Tag 1 – Mittwoch 22. November 2023
Ab in den Süden
Die langwierige Anreise von Hannover nach Lanzarote schafft uns ganz schön! Beinahe elf Stunden sind wir tatsächlich unterwegs mit Auto, Zug, S-Bahn, Flugzeug und Transferbus. Aber was war daran eigentlich so dermaßen anstrengend? Das Aufstehen um 6 Uhr früh nach einer kurzen Nacht? Die übliche angespannte Atmosphäre untereinander vor der Abfahrt? Die vielen meckernden Menschen Deutschen am Flughafen in Hannover? Die fast anderthalb Stunden Verspätung des Abfluges? Die leichten Turbulenzen auf Höhe Casablanca? Die Wartezeit am Kofferband? Mein rechtes Ohr, das noch viele Stunden nach der Landung taub ist? Die Suche im Dunkeln nach unserem Zimmer in der riesigen, weitläufigen Hotelanlage? Die Kakerlake zur Begrüßung in unserer Dusche? Das ausschließlich kalte Wasser beim Duschen? Es kommt halt so einiges zusammen!
Aber wir haben an unserem Anreisetag auch positive Erlebnisse und Erfahrungen zu schätzen gewusst. Da wäre der väterliche Chauffeurdienst zum Bahnhof. Die pünktlichen Züge. Der frische Salbeitee und die vegane Stulle im Flughafen Café in Terminal A. Unsere vorgebuchten Plätze in der ersten Reihe im Flugzeug, wo man schön viel Platz hat. Die Tatsache, dass wir den Flug, mit heiler Haut hinter uns gebracht haben. Dass unser Gepäck vollständig mitgekommen ist. Der freundliche Transferbusfahrer, der fast schon schockiert-dankbar für unser Trinkgeld war (da wurde sofort offensichtlich, dass er das nicht gewöhnt ist). Unser angenehm großes Zimmer mit separatem Schlaf- sowie Wohnzimmer. Das kostenlose Upgrade von Garten- auf Meerblick. Die riesige schöne Terrasse vor unserem Appartement. Endlich Abendessen. Reinigungsfachkraft Mercedes, die uns gut gelaunt und unterhaltsam die Verwendung des Anti-Kakerlaken-Sprays demonstriert und die gesamte riesige Sprühdose gleich da gelassen hat. Und last but not least… endlich, endlich ins Bett zu fallen!
Tag 2 – Donnerstag 23. November 2023
Erster Tag im Pauschalurlaubsparadies
Auf den Tag genau heute vor sechs Jahren sind wir ebenfalls auf Lanzarote gewesen! Junge, wie die Zeit vergeht! Am 23. November 2017 haben wir uns das Städtchen Arrecife angeguckt.
Und heute? Lange und gut haben wir geschlafen! Die Sonne scheint. Wir sehen endlich das Meer von unserer Terrasse aus. Hier oben im 1. OG haben wir den perfekten Ausblick. Wie wir gestern Abend im Dunkeln bei der Anreise schon erahnten. Während auf der Straße vor uns gerade die Weihnachtsbeleuchtung installiert wird, erhasche ich einen Blick auf meine Wetter App, die 23 Grad und Sonne pur vorhersagt. Gute Aussichten für den ersten Urlaubstag!
Wir gehen spät frühstücken. Der Weg dorthin beträgt, je nach Strecke, annähernd zehn Minuten, so weitläufig ist hier alles. Das Obst beim Frühstück ist natürlich überwiegend super, wie immer in südlichen Ländern. Enttäuscht bin ich jedoch, dass ich meine Churros mit Schokosoße statt Nutella, bzw. einer Abwandlung davon, essen muss. Der Kaffee ist einigermaßen trinkbar. Unterm Strich ist jedoch alles mehr als in Ordnung!
Ab mittags genießen wir einige Stunden lang am Pool liegend die Sonne und die gar nicht mal so schlechten All inclusive-Cocktails und -Pommes von der Poolbar… Interessant wird es ab 15 Uhr, als wir uns auf den Weg machen, die Hotelanlage zu verlassen, wenn auch „nur“ Richtung Strand. Ich möchte mir einen Radius abstecken, in dem ich mich bis zum Ende dieser Reise voraussichtlich aufhalten werde. Denn mir steht immer noch nicht so richtig der Sinn danach, Ausflüge zu machen. Vielleicht ändere ich meine Meinung dazu noch zum Ende der Reise hin, aber aktuell habe ich nicht vor, der Insel mit möglichst vielen Touren und Ausflügen gerecht zu werden, viel mehr wird die Insel mir gerecht, indem sie mir einfach nur Ruhe und Entspannung schenkt. Wie wäre es damit?!
