12.-16. August 2024
Montag, 12. August 2024
Es ist gegen 10.30 Uhr als ich meine Fahrt letztlich im Örtchen Groß Schwülper antrete. Das ist nicht ganz bei mir zu Hause in der Nähe aber auch nicht allzu weit weg. Ich habe hier heute noch ein paar letzte Besorgungen im Supermarkt, Drogeriemarkt und in der Apotheke gemacht bevor es final losgehen kann! Ich lege eine CD meiner Lieblingsband ein und sie haben ja so recht: It´s a beautiful day! Die Sonne scheint nämlich und es liegt eine interessante Woche vor mir!
Mein zweiter Bildungsurlaub beginnt heute, ich habe so etwas erst ein einziges Mal überhaupt gemacht, und das ist schon fünf Jahre her, damals mit Mama auf Borkum. Und da dachte ich mir Anfang diesen Jahres, bzw. eigentlich schon in 2022/23, dass es ja langsam mal wieder an der Zeit wäre! Man muss jedoch mitunter viel Zeit investieren um den passenden BU zu finden!
Mir fiel das gar nicht leicht, denn ich wollte einen gut erreichbaren Veranstaltungsort haben, das Seminar musste finanziell im Rahmen sein und vor allem wollte ich unbedingt ein Programm, das mich wirklich interessiert und welches ich gleichzeitig auch problemlos dem Arbeitgeber nennen kann. Letztlich darf der zwar nichts sagen wenn ich mich für „Lehmbau in Marokko“ oder „Bier brauen in Bremen“ entscheide (was es beides gegeben hätte!) aber für mich persönlich sollte es schon irgendetwas sein, was ich auch nennen mag, und das war dann irgendwann endlich mit „Englisch und Yoga“ gefunden.
Denn gegen Englisch kann keiner etwas einwenden, es sei denn man spricht es schon fließend, und Yoga finde ich absolut legitim als Tool zur Stressminimierung, die schließlich keinem Arbeitnehmer schaden kann! Anfang 2024 buchte ich also endlich meinen Aufenthalt in der Nähe von Brandenburg an der Havel, das kleine Örtchen heißt Fohrde und hier gibt es ein sogenanntes „Bildungshaus“, wo vielerlei Seminare stattfinden. Ein bisschen zu teuer fand ich es zwar, aber das Thema und die Lage direkt an der Havel waren einfach zu verlockend!
Die Fahrt heute zieht sich. Ich fahre zwar sehr bewusst über Land, weil ich Autobahn-Fahren nicht so mag bzw. nicht geübt darin bin, aber die vielen Umleitungen und LKWs zerren irgendwann an meinen Nerven bzw. drücken auf meine Blase! Denn heute ist es irre heiß und ich trinke fast ununterbrochen Wasser. Das hat zur Folge, dass ich kurz vor Stendal beinahe ausflippe, insbesondere als ich plötzlich über eine typische ostdeutsche Kopfsteinpflasterpiste ruckele… Im Industriegebiet der Hansestadt finde ich einen riesigen Supermarkt mit Kunden-WC. Schnell noch ein belegtes Brötchen in der prallen Sonne auf dem Parkplatz verzehrt, weil der Magen so sehr knurrt, und dann los, die letzte Autostunde noch hinter mich bringen!
Punkt 14 Uhr komme ich an, Beginn ist um 15 Uhr. Bis dahin kann ich meine sieben Sachen aufs Zimmer schleppen, auspacken und mich vor allen Dingen einmal im Schnelldurchlauf frisch machen. Die ausschweifende Kennlernrunde findet draußen statt, zuerst sitzen wir herrlich im Schatten aber weil dort die Gefahr droht von den Eicheln einer Eiche den Kopf zerlöchert zu bekommen, dank der bösen Eichhörnchen, sitzen wir bald darauf wo anders und zwar unter einem Sonnensegel, wo es aber längst nicht so angenehm ist wie in dem natürlichen Schatten der Bäume…
Die erste Yogastunde folgt auf dem Fuße, es geht ausgesprochen ruhig zu, dem Wetter angemessen. Außerdem sind „alle Yogalevel“ vertreten, genauso wie wir unterschiedlich „gutes“ Englisch sprechen. Ab sofort übrigens ausschließlich, das Englischsprechen, denn Deutsch ist ab jetzt, sinnigerweise, nicht mehr wirklich erwünscht.
