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Highway No. 1

California Highway No.1 & Zwischenstopp in Morro Bay 08.06.-09.06.11

Die Traumstraße

Am Mittwoch, den 8. Juni um 7 Uhr krochen wir in Monterey aus den Federn, um 8 Uhr waren wir bereit aufzubrechen.

Highway No. 1

Auf meiner Vorfreude-Skala vor der Reise, war der heutige Tag auf dem Highway No. 1 sehr, sehr weit oben zu finden. Warum? Ganz einfach! Wenn du typische Bilder von Kalifornien siehst, die nicht San Francisco oder Hollywood zeigen, dann sind sie sehr wahrscheinlich von der Central Coast, eben genau diesem Part, den wir heute erkunden wollten. Die vielleicht schönste Landschaft des ganzen Bundesstaates.

Highway No. 1

Diese Küstenlandschaft zwischen San Francisco und Los Angeles ist wirklich eine der bekanntesten der Welt und die Autostrecke zählt zu den schönsten, die es gibt: einsame Strände, wunderschöne Dünenlandschaften, große Wellen, hohe Felsen, dichte Wälder, gigantische Küstenmammutbäume und nicht zuletzt hübsche Orte wie Carmel-By-The-Sea bei Monterey oder weiter südlich Santa Barbara.

Highway No. 1

In sämtlichen Reiseführern und Internetberichten findet man zahlreiche Meinungen dazu, wie viel Zeit man sich für diesen Küstenabschnitt des Pazifischen Ozeans nehmen sollte. Manche behaupten, dass ein Tag ausreicht, andere, dass man sich hier ganz besonders viel Zeit lassen sollte, am Besten mehrere Tage, um alles wirklich genießen zu können, und wieder andere waren für ein Mittelding zwischen diesen beiden Varianten, wie auch immer das genau für jeden einzelnen aussehen möge.

Highway No. 1

Auch wir überlegten lange, welches die für uns beste und passendste Lösung wäre. Wir wollten hier schließlich nicht nur entlang rasen sondern auch hier und da anhalten, in Ruhe auf das Meer schauen können aber gleichzeitig nicht zu viel Zeit aufbrauchen, die wir möglicherweise noch in Südkalifornien gebrauchen konnten… Wir hatten uns in unserer Reiseplanung vorab letztendlich für zwei Zwischenstopps entschieden. Je eine Übernachtung in Morro Bay sowie Oxnard sollten es sein. Ich zeige dir gerne auf, was daran gut und weniger gut war:

Highway No. 1

On the road

Der Highway No. 1 ist lediglich zweispurig, eine Spur in jede Richtung und das Tempo Limit ist nicht gerade hoch. Das wäre auch fatal, da der Highway sich streckenweise in engen Haarnadelkurven über tiefe Canyons windet. Außerdem fährt diesen Highway wohl so ziemlich  nur, wer auch den Ausblick genießen möchte, sodass es sich sogar empfiehlt weit unter dem jeweiligen Tempo Limit zu bleiben, denn hinter jeder Kurve könnte der Traumausblick schlechthin kommen und man möchte zu gerne rechts ran fahren, austeigen, Fotos oder einfach Pause machen. So war es bei uns zumindest mehrmals der Fall.

Highway No. 1

In einer der ersten Parkbuchten mit gigantischem Ausblick, genehmigten wir uns erstmal ein kleines Frühstück mit den restlichen köstlichen Erdbeeren vom Vortag! Ein vermeintlich so unbedeutender, unwichtiger Moment, der doch für immer in Erinnerung bleibt…

Highway No. 1

Zwar spielte das Wetter an diesem Tag nicht so ganz mit, es war recht kühl und vor allem neblig, wie es für diese Region nicht unüblich ist, aber trotzdem war diese Fahrt unsagbar beeindruckend. Nicht auszumalen wie unerträglich schön es hier bei Sonnenschein sein muss…

Big Sur

Der erste Abschnitt, den wir fuhren, zwischen Carmel im Norden und San Simeon im Süden, nennt sich Big Sur und ist der wohl aufregendste und romantischste… An den Stränden und Buchten gibt es mehr Seelöwen als Surfer oder Schwimmer, das Wasser ist hier viel zu kalt und die Strömung zu stark, die Strände zudem meist unzugänglich. Meist hört man die Tiere aber mehr, als dass man sie sieht.

Highway No. 1

Es gibt die spektakulärsten Aussichtspunkte. Man sieht sich gezwungen, an fast jedem davon anzuhalten um verschiedene Perspektiven auf die zerklüftete Küste zu erhaschen, und ganz nebenbei mussten wir uns auch ab und an etwas sammeln, dass wir diese pure Schönheit wirklich sehen und erleben und genießen dürfen.