Die Playa de los Pocillos direkt vor unserem Hotel, nur getrennt durch eine mäßig befahrene Straße, ist dann doch deutlich größer als vermutet. Das ließ sich natürlich bereits von der Terrasse aus erahnen. Klar, der Sand ist hier relativ dunkel, wir sind auf einer vulkanischen Insel, doch das tut ja der Strandstimmung keinen Abbruch. Der Moment, wenn die nackten Füße die Latschen verlassen und in den weichen Sand tauchen, ist immer wieder unbezahlbar (okay, es sei denn er ist knalleheiß…), gefolgt von dem noch viel schöneren Moment, wenn sie vom zuerst noch eiskalten Nass umspült werden, in diesem Fall wieder einmal der Atlantik! Wie lange ist das her…? Ein ganzes halbes Jahr seit Matosinhos/Portugal!
Sogar Phil hat heute Badelatschen an und taucht die Haxen ins Meer. Normalerweise hält er, befußt mit Turnschuhen, ausreichend Sicherheitsabstand. Aber nun war er offenbar endlich oft genug mit mir im Urlaub… Es braucht halt nur so seine Zeit. Doch nun genießt er es in vollen Zügen, wie mir scheint. Und so laufen wir erst in die eine, dann in die andere Richtung der Bucht, stellenweise ist das meinerseits wörtlich zu nehmen, denn manchmal überkommt es mich am Meer und ich laufe ein kleines Stückchen los. Uns gefällt es hier beiden wirklich sehr gut. Und wir lernen mich selbst auch ein bisschen neu kennen, denn Philipp ist zunehmend irritiert, dass ich noch keine To do Liste für die Woche vorgelegt oder angesprochen habe, und ich selbst darf feststellen, dass es auch ohne geht. Dass man die Woche vielleicht tatsächlich so planlos und entspannt angehen kann. Ein mir völlig neues Konzept. Unverständlich für die breite Masse, die genau so jeden ihrer Urlaube verbringt.
Für 18 Uhr haben wir im (inkludierten) kanarischen Spezialitätenrestaurant des Hotels reserviert. Wir sind überrascht, dass es ein Buffet gibt und keine Menüwahl, aber das ist nur wieder einer der vielen kleinen Unterschiede zu dem Urlaub auf Madeira vor elf Monaten, wo wir in einem Hotel derselben Kette untergebracht waren, und wir neigen (leider) dazu, extrem viel zu vergleichen. Was nicht gut ist. Was man nicht tun sollte. Aber vieles drängt sich einem quasi auf. Darauf möchte ich jetzt aber keinen weiteren Fokus legen, indem ich darüber noch mehr schreibe.
Wir testen anschließend noch ein paar andere Cocktails als heute Mittag, von der Barkarte. und stellen noch einmal fest, dass man viele davon sogar wirklich trinken kann. Natürlich bleibt es all inclusive-Massenware aber es könnte wirklich schlechter sein!
Tag 3 – Freitag 24. November 2023
Unter Pauschalterrouristen
Der Tag startet wieder auf dem Balkon für mich. Die Sonne scheint auch heute, wird aber angenehmerweise von Wolken etwas verdeckt, sodass man wunderbar auf das Meer hinausschauen kann.
