Pico Ruivo

Zurück zu Tag 7: Rabaçal & Porto Moniz

Auf dem höchsten Punkt der Insel!

Dienstag, 19. November 2024

Endlich wieder wandern!

Heute wollen wir ein kleines bisschen früher los weil uns die Parkplatzsituation gestern schon sehr gestört hat. Der Plan: Mindestens eine halbe Stunde früher losfahren als gestern, die Fahrt dauert heute zudem rund zehn Minuten weniger.

Gegen acht sind wir also wach und jeder macht sein Ding. Anschließend tanken wir an der Tankstelle gegenüber noch das Auto voll bevor es losgeht. Wir haben zwar immer noch mehr als ein Viertel im Tank aber heute geht es gewaltig hoch hinauf, da darf er lieber ganz voll sein! Und genau genommen tanken wir gar nicht selbst, denn es kommt sofort ein Mann aus der Tanke rausgesprungen, fragt uns, was und wie viel, und erledigt für uns den Tankvorgang! Wahrscheinlich ist denen das hier lieber, als dass die Mietautos dann mit Motorschaden die Tankstelle blockieren, hehe. Nein, wir sind absolut begeistert und vor allem erleichtert, Philipp gibt zum Glück etwas Trinkgeld.

Anreise nach Achada do Teixeira

Tourbeginn

08.45 Uhr. Wir fahren los, unser Ziel lautet Achada do Teixeira – und der Weg dorthin ist steiler als alles was wir hier bisher erlebt und für nicht zu toppen gehalten haben. Das wird ja spannend auf der Rückfahrt mit den Bremsen!

Die Zeit vergeht recht gut, bis Santana kennen wir die Strecke ja inzwischen recht gut und danach beginnt dann das steile Bergauffahren, eigentlich bis zum Wanderparkplatz Achada do Teixeira! Gegen halb zehn stehen hier schon viele Autos aber man sieht auch, dass das Maximum bei weitem noch nicht erreicht ist! Außerdem nice: Hier parkt man zur Abwechslung mal auf Asphalt und nicht auf einer Steinpiste!

Tagesbeginn im Berg-Café

Im hiesigen Mountain Top Café [!Keine Werbung!] nehmen wir erstmal jeder eine Tasse Kaffee ein, ich mache meinen obligatorischen Pipi-Stopp und dann kann es losgehen! Obwohl ich hier im Café noch ewig sitzen könnte! Es ist zwar etwas frisch aber es gibt ein tolles kulinarisches Angebot, die Einrichtung ist super modern und stylisch und die Aussicht zum Pico Arieiro grandios! Man kann hier sogar übernachten, das muss wahnsinnig schön sein, so weit oben und umgeben von Nichts und Ruhe und Bergblick, vor allem aber Weitblick und wahrscheinlich dem nächtlichen Sternenhimmel…

Pico Arieiro und Pico Ruivo – ein Wort vorab

Auf dem Pico Arieiro (1818m) waren wir vor zwei Jahren im Rahmen einer Jeep Tour. Ich habe es lange Zeit für den höchsten Punkt der Insel gehalten aber das stimmt nicht, das ist nämlich der Pico Ruivo (1862m)!

Tourbeginn

Die beiden Gipfel unterscheiden sich, abgesehen von der Höhe, vor allem darin, dass der Arieiro mit dem Auto erreicht werden kann und der Ruivo nur zu Fuß. Und da gibt es zwei Möglichkeiten:

1) Man parkt hier in Achada do Teixeira, dann sind es 2,8km bis zum Gipfel des Ruivo – und auf demselben Weg nochmal das ganze zurück. Oder aber 2) man parkt am Pico Arieiro, dann sind es 7km one way zum Ruivo plus dieselbe Strecke zurück!

Eigentlich war es seit dem Besuch am Pico Arieiro mein Traum gewesen, von dort aus zum Pico Ruivo zu laufen weil das einfach DIE Wanderung schlechthin auf Madeira ist… Doch kurz vor der aktuellen Madeira-Reise fing ich (glücklicherweise…) an, mich zu sorgen, ob das konditionell überhaupt für mich möglich sein würde, und recherchierte eingehender… Ich bekam nach und nach mehr Zweifel und stieß letzten Endes auf eine teilweise Sperrung des Wanderwegs Pico Arieiro zum Pico Ruivo.

♥

Somit musste ich keine Entscheidung mehr treffen, und das war wirklich mein und unser Glück! Denn mittlerweile weiß ich, dass ich die 14km durch bergiges Terrain nie und nimmer gepackt hätte, da ist man wirklich den ganzen Tag dabei ein „Workout“ zu machen!