Big Sur ist ein Landstrich mit etwa 2000 Einwohnern, also  nur spärlich besiedelt, und es gibt kaum touristische Einrichtungen, auch wenn man diese hier möglicherweise erwartet. Auch diese Information hatten wir uns vor der Reise eingeholt und tankten vor dem Start noch einmal voll. Wir waren darüber sehr froh, denn Tankstellen waren kaum zu sehen, vielleicht drei Stück bis nach Morro Bay…

Pfeiffer Big Sur State Park &  Julia Pfeiffer Burns State Park

Das nächste Highlight war der Pfeiffer Big Sur State Park, ebenfalls mit weiteren eindrucksvollen Kulissen.

Und dann auch der Julia Pfeiffer Burns State Park, wo zahlreiche Seeotter und Seelöwen zu Hause sind. Wir haben hier jedoch keine gesehen, da sie wohl nur sehr selten an Land kommen, wie es heißt.

Highway No. 1

Aber wir waren ja hier um den McWay Cove Waterfall zu sehen. Dieser stürzt 30m tief in den Pazifik (davon gibt es nur zwei in ganz Kalifornien) und stellt immer ein fantastisches Fotomotiv in diversen Reiseführern und Bildbänden über Kalifornien dar.

Die Parkgebühren beliefen sich übrigens auf stolze 10 Dollar, sodass wir hier ausnahmsweise mal schummelten. Ich wartete im Auto auf F. und sie machte sich zu Fuß auf den gerade mal 500m langen Weg zum Wasserfall. Nach ihrer Rückkehr setzte sie sich ins Auto und ich lief den kurzen Weg, um einen Blick zu erhaschen. Wer mehr als eine Stippvisite plant, nimmt sicher gerne die Parkgebühr in Kauf, für uns war es in diesem Moment so einfach besser.

Highway No. 1

Abenteuerliche Umwege

Dann fuhren wir weiter Richtung Morro Bay… bis wir auf diverse Schilder stießen, die verlauten ließen, dass der Highway ab einem bestimmten Punkt gesperrt sei!  Irgendwie machte mich das zwar stutzig, da ich davon, offen gestanden, bereits in Monterey etwas gelesen hatte, aber wirklich vorstellen konnte ich mir das dann doch nicht. Wieso sollte eine touristisch stark frequentierte Straße mitten im Sommer auf der halben Strecke einfach gesperrt werden? Vor allen Dingen genau dann, wenn WIR kommen…

Highway No. 1

Also fuhren wir grenzenlos optimistisch weiter… und mussten dann, oh Wunder, feststellen, dass Straßenschilder manchmal doch aus triftigen Gründen aufgestellt werden, denn nachdem wir schon so ein, zwei, drei Baustellen an Brücken passiert hatten, stand plötzlich ein Mann in leuchtender Sicherheitskleidung mitten auf dem Highway und hielt das Schild „Road Closed“ hoch. Als er uns kommen sah, zeigte er mit der Hand auf den Parkplatz neben ihm, der zu einer Tankstelle, oder sagen wir eher zu einer Zapfsäule, gehörte. Dort sollten wir wahrscheinlich wenden…Ungläubig stiegen wir jedoch aus und sprachen ihn freundlich an, doch er schmetterte uns nur unfreundlich ein „Find another way!“ entgegen. Okaaay… (Zur Erklärung: Entlang des Highway 1 sind Erdrutsche nichts Ungewöhnliches und versperren immer wieder für Wochen oder Monate die Durchfahrt! Darauf musst du dich einstellen!)

Der Highway geht von Nord nach Süd und umgekehrt. Abzweigungen gibt es keine. Sollten wir also die rund 100km wieder zurück nach Monterey fahren um dort auf die Interstate zu wechseln, die fernab der aussichtsreichen Küste (wohl aber parallel zu dieser) verläuft? Das wäre doch kein Fahrspaß!

Doch da kam uns spontan in den Sinn, dass wir vor ein paar Meilen, auf Höhe eines Campingplatzes, sehr wohl einen kleinen Weg abzweigen gesehen hatten, wenn auch steil bergauf. Irgendwo hin muss der ja führen! Also ausprobieren?…. Ok, ausprobieren!

Highway No. 1

Ja, im Nachhinein kann ich dir die „Nacimiento Fergusson Road“ (streckenweise „US Highway Forest Route“ genannt) nur wärmstens empfehlen, sofern du auf ein wenig Abenteuer aus bist! Den Namen dieser Straße habe ich allerdings auch ergoogelt! Ich weiß nicht warum wir da lang gefahren sind, obwohl nicht mal das Navi hier Unterstützung bot, aber wir sind da hoch!

