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Freitag, 4. April 2025
„Walk of Life“ (Dire Straits)
El Grande Finale: Wanderetappe Rua de Francos nach Santiago de Compostela ca. 13,5 km
Gehzeit ca. 03h50, Pausenzeit ca. 40min
Frieren, Frösche und florale Botschaften
Wir starten unspektakulär in den Tag, wie immer. Abgesehen davon, dass meine Füße heute schon VOR dem Aufstehen wehtun! Die Nacht war extrem anstrengend und schlaflos gewesen, weil das Zimmer so kalt und auch nicht dunkel genug gewesen war. Das Lämpchen am TV hatte ich mit einem Pflaster abkleben können aber die Vorhänge an den Fenstern waren ein Witz!
Das Frühstück ist nicht der Rede wert. Und für viertel vor neun haben wir uns mit Marianne und dem Fahrer verabredet zur Abfahrt. Keine Sorge, heute werde ich kein Trinkgeld geben…
Ob wir heute wohl auch nochmal einen Frosch sehen werden? In den letzten drei Wochen haben wir fast jeden Tag mindestens einen toten Frosch auf dem Camino liegen sehen! Ich frage mich schon ein bisschen, was mir das sagen soll… Der Frosch an sich steht ja für Verwandlung, Erneuerung, Transformation. Aber wie sieht das im toten Zustand aus? Vielleicht schreit dieses tote „Bild“ auch einfach „Fehlende Energie“, dann kommen wir aktuell zusammen. Haha. Naja oder es gibt hier einfach einen Parasitenbefall und die Frösche sterben hier deshalb wie die Fliegen… Wahrscheinlich ist es das.
Was uns aber ebenso von Porto bis Santiago begleitet hat, das ist die Calla-Lilie! Eine wunderschöne Pflanze – und botanisch eigentlich gar keine Lilie, aber aufgrund der lilienähnlichen Blütenform trotzdem so genannt. Ich komme nicht umhin, zu recherchieren, wofür sie steht, weil sie uns fast täglich so zahlreich begegnet: Eleganz & Anmut, Reinheit & Unschuld. Damit kann ich auf dem Camino noch nicht viel anfangen. Wiedergeburt & Unsterblichkeit passt schon besser zum eigentlich religiösen Jakobsweg. Aber auch Bewunderung & Wertschätzung! Ja das erleben wir hier ständig! Bewunderung, Wertschätzung und Respekt für unsere Körper und deren Leistung jedenfalls. Aber wie dem auch sei.
Die letzte Etappe
Wir starten um neun Uhr in Rua de Franco bei einem ganz besonderen Sonnenlicht. Eigentlich ist der Himmel extrem dunkel weil es auf der Fahrt auch schon geregnet hat, aber es scheint winzige Lücken zu geben, wo sich die Sonne durchquetscht und so leuchten die Bäume um uns herum regelrecht, als wir aus dem Auto steigen. Es herrscht ein ganz irres Licht, wir sind alle drei völlig geflasht, besonders ich bin sprachlos, weil es einfach einzigartig schön und unbeschreiblich ist. Das bekommt man auf kein Foto der Welt!
Wir gehen die ersten Meter, natürlich mit Marianne zusammen, weil sich das einfach so ergibt und wir natürlich auch absolut nichts dagegen haben, die letzte Etappe zusammen mit ihr zu bestreiten. Ich lasse sie und Philipp ein bisschen vorgehen, und kann nicht glauben, was die Sonne da anstellt, es fühlt sich komplett unwirklich an und irgendetwas glitzert in der Sonne in der Luft. Können Regentropfen im Sonnenlicht glitzern? Es könnten auch irgendwelche Partikel sein, denn sie schweben eher. Nasse Pollen? Ich habe keinen Schimmer, aber er hängt in der Luft! Es sieht komplett irre aus und ich komme mir vor wie in einem Film oder treffender: Wie in einem Traum! Faszinierend und surreal! Camino-Magie auf den letzten Metern?
