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Samstag, 31. Dezember 2022
Silvester nicht zu Hause zu sein ist an sich auch mal eine schöne Sache, so entfällt der „Wo-Wie-Mit-wem-feiern-wir?-Stress“! Im Ausland sind wir zu diesem Zeitpunkt allerdings auch noch nicht gewesen, schon gar nicht auf der „Besten Insel der Welt“, wie Madeira 2018 ausgezeichnet wurde. Bisher wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt: World Travel Awards. Sollte ich mir vielleicht mal genauer anschauen… Denn bei Madeira scheinen wir uns schon ganz schön einig zu sein, die Jury und ich…
Aber nun. Heute frühstücken wir sehr spät, das merkt man spätestens daran, dass die heißen Speisen nicht mehr ganz so heiß sind, die Churros schon länger liegen und vor allem unheimlich viele Menschen im riesigen Frühstücksraum sind. Jetzt haben sie alle ausgeschlafen… So wie wir. Es ist sogar so ungemütlich, dass wir das weitere Kaffeetrinken auf die Terrasse vor der Bar verlegen, dort gibt es gemütliche Korbsessel ohne hektisches Buffet-Flair.
Heute haben wir nichts vor, abgesehen vom Silvester Gala Dinner und anschließend das Feuerwerk in Funchal. Jedes Jahr um Mitternacht wird dort eine Menge in die Luft geschossen! Madeira ist extrem berühmt dafür, denn es handelt sich um eine der größten Pyroshows der Welt, viele Besucher kommen extra dafür hier her. Wenn nicht unbedingt in ein Hotel, dann zumindest per Kreuzfahrtschiff, was gar nicht so dumm ist, denn ich bin mir sicher, von den Pooldecks der Schiffe dürfte man eine grandiose Sicht haben! Rund acht Minuten dauert das Spektakel jedenfalls und wir sind schon unheimlich gespannt darauf.
Doch der Tag ist noch lang. Philipp springt noch mal ins Dampfbad und ich telefoniere mit Mama.Wir haben die ganze Woche nur per E-Mail Kontakt gehabt.
12 Uhr.
Die Straße hoch ist ein ganz kleiner Supermarkt. Eigentlich nicht weit weg vom Hotel aber den „Berg“ hoch muss man sich halt überwinden. Und deshalb bin ich auch noch nicht dort gewesen. Aber ich brauche noch eine Postkarte und eine Briefmarke und werde auch fündig. Außerdem kaufe ich noch zwei Flaschen Bier für zu Hause, wenn wir dann irgendwann mal einen Abend an Madeira zurück denken wollen. Anschließend widme ich mich dem Projekt Koffer während der Mann letzte Sonnenstrahlen auf dem Balkon einfängt. Schlau von ihm, aber ich brauche für´s Packen immer ein bisschen länger…
13.30 Uhr.
Heute ist es sehr warm und sehr sonnig, wir legen uns an den Pool, wo so viel los ist wie die ganze Woche noch nicht. Einer der beiden großen Pools ist wirklich ordentlich beheizt, sodass ich schon gerne noch schwimmen würde aber wo zur Hölle könnte mein Bade-Outfit sein? Schon im Koffer? Wenn ja: wo? Wenn nein: Wo dann? Ich belasse es dabei und beginne ein neues Buch. Den Krimi, der auf Madeira spielt habe ich endlich durch, jetzt widme ich mich einer anderen Insel: Eine deutsche Tierärztin ist nach Island ausgewandert. Ein neues Reiseziel für uns?
Als es mich irgendwann nicht mehr auf der Liege hält, lasse ich Philipp guten Gewissens alleine dort liegen. Er trabt regelmäßig zu Pepe´s Pool Bar und ist somit beschäftigt. Kaum genießbare All inclusive Cocktails sind das Bällebad der Erwachsenen. Mancher Erwachsener. Mehr oder weniger Erwachsener.