Beim Frühstück finde ich heute dann doch noch einen Nutella-Verschnitt für die Churros, allerdings ist das Glas leer. Morgen also…
Wieder verbringen wir den halben Tag am Pool auf unseren Liegen. Zum Glück scheint es hier nicht so einen Liegen-Reservierungswahn zu geben wie anderswo. Idioten gibt es aber trotzdem: Wenige Liegen weiter hält sich eine Familie auf, die ihre Essensreste vom Lunch aus der Poolbar, z.B. frittierte Chicken Wings und irgendwelche Fleischreste am Knochen, an eine kleine Katze verfüttert. Solche Leute brauchen wohl eine Hirn-Transplantation…
Es gibt hier so einige Katzen im Hotel aber sie sehen alle ausgesprochen gepflegt und gesund aus und sie sind alle eher scheu als aufdringlich, zudem stehen Schilder da, dass die Tiere mit Trockenfutter versorgt werden und auf gar keinen Fall von den Gästen gefüttert werden sollen…
Das Verhalten solcher Leute regt mich dann zwar auf. Aber ansonsten kann man hier wunderbar entspannen, ich habe sogar einen Schattenplatz neben einem großen Grüngewächs ergattert, lese hier mein Buch, in dem es auch viel um Katzen geht, nämlich jene am Hemingway-Haus in Key West, und zwischendurch halte ich die Füße in den Pool oder hole uns ein Heiß- oder Kaltgetränk. Ich kann nicht leugnen, dass beim Lesen nicht doch auch Lust aufkommt, nach 2004 und 2017, ein drittes Mal Key West zu besuchen…
Wir haben wieder leicht über 20 Grad und Sonne, und brauchen daher dann doch wieder irgendwann eine Pause vom Rumliegen, weswegen wir uns heute mal das Mittagsbuffet „angucken“ und ein bisschen Zeit auf dem Zimmer vergeuden, der eine macht ein Nickerchen, die andere googelt ob es in der sehr nahen Umgebung vielleicht nicht doch kleinere Aktivitäten gibt. Das Ergebnis ist wieder mal ernüchternd. Ich hatte ja im Vorhinein schon öfter mal geschaut was man hier so machen kann aber wieder komme ich nicht über Spaziergänge, Aussichtspunkte und Minigolf hinaus. Davon will Phil aber tendenziell eh nicht unbedingt etwas machen, also bleibt es dann wohl doch bei Pool und Strand für uns in dieser Woche.
Den Nachmittag über gönnen wir uns dann aber doch noch ein bisschen Auslauf: zweieinhalb Stunden Strandspaziergang inklusive Eis-Pause. Es ist inzwischen bedeckt, die Sonne schimmert noch durch die Wolken aber mehr wird sie nicht mehr schaffen. Das macht das Gehen sehr angenehm! Wir laufen, wie auch gestern schon einmal, vom Hotel aus den Strand Richtung Norden hoch. Rein theoretisch könnte man so bis zum Flughafen und weiter zur Inselhauptstadt Arrecife laufen. Bis zum Flughafen wäre das sogar gar nicht mal so weit. Direkt am Beginn der Landebahn gibt es einen View Point, an dem man ganz nah unter den landenden Flugzeugen steht. Bis dorthin wäre es für uns ca. eine dreiviertel Stunde strammen Schrittes auf direktem Wege. Und eigentlich möchte ich da auch wirklich gerne hin… Aber dann kommt es doch anders, wir trödeln lieber am und im Meer herum, laufen im Sand, auch wenn das anstrengender ist und länger dauert als auf der asphaltierten Promenade. Und beschließen einen guten Kilometer vor dem View Point, wieder umzudrehen weil es uns sonst insgesamt zu weit würde, zumal wir nur barfuß und in unbequemen Latschen und Flip Flops unterwegs sind.
In einem Minimarkt kaufen wir uns ein Eis, wo gerade ein augenscheinlich behinderter Mann von (s)einer fürsorglichen Frau begleitet und gestützt wird. Als wir mit unseren Nasen an ihm vorbei gehen, begreifen wir jedoch, dass er einfach nur rotzevoll ist und wenige Minuten später sehen wir die beiden auf einem Mäuerchen sitzen mit ihrer Beute: Zigaretten und eine Flasche klaren Hochprozentigen, der auch direkt aus dem Flaschen- in den Hals läuft… Ansonsten ist das Publikum hier aber durchschnittlich. Ein paar wenige Familien, natürlich nur mit kleineren Kindern, es sind ja gerade keine Ferien. Und Paare jeglichen Alters. Nicht unbedingt Ballermannpublikum aber vorkommen tun diese Kreaturen versprengt natürlich überall.
Die Promenade ist hier stellenweise gesäumt von sogenannten Cafés, Restaurants und Geschäften. Bei mir läuft das eher unter Touristenhölle. Da gibt es Touristenfutter und Touristenkrempel. Näher hingucken muss ich da nicht, das sehe ich auch so. Ich kenne es von anderen kanarischen Inseln, die reinen Hotelzonen sind einfach in der Regel kein Augen- oder sonstiger Schmaus. Das ist hier eine Touri-Hochburg „aus dem Bilderbuch“. So wie ich keinen Urlaub verbringen möchte. So wie ihn die meisten Urlauber verbringen. Und verbringen möchten.
