Bryce Canyon Nationalpark

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Bryce Canyon, Utah

Donnerstag, 4. April 2013 Ankunft am Bryce Canyon

14.30 Uhr: Wir erreichen, aus dem Zion Nationalpark kommend, unsere nächste Unterkunft nahe des Bryce Canyon Nationalparks. Für diese Strecke kannst du anderthalb bis zwei Stunden einplanen, je nachdem ob du durchfährst oder Fotostopps einlegst.

Wir checken im Best Western Plus Hotel Ruby´s Inn [!keine Werbung!], ca. 2 Kilometer nördlich von Nationalpark-Eingang ein. Zu dem Hotel gehört u.a. auch noch ein Campingplatz, eine Kunstgalerie, ein Waschsalon, ein Supermarkt, ein Gift Shop, eine Tankstelle, ein Pool und ein Reitstall – was vielleicht etwas vornehm ausgedrückt ist, aber man kann Reittouren buchen!

Bryce Canyon, Utah

Klingt erst mal vielversprechend – aber das Zimmer ist dann nicht wirklich mehr als nur „in Ordnung“. Aber das soll uns auch reichen – wir haben Platz und es ist alles da, was man braucht. Es kann nicht überall so schön sein wie in unseren letzten beiden Hotels.

15 Uhr: Zeit für ein Mittagessen = Abendessen. Richtige Essenszeiten werden wir auch auf dieser USA-Rundreise nicht haben. Das Obst heute Morgen ist schon lange her und wir müssen uns unbedingt stärken bevor wir zum Bryce Canyon NP aufbrechen! Im hoteleigenen Restaurant bestelle ich mir ein relativ deutsches Essen, bestehend aus gekochten Kartoffeln, Tomaten und Möhrchen – dann sind wir startklar!

Einer meiner Lieblings-Nationalparks

16 Uhr: Der Wahnsinn, was die Natur da geschaffen hat. Man fühlt sich wie in einer Märchenwelt, so unwirklich wirken all die Steinskulpturen – als stünde man in einem gigantischen Freizeitpark, den man gar nicht begreifen kann… Nur, dass hier nicht Menschenhand die Entstehung vollbracht hat.

Bryce Canyon, Utah

Den Bryce Canyon Nationalpark kannst du dir als eine Sammlung filigraner Felsnadeln vorstellen – und zwar in den verschiedensten Rot-, Orange- und Cremetönen. Tiefe Schluchten voll dieser sogenannten Hoodoos. Bizarre Felsformationen. Surreal.

Wir besichtigen zuerst den Sunrise Point, ein eindrucksvoller Aussichtspunkt mit weitem Blick auf das Meer aus Gesteinsnadeln und -spitzen. Wie ein Kunstwerk liegt der Canyon vor dir. Wenn du nur EINE Stelle im Nationalpark besuchen wolltest, dann sollte es dieser hier sein! Wie der Name vermuten lässt, soll der Sunrise Point zum Sonnenaufgang am Schönsten sein. Das kann ich mir vorstellen!

Bryce Canyon, Utah

Nur fünf Minuten Fahrt entfernt, bietet sich uns am Sunset Point ein ähnlich spektakulärer Anblick!

Nicht viel weiter ist es bis zum Bryce Point – und ich kann schon nicht mehr sagen welcher Aussichtspunkt am Beeindruckendsten ist! Wer den Peekaboo Loop Trail bewandern möchte, startet übrigens hier! Der 8km lange Rundweg gehört angeblich zu den magischsten im ganzen Park – er führt hinab in die Tiefe des Canyon, sodass man durch die Hoodoos hindurch wandert. Das muss unglaublich faszinierend sein. Und steht definitiv auf meiner Bucket List für die Zukunft!

Bryce Canyon, Utah

Unser letzter View Point ist der Inspiration Point. Da F. für´s Wandern nicht zu haben ist, belassen wir es dabei. Das ist für mich in Ordnung – das Wandern entdecke auch ich erst etliche Jahre später für mich… Der Inspiration Point selbst ist jedoch sehr einfach zugänglich, man kann direkt dort parken und dann die drei Aussichtsterrassen Upper, Mid und Lower Inspiration Point besuchen. Und das tun sehr viele Menschen, wie wir feststellen müssen, denn wir geraten in eine asiatische Reisegruppe. Trotzdem hat es sich natürlich mehr als gelohnt, denn auch hier genießen wir wieder wunderbare Ausblicke.

Bryce Canyon, Utah

Wir hätten selbst nicht geglaubt, innerhalb so kurzer Zeit so viel zu sehen. Das war jetzt mehr als erwartet! So wenig wie wir heute im Zion NP gesehen haben, umso mehr hat uns der Bryce Canyon auf dem Silbertablett serviert! – Und hat unsere Erwartungen damit bei Weitem übertroffen!

Diese Fantasiewelt, dieser rote Zauberwald aus Türmen, Spitzen, Helmen und anderen Steinfiguren, ist Pflichtprogramm auf einer Reise durch den Südwesten der USA! Und völlig zu Recht der vielleicht beliebteste Nationalpark Utah´s! Trotzdem sind wir jetzt völlig kaputt und fahren zurück zum Hotel.

Bryce Canyon, Utah

18 Uhr: Wir kaufen noch kurz Kekse, Obst und Postkarten im Supermarkt des Inns und verbringen dann den Abend im Zimmer. Es wird 22.30 Uhr bis wir uns betten.

Freitag, 5. April 2013 –Wild West Feeling am frühen Morgen

7 Uhr: Wir sind wach! Die Zeitverschiebung trickst uns erneut aus! Eigentlich klingelt unser Wecker erst in zwei Stunden aber wir sind machtlos. Anstatt aber die Zeit zu nutzen, verdaddeln wir sie.

8 Uhr: Nun hat F. jedoch eine Blitzidee! Gestern Nachmittag hatte ich einen Ausritt für heute Morgen buchen wollen. Denn hier werden, wie erwähnt, Reitausflüge angeboten. Den 1.5h-Ritt um halb neun hatte ich machen wollen. Angeblich lagen gestern allerdings noch keine Anmeldungen vor – aus welchem Grund auch immer, konnten sie mich daher nicht buchen. Das habe ich nicht verstanden. Irgendwer muss doch den Anfang machen!

Aber wieso versuche ich es nicht jetzt noch einmal? Telefonisch habe ich sofort Erfolg! Ich könne genau jetzt rüber kommen, bezahlen und mitreiten, da mittlerweile sieben Anmeldungen vorliegen. Zwar war das Telefonat genauso unfreundlich wie die mündlich-persönliche Auskunft gestern schon, aber egal. Hektisch krame ich ein paar Klamotten zusammen, denn in der Morgenkühle Utah´s muss es schon ein ordentlicher Zwiebellook sein! Aufgrund der Zeitnot kein einfaches Unterfangen!

An dem Counter gegenüber der Rezeption bezahle ich brav meine 65 Dollar (Stand: 2013) und überquere anschließend nur noch die Straße um zu den Pferden zu gelangen. Der erste Eindruck vom Vortag verändert sich hiermit – und zwar leider zum Negativen. Sämtliche Pferde stehen gesattelt und angebunden in einem Sandviereck. Ich hoffe, dass sie geputzt worden sind – aber sicher bin ich mir da nicht. Insgesamt gewinne ich leider den Eindruck, dass mit ihnen nicht übertrieben liebevoll umgegangen wird. Das hätte ich gerne vorher gewusst – und wird mein Learning für zukünftige Reittouren auf Reisen: Erst Pferde angucken, dann entscheiden.

Bryce Canyon, Utah

Mir wird ein braunweißer Schecke zugeteilt, dessen Name ich leider bis zum Schluss nicht aussprechen kann, und der mir als angeblich extrem faules Tier beschrieben wird. Da man mich aber mehrfach nach meiner Reiterfahrung gefragt hat, glaube ich nicht, dass man mir ein faules Anfängerpferdchen gegeben hat. Im Gegenteil, mir kommt das Tier noch ausgesprochen jung vor! Im Zweifel ZU jung! Ich habe Mitleid und möchte gar nicht mehr so gerne aufsteigen…

Ich bekomme leider nicht einmal die Gelegenheit, mein Pferdchen zu begrüßen, sondern muss direkt aufsitzen und werde auch hier wieder sehr unfreundlich behandelt. Schade! Für Anfänger bzw. absolute Nichtreiter ist es sicherlich ein Erlebnis hoch zu Ross durch den „Wilden Westen“ zu hoppeln aber ich als Reiterin, mache mir einfach zu viele Gedanken um das Wohl der Tiere und sehe Dinge, die ein Laie sicherlich nicht sieht.

Schade, dass alles schon so blöd beginnt aber es wird auch nicht gerade besser, obwohl ich beschließe, den Ritt zu genießen. Ich finde nämlich, dass die Pferde ein viel zu scharfes Gebiss drin haben. Blutige Anfänger auf falsch getrensten Pferden – geht gar nicht! Außerdem tragen die Pferde unter der Trense ein Halfter, an dem ein Strick befestigt ist, der wiederum am Sattelhorn festgebunden wurde. Und zwar teilweise derart kurz, dass ich mich die ganze Zeit frage, wie das Tier sich und den Reiter ausbalancieren soll, falls es stolpert. Angesichts des steinigen Bodens und der steilen Wege, ist das auch nicht unwahrscheinlich.

Im Verlauf des Rittes kann ich aber heimlich den Strick so weit lockern, dass mein Pferd wenigstens mal den Hals gerade machen kann und nicht immer nach links verbogen gehen muss. Das hätte ich nicht ausgehalten die ganze Tour über! Gut, dass ich die letzte in der Reihe bin und ganz hinten reite, unbeobachtet.

Bryce Canyon, Utah

Faul ist mein Pferd übrigens auch nicht. Ab und zu trabe ich zwar an, um aufzuschließen, aber die Lücken zu meinem viel,  viel fauleren Vorderpferd sind nie besonders groß. Ich gehe davon aus, dass ängstliche Reiter mit der Aussage „Du kriegst heute unser faulstes Pferd“ beruhigt werden sollen. Wahrscheinlich sagen sie das also pauschal jedem Tourteilnehmer?!

Die Ironie des „Scenic Ride of the Bryce Canyon“ besteht darin, dass wir die meiste Zeit an einem Stacheldraht mit der Aufschrift „Bryce Canyon Nationalpark“ entlang reiten, doch der Park liegt auf der anderen Seite… Das Waldgebiet, das wir durchreiten ist zwar auch absolut schön – aber eben nicht der Bryce Canyon! Die herrliche rote Steinlandschaft sehen wir nur einmal für zwei, drei Minuten und einmal für ungefähr zehn Minuten ein Stückchen. Wenn´s hoch kommt.

Bryce Canyon, Utah

Zugegeben: Das WAS wir sehen, ist wirklich atemberaubend! Ich werde noch einmal darin bestätigt, dass ich mich in diesen Nationalpark absolut verliebt habe!

10 Uhr: Nach der Rückgabe des Pferdes und einer ausgiebigen Dusche, weil ich total durchgefroren bin, packe ich im Eiltempo meinen Koffer – F. hat dafür ja mehr als genug Zeit gehabt. Aber wir müssen weiter ziehen!

Bryce Canyon NP in Bildern – zum Durchblättern:

Bryce Canyon, Utah

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