Es ist so gruselig, und zwar gruselig schön, wie diese letzte Etappe beginnt. Ich könnte mit offenem Mund gehen vor lauter Staunen. Dieser dunkle Himmel, dieses strahlende Sonnenlicht, das habe ich so intensiv noch nie wahrgenommen. Wirklich zu regnen fängt es aber gar nicht an. Wir haben dann gleich zu Beginn eine waldige Passage, nicht besonders dunkel aber bald auch keine Sonne mehr.
So langsam fange ich mich und wir stapfen so vor uns hin. Irgendwann braucht es dann doch die Regenjacke und es tauchen die ersten anderen Pilger auf. Heute sehen wir insgesamt nicht viele Mitstreiter, ich vermute, das liegt daran, dass viele ihre letzte Etappe in Padron starten, und nicht wie wir, zwischen Padron und Santiago noch eine Nacht einlegen. Zwischen diesen beiden Städten startet man dann ziemlich einsam, was uns sehr gut gefällt, besser jedenfalls, als in einem Pilgerstrom die letzten Kilometer zurückzulegen.
Nach sechs oder sieben Kilometern ist der Regen so stark wie an den ersten Tagen in Portugal. Aber wir erreichen die einzige etwas „größere“ Ortschaft zwischen Rua de Francos und Santiago: O Milladoiro. Hier finden wir in einem Café Unterschlupf, ordern ein paar Getränke, trocknen kurz, gehen nacheinander austreten und für den weiteren Weg ziehe ich ein letztes Mal meine Regenhose über.
Nun ist es wirklich nicht mehr weit, wir haben fast die Hälfte unserer Etappe geschafft und sind nun tatsächlich auf der Zielgeraden. Ein bisschen Ortschaft, ein bisschen Wald, ein bisschen Asphalt, und immer mal noch ein bisschen Regen, mal mehr, mal weniger.
Von Santiago sehen wir erst unheimlich spät die ersten Häuser, man wundert sich, wie nah man ran laufen muss, um zu registrieren, dass man da ist. Als wir den allerersten Blick auf die Stadt erhaschen, setzt sich nur einen Moment später ein Rotkehlchen vor uns auf den Weg, bevor es im nächsten Baum verschwindet. Ich denke: „Oh, das hat mir bestimmt Mama geschickt!“. Und Philipp sagt: „Guck mal, ein Rotkehlchen, für deine Mama!“.
In einem Waldstück finde ich einen Samen vom Eukalyptusbaum. An sich keine Besonderheit, die haben wir in den letzten Wochen oft gesehen, sie sind ganz schön groß! Marianne hat mich aufgeklärt, dass die unverkennbar sind und in der Regel vier Schlitze haben. Sie sucht aber die ganz seltenen, die mit fünf Schlitzen. Das sei wie ein vierblättriges Kleeblatt und bringe Glück. Tatsächlich liegt so ein seltenes Exemplar nun auf dem Waldweg!
Ich hebe es auf, um es Marianne zu schenken. Sie strahlt und das freut mich. Sie sagt, das sei doch nun meins, und solle mir Glück bringen. Nein, ich finde, sie wollte es haben, und es kann auch ihr Glück bringen, auch wenn ich es gefunden habe. Glück verdoppelt sich doch, wenn man es teilt! Während dieser Szene spielt nebenbei ein singender Mann Gitarre, mitten im Wald unter einer Brücke. Und zudem hat er dort einen Engel-Stempel stehen, den wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen, gegen eine kleine Spende.
Das sind nun aber wahrlich sehr besondere letzte Meter, es scheint mir, als hätte der Camino mit all seinen sehr besonderen Momenten bis zum letzten Tag gewartet. Und gleichzeitig ist es auch ausgesprochen schmerzhaft für mich, ich habe mittlerweile nicht nur Fußprobleme sondern auch mit dem Unterschenkel zu kämpfen. Ich will letztlich einfach nur noch ankommen.
Doch das letzte Stück durch Santiago, elendig lange gerade aus, die Hauptstraße entlang, zieht sich gewaltig. Es regnet, ich bin nass geschwitzt, dazu Reizüberflutung pur, vor allem für die Ohren! Ich fühle mich, als hätte ich im Urwald gelebt und käme zum ersten Mal in eine Stadt. Willkommen zurück in der Zivilisation!
