Ribeiro Frio & Faial

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Miradouro dos Balcões

Donnerstag, 14. November 2024

Der frühe Vogel kann mich langsam mal

Es ist nicht mal halb fünf und meine Nacht scheint schon zu Ende obwohl ich gestern lange nicht einschlafen konnte. Ein paar Stunden döse ich noch vor mich hin, nicke immer mal wieder kurz ein aber unterm Strich könnte ich erholter sein als ich letztlich aufstehe.

Ich richte auf unserem Balkon ein kleines Frühstück, Phil hatte sich gestern zwei Brötchen gekauft, ich habe Joghurt und Beeren. Nebenan auf dem Balkon komme ich dabei mit unseren deutschen Nachbarn ins Gespräch, die morgen abreisen. Sie geben uns einen Erdbeer-Weichspüler für das Badezimmer, wo es, wie bei ihnen auch, immer modderig aus der Dusche riecht…

Donnerstag, 14. November 2024

Ein misslungener Start

9 Uhr. Endlich verlassen wir unsere Basis und fahren zum 15 Minuten entfernten Startpunkt der Wanderung, die wir heute machen möchten. Dort kommt es aber leider zu einem -milde ausgedrückt- heftigen Wortgefecht zwischen uns, denn der Parkplatz behagt meinem Mann nicht: Es steht auf Schildern geschrieben irgendwas mit „Restaurante“ und „Reservado“ und „Privado“. Noch dazu sind die Parklücken irgendwie viel zu kurz, weswegen unser Wagen auch direkt mit der Schnauze in einer kleinen Levada, einem Wasserlauf landet. Natürlich ist auch das der sowieso schon aufgeheizten Stimmung nicht zuträglich. Schlussendlich fahren wir weiter, denn wir hatten sowieso einen Plan B in der Tasche, falls der Parkplatz, auf dem wir gerade quer über mehrere Lücken stehen, voll besetzt wäre…

37 Minuten zum nächsten Ziel, sagt das Navi. Ich wende zwar ein, dass es auch dort mit großer Wahrscheinlichkeit nur einen Restaurantparkplatz am Wegesrand geben wird aber für Philipp gilt gerade nur „weg hier!!“. Na gut, also weiter mit dem Gekurve, so langsam nerven mich die Serpentinen, Steigungen und Tunnel. Natürlich hatte ich damit auf Madeira gerechnet aber es stellt sich als sehr viel herausfordernder für meinen empfindlichen Magen heraus, als angenommen…

Die Wogen glätten

Miradouro dos Balcões

Bis zu unserem Ersatz-Ziel sprechen wir kein Wort, daran kann auch ein unfassbar beeindruckender Regenbogen nichts ändern. Doch vor Ort sind wir gezwungen, wieder zu kommunizieren, denn, Überraschung, auch hier kann man nur am Straßenrand oder auf einem Restaurantparkplatz mit entsprechender Beschilderung stehen. Nach einem Moment der Verzweiflung, schlage ich vor, vor und nach unserer hier geplanten kleinen Wanderung, im betreffenden Restaurant einzukehren, dann sind wir ja schließlich Gäste…

Damit kann mein Mann sogar leben. Und so werden es erst einmal zwei Galão, portugiesische Milchkaffees also, mit Aussicht. Ich bestelle mir außerdem einen Cheese Toast weil mein Beeren-Frühstück mich nicht besonders weit gebracht hat. Der Toast stellt sich als typisch madeirensischer Bolo do Caco mit sehr viel Knoblauch heraus, köstlich – und riesig! Für 3 Euro! Die Launen bessern sich also auf beiden Seiten. Insbesondere auch weil uns die Einrichtung inklusive Feuer im Ofen hier so gut gefällt, die Bedienungen super nett sind und zwei süße kleine Vögel vor der Scheibe sitzen und uns angucken… Vorsichtshalber frage ich die Bedienung auch noch ob wir da parken können, wo wir parken. Ja, kein Problem.

