Blankenburg 2025

Zum Durchblättern: Unser Tag in und um Blankenburg

Im Waldgebiet "Heers"

Spontan ist immer am Besten

Ein sonniger Samstag Mitte Mai. Ich sitze bei der ersten Tasse Tee auf dem Sofa und blättere in einem Heft, das schon seit Monaten gelesen werden will. Es ist eine Art Image-Broschüre von bzw. über die „Blütenstadt Blankenburg“ im Harz.

Blankenburg, hat uns bisher immer gefallen. Sei es das sehenswerte Örtchen an sich, die berühmte Teufelsmauer oder der abwechslungsreiche Abschnitt durch und um Blankenburg herum, entlang auf dem Klosterwanderweg.

Das besagte Heft inspiriert mich auf Anhieb: Es gibt bei Blankenburg offenbar auch noch die Burg und Festung Regenstein, die wir noch gar nicht kennen! Warum nicht?… Sie befindet sich auf dem höchsten Punkt des aus Sandstein bestehenden Regensteinmassivs in ca. 295m Höhe und thront dort wie ein stiller Zeuge vergangener Zeiten – mit weitem Blick über das nördliche Harzvorland. – So oder so ähnlich wird sie jedenfalls angepriesen. Klingt doch gut!

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

Das wäre doch mal einen Tagestrip wert! Und dann fehlt uns ja auch noch der Klosterwanderweg-Stempel an der St. Bartholomäus-Bergkirche in Blankenburg, denn wir waren auf unserer Mehrtageswanderung 2020 zwar durch den Ort durchgelaufen, haben uns aber den Umweg (weil Aufstieg) zur Kirche damals aus Kräfte-Gründen gespart.

Ich glaube das sind dann auch schon genug Gründe, um Philipp mal zu fragen, ob wir morgen ganz spontan in den Harz wollen! Zudem ist Stempelsammeln ja sowieso unsere neue (bzw. wiedergewonnene) Leidenschaft seit dem Jakobsweg 2025 vor wenigen Wochen.

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

Parkplatzwunder und Pilgerträume

Ein klassischer Sonntagsausflug. Natürlich hat mein Mann gestern ja gesagt. Er hat auch total Lust, endlich mal wieder in den Harz zu fahren, sonst reden wir ja immer nur davon und kommen dann doch nie hin… Aber heute, am 18. Mai 2025, ist es endlich soweit und erstaunlicherweise dauert die Fahrt zur Festung Regenstein nur eine gute Stunde! Umso verwunderlicher, dass wir diesen Ort noch nicht kennen, es ist gar nicht weit weg… Auch die Radiomoderatoren sind uns heute erstaunlich wohlgesonnen auf dem Weg. Von den Hosen über Snow Patrol bis U2 ist alles dabei was wir mögen.

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

Noch verwunderlicher ist allerdings die Parkplatzsituation! Laut meiner Wetter-App heute Morgen, sind „Sonne, Wolken, trocken, 14 Grad“ angesagt. Ich finde, das ist gar kein schlechtes Wanderwetter, und trotzdem sind die Wanderparkplätze auf dem Weg zur Festung wie leergefegt. Erst an dem Parkplatz, der am nächsten dran ist an der Burg, keine 10 Gehminuten entfernt, da stehen Autos, und es ist überhaupt kein Problem, sich hier noch dazu zu stellen, es ist noch reichlich frei. Wer nur auf Parkplatz 2 eine Lücke ergattert an volleren Tagen, der befindet sich damit knapp einen Kilometer entfernt von „unserem“ Parkplatz, und muss zu Fuß erst einmal die A36 überqueren bis es ländlicher wird und Richtung Festung geht…

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

An unserem Parkplatz gibt es auch ein WC-Häuschen, ich bin ganz tapfer, Frauen sind ja Kummer gewöhnt. Es ist exakt 11.11 Uhr, als wir unsere heutige, wenn man so will, Wander-Tour starten. Wir wollen mit der Burg anfangen und später noch ein paar andere Stempelstellen ansteuern, sofern meine Camino-geschädigten Füße das zulassen.

Apropos Camino: Theoretisch ist von hier aus sogar ein echter Jakobsweg erreichbar – wie ich gestern voller Begeisterung (begleitet von quietschenden Geräuschen meinerseits), über unsere Harz-Wanderkarte gebeugt, feststellen durfte. Zu gern würde ich heute wenigstens eine Stippvisite dort machen und einen der geliebten Muschel-Wegweiser fotografieren, aber ich schätze, wir haben heute genug andere Ziele.