Aber so unterschiedlich ist das! Die Masse legt keinen Wert auf einheimisches Flair, fremde Kultur und Speisen, eine schnuckelige hübsche gewachsene Altstadt, in der wohlmöglich auch noch Locals leben. Der Masse ist es nur wichtig, einen Strand vor der Nase zu haben, wahrscheinlich so kurze Wege wie möglich, und auch ansonsten so bequem wie es geht, d.h. All inclusive, deutsches Essen, deutsche Sprache, deutsches Bier. So ungefähr…
Wahnsinn, mich hat es dann hier doch noch ein bisschen geschockt obwohl ich mir das alles schon genau so ausgemalt hatte. Dabei weiß ich doch, dass es so viel schöner geht! Naja und auf der anderen Seite steht Philipp, der sagt: Was hast du denn?… Er findet, es sieht hier gar nicht so schlimm aus. Und wir könnten doch jederzeit in die Stadt fahren oder in die Vulkanlandschaft. Nun, ich sehe das etwas realistischer, schließlich haben wir keinen Mietwagen für diesen Urlaub gebucht, und auf Busse und Taxen angewiesen zu sein ist immer so eine Sache… Aber grundsätzlich hat er vielleicht recht.
Wie dem auch sei, wir machen uns irgendwann wieder auf den Rückweg und je näher wir unserem Hotel kommen, desto ruhiger und ansehnlicher wird die Umgebung auch wieder, obwohl wir uns natürlich auch hier weiterhin in einer reinen Hotelzone befinden. Aber hier ist es trotzdem schon irgendwie schöner. Und außerdem muss ich auch mal aufhören zu meckern, schließlich wollte ich ja hier her, mehr oder weniger. Ich wollte Sonne, ich habe Sonne bekommen! Ich wollte meine Ruhe, ich habe meine Ruhe! Ich wollte möglichst faul sein, wir unternehmen bisher nichts! Alles ist gut.
Als wir unsere Hotelanlage wieder betreten, tun wir dies mit einem älteren Ehepaar, die gerade aus einem Minimarkt kommen. Wie weit muss es mit einem gekommen sein, wenn man eine riesige Pulle Ramazotti aus dem Supermarkt nebenan mit ins All inclusive Haus schleppt? Phil hat vielleicht recht… Die Wege sind hier zu weit… Vom Zimmer bis zur Bar kann durchaus ein Weilchen dauern, ohne Frage! Auch uns geht es kurz darauf so: Nach dem Abendessen trinken wir noch einen Cocktail an der Bar und dann nehmen wir uns einen weiteren mit zum Zimmer. Nur, dass mein Glas längst leer ist, bevor wir unser Zimmer überhaupt erreichen!
Tag 4 – Samstag 25. November 2023
Alles ist richtig so wie es ist
In genau einem Monat ist schon Weihnachten. Glauben kann man das noch nicht wirklich. Auch wenn es von zu Hause her gestern schon geheißen hat, dass Schneeregen herrscht. Was können wir uns glücklich schätzen, hier zu sein, bei Wärme, Licht und Sonnenschein! Auch wenn es heute zwischendurch wieder stark bedeckt sein wird, das macht es eigentlich fast noch angenehmer, man muss nicht ständig Schatten suchen.
Die Tage verschwimmen hier langsam. Sie bestehen aus Essen, Pool, Poolbar und Strandspaziergängen, immer sehr ähnlich und würde ich nicht jeden Abend „Tagebuch“ schreiben, ich könnte noch vor Ende der Urlaubswoche nicht sagen was wir wann erlebt haben. Wobei wir natürlich nicht viel erleben aber kleine Unterschiede gibt es ja doch immer. Heute zum Beispiel haben wir unfassbar lange geschlafen und nur gerade so noch Frühstück ergattert. Danach geht Philipp ins Fitnessstudio und ich husche eine Stunde später hinterher aber natürlich nicht auf´s Laufband sondern direkt gegenüber vom Fitnessraum in den hoteleigenen Spa. Dort habe ich für 12 Uhr nämlich eine Gesichtsmassage gebucht, sehr angenehm. Und als ich aus dem Behandlungszimmer komme, erwartet mich mein Mann auch schon für den gemeinsamen „Marsch“ zurück zum Zimmer.