Als die erste Altstadtgasse auftaucht, wird es noch voller, aber wenigstens ist dort kein Autoverkehr. Dafür ist das die absolute Tourimeile, voller Souvenirläden und Restaurants. Aber wir haben natürlich nur EIN Ziel: Den Kathedralen-Vorplatz!
Am Kilometer NULL
Wir sind DA! Es ist HERRLICH! Einfach nur SCHÖN! Der Platz vor der Kathedrale ist riesig, die Kathedrale selbst natürlich auch, aber auch so viel schöner und beeindruckender als ich es zu träumen gewagt hätte! Wir sind einfach nur happy!
Wie alle um uns herum, machen wir unsere Ankunftsfotos, gegenseitig und miteinander, und sind unendlich froh! Leider stellen wir erst später im Hotel fest, dass diese Fotos die schlechteste Qualität all unserer Camino-Fotos haben! Das kann man nicht wiederholen, die kann man nicht nochmal nachstellen! Schade.
Schnell wird auch klar, dass Marianne unbedingt sofort in die Kathedrale rein und Philipp dringend zum Pilgerbüro möchte, um die Compostela zu ergattern. Ich hätte wirklich gerne noch ein bisschen in dieser Feierstimmung an der Kathedrale verharrt aber er hat insofern recht, dass wir am Pilgerbüro vielleicht zu lange warten müssten, wenn wir noch später kommen, immerhin ist es ja schon halb zwei gewesen als wir vorhin an der Kathedrale angekommen sind.
Zwischen Kathedrale und Pilgerbüro liegen ca. 250m Fußweg, die schaffen wir jetzt auch noch. Eine Frau, die uns entgegen kommt, kommt mir unfassbar bekannt vor, doch erst als wir schon aneinander vorbei sind, geht mir ein Licht auf. Sie ist Österreicherin, wir haben sie irgendwo im Wald kennen gelernt, wo sie uns fotografiert hat, das ist aber schon einige Tage her. Sie war mit einer Amerikanerin unterwegs, die sie in einer Herberge kennengelernt hat.
Vorgestern hatten wir uns online für die Ankunft am „ca. 4. April“ registriert und haben damit schon einen QR Code, der im Pilgerbüro gescannt wird. Wer das nicht, wie wir, vorher gemacht hat, kann das aber an den zahlreichen PCs vor Ort noch tun, es ginge also auch ohne Smartphone.
Der Mitarbeiter, der unsere QR Codes scannt, drückt uns Zettel mit Wartenummern in die Hand, wir gehen damit um die Ecke, wie befohlen, und sehen, dass wir schon im selben Moment dran sind! Hallelujah! So schnell? Ich hab doch noch gar nicht meinen Rucksack aus dem Regenkondom gepellt und die Stempelpässe rausgekramt! Nun will man ja hier auch niemanden aufhalten, ich werde hektisch. Dass wir an getrennten Schaltern stehen, macht es nicht leichter.
Nun muss man am Schalter seinen Stempelpass abgegeben, die eingehende Prüfung der Stempel und Daten, entfällt jedoch gänzlich bei uns. Erfahrungsberichte anderer Pilger hatten da schon Schauergeschichten erzählt, dass das sehr genau angeguckt würde. Nicht, dass wir da Bedenken hätten, schließlich sind wir die letzten 100km brav durchgepilgert, aber dennoch.
Was ebenso nicht der Fall ist: Laut den neuesten offiziellen Informationen aus März 2025, ist es immer noch so, dass bei der Online-Registrierung der Pilgergrund „religiös“ oder „spirituell“ sein muss, sonst bekommt man schon gleich gar keine Compostela! Da diese Frage in dem Formular aber kein Pflichtfeld gewesen war, hatten wir es drauf ankommen lassen und nicht ausgefüllt. Und nun fragt uns noch nicht mal jemand danach! Wir müssen einfach keinen Grund angeben und bekommen trotzdem die Compostela!
Es ist so: Es gibt die „einfache“ Compostela gratis aber man kann auch noch eine mit Kilometeranzahl und Startort ausstellen lassen, die dann 3 Euro kostet. Ich sprinte zu Philipps Schalter und frage ihn, was er macht. Er nimmt die mit den Kilometern zusätzlich! Ich bin unsicher, weil wir ja gar nicht die vollen Kilometer geleistet haben, ich noch weniger als er! Egal, sagt er! Unbedingt auch die!