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

Noch vor Betreten des Festungsgeländes wartet die erste Stempelstelle auf uns. Der erste Stempel des Tages hat die Nr. 80: Burgruine Regenstein. Wenige Meter weiter kaufe ich unsere Eintrittskarten zu je 4 Euro, und ich kann vorweg nehmen, dass es sich um eine sehr lohnenswerte Investition handelt. Denn wir werden schnell feststellen, dass das weitläufige Gelände sehr gepflegt ist und so „echt“ wirkt, es könnte glatt als Filmkulisse für Ritterfilme herhalten!

Wir halten uns mindestens eine ganze Stunde in der rund 900 Jahre alten Anlage auf und genießen von den unterschiedlichsten Punkten die Aussicht auf das Gelände und das Umland. Es ist sehr windig und schwarze Wolken wechseln sich mit strahlender Sonne zügig ab. Anfangs ist es fast menschenleer (ein Traum!), später füllt es sich ein wenig aber es ist bei weitem nicht unangenehm voll.

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

Hätte ich gewusst, dass es eine begleitende App gibt, wo man sich über unterschiedliche Orte innerhalb des Burgareals etwas anhören kann, hätte ich das vermutlich auch getan, aber das lese ich erst im Nachhinein und war mir nicht am Kassenhäuschen gesagt worden. Schade. Aber wir durchstreifen die Ruine auch so gerne und sind begeistert von den vielen Höhlen, Nischen und Räume und denken uns, dass das für Kinder ein einziges Abenteuer sein muss, hier herum zu klettern, sich zu verstecken usw., denn selbst wir erleben eine annähernd kindliche Begeisterung für diesen tollen Ort!

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

Beim Verlassen dieser historischen Stätte verkünde ich Philipp: „Fünf von fünf“! Meint, dass ich auf einem meiner beiden fleißig genutzten Bewertungsportale fünf von fünf Punkten bzw. Sternen zu vergeben gedenke. Es hat mir hier extrem gut gefallen, vor allem aber besser und kurzweiliger als gedacht. Wenn die Erwartungen übertroffen werden, ist das immer gut. Dann muss es auch nicht perfekt sein. Nah dran ist man hier aber schon.

Was hat mir gefehlt? Vielleicht ein vernünftiges WC oder richtige Tassen anstelle von Müllbechern, in denen wir am örtlichen Kiosk unseren Kaffee erhalten haben. Aber das sind Kleinigkeiten und sie trüben den Aufenthalt nicht wirklich.

Mittelalterliche Felsen-Burg und Festung Regenstein

Sandhöhlen im Heers

Ungefähr eine halbe Stunde waldiger Fußweg ist es von der Festung zu den Sandhöhlen. Wir hatten sie im ansonsten waldigen Gebiet, dem „Heers“, bereits von oben auf der Burg erspähen können. Der Kiefernwald bietet tolle Wander- (und im Übrigen Reit-) Wege, ich komme glücklicherweise auch ohne Wanderstöcke zurecht, denn die habe ich heute für diese verhältnismäßig kurze Tour zu Hause gelassen auf Anraten meines Mannes. Zu unser beider Glück wird er recht behalten, dass es auch ohne klappt.

Im Waldgebiet "Heers"

Die Blankenburger nennen die Sandhöhlen „Die Sandhutsche“ und diese ist einfach ein toller Ort, vor allem für Kinder! Ein riesiger Sandkasten, so groß wie ein Fußballfeld, mitten im Wald! Drumherum Felsen zum Beklettern, einfach richtig, richtig schön, selbst wir haben Lust, hier ein bisschen abseits vom Pfad zu „turnen“. Schon für die alten Germanen war dies ein Versammlungsort und wie es wirkt, ist es heute einer für Familien – überall wird gebuddelt, geklettert, gepicknickt. Ich verstehe es.

2009 wurde dieser Ort zur schönsten Stempelstelle des gesamten Harzes gewählt. Und diesen Stempel holen wir uns hier jetzt natürlich auch, an der Stempelstelle Nr. 81: Sandhöhlen im Heers.

Im Waldgebiet "Heers"

Regensteinmühle

Von den Sandhöhlen zur nächsten Stempelstelle ist es abermals eine halbe Stunde zu Fuß. Allerdings ist die Beschilderung, wie auch schon zu den Sandhöhlen, mehr als dürftig. Vielleicht sind wir von der lückenlosen und unmissverständlichen Wegweisung Richtung Santiago de Compostela auch verwöhnt, aber hier fehlen Schilder teilweise gänzlich. Wenn welche vorhanden sind, fehlen grundsätzlich die Kilometerangaben. Das finde ich unterirdisch schlecht für ein so stark frequentiertes Wandergebiet wie den Naturpark Harz.

