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Donnerstag 12. März 2020
11Uhr. Wir nehmen den Bus in Jerez de la Frontera! Praktischerweise grenzt ein Busbahnhof ja in der Regel an den normalen Bahnhof und so haben wir eine Ausweichmöglichkeit zu der komplizierten Bahnverbindung auf dieser Strecke. Für ganz kleines Geld kaufen wir die Bus-Tickets und schaukeln die kommenden anderthalb Stunden gemütlich durch die sonnige Landschaft.
Die Plaza de Espana von Sevilla
Wumm! Das allergrößte Highlight gleich zuerst! Der Bus hält hier ganz in der Nähe und wir wollen diesen herrlichen Platz unbedingt noch einmal besuchen. Im Grunde sind wir zu einem sehr großen Teil genau deswegen hier! Die Plaza de Espana – die kennt sowohl Papa als auch ich nämlich schon von einem früheren Besuch, was aber fast neun Jahre her ist!
Damals waren wir nicht zusammen hier aber dafür sind wir es heute! Und der Komet brennt! Wir müssen uns ganz schön in Acht nehmen vor der Sonne; immer wieder suchen wir auch ein schattiges Fleckchen auf. Dennoch ist es so beeindruckend, hier spazieren zu gehen.
Ich versuche es zu beschreiben: Erstmal hat man einen grünen Park, den Maria Luisa Park, wahrscheinlich ein recht gewöhnlicher Park, wir gehen nicht hinein, ich kann dazu nicht mehr sagen. Aber an diesen Park angrenzend eröffnet sich dann die sehr große Plaza de Espana, die wiederum von drei Seiten halbmondförmig eingerahmt wird von einem sehr großen und schicken Gebäude!
Das alles ist 1929 entstanden, mit einem Durchmesser von 200 Metern. Zudem: Ein 500 Meter langer „Kanal“ „parallel“ zu dem Gebäude, anders kann ich es nicht beschreiben. Auf diesem Kanal, und unter den vier Brücken hindurch, kann man mit dem Boot paddeln.
Zunächst aber sind wir noch zu Fuß unterwegs, mit gezückten Kameras. Bevor wir das Unternehmen Boot angehen, suche ich noch verzweifelt ein WC, werde fündig, und dann kann es losgehen! Für erstaunlich kleines Geld ist ein Boot ausgeliehen und, Aloha Heja He, Papa schippert uns über das Wasser… Dankbar für jede Schatten spendende Brücke.
Die Brücken! Allein die sind ja Kunstwerke! Sie sind dekoriert mit den für Sevilla typischen Kacheln, die für mich eigentlich den portugiesischen Azulejos entsprechen.
Nur schwer können wir uns jedenfalls trennen von diesem tollen Platz. Wer weiß ob wir es die Tage noch einmal hier her schaffen. Einen zweiten Tag haben wir zwar eingeplant für Sevilla aber die Stadt ist sehr groß!!
Hard Rock Café Sevilla
[!keine Werbung!]
Eine Pause ist angebracht. Es ist ganz schön heiß! Wir kommen aus dem kalten deutschen Wintergrau. Auf T-Shirts und wenig Hose umzuswitchen ist gar nicht so einfach wie man meint. Jedenfalls für mich nicht, ich hatte nicht mit derart gutem Wetter gerechnet, wenn ich da an die Toskana im selben Monat vor zwei Jahren denke…
Die Pause jedenfalls verbringen wir in dem von mir für heute favorisierten Restaurant, nicht ohne zuvor im dortigen Shop einen Pullover zu kaufen! Das Essen ist super, der Service auch, die Musik wie gewohnt zu laut. Also alles ok. Aber ich bin erschöpft!
Catedral de Sevilla
Wirklich nicht weit ist es nun zur Kathedrale! Ich erinnere mich, auch diese damals schon besucht und tatsächlich für die schönste und verrückteste (weil riesige) Kathedrale überhaupt gehalten zu haben. Wollen wir mal sehen ob ich immer noch so denke…
Ich kann es aber vorweg nehmen: Sie ist immer noch sehr faszinierend und super sehenswert weil einfach anders als jede andere Standard-Kathedrale!