Nach dem ausgesprochen köstlichen Abendessen findet draußen noch eine Englisch-Session statt, es handelt sich aber um thematisch vorgegebene Gespräche in wechselnden Zweiergruppen, also wir lernen in dem Sinne noch nichts sondern sollen erstmal in den Flow kommen. Und das läuft so viel besser und ist so viel cooler, als ich gedacht hätte. Und das mit Blick auf die untergehende Sonne über der Havel…
Dienstag, 13. August 2024
Ich habe mehr schlecht als recht geschlafen. Mein Gehirn war schon nach einem halben Tag, an dem ich fast nur Englisch gehört und gesprochen habe, schon so dermaßen voll, dass es nur noch Englisch gedacht und geträumt hat! Wow, das ging schnell! Damit hätte ich frühestens im weiteren Verlauf der Woche gerechnet! Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie mein Mann innerhalb kürzester Zeit genervt sein wird, wenn ich nach meiner Rückkehr Englisch mit ihm spreche… Zum Glück fliegen wir wenige Tage später nach Chicago, wo ich mein neu erworbenes bzw. aufgefrischtes Wissen ein bisschen anwenden kann!
Um halb sieben klingelt mein Wecker und ich bin schnell geduscht und angezogen weil ich ein bisschen an die frische Luft will. Ich schaue mir noch mal die Grünfläche an unserer Badebucht an, denn dort wird um 8 Uhr unser Yoga beginnen. Es ist hier schattig, also nehme ich lieber eine leichte Decke und ein Jäckchen mit. Herrlich ist es, wie im Urlaub, totales Sommerwetter und dann auch noch am Wasser zu sein… Wunderbar!
Als ich dann so auf der Matte liege, stelle ich fest, dass dies meine erste Outdoor-Yoga-Session ist! Der Blick auf die Havel ist traumhaft schön, unter mir das sattgrüne Gras, überhaupt keine Krabbeltierchen, und wenn man auf dem Rücken liegt, sieht man die Vögel am strahlend blauen Himmel von links nach rechts und von rechts nach links kreuzen… So könnte ich jeden Tag beginnen!
Nach dem köstlichen Frühstück ist Englischunterricht unter dem schattigen Holzpavillon im Garten. Wir behandeln das Thema „Wetter“ zuerst in Zweier- und Dreiergrüppchen und dann auch die verschiedenen Vergangenheitsformen wieder in der großen Gruppe. Also erst wieder frei sprechen und „rein kommen“, danach ein bisschen Theorie und deren Anwendung! Ein super Mix! Und die Zeit vergeht so schnell! Es macht wirklich Spaß, sofern man ein, zwei bestimmte Teilnehmerinnen ausblendet. Die eine redet einfach viel zu viel und viel zu laut (aber am falschesten von allen!) und die andere weiß einfach alles und das am Besten! Naja, jede Gruppe hat solche Exemplare…
Die nächste Yogastunde findet wieder drinnen statt, so wie gestern Abend, und dann gibt es ein leckeres Mittagessen. Wir essen grundsätzlich draußen, das Wetter muss man einfach nutzen, wir sind wirklich gesegnet damit!
Bis 16 Uhr haben wir anschließend Freizeit, welche unterschiedlich genutzt wird. Ich ziehe mich zunächst kurz aufs Zimmer zurück und liege später mit ein paar anderen im Garten, wo wir uns unterhalten, Richtung Wasser schauen, die Augen schließen, lesen und Tee trinken. Kuchen gibt es später auch, wer mag, und so verfliegt die Zeit. Manche sind auch schwimmen gegangen und eine Teilnehmerin hat ihr SUP-Board mit dabei!