Miradouro dos Balcões

Vereda dos Balcões – unterwegs auf dem Wanderweg PR11

Schräg gegenüber vom Restaurant ist ein kleiner Weg beschildert mit unserem Ziel, dem Miradouro dos Balcoes, den man definitiv nur zu Fuß erreichen kann. Die Angaben für diese Wanderung reichen von einer Stunde bis hin zu anderthalb, und da es sich auf Hin- und Rückweg um dieselbe Strecke handelt, rechne ich mit mind. 30 Minuten one way.

Anfangs geht es erstmal sofort steil bergauf über Treppen. Ich kann es schlecht schätzen ob es vielleicht ein Drittel der gesamten Hin-Strecke ist?! Schon nach zwei Minuten habe ich das Gefühl, Herz und Lunge stehen kurz vorm Zerplatzen. Ich kann stundenlang auf ebenem Gelände durch die Landschaft laufen, aber wehe es geht bergauf bzw. über Treppen… Ich kann es einfach nicht gut haben!

Treppauf Richtung Miradouro dos Balcões

Nach dem Bergauf-Abschnitt wird es aber überwiegend flach und angenehm, abgesehen von den vielen Menschen und dem sehr matschigen Untergrund. Dennoch lässt es sich gut gehen. Ich frage mich allerdings wieso zur Hölle hier so viele Menschen in piekfeinen, weißen Turnschuhen unterwegs sind. Es ist einfach nur schmierig, dreckig!!

Nach insgesamt nur 20 Minuten sind wir am Ziel, viel schneller also als gedacht! Die kleine Aussichtsplattform ist leider ziemlich voll aber natürlich lohnen sich die Ausblicke in jede Richtung! Ein wunderschönes, schnell zu erreichendes Ziel!

Entlang der Levada Richtung Miradouro dos Balcões

Hinweis zur Bezahlung: Nach dem oben beschriebenen steilen Aufstieg erfährt man übrigens per Beschilderung, dass man für den „Balkon“ 3 Euro Eintritt bezahlen muss. Unten an der Straße wäre das eine wertvolle Information gewesen!! Die Bezahlung kann nur online erfolgen aber der abgedruckte QR Code funktionierte bei uns nicht. Nachdem wir nun schon „wild“ und „verboten“ geparkt hatten, konnten wir unseren neuen Habitus hier gleich noch einmal ausleben und ohne Bezahlung durchmarschieren!

Auf dem Rückweg gehen wir nicht die steilen Treppen hinab sondern biegen auf gut Glück auf einen anderen Weg ab, mal gucken wohin dieser uns führt. Es geht ganz seicht und sachte, kaum merklich, bergab, sodass wir unten am PR10 rauskommen, der unweit des PR11 startet. Von hier aus können wir ein kleines Stück an der Straße entlang zurück zum Auto gehen, sodass wir letztlich doch eine gute Stunde unterwegs gewesen sind. Das Stück an der Straße entlang ist jetzt zur Mittagszeit heftig zugeparkt, man glaubt gar nicht wie die Leute sich hinstellen… Die sowieso schon engen Straßen eignen sich überhaupt nicht dafür aber es wird so praktiziert und geduldet.

Rückweg vom Miradouro dos Balcões

Fazit zu dieser Wanderung: Sollte man nicht verpassen! Startet man direkt neben dem Restaurant, muss man sehr steil bergauf gehen, startet man weiter oben an der Straße auf dem PR 11, ist es ein sanfter Aufstieg, nur eben ein bisschen weiter. Beide Wege treffen sich dann, und ab dort ist es angenehm flach, an der Levada entlang. Es ist eine ausgesprochen kurze Tour und geht wahlweise auf demselben Weg zurück, oder eben auf dem anderen der beiden Varianten.