Es folgen Stunden auf der Poolliege und in der Poolbar sowie ein ausgedehnter Strandspaziergang. Wir gehen Richtung Süden aber ein Stückchen weiter als vorgestern. Die Sonne und die unterschiedlichen Brauntöne der Insel im Panorama machen sich unheimlich gut. Am Schönsten ist aber die leichte Brise, und die Füße im Meer, so schlendern wir wieder im Flutsaum entlang.
Mir dämmert langsam, dass DAS hier Urlaub ist. Das habe ich so (fast) noch nie gemacht aber für die meisten Menschen ist DAS Urlaub: Die Hotelanlage selten verlassen, nur rumliegen, sonnen, essen und vielleicht ein bisschen Sport treiben oder schwimmen oder Wellness. Für mich ist die Definition von Urlaub eher, etwas zu unternehmen, etwas anzusehen, etwas Neues zu erleben. Jeder Tag möglichst anders als der vorherige. Jeder Tag so aufregend und berichtenswert wie möglich. Das liebe ich.
Und trotzdem muss ich zugeben, dass das hier gerade ebenfalls genau richtig ist. Genau jetzt ist es genau das was ich brauche. UND ich bin dankbar, dass ich mal so völlig ausgebremst bin und entschleunige und einfach diese Erfahrung mache. Und weil ich damit erstaunlich gut umgehen kann, wird es wohl richtig für mich sein. Außerdem kommt ja noch hinzu, dass ich dankbar bin, mir eine fünfte Flugreise binnen 12 Monate leisten zu können. Sowohl finanziell als auch gesundheitlich. Kann man das so sagen? Und sowieso und überhaupt, dass ich sie machen kann und darf. Drei Jahre zurück, da war überhaupt nichts möglich, also will ich mich mal nicht beschweren wo und wie ich meinen Urlaub gerade verbringe.
Nee, doch, ich bin mir sicher, wir sind hier schon genau richtig! Na klar, sind wir hier in einem reinen Touristengebiet, aber damit schließt sich für mich auch nur eine „Bildungs“lücke.
Tag 5 – Sonntag 26. November 2023Business Recreation as usual
Gleich heute Morgen erwartet mich ein kulinarisches Highlight. Natürlich erst nach dem üblichen Langsam-in-Gang-kommen-bei-Meerblick-und-Sonne-auf-der-Terrasse. Wie ich es liebe! Und dann beim Frühstück Churros weil endlich auch „Nutella“ im Glas vorhanden ist. Das ist ähnlich erfreulich wie das gestrige Festmahl Buffet am Abend im (inkludierten) asiatischen Spezialitätenrestaurant des Hotels, das uns beiden so viel besser gefallen hat als das kanarische! Eigentlich seltsam schade auf einer kanarischen Insel, aber nun denn.
„Und jetzt?“, fragt mich Phil auf der „Wanderung“ zurück zum Zimmer. „Never change a running system!“, antworte ich, womit der Pool bzw. die Poolliegen gemeint sind, die wir bisher nach jedem Frühstück relativ zeitnah aufgesucht haben. Dort gedenke ich das Buch zu Ende zu lesen, welches ich heute Morgen begonnen habe. Es dürfte das kürzeste und schlechteste Buch aller Zeiten sein.
Heute ist es wieder relativ bedeckt zwischendurch und vor allem windig. Also flüchten wir irgendwann von unseren Liegen an den Kaffeeautomaten in der Poolbar und überlegen uns, dass man auf unserem Zimmer ja auch ganz gut liegen kann. Philipp bevorzugt das Bett und betreibt Augenpflege, ich klappe mir das Sofa aus, auf dem zwei Personen schlafen könnten, und google rum, was wir vielleicht doch noch erleben könnten… Spontan buche ich uns eine halbtägige Vulkanwanderung für übermorgen, unserem letzten vollen Tag hier. Darauf freue ich mich jetzt! Philipp vielleicht auch? Er kann das nur nicht so zeigen, hing mir jedoch seit dem Frühstück schon in den Ohren, dass er ja bisher nur das Hotel und den Strand davor gesehen hat und sonst nichts von Lanzarote! Guck an. Also wird er die Wanderung tief im Inneren wohl doch auch begrüßen. Und vielleicht mieten wir für morgen ja doch noch ein Fahrrad?
Nach dem Mittagessen erkundigen wir uns nach den Fahrrädern. Unweit vom Hotel entfernt gibt es mehrere „Bike Rentals“ und der junge Mann in der Station unserer Wahl spricht ganz passables Deutsch, wie die meisten Leute hier, und informiert uns umfassend und freundlich, man möchte beinahe direkt losfahren, aber ich hatte Philipp vorher eingebläut, dass wir uns nicht festnageln lassen sondern morgen spontan entscheiden werden. Aller Voraussicht nach werden wir morgen dann aber wirklich wiederkommen.