Die nächsten zwei Stunden spielen wir -auf Englisch versteht sich- ein sehr unterhaltsames Konversationsspiel, wo jeder Teilnehmer einmal dran ist, drei Dinge bzw. Erlebnisse über sich selbst zu nennen, wovon eines unwahr ist. Die Gruppe muss durch Fragen stellen herausfinden, welche Aussage eine Lüge ist und zuletzt wird ausgezählt wer für Antwort A, B oder C ist. Meine Lüge entlarvt tatsächlich niemand!:
a) I broke my arm when I was a child.
b) I will go on holiday next week.
c) My horse had at least five different colors.
Nach dem Abendessen sollen wir eigentlich einen Film schauen, aber der Kelch geht an mir vorüber, denn die Auswahl ist mehr als mau. Mir gefällt einzig Eat, Pray, Love, was ja auch bestens zum BU-Thema gepasst hätte, doch die Chancen stehen schlecht, dass dieser Film die Mehrheit der Stimmen erhält, und so bin ich ganz glücklich als von technischen Schwierigkeiten die Rede ist.
Allerdings hätte ich letztlich doch liebend gerne jeglichen Film geschaut, denn kein Film der Welt hätte langweiliger und weniger nervtötend sein können als eine zweistündige Runde „Werwolf“ auf Englisch und zwar im Garten zwischen all den Mücken und während es immer dunkler wird. Hallelujah! Das zieht sich schlimmer als acht Stunden Büro wenn mal nichts zu tun ist. Und so was nennt sich „optimales Partyspiel“! Wahrscheinlich weil man dann die Chance hat sich besinnungslos zu besaufen um besagtes Spiel zu ertragen…
Abgesehen von Werwolf war es aber heute ein richtig schöner Tag. Ich fühle mich sehr wohl mit dieser Unterkunft und auch mit der Gruppe. Die Seminarleiterin ist super sympathisch und scheint absolut niemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Das Essen ist einfach nur grandios gut. Das Wetter ebenso. Und ich liiiebe es, den ganzen Tag in Yogakleidung sein zu können, komfortabler geht es wohl nicht. Außerdem ist es unglaublich wie lange so ein Handyakku halten kann, wenn man nämlich nicht die Zeit hat, ständig drauf zu gucken oder stundenlang drauf rum zu tatschen! Herrlich!
Mittwoch, 14. August 2024
Die Nacht war zu kurz und der Wind gestern Abend zu heftig, mein Hals fühlt sich komisch an, ich scheine Kopfweh und Schnupfen zu bekommen, als wir uns um 8 zum Yoga am See treffen, geht es zwei anderen genauso. Ich nehme heute extra viel Vitamin C und auch noch eine hochdosierte Ibuprofen, viel hilft viel, MUSS helfen in diesem Fall. Ich will nächsten Dienstag nach Amerika fliegen!
Ausgerechnet die heutige Yogastunde am Morgen hat es wirklich in sich. Oder ist sie gar nicht so schweißtreibend und es liegt an mir und weil ich eh etwas schwach bin heute? Ich bin jedenfalls fast ein bisschen froh als es vorbei ist obwohl ich das Grün, das Wasser, das Platschen der Fische und das Singen der Vögel schon sehr genossen habe…
Das Frühstück nehmen wir ganz selbstverständlich draußen ein, so wie jede Mahlzeit. Es geht immer total entspannt zu, das heißt es gibt keine Grüppchenbildung, man kommt immer mit wem anders an einen Tisch. Das genieße ich sehr.
Für den heutigen Englischunterricht sitzen wir zunächst unterm Pavillon, wir führen Gespräche in Zweiergruppen, es geht allgemein um Interessen, Erlebnisse, Gemeinsamkeiten etc. Ich erwische jemanden, der gar nicht so weit weg wohnt von meinem Wohnort, was irgendwie ganz witzig ist weil man sofort Themen findet.
