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Freitag, 30. Dezember 2022
07.15 Uhr.
Frühes Frühstück. Denn für heute haben wir unsere Jeep Tour u.a. ins Nonnental gebucht und das geht einigermaßen früh los!
08.15 Uhr.
Guide Vitor holt uns mit dem Jeep vorm Hotel ab. Eine Augenweide. Wir erfahren, dass wir noch zwei Teilnehmer in Funchal abholen und dann geht es los. Hoffentlich sind es keine Deutschen… – Glück gehabt! Amy und Peter aus Yorkshire klettern mit in den Jeep und stellen sich in den nächsten Stunden als angenehme Begleitung heraus: Nicht aufdringlich aber nicht zu schüchtern, freundlich, gern für sich aber auch uns gegenüber aufgeschlossen.
Unseren ersten Stopp auf der Tour kennen wir bereits. Wir waren neulich erst hier weil wir nicht ahnen konnten, dass wir heute hier her kommen würden: Zum Miradouro dos Barcelos! YES! Dieses Mal werde auch ich richtig hoch gehen zum eigentlichen Miradouro und nicht im Café auf dem Weg dorthin stranden. – Obwohl es schon geöffnet hat…
Dort oben unter dem großen, markanten Baum gibt es eine Stelle, die international bekannt geworden ist – wie wir heute erfahren. Ronaldo hat sich hier mit seinen fünf goldenen Fußbällen und anderen Auszeichnungen und Preisen vor ein paar Jahren mal hingesetzt für ein Foto mit Blick über seine Heimatstadt Funchal. Relativ schnell kann ich die Stelle ausfindig machen und mich mit meinen nicht vorhandenen zahlreichen Auszeichnungen ebenfalls dort platzieren und das Bild nachstellen. Wie gut, dass hier heut Morgen noch nicht allzu viel los ist!
In meinem „Stamm“-Café lässt man mich auch ohne Verzehr heute noch einmal austreten, was ich sehr freundlich finde, auch die angebotenen 50 Cent lehnt man ab, und dann fahren wir weiter.
09.30 Uhr.
Unser nächster Stopp ist im Nonnental. Auf dem Weg dort hin sehen wir einen Madeira-Adler, den man laut Vitor nur selten sieht, zumindest aus solcher Nähe. Er fliegt vor uns über die Straße und ist im langsamen Vorbeifahren auch noch in einem Baum weiter zu beobachten.
Im Örtchen Curral das Freiras (Nonnental) genießen wir den spektakulären Ausblick auf die uns umschließende Berglandschaft. Das Dörfchen wirkt hier ziemlich isoliert zwischen den riesigen Berghängen und tatsächlich war dem auch einmal so. Der einzige -kurvige und abenteuerliche- Zuweg entlang der Steilen Bergflanken, war nach einem riesigen Felsabbruch vor rund zehn Jahren unpassierbar geworden. Es musste ein nagelneuer Tunnel gebaut werden, den auch wir heute für den Hin- und Rückweg nutzen. Doch bevor wir uns von diesem schönen Anblick losreißen und weiterfahren, gibt es eine Likörprobe fünf verschiedener Sorten, von den wir tatsächlich drei auch für zu Hause kaufen, und eine Art süßes Brot, das wir verköstigen.
Vom Tal aus hatten wir oben 600 Meter „über“ dem Nonnental eine Aussichtsplattform gerade noch so erkennen können. Und genau die ist nun unser nächster Stopp! Bevor Vitor uns dort aus dem Jeep lässt und den kleinen Fußweg zur Aussichtsterrasse hoch schickt, fragt er uns ob es okay ist, für die Weiterfahrt das Dach aufzumachen. Uns ist es allen recht. Ich habe genug Kleidung inklusive Kapuzen dabei. Denn: Hier in den Bergen ist es zwar sonnig aber bei weitem nicht so warm wie z.B. in Funchal. Wenn nicht schon im Nonnental, dann spätestens hier oben über dem Nonnental, haben wir uns alle eine Jacke übergezogen…
Der Aussichtspunkt ist wirklich schön. Wie ich später herausfinden werde, handelt es sich um den Miradouro do Paredão. Bestimmt hat Vitor das auch gesagt aber das hätte ich weder verstanden noch behalten.
Aber man muss schon sagen, er erzählt, erklärt und fragt eine ganze Menge, bezieht uns und die Briten immer mit ein. Ward ihr schon mal auf der Insel? Hattet ihr eine harte Landung? Wo kommt ihr her? Wie lange seid ihr schon da? Bleibt ihr für das Feuerwerk? Ist schon mal jemand offroad gefahren? Gibt es dies, das, jenes auch in Yorkshire? Habt ihr schon Poncha probiert? Siehst du da den Wegweiser zu dem Golfplatz, den ich vor fünf Minuten erwähnt habe? Kennt ihr den Madeira Wein? Und so weiter. Er gibt sich sehr viel Mühe, ohne krampfhaft bemüht zu wirken. Sein Englisch ist prima. Nur selten fragt er Peter mal nach einem Wort, das ihm nicht einfallen will bzw. das er noch nicht kennt. Und so habe auch ich gleich eine kleine English Lesson.