Die Kathedrale wurde einst auf den Überbleibseln einer arabischen Moschee errichtet. Sie ist mehr als 110 Meter lang. Gilt als UNESCO-Welterbe. Und ist eine der letzten gotischen Kirchen Spaniens.
10€ Eintritt pro Person muss man einkalkulieren. Es gibt auch noch Zusätze wie einen Audio Guide, eine Führung oder wenn man auf das Dach der Kathedrale hinauf möchte! Sicher alles gute Ideen! Aber es ist schon fortgeschrittener Nachmittag! Uns reicht der reguläre Eintritt.
Wusstest du, dass nur der Petersdom im Vatikan und die St. Paul´s Cathedral in London größer sind als die Cathedral de Sevilla?! Und ich finde sie nicht nur unglaublich groß sondern eben auch unglaublich schön. Nach wie vor. Denn haben sich die Augen erst einmal an die typische Kirchen-Dunkelheit gewöhnt, gibt es so viel zu sehen!:
Riesige bunte Glasfenster, die mich sonst weniger beeindrucken, hier aber doch interessieren! Fünf einzelne kleine Kapellen in einer großen Kathedrale! Das Grab von Christoph Kolumbus! Die Orgeln! Gigantische Säulen mitten in der Kirche, die noch einmal deutlich machen welch schiere Größe das Bauwerk misst! Ein Spiegel im Boden, der einen besseren Blick auf das sehr weit entfernte Kreuzgewölbe ermöglicht! Und noch so einiges mehr!
Jesus braucht eine Zigarettenpause
16.50Uhr. Als wir aus der Kathedrale kommen ist es leider zu spät um gegenüber noch den Alcazar zu besichtigen. Ich weiß noch, dass es dort ebenfalls superschön ist aber um 17 Uhr werden die Tore geschlossen, somit vertagen wir das auf unseren nächsten Besuch, voraussichtlich übermorgen.
Starbucks [!keine Werbung!] ist in Sevilla nirgends sonderlich weit. Ich gebe ein bisschen beschämt zu: Das habe ich in Jerez und Cadiz schon vermisst! Und so trinken wir ein Tässchen und schauen Jesus bei der Arbeit zu. Dieser steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite vor einer Bank. Er trägt sein Kreuz und verharrt. Die Position scheint aber nicht die bequemste zu sein, denn immer wieder unterbricht er seine Arbeit für ein Zigarettenpäuschen. Das Kreuz sicher abgelegt…
Von Pilzen und Sonnenschirmen
Was ich bisher nur von Bildern und Berichten kenne, Papa aber letztes Mal schon gesehen und erlebt hat: Las Setas! Die nächste wichtige Sehenswürdigkeit von Sevilla, die wir nach Durchstreifen einiger Shopping-Gassen erreichen.
Las Setas – das sind „Pilze“. Das Gebäude um das es sich hier handelt erinnert angeblich optisch an Pilze. Mit viel Fantasie mag das hinkommen aber von allein wäre ich auf diese Bezeichnung nicht gekommen.
Offiziell heißen die Pilze aber auch Metropol Parasol! Parasol wiederum heißt Sonnenschirm. Soll es heißen, wie es mag. Mich erinnert die Form an nichts Bestimmtes aber: Ein Besuch sollte unbedingt drin sein wenn du einmal nach Sevilla kommst!
Es ist eine wilde Konstruktion aus Holz, Beton und vor allem Stahl, in einem seichten Gelb bis Creme gehalten, sodass es oftmals optisch den Anschein erweckt, überwiegend aus Holz zu bestehen. Errichtet von 2005 bis 2011 auf der Plaza de la Encarnacion für 50 Mio Euro Baukosten! Die versucht man nun natürlich wieder reinzuholen! Zu Anfang war der Zugang noch kostenlos als Papa das erste Mal da war. Heute zahlt man 5€. Zudem anders: Damals ging es über eine Treppe hinauf. Heute fährt uns ein Lift.