In der zehnminütigen Pipipause befinden einige, wir müssten umziehen auf den Rasen, denn unter dem Pavillon stehe die Luft. Die wenigsten empfinden das so, auch ich nicht, trotzdem bilden wir einen Kreis mit Stühlen, Bänken, Liegen und Sitzkissen, den wir uns auch beinahe hätten sparen können, denn nun gilt es in Vierer- und Sechsergruppen Gespräche zu führen und Gemeinsamkeiten aufzudecken. Ich stelle erneut fest, ich muss mich für mein Englisch wirklich nicht schämen.
Die mittägliche Yogastunde findet wieder im „Yogaraum“ statt. Dieser ist auch gut temperiert. Heute hat es auch draußen wieder 32 Grad… Die man aber nach wie vor nicht merkt…
Die Pause nach dem Mittagessen verbringe ich überwiegend in meinem Zimmer, atmend auf dem Bett. Ich brauche einfach einmal eine Pause, keinen Input, ich habe hier nicht mal Lust auf mein Buch oder Handy, das Gehirn ist non stop in Action, leistet das bestimmt 20fache wie an einem normalen Arbeitstag. Das ist anstrengend aber auch einfach nur toll, es fühlt sich gut an!
Um 15 Uhr ist Kaffee- und Kuchen-Zeit, doch heute gibt es „very british“ Scones garniert mit einem „lustigen“ Spiel, wo jeder eine Karte zieht, entweder „Action“ (z.B. „Tue 1 Minute lang so als wärst du ein Huhn.“) oder „Mental“ (z.B. „Nenne binnen einer Minute 10 Männer-Vornamen mit A.“). Nachdem ich dran war, klinke ich mich aus und begebe mich mit dem „Huhn“ zu einer anderen Teilnehmerin, die sich von Anfang an abseits begeben hat und im Schatten auf der Gartenliege liegt.
Es geht bald weiter mit Englischunterricht, in diesem Fall diskutieren wir anhand unseres Work Books in Kleingruppen diverse Zitate rund um das Thema Kunst. Ich erwische glücklicherweise ein lustiges Trüppchen, habe aber auch ganz bewusst vermieden, eine bestimmte Streber-Teilnehmerin nicht in meiner Gruppe zu haben, denn ich kann sie wirklich, wirklich nicht mehr ertragen. Mit Kunst, bzw. moderner im Besonderen, haben wir in unserer Gruppe nicht viel am Hut aber uns darüber auslassen können wir bestens, sogar auf Englisch!
Unser Grüppchen ist es auch, das bei einsetzendem Donnergrollen und den ersten Regentropfen beschließt, die Runde aufzulösen, außerdem ist ja eh bald schon wieder Abendbrotzeit…
Um 19 Uhr treffen wir uns zu unserer dritten Yogaeinheit am heutigen Tag und wir beginnen mit einer Kerzenmeditation. Die mag ich grundsätzlich sehr gerne aber ich finde heute keinen bequemen Sitz, der Raum ist definitiv nicht mehr angenehm kühl und meine Brille alles andere als sauber.
Die anschließende Yin Yoga Session ist insofern erstaunlich, als dass es sich hier um eine extrem ruhige Yoga-Art handelt („Da liegt man nur herrlich faul rum.“), doch mir läuft so dermaßen der Schweiß, bzw. uns allen, das ist mir bei Yin Yoga noch nie passiert, normalerweise brauche ich da extra Klamotten und vor allem Socken, doch davon kann nicht die Rede sein! Genau genommen bin ich froh als es vorbei ist, denn die abschließende Yoga Nidra Einheit (hier liegt man dann wirklich nur in Shavasana, der Totenstellung) kommt mir vor als würde sie nie enden…
Einer unserer beiden männlichen Teilnehmer hat nach dem Yoga noch die Idee, barfuß durch den Garten zu laufen. Das Gewitter, das uns schöne Blitze zum Yin Yoga geschickt hatte, ist inzwischen zu Ende und es regnet nur noch, ist aber angenehm warm. Wir bekommen immerhin sechs Personen zusammen und genießen die Natur auf diese Weise unwahrscheinlich. Eigentlich hätten wir sogar gerne noch ein paar Pfützen zum Patschen aber die lassen sich hier nicht finden.