Also nehme auch ich beide Compostelas und dann kaufen wir noch eine Posterrolle, in der wir unsere „heiligen“ Dokumente verstauen können. Unsere lateinischen Namen, die darauf vermerkt sind, lauten Annam Mariam Elisabetham und Philippum. Schon ein bisschen witzig. Und auch ein bisschen stolz! Das bleibt nicht aus.
Wir gehen zurück Richtung Kathedrale, in diese Richtung heißt das bergauf. Erst traue ich meinen Ohren nicht, aber oben an der Kathedrale erklingt ein Dudelsack und mir jagt ein Gänsehautschauer nach dem nächsten über und, warum auch immer, ist das fast noch emotionaler und beeindruckender, mit der Urkunde im Rucksack, als die eigentliche Ankunft vorhin! Wunder-wunderschön!
Philipp möchte in diesem Moment leider ins Hotel. Ich eigentlich nicht. Das Flair vor der Kathedrale und die eintreffenden, glücklichen Pilger, die so viel Freude, Stolz und Glück ausstrahlen, das ist ein ganz besonderes Gefühl, eine unbeschreiblich schöne Situation. Zumal mit dieser tollen musikalischen Begleitung.
Aber ich sehe ein, dass wir reif sind für die Dusche und so ziehen wir durch. Zum Glück haben wir ein richtig schönes Hotel zum Abschluss, zentral gelegen und sehr modern und neu.
Streifzug durch Santiago
Duschen, Füße tätscheln, kurz die Beine hochlegen, weiter geht´s! Heute ist nicht der Tag, wo wir uns unserem schwachen Fleisch ergeben und liegen bleiben, heute sind wir am Ziel unserer Wanderung angekommen und diese beeindruckend schöne Stadt müssen wir uns noch ein bisschen erschließen!
Und natürlich geht es uns in erster Linie um die Nahrungsaufnahme. Aber man glaubt es kaum, selbst in dieser großen Stadt gibt es an den meisten gastronomischen Orten eine „Schließzeit“, eine Siesta! Ich werd bald verrückt!
Es dauert eine Weile, doch dann lockt ein Schild, wo ich etwas von Tortellini lese und da ich verzweifelt auf der Suche nach Nudeln bin, seit ich weiß nicht wann (wahrscheinlich seit Vigo, denn da hatte ich zuletzt welche), gehen wir spontan rein. Von außen war das Etablissement ganz unscheinbar, drinnen sind wir völlig überwältigt, wo wir hier gelandet sind! Es sieht aus wie ein ganz schickes, altes Kaffeehaus und es wird auch überall Kaffee getrunken und Kuchen verzehrt! Ein bisschen sieht es auch aus wie im Museum.
Ich bekomme meine Tortellini und Philipp eine Pizza. Es schmeckt einfach gigantisch gut und die Umgebung dieses historischen Ortes ist sehr besonders. Wie ich später nachlesen werde, hat das Café eine lange Tradition, es wurde 1873 als exklusiver Treffpunkt für Aristokraten gegründet. Erst seit 2002 ist es für die Öffentlichkeit geöffnet und wurde schnell zu einem beliebten Ort für Locals wie Touristen, wo sie etwas essen oder trinken und gelegentlich auch kulturelle Veranstaltungen besuchen können.
Über Maps finden wir schnell die am Besten bewertete Eisdiele der Stadt und dort gönnen wir uns noch einen üppigen Nachtisch inklusive Espresso. Das Eis ist selbstgemacht und ultracremig, ich hatte selten so gutes Eis! Ich wähle die Sorten Schweizer Schokolade (mmmh!), Nata (Sahne) und Dunkle Schokolade (vegan) und hätte es nicht besser treffen können! Brownies (!) gibt es zum Espresso sowieso obendrauf, das heißt anschließend kann man uns rausrollen.