Im Waldgebiet "Heers"

Dank Philipp´s Wander-Navigations-App, um deren Einschalten ich ihn zwischendurch bitte, kommen wir aber dennoch zur Regensteinmühle, die im 12. Jahrhundert als wasserbetriebene Mahl- und Ölmühle errichtet wurde, um die Burg Regenstein mit Mehl und Öl zu versorgen. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde das Mühlengebäude gesprengt und geriet in Vergessenheit. Aber zwischen 1988 und 1991 legte man die Ruinen frei und restaurierte diesen Ort.

Im Waldgebiet "Heers" -Regensteinmühle

Für uns ist es Stempelstelle Nr. 82: Regenstein-Mühle, und ein kurzer Fotostopp. Danach „raten“ wir uns den Weg zurück zum Auto, denn die drei Stempel, die es hier in der Ecke gibt, die haben wir jetzt ja!

Blankenburg – Ein erfüllter Tag geht zu Ende

Nachdem wir uns am Kofferraum kurz ausgeruht und beratschlagt haben, fahren wir die paar Minuten nach Blankenburg rein, wo wir schon wieder ohne Probleme einen Parkplatz finden. Normalerweise ist Blankenburg ein Desaster wenn es ums Parken geht, das haben wir schon oft genug mitgemacht. Warum die Leute heute nicht unterwegs sind, will sich mir immer noch nicht erschließen. Und wird es auch nicht mehr.

Blankenburg downtown

Zu Fuß sind es gut zehn Minuten bergauf über steinige Gassen, bis wir die Bergkirche St. Bartholomäus erreichen und die Lücke in unserem separaten Klosterwanderweg-Stempelheft schließen können: Stempelstelle „Harzer Klosterwanderweg“ – Bergkirche St. Bartholomäus.

Nun fehlen uns nur noch Gernrode und Quedlinburg, das sind zwei Klosterwanderweg-Etappen, die uns noch gänzlich fehlen. Das soll auch unbedingt nochmal klappen, aber das nehmen wir uns schon seit 2020 vor… Mittlerweile geht der Klosterwanderweg sogar noch weiter bis nach Halberstadt – den Anspruch, dieses Stück von Quedlinburg aus auch noch zu gehen, habe ich aber nicht, mein Heft hat ja nur Stempelmöglichkeiten bis Quedlinburg…

Blankenburg downtown

Nur fünf Minuten entfernt finden wir die Stempelstelle Nr. 78: Obere Mühle Blankenburg, und das zufälligerweise vor einem Restaurant. Da Phil zum Frühstück nur eine Banane gehabt hatte und auch ich lediglich Joghurt mit Erdbeeren, kehren wir hier natürlich ein! Immerhin ist es schon bald halb drei…

Bei lecker Flammkuchen entlädt sich draußen ein kräftiger Wolkenbruch. Also doch! Man gut, dass wir gerade in diesem Moment schön im Trockenen sitzen und es uns gut gehen lassen können. Spontan verwerfen wir die weiteren Pläne für heute, auch wenn es bald aufhört zu regnen. Wir haben heute Schönes gesehen und erlebt und möchten nicht in einen weiteren Regenguss geraten. Ursprünglich hatten wir geplant, noch zum Blankenburger Schloss hoch zulaufen und noch ein bisschen weiter, zur Ruine Luisenstein, wo es einen weiteren letzten Stempel für heute gegeben hätte, aber wir geben uns zweifelsohne zufrieden mit dem bisherigen Tag.

Wohlverdient

Auf dem Weg zum Auto machen wir einen kleinen Schlenker durch den Schlossgarten, in die eine Richtung ist der Himmel strahlend blau und die Sonne strahlt, in der anderen Richtung ist wieder eine schwarze Wolkenfront zu sehen. Es kann also noch alles passieren heute und wir werten das als Zustimmung, dass wir richtig entschieden haben.

Blankenburg Schlosspark

Kaum am Auto angekommen, wo wir glücklicherweise noch die restlichen zweieinhalb Stunden Parkzeit an ein älteres Ehepaar verschenken können, fängt es an zu gießen und wir verlassen Blankenburg bei Platzregen, um nur wenige Minuten später wieder bei strahlendem Sonnenschein, als wäre nichts gewesen, auf der Autobahn zu fahren.

Was für ein schöner Tag!

Genau das ist mein Fazit! So spontan und derart erfolgsgekrönt war ein Tagesausflug selten! Und die Kirsche auf der Sahne war das Wetterglück bzw. das Timing mit uns und dem Wetter. Da sind wir froh und dankbar.

Blankenburg ist also weit mehr als die Teufelsmauer und der Großvaterfelsen, wenngleich dies ein tolles Wandergebiet ist. Es lohnt sich auch, abseits davon den Ort und die Umgebung zu erkunden!

Ausbeute