Donnerstag, 15. August 2024
Wie jeden Morgen 8 Uhr Yoga. Ich spüre inzwischen jeden einzelnen Muskel meines Körpers, auch jene, von deren Existenz ich noch gar nichts wusste. 2-3x am Tag Yoga zu machen ist einfach was anderes als 2-3x pro Woche! Außerdem kommen wir in dem vermeintlich angenehm kühlen Raum heute ordentlich ins Schwitzen, mir läuft die Suppe, ich kann es gar nicht glauben.
Nach dem Frühstück geht es wieder in den Yogaraum aber nun für etwas Theorie. Wir schauen einen Film über acht Minuten, den ich als kleine Einleitung in das Thema Yoga beschreiben würde, und sollen dann auf Englisch in Zweiergruppen darüber sprechen und Fragen dazu beantworten.
Anschließend erklärt die Kursleiterin den Begriff Yoga etwas genauer, denn im Allgemeinen versteht die westliche Welt darunter nur die „Posen“ und Bewegungsabläufe, doch grundsätzlich ist dies nur einer von sieben/acht Bausteinen, aus denen YOGA besteht:
1. Ways of living: Kurz gesagt, sieh zu, dass du freundlich zu dir selbst wie auch zu anderen bist, dazu gehört gewaltfreie Kommunikation und Handlungsweise, nicht zu stehlen (auch keine Informationen oder geistiges Eigentum), ayurvedische Ernährung (weil vegan und damit freundlich zu Tieren) und auch Abstinenz.
2. Observing: See the bigger picture and your relation to everything.
3. Asanas: Der „sportliche“ Teil, der im Westen als Yoga betrachtet wird.
4. Pranayama: Breathing Exercises; Keep yourself free from suffering
5. Pratayahara: to focus in, withdrawal from senses
6. Dharana: concentration (for example candle gazing)
7. Dhayana: Meditation
8. Samadhi: Erleuchtung
Es heißt also 1. bis 7. führen zu 8. und bilden zusammen das, was Yoga eigentlich IST!
Ich würde das nur zu gerne noch sehr viel weiter vertiefen aber es ist nun vor dem Mittagessen noch eine kleine Meditation vorgesehen, wir singen das Mantra Sa-Ta-Na-Ma und ich finde es so viel besser als gedacht, schlafe im Sitzen dabei beinahe ein. Ob wegen des Mantras oder vielleicht weil mir Wetter und Woche in den Knochen stecken, kann ich allerdings nicht sagen…
Das Mantra wird erst laut gesungen, dann flüsternd, dann nur im Geiste, dann wieder flüsternd und zuletzt noch einmal laut. Das „Man“ in „Mantra“ steht für den Geist, das „tra“ für Befreiung. Ziemlich einleuchtend, oder?
Und dieses spezielle Mantra soll ausgleichend wirken: SA steht für die Unendlichkeit, TA für Leben, NA für den Tod, und MA Wiedergeburt. Sa-Ta-Na-Ma handelt also vom immer währenden Zyklus. Es gibt unglaublich viele Mantras, bisher war Mantra-Singen überhaupt nicht meins aber heute ist es extrem beruhigend und angenehm.