Philipp muss sich ablegen und geht Richtung Hotel, während ich noch durch die Gassen und Souvenirshops streife aber nicht so richtig fündig werde. Also gebe ich das bald wieder auf und schaue mir stattdessen lieber mal die Kathedrale von innen an. Ich weiß, Philipp legt darauf tendenziell weniger Wert, und wenn doch, können wir ja morgen nochmal zusammen gehen, denn der Eintritt ist frei und es ist wirklich ganz schön dort drinnen. Nur leider zu voll.
Danach rufe ich endlich zu Hause an und setze mich währenddessen auf den Kathedralvorplatz, wo ich noch ein bisschen Pilgerankunftsfreuden aufsaugen und allgemein das Treiben beobachten kann. Auch kommt während des Telefonats noch einmal kräftig die Sonne raus, die Kathedrale wird so mächtig angestrahlt dadurch, das sieht einfach nur toll aus!
In der Zwischenzeit rollen riesige LKWs auf den Platz vor der Kathedrale und es dauert eine Weile bis ich begreife, dass hier eine riesige Veranstaltung vorbereitet wird. Morgen findet ein Lauf statt, das Polizeiaufgebot ist schon jetzt riesig, es ist erkennbar, dass hier morgen alles vollstehen und teilweise abgesperrt sein wird.
Dann gehe ich aber auch mal langsam zurück zum Hotel und bin mehr als erledigt von diesem großartigen letzten Tag!
Samstag, 05. April 2025
Zum Durchblättern: Letzter Tag in Santiago de Compostela
Ein paar schöne letzte Stunden in Santiago de Compostela
Heute verzichten wir gänzlich auf den Wecker, was dazu führt, dass zumindest ich bis halb neun schlafe! Philipp ist, ohne Ohrstöpsel, schon früher wach, weil im und vorm Hotel reger Betrieb herrscht. Er lässt mich aber schlafen, was einerseits gut und wichtig ist, angesichts der vergangenen Wochen sowie der bevorstehenden anstrengenden Heimreise. Andererseits verpassen wir damit Marianne beim Frühstück undkönnen uns lediglich per WhatsApp verabschieden, irgendwie ganz schön schade.
Nach dem Frühstück gehen wir grundlos spontan links aus dem Hotel raus, die Ecke kennen wir noch gar nicht, und schwuppdiwupp stehen wir direkt vor der Markthalle von Santiago, wobei es genau genommen mehrere Markthallen sind, und auch draußen gibt es Marktstände. Obst und Gemüse natürlich, aber in erster Linie tote Tiere, wohin man blickt. Das ist nur konsequent und logisch, wenn man bedenkt wie schwer ich es hatte, etwas Vegetarisches zu essen zu finden auf dieser Reise.
Leider regnet es immer mal wieder aber dadurch sind die überdachten Bereiche des Marktes natürlich ideal für uns und ich finde sogar noch ein schönes Armband hier, denn ein paar wenige Souvenirstände gibt es auch. Ein bisschen ärgerlich ist es, dass sie hier den Santiago Kuchen so günstig verkaufen, den ich gestern in der Stadt in einem schicken Schokoladengeschäft zum doppelten bzw. dreifachen Preis gekauft habe…
Naturgemäß bummeln Frauen lieber als Männer, und um unserer beider Nerven damit nicht zu sehr zu strapazieren, lenke ich irgendwann ein und wir sitzen bald darauf im nächsten Hipster Café und trinken Matcha Latte… Erst dann wird die Stadt langsam lebendiger und wir stromern noch durch ein paar Souvenirshops bis wir gegen halb 12 zurück ins Hotel gehen weil wir bis 12 Uhr auschecken müssen. Das Gepäck können wir dann noch eine Weile hinterlegen.
Ein weiterer kleiner Souvenirshop-Bummel und ein Stück Pizza auf die Faust runden unseren Santiago-Aufenthalt anschließend ab. Ein letztes Eis auf die Faust ist das Sahnehäubchen auf diesen schönen (Vormit)Tag.
Heimweg
13.30 Uhr. Wir gehen einmal mehr zurück zum Hotel und lassen uns ein Taxi rufen, auch wenn das insgesamt 26€ kostet und der Airport Bus in Summe nur 2€, aber bei Regen und mit Gepäck die Bushaltestelle zu suchen, erscheint uns unattraktiv, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass ich immer noch nicht so schwer tragen kann mit meinen schmerzenden Füßen, und wir quälen uns ja leider mit Reisetaschen ab, die man nicht hinter sich herziehen kann, wie einen Rollkoffer. Das war vom Reiseveranstalter unnötigerweise so vorgeschrieben. Wir waren nämlich die einzigen ohne richtige Koffer!