Es wurde nach und nach immer steiler und steiler und die Kurven sehr wild. Schnell voran kamen wir nicht und, dass hier noch weniger los war als auf dem Highway No. 1, war auch nicht gerade beruhigend… Der Nebel wurde immer dichter, sodass wir nicht mehr viel sehen konnten, doch ahnten wir irgendwann, dass wir uns sehr, sehr weit oben befinden müssten, da wir permanent extrem steil bergauf fuhren…

Und plötzlich waren da noch zwei oder drei andere Autos zur selben Zeit! Ein Mann aus dem einen Auto fragte eine Frau aus dem anderen Auto, wohin man über diesen Weg wohl gelangt. Die Antwort bekam ich leider nicht genau mit, doch immerhin verstand ich so viel, dass es genauso wenig Sinn macht, weiter zu fahren, als wieder umzudrehen und, dass man so oder so, viel Zeit haben sollte… Wie ermutigend!

Aber umdrehen kam nicht infrage! Jetzt waren wir hier und wir wollten weiter… Und tatsächlich erwarteten uns dort oben irgendwann auch einmalige Ausblicke ohne Nebel sondern mit viel, viel Sonne… Allein für diese tolle Sicht hatte es sich gelohnt!

Highway No. 1

Wäre uns daraufhin nicht folgendes passiert, wäre ich auch weiterhin ständig ausgestiegen um Fotos zu machen, doch…: Hinter einer Kurve parkte ein Auto, neben dem eine junge Frau auf ihren Freund wartete, den wir dann nicht viel weiter mit einer sehr großen toten Schlange in der Hand auf sie zugehen sahen! Da war uns dann doch unwohl! Seiner Freundin wahrscheinlich auch…

Und dann… irgendwann… – ging es genauso steil wieder bergab, wie es bergauf gegangen war. Gelobt sei der Erfinder des Automatikwagens! Es hat so einen Spaß gemacht, wir waren ganz flott unten! Hier herrschte nun eine brütende Hitze und wir fuhren lange, lange Zeit durch flaches Land…

Highway No. 1

Mitten im NICHTS hatten wir dann plötzlich auch wieder GPS und es tauchte am Straßenrand ein einsames Post Office auf, wo wir endlich unsere Postkarten aus Monterey einwerfen konnten. Wir fuhren also weiter und weiter, konnten nun wieder auf das Navi vertrauen, pausierten kurz an einer Raststätte, und kamen nach unausgerechneten Umwegen final in Morro Bay an!

Die Mittelmäßigkeit von Morro Bay

Nach diesem aufregenden Trip hätten wir uns irgendwie ein schöneres Tagesendziel gewünscht aber wer ahnt schon, was sich hinter dem Ortsnamen Morro Bay verbirgt? Ich sage es dir! Nichts, was es gerechtfertigt, wiederzukehren…

Highway No. 1

Nun ja, zunächst galt es im Blue Sail Inn [!keine Werbung!] in der Market Avenue einzuchecken. Man mag es kaum glauben aber es war gerade mal 15 Uhr. Von der Rezeption hatte man zunächst einen netten Ausblick auf den Morro Rock und auch das Zimmer war in Ordnung, jedoch kein Glanzstück. Es war nett eingerichtet mit liebevollen maritimen Details, außerdem sehr sauber. Doch nicht das, was wir jetzt gebraucht hätten… Das wäre wohl eher ein 5-Sterne-Luxus-Hotel mit Wellnessbereich gewesen… Naja, ok.

Highway No. 1

Wir beschlossen, uns auf dem Weg zu machen um ein Mittagessen zu suchen und landeten tatsächlich im örtlichen Hofbräuhaus, wo wir vermeintlich „Deutsch“ lunchten.

Wir besuchten auch noch den ein oder anderen Gift Shop, wurden aber nicht fündig. Außerdem erschien uns Morro Bay eher weniger hübsch und verweilenswert, sodass wir beschlossen, nur noch ein Internet Café (das waren noch Zeiten!) sowie eine Tankstelle aufzusuchen.