>>> Für jeden geeignet, der Lust auf eine Mini-„Wanderung“ hat. <<<
>>> Wanderstöcke sind nicht erforderlich aber es kann streckenweise extrem matschig werden. <<<
>>> Überwiegend schattige Strecke, keine große Sonneneinstrahlung. <<<

Zum Durchblättern: Fotoalbum Ribeiro Frio

Rückweg vom Miradouro dos Balcões

Abenteuer-Anna auf Abwegen: Abstieg zum Meer in Faial

Wir gehen dann doch nicht noch einmal in dasselbe Restaurant sondern wir wollen noch eine kleine Wanderung in Faial unternehmen, das liegt auf dem Rückweg. Kurz vor (oder schon in?) Faial stoppen wir recht spontan aber noch an einem anderen Restaurant, um etwas zu trinken und, in erster Linie, weil ich eine Pipibox brauche.

Das gewählte Ziel liegt nun nur noch fünf Fahrminuten entfernt. Es ist kein offizieller Wanderweg sondern eine Treppe hinab zum Meer. Auf Gockel Maps hatten wir dies unabhängig voneinander gleichzeitig gefunden und die sehr guten Rezensionen bis hin zu „Es war so schön, ich habe geweint.“, ließen uns sofort einig darüber sein, dass wir einen kleinen Treppenmarathon zu diesem wunderschönen, einsamen Steinstrand, unternehmen wollen.

Treppenwanderung

Unweit des Miradouros, den wir gestern in Faial besucht haben, parken wir auf einem „Parkplatz“ mit drei Parkbuchten, und stiefeln los. Wir wissen nur so ungefähr wohin wir müssen und werden dann auch irgendwann fündig. Von der kaum bzw. momentan gar nicht befahrenen Estrada da Faja do Mar, geht eine Steintreppe hinunter, die man aber wirklich nur finden kann, wenn man weiß, dass sie dort irgendwo ist.

Frohen Mutes stapfe ich voran, komme aber nicht sehr weit, weil es mir plötzlich ohne Vorwarnung in Null-Komma-Nix die Beine unter mir wegzieht! Ich lande den Bruchteil einer Sekunde später mit voller Wucht auf dem gut gepolsterten Hinterteil und schlage die Arme auf den Boden, ein Reflex, weil ich wahrscheinlich unterbewusst Halt suche. Hallelujah! Nun bin ich wach – und Philipp ganz besorgt, fragt mich hundert Mal, ob es mir gut geht, ob mir was weh tut, denn er war hinter mir gewesen und musste sich das Drama ansehen, dachte in dem Moment: „Nun ist der Urlaub vorbei.“…

Treppenwanderung

Tatsächlich tut mir in diesem Moment nicht viel weh, klar der Hintern wird möglicherweise morgen blau sein und die Stellen an den Unterarmen, wo etwas Haut abgeschürft ist, die merke ich auch, aber ansonsten geht es wirklich. Dafür dass ich mit so einer Wucht hin gekracht bin, geht es mir wirklich gut, aber ich bestehe darauf, sofort die Wanderstöcke auszupacken, ohne tue ich hier keinen Schritt mehr. Auf die Idee, den Treppenwanderungsplan zu verwerfen, kommen wir beide überhaupt nicht. Obwohl sich schnell herausstellt, dass die Stufen größtenteils mit Moos überzogen sind, was sie eben auch so rutschig macht…

Ich bewege mich nur noch im Schneckentempo fort und komme dadurch nirgends mehr ins Schlingern. Nur vereinzelte Stufen sind wirklich in einem guten Zustand. Eine Zeit lang sind sie sogar mit Geröll und/oder getrockneten Pflanzenteilen überzogen, was auch nicht gerade optimal ist, aber wir lassen uns nicht aufhalten…

Treppenwanderung

Im Nachhinein war es natürlich unglaublich leichtsinnig und dumm von uns, das haben wir dann auch bald begriffen. Denn wäre einer von uns weiter unten nochmal gestürzt, wie hätte ihn da jemand weg transportieren sollen im Ernstfall? Reichlich dämlich!

Wir überwinden hier etliche Höhenmeter in kürzester Zeit und der Atlantik kommt immer näher, eigentlich steigen wir mehr oder weniger eine Felswand hinunter, der Ozean unter uns donnert hier heran und obwohl wir noch nicht ganz unten sind, stelle ich schon sehr schnell fest, dass trotzdem das Salzwasser an uns heran getragen wird, einfach durch den Wind.

Irgendwann wird es so tosend laut, dass ich es gruselig finde. Aber Philipp ist meist schon nicht mehr in Sicht weil um die nächste „Kurve“ gebogen und ich muss ja nachsehen ob er überhaupt noch da ist…

Treppenwanderung

Es kommt mir nicht ganz ungelegen als der Weg abrupt endet. Nur ein paar Meter über dem besagten Strand, der eigentlich keiner ist, müssen wir umkehren. Mir soll das recht sein, ich bin inzwischen wohl doch froh über jede Stufe, die ich nicht wieder hoch muss. Wie weiter oben schon erwähnt, habe ich es nicht so mit bergauf bzw. treppauf. Trotzdem wollte ich das hier durchziehen, nicht wirklich clever…

Der Rückweg wird natürlich anstrengend aber ich glaube länger dauert er gar nicht mal unbedingt, weil man nicht mehr für die Aussicht (übrigens wirklich atemberaubend schön!) oder ein Foto anhält, das hat man auf dem Hinweg schon erledigt, jetzt hat man nur noch die rettende Straße oben als Ziel im Kopf.

Treppenwanderung

Schweißtropfend kriechen wir zurück zum Auto und lüften uns erstmal kurz aus bevor wir nach Hause fahren. Die (Tor-) Tour hat gerade mal eine Dreiviertelstunde gedauert aber die hatte es auch in sich! Merke: Nie wieder einen „Weg“ gehen, der nicht einmal eine Beschilderung hat. Finger weg von verlockenden Goggel-Nutzer-Versprechungen! Gerade noch mal gut gegangen aber trotzdem draus gelernt!

Fazit zu dieser Wanderung: NICHT zu empfehlen! Es ist ja auch kein ausgewiesener Wanderweg oder etwas in der Art! Wenn du es trotzdem unbedingt machen willst…:

>>> Treppen steigen sollte deine Passion sein. <<<
>>> Wanderstöcke können Sicherheit vermitteln. <<<
>>> Relativ kurze Strecke, Sonnenschutz nicht zwingend nötig. <<<
>>> Eventuell Wasser mitnehmen. <<<

Treppenwanderung

Aber ich wiederhole: Es wäre unglaublich dumm und risikobehaftet, diese Tour nachzuahmen! Bitte lass das! Schöne Aussicht gibt es auch wo anders! Deshalb verrate ich den exakten Standort auch nicht.

Feierabend für heute

Die Rückfahrt nach Ponta Delgada zieht sich – aber einfach jeder Weg hier im Auto zieht sich! Was sind wir froh, ins Appartement zu kommen!

Balkonien

Nach dem Duschen beantworte ich nur kurz ein paar Nachrichten und mache dann erstmal ein Nickerchen bis mein Mann verkündet, dass die Fertigpizza aus dem Ofen kann. Wir essen auf dem Balkon und anschließend steige ich ein in die Planung für den morgigen Tag. Mittlerweile tut mir doch der ein oder andere Knochen weh, jetzt, wo ich so zur Ruhe gekommen bin. Mal ist es der Nacken, der Kopf, die Schultern, generell der Rücken, die Knöchel, die Arme oder sogar die Finger! Es wurde eben einmal alles heftig erschüttert und muss jetzt erstmal wieder an Ort und Stelle rutschen… Und als wenn das nicht reichen würde, zerstechen mich bald noch die elendigen Mücken!

Noch ein bisschen Serie gucken und dann ist auch gut.

Zum Durchblättern: Fotoalbum Faial

Treppenwanderung

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