Träume haben kein Ablaufdatum.
Mit Südafrika habe ich tatsächlich eine kleine Vorgeschichte. Südafrika ist eigentlich das einzige afrikanische Land, abgesehen von vielleicht noch Namibia, das mich wirklich immer schon interessiert hat. Daran nicht ganz unbeteiligt dürfte das Mädchen sein, das wir, also vielmehr meine Eltern, in meiner Jugend einmal für ein paar Monate beherbergt haben. Leider war es kein Schüleraustausch im eigentlichen Sinne sondern es war „einseitig“. D.h. Tanya aus Port Elizabeth kam zu uns aber ein Gegenbesuch war nicht vorgesehen und kam auch leider nie zustande.
Wir hatten also eine schöne Zeit zusammen in Deutschland aber der Kontakt danach war, zu meinem Bedauern, zu lose, als dass man darauf hätte aufbauen können, er brach dann recht schnell ab und heute sind wir nur noch typische Facebook“freunde“, die sich nur 0-5x im Jahr etwas belangloses zu „sagen“ haben. Schade… aber besser als gar nichts, nur eben nicht tiefer gehend.
Dennoch bewahrte ich jahrelang einige von Tanya´s Mitbringseln auf: ein Südafrika-Bildband und ein paar Postkarten aus ihrer Heimat. Meine stete Erinnerung daran, dass Tanya immer so schön von ihrem Heimatland erzählt hat. Ich weiß noch wie fasziniert sie von der Dämmerung hier gewesen ist. Das gibt es in Südafrika so gar nicht. Und natürlich hat sie viel von den wilden Tieren erzählt und auch vom Surfen in den weltberühmten Wellen des Indischen Ozeans bei ihr direkt vor der Haustür!
Das alles war nicht spurlos an mir vorüber gegangen sondern haftete irgendwo in den Windungen meines Gedächtnisses. 2007 begann ich dann meine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und irgendwann waren dann auch endlich die Fernziele an der Reihe in der Berufsschule. Da machte sich Südafrika in mir wieder bemerkbar und ich wartete noch weitere zwölf (!) Jahre bis es dann endlich soweit war: Im August 2019 bestieg ich endlich die SAA [!KEINE WERBUNG!] nach Johannesburg!
Ich hatte niemals damit gerechnet, Südafrika einmal per Dienstreise kennen zu lernen aber wie sich heraus stellte, war das tatsächlich besser so! Denn in meinen Träumen und Fantasien, wäre ich in und um Kapstadt sowie auf der Garden Route unterwegs gewesen – und zwar im Mietwagen. Im Linksverkehr. Mit meinem Mann, der davor eigentlich sowieso viel zu viel Schiss hat. Dass das in der Tat für uns nicht der geeignete Reisestil gewesen wäre, lernte ich dann auf der Dienstreise, die mich eher in andere Regionen führte, dafür aber auch begleitet war von einer Reiseleiterin, einer Gruppenleiterin und immer mit Busfahrer für unsere Gruppe.
Warum war das besser? Nun ja, ich hatte Südafrika einfach unterschätzt. Vor allem in den ein, zwei Jahren vor meiner Reise nach Südafrika, waren Freunde dort gewesen und hatten berichtet, wie problemlos sie sich im Mietwagen fortbewegt hatten und wie ungefährlich ihnen alles vorgekommen war. Diese Ansicht teilen sicherlich unzählige Reisende, weil vielfach auch einfach alles gut geht! Unsere Reiseleiterin jedoch war da ziemlich direkt und riet nicht gerade dazu, auf eigene Faust unterwegs zu sein. Sie gab mir sehr viele Beispiele, was alles passieren könnte und auch oft passierte, und das waren keine an den Haaren herbei gezogenen Geschichten sondern traurige Wahrheiten, die sie als gebürtige Südafrikanerin selbst nur ungern ausplauderte.
Noch dazu erlebten zwei Frauen aus unserer Gruppe, mitten in einer Fußgängerzone in Kaptstadt, selbst, wie schnell man ins Visier einer Diebesbande rückt, und so hatte ich genug Eindrücke gesammelt um zu wissen, dass ich das nächste Mal, sofern es ein nächstes Mal geben wird, nur nach Kapstadt kommen würde, anstatt mit einem Mietwagen die Garden Route zu befahren, so sehr ich letzteres auch wollen würde… Kapstadt und Umgebung bieten aber ebenfalls sehr viel und mit einem privaten Fahrer, gemietet über bspw. das Hotel, bewegt man sich eigentlich optimal fort.
So hat mich diese Südafrika-Reise also sehr viel gelehrt. Und Südafrika selbst war einerseits so wie ich es mir vorgestellt hatte aber andererseits eben auch überhaupt gar nicht so! Es war super spannend, einmal nicht absolut alles bestätigt zu bekommen, was man meinte zu glauben, zu kennen und zu wissen. Europa und die USA sind für mich sehr vorhersehbar, das kenne ich schon, das weiß ich ziemlich gut was mich erwartet. Aber Südafrika hat mich aufgeweckt und gesagt: „Hey! Schön, dass du meinst mich zu kennen aber ich beweise dir das Gegenteil!“.