Nach dem Mittagessen dann heute der große FREE TIME-Tag. Um 18 Uhr ist Abendessen bzw. um 19 Uhr geht das Programm weiter. Bis dahin wollen die meisten eine Fahrradtour machen bzw. wandern gehen und ein paar wenige Teilnehmer gerne in ein Kanu bzw. Kajak hüpfen. Ich hingegen bin froh über etwas Ruhe und Me-Time. Zuerst: Power Napping im Zimmer, ich schlafe wirklich ein bis mein Wecker klingelt. Und dann gehe ich mir einen Kaffee zapfen, den ich unten an der Havel trinke während ich endlich einmal ausgiebig mit meinem Mann telefoniere.
Als ich zurückkomme, ist schon wieder das Kuchenbuffet aufgebaut. Ausnahmsweise greife ich einmal zu und setze mich damit unter den Holzpavillon um vor Wind geschützt lesen zu können. Der Plan geht so nicht auf: Es ist auch hier windig und kurz nach mir kommt unser Hamburger Ehepaar ebenfalls mit Kaffee und Kuchen und setzt sich zu mir, sodass wir uns natürlich unterhalten. Sie sind aber immer wieder sehr angenehme Gesprächspartner und so wird es sehr nett, insbesondere weil sie schon sehr weit gereist sind, ist es interessant.
Irgendwann ziehen sie aber auf Sonnenliegen um, um noch Sonne zu tanken, und ich nutze die Gelegenheit, mir schon mal Gedanken zu machen über mein Gepäck, d.h. was ich morgen noch benötige und was vielleicht schon verstaut werden kann. Das ist gar nicht so einfach weil man bei diesem Wetter, insbesondere nach dem Yoga, mehrmals am Tag eine Dusche und/oder ein neues Oberteil benötigt, wir aber morgen nach Yoga und Frühstück schon auschecken müssen. Dann haben wir noch Englisch und Mittagessen.
Zum Abendessen kommen wir heute wieder alle zusammen: Die Wanderer haben Eisdielen-Hopping gemacht, die Radler waren an einem See und bei einem Schloss (je nachdem wer es erzählt, ist es eher schon eine Schlossruine) und ich habe halt geschlafen. Denn auch das habe ich vor dem Abendessen noch einmal ausgiebig getan.
Der heutige Abendprogrammpunkt ist ein Film auf Englisch. Unsere Leiterin hatte ihn so angepriesen, dass er von der großen Mehrheit gewählt wurde. Vier Filme hatten zur Auswahl gestanden, wovon die ersten beiden gar keine Stimmen bekommen hatten und der dritte, Eat, Pray Love, der auch meine Wahl war (und thematisch sehr gut gepasst hätte wegen des Yogas), hatte nicht genug Hände bekommen. Leider! Denn der Film, den wir nun schauen, Quadrophenia, ist von 1979 und die reinste Qual! Die Leiterin hatte ihn angepriesen weil er in ihrer Hometown spielt, doch nach knapp der Hälfte verschwindet auch die Hälfte der Gruppe, wozu auch ich gehöre, weil mir schon die Augen zufallen.
Der gesamte Film ist ausgesprochen dunkel, laut und dämlich. Man fragt sie die gesamte Zeit über wann es denn nun richtig losgeht. Zudem ist die Tonqualität bescheiden und die Aussprache der Darsteller grenzwertig, insbesondere weil es sich um den damaligen Jugend-Slang handelt, natürlich mit entsprechend vielen unbekannten, abgekürzten und Schimpfwörtern. Hauptperson ist Jimmy, gelangweilt von seinem Arbeiterleben im London der 60er Jahre. Es geht um Sex, Drugs und Rockn Roll, Banden, Cliquen und Gangs. Ich würde so einen Film nicht mal auf Deutsch in Erwägung ziehen weil ich es stinklangweilig finde und in der Tat kommt ja auch gar keine Handlung in Gang, es wird entweder getanzt, gefummelt, konsumiert oder geprügelt.
Irgendwie ein unglücklicher Abschluss, kein guter letzter Abend. Schon klar, ursprünglich hatte der Film am Dienstag geschaut werden sollen und heute wäre das Spiel Werwolf dran gewesen, das wir dann ja am Dienstag schon hinter uns gebracht haben. Das wäre also auch nicht schöner geworden als Abschluss.