Alles egal! Denn: Es ist einfach nur traumhaft schön dort oben! Es mag eine Rolle spielen, dass wir gerade den Moment der langsam untergehenden Sonne erhaschen aber auch unabhängig davon kann man nicht leugnen, dass man hier einen sehr weiten und faszinierenden Blick über Sevilla geboten bekommt!
Ein paar Wege und Stufen kann man abschreiten. Wer das nicht möchte oder kann, der bleibt in Liftnähe, nimmt Platz und genießt ein Getränk oder einen Snack. Dafür kommen wir aber zu spät. Kein Platz mehr frei!
Wir gehen umher und gucken uns um. Ein beeindruckendes (wenngleich seltsames) Gebäude mit einem noch beeindruckenderen Ausblick! Sevilla, du bist immer für eine Überraschung gut!
Hasta Pronto und Adios Sevilla!
Bis bald und Auf Wiedersehen. Wir kommen wieder!
Aber für heute ist genug. Per Bus und per Pedes erreichen wir nun den Bahnhof Santa Justa und kaufen Tickets für den Zug um 20.10 Uhr nach Jerez. Dieser fährt wenig mehr als eine Stunde und irgendwann finden und ergattern wir auch den letzten Bus, der noch irgendwie so grob Richtung Hotel fährt.
Klick hier für Jerez de la Frontera, Cadiz oder Cordoba !!
Samstag 14. März 2020
Dicke Eisentore in Sevilla
Aussteigen tun wir heute am San Bernardo Bahnhof. Aus Jerez kommend ist dies der erste der beiden großen Bahnhöfe von Sevilla und zudem kann man von dort in gut fünf Minuten zur Plaza de Espana gehen! Dort jedoch erwartet uns eine große Überraschung! Anstatt hier, wie vorgestern, zu flanieren und fotografieren, hat man unseren Lieblingsplatz abgeriegelt und versperrt!
Was Papa vielleicht schon ahnt, mir aber nicht einleuchten will: Corona. Ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass ein Grippevirus so etwas anstellt. Ich überlege ob es einen Terrorakt gegeben haben könnte, von dem wir nichts mitbekommen haben oder ob die trotz Corona, vielleicht noch Staatsbesuch bekommen…
Wir befinden uns in der Calle Nicolás Alpériz und somit auf der anderen Seite des Platzes als vorgestern. Wollen wir mal um das große Gebäude und den Platz herum gehen, zur Avenida Gran Capitán.
Aber… Auch dort. Verriegelt und verrammelt. Ein paar Kutschen versuchen verwirrte Touristen aufzugabeln. Ich mache mir weiter Gedanken… Der Platz wird gern für Dreharbeiten verwendet! Denk doch mal an Star Wars! Vielleicht drehen sie hier heute irgendwas?!
Corona als Grund ist für mich jedenfalls Quatsch. Das ist ja offenes Gelände, ein riesiger Platz, kein geschlossener Raum. Geschlossene Räume, wie Museen oder meinetwegen auch der Alcazar gestern in Cordoba, wenn sie das schließen, na gut. Aber doch keinen Platz im Freien!
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt
Aussprechen können wir ihn nicht so perfekt. Aber wir sind uns einig, dass wir ihn befahren wollen: den Guadalquivir (der wieder!). Wenn uns die Plaza de Espana nicht noch einmal haben will, ist das sehr traurig, aber dann muss jetzt eben das Boot herhalten!
Die freundliche Ticketverkäuferin klärt uns dann auf unsere Nachfrage hin auf: Sämtliche Parks, Gärten, Plätze und Sehenswürdigkeiten sind geschlossen! Wegen Corona! Ich falle bald vom Glauben ab.
Wenigstens aber kann man offenbar noch Boot fahren! Und wie wir sehen: Auch Bus. Die Touristenbusse drehen weiter ihre Runden. (Wie ergibt das bitte Sinn??) Davon sehen wir noch einige, denn bis die Bootsfahrt um 15 Uhr beginnt, haben wir noch eine Stunde Zeit weil der Kapitän erstmal Mittag machen muss.