Wohin kann man von der Playa de los Pocillos aus radeln? In die eine Richtung nach Puerto del Carmen, wovon wir uns nichts erhoffen, und noch ein Stückchen weiter bis Puerto Calero, bis dort hin ca. acht Kilometer one way. Oder in die andere Richtung zu dem View Point am Flughafen und weiter nach Arrecife, bis dorthin sind es elf Kilometer one way. Ich bin da leidenschaftslos, wo wir hin oder lang fahren aber für Phil ist klar: Arrecife damals war schön, da wollen wir hin. Er würde auch zu Fuß gehen, zumindest eine Strecke, und zurück mit einem Bus, aber ich bin dann doch ganz froh, dass wir Räder mieten können. Er spielt beim Thema „zu Fuß gehen“ auf unseren mehr oder minder geplanten Jakobsweg in Portugal an, aber ich sage mir, wer weiß wann sich das umsetzen lässt, drei Wochen am Stück Urlaub bekommen, und das gleichzeitig. Das dürfte in naher Zukunft für uns sehr schwer werden… Also muss ich dafür jetzt noch nicht trainieren. Wie gesagt: Bike Rental!!
Nach der Fahrradvermietungs-Beratung gehen wir noch ein Stück weiter Richtung Puerto del Carmen, aber natürlich nicht bis dorthin. Nur in die grobe Richtung. Zwischen der Playa de los Pocillos, wo unser Hotel ist, und dem nächsten Ort, Puerto del Carmen, zieht sich eine kleine Straße für Autos, Fahrräder und Fußgänger, gesäumt von (hässlichen) Hotels, Souvernishops, Mini Markets und sogenannter Gastronomie, besonders Irish Pubs und/oder Sports Bars. Willkommen in Touris-tan! Aber! Immerhin finden wir hier ein Café, das bereithält was ich suche:
Barraquito ist eine kanarische Kaffeespezialität mit den Schichten Kodensmilch, Likör 43, Espresso, Milch, Zimt und Zitronenschale. Beide bestellen wir uns ein Glas und kosten dieses herrlich winterlich-weihnachtliche Getränk zum ersten Mal. Es ist ja schließlich November. Eine Abneigung gegen Likör darf man jedenfalls nicht haben wenn man Barraquito trinken möchte.
Wir schlendern wieder zurück in die Richtung unseres Hotels. Es ist mittlerweile wirklich sehr windig und sehr bewölkt. Das ist es hier zwar immer mal, schon die ganzen Tage, aber heute frischt es doch noch etwas mehr auf. Aber man kann immer noch in kurzen Sachen rumlaufen und muss nicht wie die Daheimgebliebenen Scheiben kratzen oder Mini Schneemänner bauen…
Gehen wir heute noch zum Abendessen? So langsam wird es viel… So richtig überfressen habe ich mich zwar erst einmal aber trotzdem… Nein, da wird nicht lange überlegt, wir gehen essen! Und ich bin happy, denn heute Mittag habe ich noch gesagt, dass es bisher noch nichts mit Spinat gab und zack bekomme ich ihn zum Abendessen aufs Buffet, versetzt mit Rosinen und überbacken mit ein wenig Käse, und er schmeckt!
Insgesamt fühlen wir uns hier wohl. Das Hotel ist gut, da kann man nichts sagen! Und diese konsequente Entschleunigung tut mir gut. Es kommt mir vor, als wäre ich schon länger hier, als die paar Tage, und das im positiven Sinne.