Wir liegen noch eine Weile auf den Gartenliegen, der Himmel noch gerade so eben blassrosa von dem Sonnenuntergang, den wir gerade verpasst haben, und dann stehe ich auch bald als Erste auf weil ich so zerstochen werde und lieber noch in Ruhe ein paar Nüsse knabbern und erneut duschen gehen möchte.
Freitag, 16. August 2024
Der letzte Tag ist angebrochen. Wie schade! Wirklich schade! Irgendwie könnte ich noch eine Woche dran hängen, obwohl diese eine Woche wahrscheinlich genau richtig ist. Denn es ist schon arg anstrengend für mich, fast permanent mit so vielen Menschen zusammen zu sein. Manchen Menschen gibt das Energie, mir zieht es welche. Obgleich mir das BU-Programm sehr viel Spaß macht, das eine hat für mich mit dem anderen nichts zu tun.
Gegen 7 bringe ich meinen Koffer ins Auto und streife ein letztes Mal durch die Anlage, natürlich auch an unsere Badestelle an der Havel. Ob wir hier heute noch mal Yoga machen werden? Ich gehe auch noch weiter an eine ganz andere Stelle am Wasser, von dort aus sehe ich dann einen unserer Teilnehmer nackt aus dem Wasser kommen. Wie gut, dass ich nicht auf ihn gewartet habe an der Badestelle…
Trotz des sehr nassen Grases wird dann entschieden, dass wir heute nochmal am Wasser Yoga machen. Und wir geben wahrscheinlich ein unterhaltsames Bild ab für die Leute auf den beiden Hausbooten, die heute hier vor Anker liegen. Sie frühstücken und angeln unweit unserer Wiese auf bzw. vor ihren schwimmenden Behausungen, doch es dauert nicht lange, da sind wir nicht mehr das größte Schauspiel, denn es kommt eine Frau mit Hund. Beide stürzen sich ins Wasser, die junge Dame gänzlich unbekleidet, wir müssen kichern, für die Hausbooturlauber ist es vielleicht besser als Kino…
Aber es geht noch weiter! Kurz darauf kommt ein bierbäuchiger Mann mit zwei Kaffeetassen und geht zum selben Baum wie die Frau zuvor. Wie nett denke ich, er empfängt sie gleich mit einem Heißgetränk. Nein, erst einmal zieht er ebenfalls blank und hüpft hinterher! Lange sind sie mit dem Hund im Wasser, ungewöhnlich wird das Bild, als sie wieder aus dem Wasser heraus und auf uns zu gehen… Sie trinken dann ihren Kaffee, sie macht noch ein paar Liegestütze und scheinbar, aber ich höre das zum Glück nicht, aber andere unserer Yogis, kommentieren sie alles was wir tun und machen sich teilweise lustig über uns.
Ich verstehe es, wenn jemand seine Routinen hat, von mir aus auch Nacktbaden. Und von mir aus auch noch Stöckchen werfen, worauf hin der Hund jedes Mal lautstark ins Wasser platscht, auch wenn wir dann kaum noch unsere Yogalehrerin hören können. Aber respektlos daneben zu stehen und dummes Zeug zu labern, das ist eine andere Sache! Meine Mattennachbarin packt irgendwann ihre Sachen zusammen und geht, weil er nun auch noch anfängt zu rauchen. Ein bisschen schade um unsere letzte Outdoor-Yoga-Einheit…
Nach dem Frühstück haben wir zwei Stunden Englischunterricht im Garten, ich hatte mir die Erklärung zu den Unterschieden von someone, somebody, anyone, anybody, everyone und everybody gewünscht, was mir nie jemand erklärt hat, und das machen wir als erstes. Anschließend sollen wir noch in Dreiergruppen ein paar Fragen aus dem Workbook machen, in erster Linie geht es um Freizeitaktivitäten. Und es kommt, wie es kommen muss, nun greife ich doch noch in die Scheiße und bin in einer Gruppe mit der einen Person, der ich kein bisschen aufs Fell gucken kann, nicht mal mit verbundenen Augen! Was für ein Spaß!