Unsere Vorstellung von einer Kaffeepause in meiner Lieblingskaffeekette fällt dann übrigens auch flach: Viele Geschäfte, Restaurants, etc. haben nicht mehr geöffnet. Wenn dann verkauft man nur noch zum Mitnehmen. Irgendetwas ist da über Nacht passiert, was wir nicht so ganz mitbekommen haben…
Später werden wir nachlesen, dass man für Spanien den Alarmzustand ausgerufen hat, der zwar weitaus schlimmer klingt, als er ist, aber eben zur Folge hat, dass man nur noch sehr begrenzt einkaufen und ansonsten kaum etwas, das Spaß macht, tun kann. Jedenfalls aus Sicht eines Touristen, der Spaß daran hätte, z.B. den Alcazar zu besuchen…
Aber nun gut. Wenigstens können wir uns noch frei bewegen. Eine Ausgangssperre soll wohl erst ab Montag gelten und da sind wir dann hoffentlich schon in der Luft, in unserer geplanten Maschine zurück nach Deutschland.
Sevilla ist wirklich sehr ruhig heute! Und verglichen mit vorgestern natürlich sehr leer. Man bedenke, dass wir über einen Samstagnachmittag reden! Einerseits genieße ich es sehr, dass mir nicht überall Leute vor die Füße trampeln und hätte ich ein bisschen mehr Motivation, könnte ich natürlich auch hervorragend Fotografieren, aber irgendwie vergeht einem das auch, wenn man die Situation so noch nicht kennt. Überall Security und Polizei, verhältnismäßig wenige andere Touristen oder wenigstens Spanier. Irgendwie ein seltsames Feeling. Kein negatives aber ein sehr unbekanntes.
River Cruise bei strahlendem Sonnenschein
Eine Stunde auf dem Kutter, mit nur wenigen Passagieren, tut uns ganz gut. Wir können im Schatten sitzen, eine angenehme Brise durchziehen lassen, die Hände desinfizieren und das Panorama von Sevilla vorüberziehen lassen. Optisch besonders ansprechend ist es vom Fluss aus zwar übrigens nicht aber das spielt jetzt eine untergeordnete Rolle, wir sind ja schon froh, dass wir hier überhaupt noch irgendetwas machen dürfen, denn es macht den Anschein, dass sich uns hier heute kein weiteres Ziel bietet…
Schlaflos in Seäääää… Äh!: Planlos in Sevilla!
Den Alcazar können wir nun also vergessen und auch sonst scheint es nicht mehr viel zu geben, was wir noch ansteuern könnten, abgesehen vom Bahnhof… Nicht einmal irgendwo essen könnten wir. Es ergibt sich einfach nichts. Es ist teilweise wie ausgestorben mittlerweile! Abgesehen von den Kutschen, die noch überall stehen und vergeblich auf Fahrgäste warten. Es ist wahrscheinlich alles nur noch eine Frage der Zeit bis auch die Pferde in ihre Ställe gesperrt werden…
Wir gehen einen ähnlichen Weg wie vorgestern… Vorbei an der Kathedrale… durch die Shoppinggassen und über kleine Umwege… zu den Setas de Sevilla. Du erinnerst dich? Diese seltsame Pilz-Sonnenschirm-Konstruktion, von der man eine unvergleichliche Aussicht hat! Heute hat hier allerdings niemand Aussicht! Auch wir nicht. Außer hinüber zum Taxistand.
Ein einziges Café hat hier offenbar geöffnet! Aber wollen wir dort zwei Stunden rumsitzen? Nein, das wollen wir nicht. Wir nehmen resigniert ein Taxi zum ebenfalls fast menschenleeren (!) Santa Justa Bahnhof und fahren von dort um 17.45 Uhr zurück nach Jerez! Dass die Züge auf dieser Strecke nicht öfter fahren, nicht einmal am Wochenende, verwundert uns nach wie vor.
Sevilla in Bildern – zum Durchklicken:













