Pinhao & Mateus

<<< Gestern waren wir noch in Porto und natürlich auf dem Douro unterwegs!

Heute schauen wir uns die ersten Ortschaften im Inland an:

Samstag, 20.05.2023

Die zweite Nacht auf dem Schiff war der Himmel auf Erden! Die Silikondinger haben mir offenbar die Reise gerettet!

7 Uhr. Es braucht tatsächlich einen Wecker damit ich wach werde, ich habe durch(!)geschlafen! Neun volle Stunden ohne Unterbrechung! Ich kann meine Dankbarkeit dafür gar nicht in Worte fassen!

Ganz in Ruhe werde ich wach, räume ein bisschen mein Zeug kreuz und quer durch die Winz-Kabine, dusche und bin bester Laune. Auch Phil kann sein Glück kaum fassen, denn jetzt weckt er sich nur noch selbst mit seinem Schnarchen, bekommt aber keine Ellenbogen mehr in die Seite wenn er schläft!

08.45 Uhr. Der Kaffee beim Frühstück schmeckt genauso mies (angebrannt?) wie gestern. Wir beschließen, das Frühstück zukünftig ausfallen zu lassen, dann können wir länger schlafen, müssen uns nicht über den Nicht-Kaffee ärgern und sparen uns eine Mahlzeit, es gibt schließlich mittags und abends mehr als genug!

Wir starten gemächlich in den Tag, machen es uns im Salon bequem, ich schreibe die ersten beiden von insgesamt vier Postkarten (die offenbar niemals ankommen werden) aber irgendwie ist es dort zu kalt und wir legen uns wieder ins Bett um zu lesen. Sogar Philipp liest zurzeit ein Buch und zwar in einem rasanten Tempo, dass ich nur staunen kann.

Samstag, 20.05.2023

11.15 Uhr. Nach ein paar Stunden Fahrt hat unsere Douro Queen in Pinhao festgemacht und unser zweiter Ausflug steht bevor. Genau genommen gibt es zuerst ein Mittagessen außerhalb des Schiffs, das ist für alle Gäste so eingeplant, auf dem Schiff gibt es heute Mittag nichts, und danach startet erst der eigentliche Ausflug für diejenigen, die diesen gebucht haben.

Das gesamte Schiff spaziert nun also zum Bahnhof von Pinhao, das ist nicht mal ein Kilometer. Wir wollen nicht etwa Bahn fahren sondern, ähnlich wie gestern in Porto, kann man hier die portugiesische Fliesenkunst des Bahnhofs sehr gut bewundern. Ich schätze, es ist auch die einzige Sehenswürdigkeit in Pinhao, einem 700-Einwohner-Örtchen. Ansonsten starten und enden hier eher Ausflugstouren, wir sehen z.B. mehrere Ausflugsboote und Radgruppen aber natürlich gibt es auch Badestellen am Douro und umliegend unzählige Weingüter. Wer sehr individuell unterwegs ist, findet hier in der Ecke sicherlich einige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung!

Zur Orientierung: Wir befinden uns jetzt knapp 2 Autostunden östlich von Porto. Weitere bekannte Anhaltspunkte gibt es nicht. Richtung Osten käme ebenfalls nach ca. zwei Autostunden die Grenze zu Spanien. Richtung Norden schon nach weniger als anderthalb Stunden. Und Richtung Süden quasi das gesamte restliche Portugal.

Pinhao ist jedenfalls der Mittelpunkt des Douro-Weinanbaugebiets und das werden wir gleich noch zu sehen bekommen.

Der berühmte kleine Bahnhof von Pinhao

12.15 Uhr. Abfahrt mit dem Bus Richtung Mittagessen auf einem Weingut. Für die 15 Kilometer werden wir fast eine halbe Stunde brauchen, denn die Straßen führen gewaltig in die Höhe!

Da wir heute leider im Bus nicht die erste Reihe mit Aussicht erwischt haben, wird Philipp während der Fahrt unglaublich schlecht. Ich staune, dass er es ist und nicht ich. Er hat die gesamte Fahrt über sehr zu kämpfen, obwohl er den Fensterplatz hat. Während ich die Landschaft zu genießen versuche, nirgendwo sonst habe ich so eine bergige Landschaft bisher gesehen, die fast vollständig für den Weinanbau genutzt wird. Wohin der Blick auch schweift: Weinberge! Und überhaupt, der Blick! Es ist wie aus der Vogelperspektive zu gucken, erstaunlich welche Weiten sich unter uns auftun!

Zur Begrüßung gibt es an der Quinta einen Muskatellerwein im Garten mit Blick auf die Weinstöcke. Ich genieße das Gläschen sehr, es schmeckt mir noch besser als Portwein. Aber Philipp ist noch nicht so weit, er konzentriert sich auf´s Atmen.