Ich unternehme einen sehr ausgiebigen Spaziergang am Meer und genieße die letzten Sonnenstrahlen für heute, für dieses Jahr, für die nächsten Wochen und Monate, bevor es zurück in den grauen, nassen deutschen Winter geht. Hier und da setze ich mich für ein paar Minuten hin und schaue den Wellen zu. An anderer Stelle beobachte ich ein paar streunende Katzen, für die hier extra Schlafplätze, Futter und Wasser aufgestellt werden. Und überall ist heute was los! Das einzige Café/Restaurant weit und breit ist proppevoll. Einige Leute liegen in der Sonne auf den Stufen runter zum Meer. Manch einer springt sogar ins wilde, kühle Nass. Jugendliche kommen mit dem Roller vorbei. Ein paar Rentner aus unserem Hotel vertreten sich, wie ich, die Füße. Hunde hüpfen umher. Und eine total entspannte Stimmung.
17 Uhr.
Wir nehmen uns einen Kaffee mit auf den Balkon. So langsam wird es Zeit, meinen Koffeinhaushalt aufzufüllen wenn ich wirklich bis Mitternacht durchhalten soll. Dann wird geduscht. Philipp packt. Und wir machen uns für´s Gala Dinner (nicht übermäßig) fein.
17.45 Uhr.
Wenn ich dachte, an Weihnachten haben sie hier groß aufgefahren, dann war das ein Irrtum. Schaut man sich an was hier heute los ist, ist das wirklich noch mal eine Schippe drauf! Die Kellner und Mitarbeiter sind noch schicker als vor einer Woche! Es gibt Happy New Year Deko im gesamten Hauptrestaurant. Das Buffet ist umwerfend. Und wir lassen es uns schmecken! Und wie!
Auf der Terrasse trinken wir hinterher noch Kaffee bzw. Cocktail bevor wir jedoch befinden, dass es noch viel zu früh ist um jetzt bis 20 Uhr durchzuhalten, wenn das hoteleigene Feuerwerk startet. Deshalb gehen wir doch noch mal auf´s Zimmer, wo wir das erste Mal in diesem Urlaub den Fernseher einschalten und uns die Hits der 00er auf einem deutschen Musiksender geben! Bedauerlicherweise gibt es eine viel zu niedrig eingestellte Maximallautstärke am Gerät…
20 Uhr.
Cocktailempfang mit Feuerwerk. Die Hotelgäste drängen sich oben auf der Terrasse, ich platziere uns unten auf einer Poolliege, wo wir die allerbeste Aussicht haben! Für gerade mal um die 620 Gäste so ein Feuerwerk wie dieses abzuschießen, das ist schon ordentlich! Da lassen sie sich nicht lumpen! Wunderschön!
Dann begeben auch wir uns auf die sich leerende Hotelterrasse und machen weiter mit Kaffee bzw. Cocktail. Genau genommen gönne ich mir einen Espresso nach dem anderen. Ich will ja wach bleiben.
21.15 Uhr.
Wir stehen vor dem Hotel und möchten gerne einen der ersten Busse nach Funchal erwischen. Den Shuttle hatten wir zuvor angemeldet für 16 Euro pro Person hin und zurück. Das finden wir einen fairen Kurs. Ein Taxi wäre jedenfalls eine Ecke teurer! Einziger Knackpunkt: Die Aussage über die Abfahrt ist jedes Mal eine andere, je nachdem wen man an der Rezeption fragt. Aber unterm Strich wird es wohl ca. 21.30 Uhr / 22 Uhr sein und wir sollen unbedingt früh genug bereit stehen. Und das tun wir hiermit! Tatsächlich ergattern wir den ersten Bus und steigen als erstes ein.
21.40 Uhr.
Abfahrt nach Funchal. Unser Stamm-Busfahrer legt wieder die selbe Platte auf wie jeden Tag und scheinbar sind alle schon mal mit ihm gefahren, denn der ganze Bus jubelt und klatscht. Mehr kann man nicht tun, schließlich versteht niemand den Text, geschweige denn könnte auf Portugiesisch etwas mitsingen. Aber die Melodien sind sehr eingängig und versprechen regelmäßige Ohrwürmer! Eine extra Runde durch den Kreisel vor dem kleinen Supermarkt, und dann ab Richtung Funchal!