Highway No. 1

Im Internet Café (damals das „Top Dogs“) gab es leckeren Kaffee und günstiges Internet, sodass wir den Nachmittag gut rumkriegten, um dann nach dem Tanken direkt fix und foxi in die Federn zu kriechen. Das war allerdings auch erst wieder gegen Mitternacht…

Der Road Trip wird fortgesetzt

Am Donnerstag, den 9. Juni um 8 Uhr saßen wir im Frühstücksraum des Inns. Die kulinarische Auswahl haute uns wieder einmal nicht wirklich um, war aber ausreichend. Der Hunger hielt sich trotz fehlendem Abendessen in Grenzen, sodass wir schon eine halbe Stunde später Morro Bay „im Rückspiegel“ sahen… Wir können immer noch nicht sagen was uns an diesem Ort so gestört hat aber wir fühlten uns hier schlichtweg nicht sonderlich wohl, obwohl die Rahmenbedingungen einigermaßen passten mit einer zentralen und ordentlichen Unterkunft und etlicher Infrastruktur. Aber manchmal ist das halt so.

Am Beach von Pismo Beach

Highway No. 1

Zunächst wollten wir nach Pismo Beach fahren, eine gute halbe Stunde entfernt. Das war gar nicht so einfach, das Navi lotste uns zwar aber wo genau wir gewesen sind, ließ sich von Anfang an nicht rekonstruieren. Wir sind ein bisschen am Strand spazieren gegangen und fuhren bald weiter. Schön war das dennoch!

Mission La Purisima

Highway No. 1

Aber wie dem auch sei, unser Weg führte uns noch ca. 80km weiter zur Mission La Purisima, welche die am besten erhaltene Kaliforniens sein soll. Unterwegs sahen wir unbeschreiblich viele Männer in Tutus. Die meisten von ihnen waren aufwendig verkleidet und bis heute wissen wir nicht, welchem Zweck das ganze diente. Später in Malibu war das ähnlich. Doch da konnte man anhand Schildern erkennen, dass es sich um Schwule und Lesben handelte, die eine Aktion gegen Aids etc. unternahmen. Vielleicht gehörten sie alle letztlich zur selben Truppe…

Highway No. 1

Gegen halb elf kamen wir an der Mission an und blieben immerhin anderthalb Stunden. Zu Beginn gab es ein Visitor Center, wo wir uns nur kurz umsahen. Lediglich das Parken kostete 3 Dollar. Das fanden wir angemessen für einen entspannten und teils informativen Spaziergang durch die Anlage.

Highway No. 1

Einen gewaltigen Schrecken bekam ich, als ich meine Kamera auf den Boden fallen ließ und zunächst keine Bilder mehr zu sehen waren als ich sie wieder anschaltete. Glücklicherweise war nur die Speicherkarte verrutscht und alles in Ordnung. Aber wären meine Bilder verloren gegangen, nicht auszudenken!

Highway No. 1

Sympathisches Santa Barbara

Nun wollten wir auf dem Weg nach Oxnard noch in Santa Barbara halten. Schließlich lag es auf dem Weg und galt als eine der schönsten Städte in unserem Reiseführer. Gegen 13 Uhr kamen wir dort nach ungefähr einer Stunde Fahrt an.

Santa Barbara 2011

Wir bewunderten die vielen hübschen Gebäude, darunter auch wieder eine Mission und das ganz eigene Flair der charmanten kleinen Stadt. Ganz spontan folgten wir auch den Schildern „Scenic Drive“ für schöne Ausblicke rund um Santa Barbara.

Nach unserem spärlichen Frühstück kehrten wir aber bereits gegen 14 Uhr bei „Giovanni´s Pizza“ [!keine Werbung!] zum Lunch ein. Wir gönnten uns eine riesige Mahlzeit: Salat, Knoblauchbrot, Spaghettis UND: Pinke Limo! Gut gestärkt kauften wir noch einige nicht ganz billige Souvenirs im Gift Shop der Santa Barabara Mission und fuhren dann schlussendlich noch eine dreiviertel Stunde weiter nach Oxnard!

Santa Barbara in Bildern – zum Durchblättern:

Santa Barbara 2011

Tagesendziel Oxnard

18 Uhr. Check in im Marriott Hotel [!keine Werbung!]. Wir mussten uns nun wirklich erstmal ausruhen, machten uns auf den Betten lang und gingen später noch in die Lobby um das kostenfreie Internet zu nutzen.

Gegen 21 Uhr überkam uns dann noch einmal der Hunger und wir bestellten uns tatsächlich etwas beim Zimmerservice. Um Mitternacht löschten wir die Lichter.

Unser Fazit für den Highway No. 1: „Wir sehnen uns nicht nur nach bestimmten Plätzen zurück, sondern vor allem nach Gefühlen, die sie in uns auslösten.“ (Zitat von Haruki Murakami)

Es war einfach nur toll und wir müssen unbedingt eines Tages wiederkehren und das Gesehene noch einmal sehen und das Verpasste (Straßensperrung…) nachholen!

California Coast in Bildern – zum Durchblättern:

Highway No. 1

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