Der Flughafen ist vollkommen leer, als wir dort ankommen. Vor dem Flughafengebäude ist keine Menschenseele zu sehen und wir sind weit und breit auch das einzige Fahrzeug. Das ist schon ziemlich seltsam, wie ausgestorben!
Selbst drinnen im Gebäude ist kaum etwas los! Das an sich, ist herrlich, aber es ist leider so stark klimatisiert, dass man kaum einen nicht-windigen Platz findet. Und da, wo wir uns dann „niederlassen“, werden wir von einer bayrischen Pilgerin in Beschlag genommen. Sie ist ungefähr in unserem Alter und eigentlich ganz nett aber auch viel zu mitteilsam. Ich habe gerade so gar keine Lust auf Pilgerplausch, leider registriert sie das nicht, oder es ist ihr egal. Und so wird es eine anstrengende Wartezeit für mich bis der Check in Schalter endlich öffnet.
Der Flughafen von Santiago de Compostela hat nur sechs Gates und es fliegt heute nur eine Maschine nach Deutschland. In der wird, außer uns und der Bayerin, unter anderem auch der Thüringer von vorgestern sitzen. Das hatten wir schon in unserem Gespräch mit ihm während einer kleinen Pilgerpause festgestellt. Wir treffen ihn tatsächlich in der Warteschlange am Check in Schalter. Da auch er redselig ist, parke ich ihn direkt bei der Bayerin und gehe dann zu Philipp, der mit unserem Gepäck in der kürzeren Schlange steht, nämlich jener, die Passagieren vorbehalten ist, die bereits online eingecheckt haben und nur noch Koffer (naja, oder eben Reisetaschen) aufgeben müssen.
Die Security Kontrolle ist sehr voll und hektisch, im Duty Free finde ich weitere Souvenirs, und am Gate trifft Philipp, als ich noch meine Runden drehe, den jungen Pilger, der mir vor ein paar Tagen Schmerzmittel angeboten hatte. Er lässt mir einen schönen Gruß ausrichten und, dass ich stolz sein solle, dass ich es aus eigener Kraft nach Santiago geschafft habe. So wie er mich hat laufen sehen, war das vielleicht nicht selbstverständlich. Das finde ich sehr nett von ihm, im Flugzeug sehe ich ihn auch noch kurz an uns vorbei gehen.
17.25 Uhr. Abflug nach Frankfurt . Zum Glück kann ich die meiste Zeit schlafen auf meinem undankbaren Mittelplatz, Philipp rechts von mir am Fenster, eine weitere bayrische Pilgerin links von mir auf dem Gangplatz.
Angekommen in Frankfurt kaufe ich mir einen minderwertigen Salat für 11,90 Euro, einfach weil ich unbedingt etwas „Grünes“ essen möchte. Leider vergeht mir der Appetit fast gänzlich nach dem Anblick der Flughafen-WCs, ich möchte das hier jetzt auf gar keinen Fall wiedergeben, aber es war einfach ein weiteres von vielen unbeschreiblich ekelhaften Erlebnissen an diesem Flughafen, den ich so unglaublich schrecklich finde. Wenn ich könnte, würde ich ihn für immer meiden!
Pünktlich und schnell geht es von Frankfurt nach Hannover. Und dann war´s das! – Wenn man bedenkt, wie lange wir von Porto nach Santiago gebraucht haben, zu Fuß, dann ist es in diesem Moment kaum verständlich, dass wir innerhalb weniger Stunden von Santiago nach Hause gekommen sind. Es fühlt sich ein bisschen seltsam an. Die Langsamkeit zu Fuß hatte durchaus ihren Reiz!
Aber dies ist nicht die richtige Stelle für ein Fazit du dieser Reise. Meine Erkenntnisse und persönlichen Erfahrungen teile ich mit dir gerne hier.








