Wie ich gleich noch schildern werde, haben es die nicht mal 6km auf der von uns gewählten Tour, auch schon in sich für einen gerade mal Gelegenheits-Wanderer, der eh schon nicht gerade in Best-Form ist…

Übrigens gibt es ganz Hartgesottene, die beide Strecken miteinander kombinieren, also zum Beispiel von Achada do Teixeira zum Pico Ruivo und weiter zum Pico Arieiro (oder andersherum) und womöglich auch wieder zurück!? No way!!

Zum Durchblättern: Fotoalbum Pico Ruivo

Wir sind OBEN!

Unsere Wanderung auf den höchsten Gipfel Madeiras

Punkt 10 Uhr marschieren wir los. 3 Euro pro Person sind hier fällig, eigentlich wieder online über einen QR Code aber es stehen zum Glück zwei gute Männer (Ranger?) am Beginn des Wanderwegs, die auch noch Papiertickets verkaufen! Da ist ganz nach unserem Geschmack.

In mehreren Reiseblogs und Wandervideos hatte ich gelesen und gehört, dass es sich um einen seichten, humanen Aufstieg zum Pico Ruivo handelt. Nun habe ich natürlich keine wirklichen Vergleichsmöglichkeiten aber: es geht gleich als erstes sofort fein bergauf – und hört auch bis zum Gipfel eigentlich nicht mehr auf! Regulärer Weg wechselt sich mit Steinstufen ab, ich habe schnell ein Deja Vu…. – gestern die Steinstufen auf der 25 Fontes Wanderung!

grandiose Weitsicht

Dafür hat man hier aber an fast allen Stellen eine grandiose Weitsicht. In die eine Richtung gegen die strahlende Sonne zum Pico Arieiro, in die andere Richtung über die unter uns liegenden grünen Berghänge bis zum Atlantik im Norden der Insel sowie den darüber hängenden weißen Schäfchenwolken… Das Wort „Madeira“ heißt „Holz“ – das kommt daher, dass die Insel so bewachsen und bewaldet ist, von hier auch wieder schön zu sehen!

Die Sonne und die Ausblicke entschädigen die gar nicht so un-anstrengende Strecke sehr gut! Aus der Puste bin ich trotzdem schnell, mein Mann rät mir inzwischen einen Besuch beim Kardiologen zu Hause an, das könne alles nicht normal sein, schließlich ist Yoga, das ich zu Hause mehrmals die Woche praktiziere, mitunter ja auch Schweiß treibend. Naja, ich denke, es liegt eher daran, dass ich keinen Ausdauersport betreibe und noch nie gut im Bergaufgehen war!

Immer wieder blauer Himmel!

Wir sind vom Wetter regelrecht überwältigt! Das ist pures Glück! Weniger nach „Glück“ fühlt sich jedoch für mich streckenweise der weitere Weg an. Er ist zwar gut ausgebaut, aber eben nicht so flach und steigungsfrei wie es vielfach auf Reise- oder Wanderblogs geschildert wurde. Auf der anderen Seite ist die Kategorie des Wegs „mittelschwer“ und somit in einer Kategorie mit dem Dorfverbindungsweg von São Cristóvão nach Arco de São Jorge. Und der war ja auch schon nicht ohne… Hätte ich mir also denken können!

Um es abzukürzen: Irgendwann kommt man an ein Café, das ist schon ziemlich weit oben gelegen und ich weiß aus meiner Internetrecherche, dass jetzt erst der eigentliche Aufstieg beginnt, dabei habe ich mich gerade schon ganz schön gequält… Die Gipfelplattform ist bereits von hier vage zu erkennen und, dass dort natürlich keine Seilbahn hochfährt, sehe ich auch, also heißt es Zähne zusammen beißen…

Ab jetzt: Wanderstöcke!!

Auf gar keinen Fall machen wir jetzt nämlich eine Pause, ich packe lediglich meine Wanderstöcke aus, möglicherweise hätte ich das schon früher tun sollen. Ich dachte aber wirklich, ich komme vielleicht mal ohne durch… So wie schließlich die meisten hier… Dummer Traum von mir…

11.30 Uhr. Wir sind OBEN! Für zwei Sekunden fühle ich mich wie der König der Welt! Ich habe es aus eigener Kraft auf den höchsten Punkt der Insel geschafft! Ich glaube ich habe es noch nie auf den höchsten Punkt von irgendetwas mit eigener Muskelkraft geschafft!!!

Wir sind OBEN!