Die letzte Yogastunde ist dann extrem ruhig und mehr Meditation als Bewegung, denn wir hatten bereits auschecken müssen und können uns nicht mehr auf unserem Zimmer frisch machen vor dem Mittagessen und der Heimreise. Trotzdem ist es eine ganz wunderbare letzte Yogaeinheit, nach der ich mit einer weiteren Teilnehmerin unserer Lehrerin noch einen beschrifteten Briefumschlag mit Trinkgeld überreichen, das war mir relativ spontan eingefallen, genau wie die Worte dazu aus dem Stegreif, und man gewinnt den Eindruck, dass das andere Gruppen vor uns vielleicht noch nicht gemacht haben, sie ist jedenfalls sehr gerührt.
Nach dem Mittagessen überreicht meine Geldsammelkollegin auch dem Küchenteam etwas, das hatte ich angeregt weil ich die Verpflegung ausnahmslos grandios fand und es einfach zu schade wäre, das nicht anzuerkennen! Die Kräuter kommen aus dem eigenen Garten, das Gemüse aus der Region, Fleisch gibt es nicht, der Kaffee ist Fair Trade, es gab sogar immer eine vegane Variante und sowieso und überhaupt war alles gesund und ausgesprochen lecker! Wir hätten wirklich nicht besser verpflegt werden können, das wird mir zu Hause fehlen…
Einige begeben sich schon zum Bahnhof, der harte Kern bleibt noch für eine kleine Gesprächs- und Abschiedsrunde, man kann eigentlich gar nicht in Worte fassen wie toll unsere Lehrerin das alles gemacht hat! Es war doch sehr individuell, sie ist auf alle Fragen und Probleme im Englisch wie beim Yoga eingegangen, war unglaublich geduldig, hatte für jeden immer ein Ohr, und hat ganz nebenbei zwischendurch noch ihre zweijährige Tochter betreut, die nicht in jeder Nacht schlafen sondern im Zweifel lieber mit Mommy etwas spielen wollte…
Man kann es nicht anders sagen, es hätte nicht besser laufen können! Vielleicht, ganz vielleicht, würde ich mehr mitnehmen wenn es ein höheres Level im Englischunterricht gewesen wäre, denn da habe ich nicht so viel gelernt, wie gehofft aber wenigstens hat man es mal wieder gesprochen und das war schon wirklich schön.
Beim Yoga war es genau richtig, obwohl wir blutige Anfänger dabei hatten, auch für die war sehr vieles möglich, und andere Asanas waren so fordernd, da sind dann auch wir, die wir schon länger Yoga praktizieren, nicht mitgekommen. Es war also wirklich ein super Mix und immer für jeden eine andere machbare Variante an Posen dabei! Es gibt den gleichen BU im August 2025 wieder… Kurz spiele ich auch mit dem Gedanken, doch dann besinne ich mich, denn das Englischlevel wäre ja das gleiche, das fordert und fördert mich leider nicht. Und abgesehen davon bin ich unsicher ob so eine, grundsätzlich harmonische, tolle Gruppe noch einmal entstehen könnte. Und das Wetter kann man sowieso nicht mitbuchen!
Ich denke, das kann ich als Fazit so stehen lassen. Und für einen anderen BU im nächsten Jahr wird sowieso schon geguckt! Leider hat die Bildungsstätte vom diesjährigen BU kein anderes Programm, das mich direkt fesselt aber ich bin sicher ich werde etwas auftun!
Der gesamte Bildungsurlaub in Bildern – zum Durchklicken:




