Besichtigung und Mittagessen auf einer Quinta

Der Sohn der Familie, die die Quinta in der weiß ich wievielten Generation, führt, stellt uns anschließend in einen großen Raum mit überdimensionalen Weinfässern, um dort etwas zu erzählen, ist akustisch aber katastrophal zu verstehen und die Übersetzung der Reiseleiterin hinkt irgendwie. Glücklicherweise dauert es nicht lange und man bittet zu Tisch. Wasser und Wein stehen schon bereit, ein umfangreiches Vorspeisenbuffet landet in Windeseile auf jedem Tisch. Wir sitzen an großen runden Tischen, an denen bis zu zehn Personen Platz finden, an unserem Tisch sind wir nur zu acht:

Das einzige französische Pärchen vom Schiff, beide etwas wortkarg aufgrund der Sprachbarrieren, aber sehr freundlich und vielleicht auch noch nicht ganz so alt.

Zwei ältere Damen, die gemeinsam verreisen, sich aber offenbar auch nur in einer bestimmten Dosis gut tun.

Und ein Ü80-„Pärchen“, beide verwitwet, aus Baden-Württemberg, das sich angeregt mit Philipp unterhält.

Besichtigung und Mittagessen auf einer Quinta

Es folgen Suppe, Hauptgang (für mich auch hier extra vegetarisch bzw. sogar vegan), Nachspeisenbuffet samt Kaffee und eine Runde Grappa. Während der ganzen Schlemmerei übernimmt unser Franzose die fürsorgliche Rolle des Wein-und-Wasser-Nachschenkers und ist dabei nicht geizig, er wird uns immer sympathischer und auch für den Rest der Reise immer fröhlich grüßen. Er ist aber auch unverkennbar: Steht immer irgendwo in der Landschaft rum, schaut sich seine Umgebung an, trägt 24/7 das gleiche schwarze Outfit und hält zuverlässig immer ein Glas Hochprozentiges in der Hand.

Pinhao und das Weingut in Bildern – zum Durchklicken:

Besichtigung und Mittagessen auf einer Quinta

15.15 Uhr. Gut abgefüttert und träge sitzen wir im Bus nach Mateus, einer Ortschaft der Stadt Vila Real, welches sich an den Ausläufern der gewaltigen Berghänge der Serra do Marao befindet und als idealer Ausgangspunkt gilt, um die Douroregion zu erkunden. Wir machen es jetzt andersrum: Wir kommen vom Douro und wollen das Umland entdecken. In diesem Fall: Den Mateuspalast!

Ab dem 16. Jahrhundert bauten viele Adelige  ihre prachtvollen Paläste in der Region, so kam auch der Name der Stadt zustande: Vila Real bedeutet ungefähr Königliches Dorf. Aber das nur nebenbei. Ich will auf den Mateuspalast eingehen, den wir nun von innen und außen ausgiebig besichtigen. Die Führung durch die Innenräume erfolgt durch eine junge Portugiesin, die hervorragend Deutsch spricht (so wie unsere Reiseleiterin übrigens auch), und die Gärten drum herum dürfen wir uns selbst erschließen.

Es handelt sich bei dem Mateuspalast um  ein prächtiges Herrenhaus und wird auch auf den Flaschen des bekannten Mateus Rosé abgebildet! Das Barock-Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist zur Hälfte heute noch bewohnt. Die andere Hälfte ist Museum.

Mateuspalast in Mateus/Vila Real

Am Meisten beeindrucken uns aber die Gärten bzw. die Parkanlage drum herum. Alles in allem vermutlich eines der schönsten Anwesen ganz Portugals. Zwar kommt kein märchenhaftes Flair auf aber die Schlichtheit, Eleganz und Ordnung sagen mir sehr zu. Hauptsächlich grün aber auch Rosen. Ein paar ordentlich geschnittene Hecken. Und sogar ein großer Bereich wo Wein, Kräuter und Co. angepflanzt werden und wo es mehr nach Nutz- als nach Ziergarten aussieht. Eine gelungene Mischung.

18.15 Uhr. Wir fahren zurück zum Schiff. Abermals durch spektakuläre und unbeschreiblich schöne Landschaft, die durch die Abendsonne wahrlich vergoldet wird.

19.30 Uhr. Abendessen. Wieder werden diverse Gänge serviert. Und von unseren Sitznachbarn erhaschen wir unfreiwillig Gesprächsfetzen, auf die wir verzichten könnten. Aber man kann sich seine Sitznachbarn auf so einer Reise nicht aussuchen.

Diesen wunderschönen Tag lassen wir uns dadurch jedenfalls nicht nehmen!

Der Mateuspalast in Bildern – zum Durchklicken:

Unterwegs auf dem Mateuspalast-Gelände

Morgen legen wir in Barca d´Alva kurz vor der spanischen Grenze an! >>>