Insgesamt gibt es drei Plattformen, die mittlere ist die höchste, wo man das Gipfelkreuz erwartet aber ich sehe keines. (Hallooo??!!) Die westliche Plattform ist am einfachsten zu erreichen und bietet ebenso spektakuläre Aussichten! Die östlichste Plattform ist am weitesten entfernt und hat den besten Blick zum Pico Arieiro!

Natürlich klappern wir alle drei Plattformen ab und genießen die Berg-Aussicht in alle Richtungen! Allerdings zieht nach nicht ganz 15 Minuten eine Wolkenwand auf, sodass es sich erledigt hat mit der Aussicht. Für uns das Zeichen, den Abstieg zu beginnen. Wir waren einfach genau im richtigen Moment angekommen!

Auf dem höchsten Punkt der Insel!

Abstieg vom Pico Ruivo

Vom Gipfel bis zu dem besagten Wanderweg-Café brauchen wir -runter!- gerade mal 15 Minuten. Und nun ist wirklich mal Zeit für Getränke und Snacks, die wir uns hier besorgen können und draußen in der Sonne einnehmen. Die Wolken über uns beeinträchtigen das Sonnenlicht noch nicht, trotzdem wird es empfindlich kühl und ich muss vorübergehend meine beiden Jacken anziehen, denn wir sind unglaublich durchgeschwitzt und auch wenn wir hier lediglich 25 Minuten Verweilen, das kann schon reichen, um sich was einzufangen…

Von hier aus bis zum Parkplatz komme ich dann sehr gut zurecht, phasenweise bin ich sogar so motiviert, dass Philipp kaum hinterher kommt, obwohl er normalerweise weit vor mir geht. Aber es geht jetzt fast nur noch bergab, selten mal eine kurze Passage bergauf, und die Motivation ist für mich groß, zum Auto und insbesondere aus den Wanderschuhen raus zu kommen!

Getränke und Snacks

Genau um 13.10 Uhr erreichen wir das Auto, d.h. wenn wir die Snackpause rausrechnen, hat der Abstieg Gehzeit genau eine Stunde gedauert. Zuzüglich 90 Minuten Aufstieg, landen wir bei insgesamt zweieinhalb Stunden in Bewegung, was mir schleierhaft ist, denn ich bin, wie gesagt, unterirdisch langsam unterwegs und trotzdem haben wir die angeblich durchschnittliche Dauer der Wanderung um ganze 30 Minuten unterboten. Es ist mir ein Rätsel.

Fazit zu dieser Wanderung: Die Tour hat es in sich, ist aber zumindest bei Sonnenschein und wenig Wind, ein tolles Erlebnis, zumal auf überwiegend sehr gut ausgebauten Wegen und Treppen. Zweifelsohne wird es anstrengend aber die Aussicht ist atemberaubend und ich möchte dieses Erlebnis auf gar keinen Fall missen! Unter Umständen würde ich sie sogar eines Tages wiederholen!! Definitiv hat für mich diese kürzere Wanderung von Achada do Teixeira aus gereicht, wer am Pico Arieiro starten möchte sollte unbedingt sehr fit und möglichst schon kampferprobt sein!

>>> Für totale Wanderneulinge meines Erachtens nicht zwingend geeignet (abhängig von der Grundkondition!). Als erster „Gipfelsturm“ für Gelegenheits-Wanderer aber sehr zu empfehlen! <<<
>>> Wanderstöcke optional, tendenziell aber besser! <<<
>>> Im Sommer kann Sonnenschutz sinnvoll sein. Je nach Uhrzeit und um welche Kurve man läuft. <<<
>>> Ausreichend Wasser mitnehmen. <<<

Früher Feierabend

Dienstag, 19. November 2024

Es ist gerade mal 14 Uhr als wir ins Appartement kommen aber wir sind uns einig: Das reicht für heute! Im Mini Mercado besorgen wir Nudeln und Tomatensoße und es wird ein erstklassiges Mahl auf dem Balkon.

Es ist immer wieder erstaunlich wie sehr körperliche Anstrengung, vor allem in so grandioser Natur, einem verdeutlicht bzw. einem ermöglicht, dass man wieder einmal feststellt, dass nur ein paar Grundbedürfnisse befriedigt sein müssen: Klo, Dusche, frische Kleidung, eine Sitzgelegenheit und ein schlichtes Mahl reichen völlig aus, um das größte Glück auf Erden zu verspüren…

Den Rest des Nachmittags bzw. Abends legen wir die Füße hoch: Zeit für Fotos gucken, mailen, Schwiegereltern anfunken (die heute nach Madeira angereist sind!) und Serie gucken. 

Weiter zu Tag 9: Vereda da Quebrada Nova