Heute wird eine leicht andere Strecke gefahren, denn wir werden nicht an der Seilbahnstation aussteigen. Dort wo der Bus normalerweise hält, sind die Straßen für das Feuerwerk gesperrt, sodass wir am anderen Ende der Stadt halten werden. Ich weiß nicht ob es an dieser anderen Fahrstrecke liegt oder, viel wahrscheinlicher, an der Dunkelheit, aber uns entfährt beiden ein fasziniertes „Wooooow“ auf unseren Plätzen in der ersten Reihe. Und auch ein paar andere Fahrgäste staunen mit uns! Vor uns liegt eine beeindruckende Kulisse als wir uns der Stadt nähern, man sieht über und über beleuchtete Hänge, die mit Worten nicht zu beschreiben sind. „Lichtermeer“ wäre vielleicht passend, ist aber zu ausgelutscht. Das ist vermutlich einer der Momente wo man in einem Roman lesen würde, dass es dem Protagonisten die Sprache verschlagen hat!
22 Uhr irgendwas.
Wie ich zuvor schon in Erfahrung gebracht hatte, halten wir gegenüber des Einkaufszentrums, das ich vor ein paar Tagen schon besucht hatte. Daher weiß ich genau wo wir sind und wo wir lang gehen können. Zunächst nämlich schlendern wir wieder Richtung Weihnachtsmarkt, der jetzt natürlich Hochbetrieb hat, und weiter Richtung Kathedrale und an dieser vorbei. Geschäfte haben nicht mehr geöffnet aber die Straßen sind gut belebt. Restaurants und Bars versuchen jetzt nach und nach zu schließen, verständlich. Trotzdem schade, wir wären gerne noch irgendwo eingekehrt.
Kein Problem! Unten an der Avenida do Mar, am Hafen, steppt der Bär. Die gesamte Hauptstraße, einen Kilometer lang, ist für den Verkehr gesperrt, die Menschen laufen auf der Straße genauso wie auf der eigentlichen Promenade und selbstverständlich haben hier kleine Buden und Kioske noch geöffnet! An einem solcher Kioske, also einem kreisrunden Verkaufsstand, wie man sie in Berlin für Zeitungen und Tabakwaren kennt, bekommen wir Espresso und Bier und sind für das Spektakel gut gewappnet.
Es herrscht eine angenehme Stimmung. Die Menschen sind gut drauf aber es fehlt glücklicherweise das typisch deutsche Besoffensein. Keine torkelnden, grölenden, abstoßende Menschen, denen man ausweichen muss. Eher südländische Gelassenheit und Live Musik. Die angenehmen Temperaturen tragen ihren Teil dazu bei, erst später zum Feuerwerk muss ich mir meine Jacke anziehen.
23 Uhr.
Wir haben einen Sitzplatz gefunden auf einer Mauer unterhalb des Santa Catarina Parks. Von hier aus können wir die Bucht ziemlich gut überschauen und erhoffen uns einen guten Ausblick auf das Feuerwerk. Außerdem müssen wir hier später auch die Straße wieder hoch zum Bus. Doch so lange heißt es erst mal warten. Aus dem Santa Catarina Park schallt Live Musik. Von den beiden Kreuzfahrtschiffen, die direkt vor unserer Nase liegen, wehen die Pool Partys herüber. Und Ronaldo hat für sein Hotel daneben offenbar auch einen fleißigen DJ engagiert. Von etwas weiter her die Live Musik von der Bühne auf der Praca do Povo, neben dem großen Weihnachtsbaum. Hier vermischt sich für uns alles.
23.50 Uhr.
Jede Minute bis Mitternacht, wie Philipp beobachtet, gibt es schon Mal ein paar Test-Raketen im Hafen.
0 Uhr.
High Life! Gänsehaut pur als das rekordverdächtige Feuerwerk gleichzeitig mit dem Tuten der Kreuzfahrtschiffe beginnt und das neue Jahr einläutet! Das ist nicht von dieser Welt! Ich weiß gar nicht wie mir geschieht und habe für eine Weile das Gefühl zu schweben. Anders kann ich es gar nicht beschreiben.
Wir wussten vorher, dass an über 50 Punkten, verteilt in der ganzen Stadt, und im Hafen, Raketen hoch geschossen würden und wir hatten auf der Fahrt in die Stadt auch ganze „Felder“ von Batterien, natürlich polizeibewacht, aus dem Bus heraus gesehen. Doch das Ergebnis haut mich trotzdem um! Dass das Guinness-Weltrekord ist bezweifle ich nicht! Einmalig schön! Und für mich auch irgendwie ein bisschen emotional. Ein Träumchen.
Weiter zu Tag 8: Bye Bye Madeira…