Tag 6 – Montag 27. November 2023
Auf einen Aperol nach Arrecife
Tag 7 – Dienstag 28. November 2023
Vulkanwunder erwandern
Pünktlich zur Mittagszeit setzt José uns nach unserer Wanderung wieder an unseren Hotel an der Playa de los Pocillos ab und wir „stürmen“ unsere Poolbar, nachdem ich ausgiebig geduscht habe, wieder eiskalt, denn warm wird das Wasser hier selten und wenn, dann erst nach sehr langer Zeit…
Nach Pommes, Salat und Kaffee muss ich dringend die Haxen hochlegen, denn das richtige Schuhwerk hatten wir wirklich nicht dabei. Turnschuhe ja, Wanderschuhe nein. Und so ist der Zeitpunkt gekommen, die Urlaubsfotos auf dem Handy ein bisschen zu bearbeiten und anschließend auf der Terrasse, die nun schon etwas Schatten abbekommt, das Tablet einzuschalten um „Tagebuch“ zu schreiben. Zur einen Seite zwei Mädels auf einer anderen Terrasse, vermutlich heute erst angereist. Zur anderen Seite, wo unsere Hotelanlage endet, auf einer der Terrassen des nächsten Hotels, das Ehepaar, das dort fast immer sitzt, wenn ich hinüber schaue. Sie sitzen da und schauen auf´s Meer. Manchmal wenn sich die quietschgrünen papageienartigen Vögel, die es hier zuhauf gibt, zu ihnen verirren, füttern sie sie auch und machen Fotos.
Dass zu Hause Schnee geschippt wird ist unvorstellbar wenn man barfuß und leicht bekleidet die seichte Meeresbrise genießt…
Tag 8 – Mittwoch 29. November 2023
Ein Abschied und ein Nachhausekommen
Was ich nicht vermissen werde, sind die anderen Urlauber. Wenn man in einem Hotel mit annähernd 600 Zimmern, die alle ausgebucht sind, urlaubt, dann kommt man da auf mindestens 1200 Menschen. Und das macht müde. Menschenmüde, genau genommen. Es ist ein bisschen wie am Bahnhof oder im Flugzeug, man sieht Dinge, die möchte man gar nicht sehen…
Dahingehend mein „best of“ dieser Woche:
-an der Poolbar stehen die Mehrweg-Plastikteller auf Kinderaugenhöhe, da wird gegrabbelt was das Zeug hält, egal wo der Finger vorher drin steckte, im Pool, im Schlüpper, im Blumentopf, es schert keinen Erziehungsberechtigten…
-ähnliches ist auch in den anderen Restaurants, mit dem richtigen Geschirr, zu beobachten, da greifen sich erwachsene Menschen in Ohren, Nasen, Münder und dann geht es (nochmal) ans Buffet, der Teller wird doch noch mal weggestellt und ein anderer genommen, ganz zu schweigen von den Kellen und Zangen, die ja nun mal zwangsweise jeder anfassen muss, wenn er nicht verhungern will…
-erwachsene Menschen bringen vom Buffet ein extra Schälchen für die süße schwarze Katze mit, die es sich hinter der Absperrung, abseits der Gäste, auf einem von zahlreichen leeren Stühlen bequem gemacht hat, und stellen nach jedem Gang zum Buffet ein neues Schälchen über die Absperrung, wo sich nun schon zwei Katzen kloppen und das Geschirr sich stapelt, und die selben Menschen bewerten nach dem Urlaub im Zweifel das Hotel als unordentlich, weil überall Geschirr rumsteht, und bemängeln eine Katzenplage…
-damit man nicht so häufig zwischen Poolliege und Poolbar pendeln muss, werden die Drinks in mehrere Becher gezapft und mangels Tablett, auf einem Teller kunstvoll gestapelt und dann zur Pritsche balanciert…
-etwas ähnliches sieht man natürlich auch auf den Tellern, die mitunter so beladen sind, dass sie kaum noch zu tragen sein dürften, besonders die Zusammenstellungen, was sich da mit was zusammen auf einem Teller befindet, sind mitunter äußerst „kreativ“…
-und sowieso geht es am Buffet mit den anderen „Pauschalisten“ teilweise zu wie auf der Shibuya Straßenkreuzung in Tokio…
-manch einer verzichtet aber vielleicht auch ganz auf eine Mahlzeit und ersetzt diese, vorrangig das Frühstück, das ja „schon“ um 10.30 Uhr endet, durch Kippe und Dosenbier auf der Terrasse des eigenen Zimmers…
Belassen wir es dabei… Unser letztes Frühstück gefällt uns trotzdem und ich werde es zu Hause vermissen. Auch wenn es mir nicht schaden wird von Weißmehl (Baguette getränkt in Olivenöl und Salz) und Fett und Zucker (Churros mit Schokolade) wieder weg zu kommen, aber das war hier nun mal die Woche über mein bevorzugtes Frühstück.