Vitor ist selbst auf Madeira geboren und aufgewachsen, entsprechend gut kennt er sich aus. Ich schätze ihn auf 30-40 Jahre alt, kann sowas aber auch überhaupt nicht gut, also wer weiß. Sein Vater fährt auch gerne offroad, ob dem also vielleicht das Unternehmen gehört, für das die Touri Touren angeboten werden, weiß ich nicht, könnte man aber zumindest vermuten. Vielleicht aber fährt er auch nur in seiner Freizeit, für sich, denn das scheinen hier einige zu machen. Vitor erzählt uns, dass wir nachher eine Offroad Strecke fahren werden und damit hat es folgendes auf sich: Es handelt sich um Zuwege für die Forest Police und Feuerwehr, die nur genutzt werden wenn es Waldbrände gibt und diese anders schlecht erreichbar sind. Als man feststellte, dass die Hobby Offroader die Strecken für ihren Spaß benutzen, fand man das zuerst nicht so gut. Auf der anderen Seite merkte man aber auch, dass ein entsprechendes Verbot dazu führt, dass die Strecken immer unpassierbarer werden und im Ernstfall ziemlich zugewachsen sein können. In der Folge ließ man die Leute dort wieder ihre Freizeit verbringen, denn sie trafen sich immer gleich mit mehreren und fuhren nicht nur herum, sondern zerlegten und beseitigten auch beispielsweise umgefallene Bäume und Geäst und machten sich daraus ein Männerwochenende. Win-Win.
Aber, kleine Erinnerung: Auch wir sitzen heute in einem Jeep. Und jetzt mit offenem Dach. Vom Miradouro do Paredão aus schrauben wir uns nach und nach die knapp neun Kilometer hoch zum Pico do Arieiro, dem zweithöchsten Gipfel Madeiras.
10.40 Uhr.
Pico do Areeiro, 1818 Meter, super windig. Mietwagen, Reisebusse und Jeeps stapeln sich hier. Vitor lässt uns vier wieder frei und wartet bei seinem Kollegen in dessen Jeep. Wir haben wieder eine Uhrzeit vereinbart, wann wir weiterfahren und können uns selbst unsere Wege und Aussichtspunkte suchen. Zunächst laufen wir Amy und Peter hinterher Richtung Osten, weg vom markantesten Punkt hier oben, der Radarstation. Die Sonne knallt aber davon merkt man nicht viel weil der Wind eine ganze Menge Kraft hat! Das ist hier jeden Tag so! Ich empfehle lange Hosen und mindestens eine Jacke! Der Ausblick könnte besser sein, denn, so lächerlich wie es klingt, die Sonne blendet uns stark!
Zurück am Parkplatz haben wir Amy und Peter inzwischen abgehängt und gehen alleine noch in die andere Richtung, wo sich die meisten Menschen befinden, denn hier befindet sich die fotogene Radarstation, der offizielle Miradouro do Pico do Arieiro, eine Caféteria, WCs, Souvenirshops und etliche Wanderwege. Definitiv möchte ich nächstes Mal, wenn ich auf Madeira bin, von hier zum Pico Ruivo, dem höchsten Gipfel, wandern! Laut Wegweiser sind das keine sieben Kilometer, und selbst wenn die brutal anspruchsvoll sein sollten, das möchte ich unbedingt machen!
Wir fahren weiter. Unterwegs die Landschaft ist unfassbar schön aber schwer zu beschreiben und hinter jeder Kurve sowieso wieder ganz anders. Mal grün, mal anders grün, mal bräunlich, mal Eukalyptus, mal Sträucher, mal mehr, mal weniger bewachsen… Am ehesten denke ich zwischendurch an die Berge von Gran Canaria (Link folgt) aber letztlich kann ich es nicht wirklich damit oder überhaupt mit irgendetwas vergleichen und das ist ja auch gut so. Warum neigt der Mensch immerzu zu Vergleichen?
Dann irgendwann kommt der Offroad Teil unserer Tour. Ich wünschte, ich hätte zuvor meine Blase leeren können, aber Spaß macht es trotzdem jede Menge! Vitor fährt auch hier sehr vorsichtig und langsam. Und auch hier halten wir noch einmal an und haben einen schönen Blick runter auf Porto da Cruz.
Nun geht es langsam aber sicher heimwärts… Auch hier halten wir noch einmal irgendwo für einen weiteren Ausblick auf Porto da Cruz, aber wesentlich näher dran, als zuvor, und dann werden wir zum Hotel gebracht. Wir fahren auch unter dem Flughafen entlang, sodass wir die Verlängerung der Start- und Landebahn betrachten können. 500 Millionen hat die angeblich mal gekostet und steht auf Pfählen im Atlantik. Trotzdem ist sie insgesamt immer noch verdammt kurz, kaum vorstellbar wie es vorher gewesen sein muss…
13 Uhr.
Wir sind zurück am Hotel, pünktlich zum Mittagessen. Das kann ja kein Zufall sein…
Der Nachmittag.
Wir sitzen zusammen auf dem Balkon und später im Dampfbad und genießen das Nichtstun. Wir haben doch schon wieder ganz schön viel unternommen diese Woche! Waren fast jeden Tag unterwegs.
18 Uhr.
Schon wieder essen.
Und anschließend noch ein frisch Gezapftes zum Feierabend.
Der Tag in Bildern – zum Durchklicken:
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