresso auf und dann wird das schon wieder.

Die Markthalle ist absolut einen Besuch wert! Aufgrund der Überdachung bei jedem Wetter.

Einkaufsstraße Santa Catarina

Ganz um die Ecke befindet sich die Shoppingmeile Rua de Santa Catarina. Sie führt schnurstracks zu unserem Hotel, in dem wir 2018 genächtigt hatten. Somit kennen wir diese Ecke der Stadt schon aber wir genießen es, ein paar gut klimatisierte Lädchen abzuklappern und auch ein bisschen was zu „shoppen“.

Zu guter Letzt setzen wir uns am Straßenrand draußen in bzw. vor ein Café, trinken dort etwas und beobachten die Leute. Ganz besonders die aktuelle Mode fasziniert und irritiert uns. Da können wir schon lange nicht mehr mitreden. Aber drüber reden, das geht.

Einkaufsstraße Santa Catarina

Leider werden wir hier auch mehrfach von offenbar obdachlosen Personen angesprochen. Das kennen wir noch nicht von Porto. Leider sind sie auch ein bisschen aufdringlich. Doch zwei Tische weiter erleben wir ein wunderbar gute Tat einer Café-Besucherin. Eine ältere Dame, schick und stilvoll gekleidet, sie hält wohl was auf sich. Sitzt dort mit ihrem Cognacglas und lädt eine bettelnde Frau ein, sich zu ihr zu setzen. Sie bestellt ihr ein Sandwich und eine Flasche Limo und erträgt nicht nur ihre durch und durch ungepflegte Anwesenheit sondern sie kommen nach einer Weile sogar ins Gespräch miteinander. Wir können nur staunen. Und dankbar sein, dass es solche freundlichen Menschen gibt. Da können wir uns eine dicke Scheibe von abschneiden.

Museumsbesuch

Den Weg zur Kathedrale kennen wir bereits. Wir finden ihn ohne Mühe und steuern hier zielstrebig das Museu do Vitral [!keine Werbung!] an. Hier soll es „Meisterwerke der traditionellen Glasmalerei“ zu sehen geben, und es fängt auch ziemlich gut an: Der Eintritt kostet nur 8€ pro Person und inkludiert sogar ein Glas Portwein, dass man durch die Ausstellung mitnehmen darf. Wir sind regelrecht begeistert.

Museu do Vitral [!keine Werbung!]

Aber nicht lange. Denn wie wir feststellen müssen, ist die Ausstellung winzig klein und abgesehen von dem wohl tuenden Schatten und den sauberen WCs (immerhin!) ist der Besuch eigentlich Zeit- und Geldverschwendung.

Der Portwein schmeckt fantastisch, es sind kaum andere (störende) Besucher dort, aber ansonsten ist das Museum eine Enttäuschung, jedenfalls für uns. Jedoch stören wir uns daran nicht groß, denn unsere Kräfte schwinden auch langsam dahin und eine elendig große Museumsausstellung hätten wir jetzt wahrscheinlich eh nicht mehr verkraftet. Es ist alles gut so wie es ist.

Runter zum Douro

Wir spazieren über den Vorplatz der Kathedrale, den Philipp so sehr mag, es ist wirklich ein schöner Ort, vor allem bietet er eine wunderschöne Aussicht hinunter zum Douro. Und deshalb beschließen wir auch spontan, noch hinunter zu laufen obwohl wir hier in der Nähe der Kathedrale den Sao Bento Bahnhof um die Ecke hätten, und von dort aus prima nach Matosinhos zurückfahren könnten.

Vor der Sé

Inzwischen ist es fast unerträglich heiß, ich bin unendlich froh, dass wir diese Reise jetzt im Mai unternehmen und nicht, wie zwischendurch angedacht, im August! Diesen Gedanken werde ich in der kommenden Woche noch mehrfach haben und auch aussprechen!

Es ist jetzt um 17 Uhr rum und unten am Douro steppt der Bär. Unangenehme Menschenmengen drängen sich um die Cafés und Restaurants, stehen an für die Six Bridges River Cruise oder bestaunen einfach nur das Panorama von Gaia und der Luis-Brücke! Ich kann das alles sehr gut verstehen und bin ebenfalls beeindruckt aber auch ziemlich erschöpft. Philipp geht es nicht anders – deshalb suchen wir dann nun doch die nächste Bushaltestelle auf und flüchten aus der Stadt.

🙂 UNBEDINGT BEACHTEN:

Porto in Bildern – zum Durchklicken:

Vor der Sé

Und morgen werden wir unseren Standort Matosinhos begucken… >>>