Unser Zimmer müssen wir bis 12 Uhr geräumt haben. Die Zeit nutzen wir bis dahin auch noch, packen in Ruhe, halten uns im Schatten auf, denn die restlichen Stunden bis zur Abholung wollen wir am Pool oder Strand, jedenfalls in der Sonne verbringen. Zu Hause schneit es immer weiter und ich hasse Schnee, ich mag es mir gar nicht vorstellen aber jeder schickt mir Bilder von seinem verschneiten Vorgarten, demonstrativ und trotzig schicke ich Bilder von meiner sonnigen Meerblickterrasse zurück, versehen mit einem Ausrufezeichen!
Punkt 12 Uhr, aber wirklich exakt 12 Uhr, checken wir aus. Das war´s. That´s it. Schade. Aber: Wir können unser Gepäck abstellen (und müssen hoffen, dass es später noch da ist, denn der Gepäckraum ist nicht abgeschlossen oder kontrolliert) und noch alle Hoteleinrichtungen inklusive Pools und Restaurants nutzen.
Nach einer Stunde am Activity Pool, den wir bisher gemieden hatten, habe ich genug laute spanische Songs gehört und genug im Wasser synchron zappelnde Menschen gesehen, und ich verabschiede mich an den Strand. Philipp bleibt liegen, er ist glücklich mit seinem Hörbuch. Und scheut den Umweg zum Strand und zurück, denn ich muss den Haupteingang des Hotels nutzen, da ich keine Zimmerkarte mehr habe, mit der ich den Aus- und Eingang zur Strandseite nutzen könnte.
Die Playa de los Pocillos ist unendlich breit und so dauert es etwas bis man von der Promenade durch den Sand bis zum Meer gestapft ist. Heute ist es noch leerer als sonst, wunderbar herrlich, vielleicht liegt es an der Mittagszeit, den die meisten gerne am Buffet im Schatten verbringen… Ich suche mir ein Plätzchen ganz nah an den Wellen aber gerade so weit entfernt, dass ich trocken bleibe, und setze mich. Ich könnte stundenlang tatenlos auf das tiefe Blau schauen und dem Meeresrauschen zuhören… Wenn man die Augen schließt hört es sich noch schöner an…
Ich bin glücklich und dankbar für diese entspannte Woche. Ich würde es noch länger aushalten. Ganz so schlecht ist so ein stumpfer Pauschalurlaub also nicht… Es fällt mir dann aber unheimlich schwer, den Blick vom Meer loszureißen und so stehe ich noch eine Weile unentschlossen, hin und her gerissen, da, ehe ich mich abwende und Richtung Strandpromenade vom Wasser entferne, ohne mich noch einmal umzudrehen, was mir etwa kitschig-dramatisch-emotional vorkommt, aber so fühle ich mich nun mal gerade. José sagte gestern: „I couldn´t live in a place where there is no ocean.“…
Bevor ich mit anderen Hotelgästen auf dem Rückweg mit durch das Tor, für das ich keine Karte mehr habe, husche, erklimme ich noch den kleinen Aussichtsturm vor unserem Hotel und mache noch eine Panoramaaufnahme von „meiner“ Playa. Und dann bin ich weg. Ich sammle Philipp von der Poolliege, wir gehen Mittag essen, danach im Duschzimmer duschen und dann sind es noch ungefähr anderthalb Stunden bis wir abgeholt werden, wenngleich daraus dann doch zwei Stunden werden.
Und auch unser Rückflug hat Verspätung, mindestens eine Stunde. Aber man kann es aushalten am Flughafen Lanzarote, auch wenn dieser alt und hässlich ist und die Klimaanlage unangenehmen Zug produziert und die Gastronomie gruselig ist. Und um meine menschenmüde-Liste von weiter oben fortzusetzen, hier am Flughafen auf den Wartestühlen wickelt ein Pärchen mal eben ihr Baby auf dem Schoß. Hygienisch einwandfrei geht anders. Aber ich bin ja langsam abgehärtet was unerwünschte Flughafenerlebnisse bzw. -beobachtungen betrifft…
Den Rückflug verschlafe ich auf unseren Notausgangsplätzen (wir haben die ganze Reihe für uns). Kurz vor der Landung blicken wir auf verschneite Felder. Es ist sooo kalt in Deutschland. Wir warten lange auf die Koffer. Zum Glück wartet unser Shuttlefahrer auch auf uns. Um uns den Temperaturunterschied zu erleichtern stellt er im Auto die Heizung auf „Lanzarote“…
Last but not least:
Playa de los Pocillos in Bildern – zum Durchklicken:





















