Anreise Matosinhos

Montag, 15.05.2023

5 Uhr. Ich trinke bereits meinen schwarzen Tee zum Wachwerden und habe gerade einen sehr passenden Spruch aus meiner Kärtchenbox gezogen, wie ich es jeden Morgen gerne tue:

„Da das Leben kurz und die Welt groß ist – je eher du auf Entdeckungsreise gehst, umso besser.“ – Simon Raven

Was könnte besser passen?

06.30 Uhr. Mit Papa im Gepäck fahren wir nach Hannover zum Flughafen. Papa jedoch wird mein Auto wieder zurück fahren, dieser Aufwand ist allein dem Vielleicht-Vielleicht-doch-nicht-Generalstreik der Bahn geschuldet.

Erfreulicherweise können wir am Flughafen die Koffer schon abgeben, ohne zu warten. Und bevor wir uns in die lange Schlange vor den Sicherheitskontrollen einreihen, füllen wir erstmal unseren Koffeinhaushalt auf.

Hannover Flughafen: Koffeinhaushalt auffüllen!

Trotz der halben Stunde Wartezeit für den Sicherheitscheck, sind wir extrem früh am Abfluggate. Dass dieses sich zwischenzeitlich noch mal ändert, erfahren wir lediglich per E-Mail von unserer Fluggesellschaft. Durchsagen scheinen nicht mehr in Mode zu sein.

Wir verbringen die Wartezeit abwechselnd mit unseren Handys und Auf´s-Rollfeld-Gucken, zwischendurch hole ich mir eine Laugenbrezel.

10.45 Uhr. Eigentlich sollten wir schon in der Luft sein, doch es fängt gerade mal das Boarding an. Auf jeder Bordkarte steht eine Zahl, zu welcher Boardinggruppe man gehört. Demnach wäre es ein leichtes, einfach auf seinem Stühlchen am Gate abzuwarten und erst aufzustehen und zur Bordkartenkontrolle zu gehen, wenn die Boardinggruppe, der man angehört, aufgerufen wird. Leider ist es ein weit verbreitetes Phänomen eine Unart, dass fast alle gleichzeitig auf- und anstehen, und somit für niemanden erkennbar ist, ob diese Menschen wirklich anstehen und vor einem dran sind oder ob sie einfach nur dumm rum stehen und eigentlich der letzten Boardinggruppe angehören, und gerne alles blockieren. Wie zum Beispiel eine große Gruppe Rentner, die konsequent alles und jeden blockiert, der berechtigterweise an ihnen vorbei Richtung Flugzeug gehen möchte…

11.15 Uhr. Wir sind alle noch rein gekommen, die Rentner übrigens zuletzt, weil sie der Boardinggruppe 5 angehörten… Nun darf es losgehen. Der Pilot sagt durch, dass er die verspätete halbe Stunde wieder reinholen will, was mal eben die Halbierung der Flugzeit nach Frankfurt bedeutet. Philipp scherzt noch: „Meine Damen und Herren! Schnallen Sie sich an und halten Sie sich gut fest!“… Das fasst den Flug ganz gut zusammen!

Hannover > Frankfurt

Bewundernswert ist, wie es die Stewardessen und der Steward in der Kürze der Zeit schaffen, kostenlose Wasserflaschen und Schokolade an alle Passagiere auszuteilen und dann auch noch einmal rumzugehen um Müll einzusammeln. Ich lese zwar die ganze Zeit, beobachte aber auch was um mich herum geschieht und muss einmal mehr feststellen: Um diesen Job beneide ich die nicht!

Angekommen in Frankfurt. Wir steigen aus der Maschine und erreichen ziemlich schnell die Anzeigetafel mit den drei nächstmöglichen Anschlussflügen. Uns beiden springt sofort Chicago ins Auge! Seit einigen Tagen spekulieren wir darüber ob dies wohl ein geeignetes Reiseziel für uns diesen Sommer sein könnte… Ob das jetzt ein Zeichen sein soll?

Wir müssen von Gate 22 zu Gate 36 wechseln, das ist nicht die Welt, zumindest wenn man so viel Umsteigezeit hat wie wir heute. Das Gate ist schnell erreicht, ich platziere meinen Mann an einem Tisch am Fenster und gehe noch ausgiebig spazieren, die Knochen bewegen zwischen den Flügen. Anschließend dreht auch Phil noch eine Runde und letztlich bekommen wir noch das Feuerwehr-Aufgebot vom Frankfurter Flughafen in Action zu sehen, unzählige riesige und auch kleinere Feuerwehrwagen eilen zu einer amerikanischen Maschine. Soweit wir das von unseren Plätzen aus sehen können… sieht man nichts. Es muss also in der Maschine etwas sein. Oder befürchtet werden. Denn der Einsatz dauert unfassbar lange, erst spät und sehr langsam, nach und nach, ziehen die Einsatzfahrzeuge wieder ab. Genug Zeit für mich, nebenbei noch ein bisschen die Beine zu stretchen…

14 Uhr. Auch jetzt startet erst wieder das Boarding, wo wir eigentlich schon abgehoben sein sollten. Das Gedrängel ist ähnlich wie in Hannover.

Frankfurt > Porto

Der Flug von Frankfurt nach Porto ist insofern angenehm, als dass ich die meiste Zeit schlafen kann und auch wieder Wasser und Schoki ausgeteilt werden.

Bei 22 Grad und Sonnenschein landen wir überglücklich auf portugiesischem Boden. Spannenderweise müssen wir nur ein paar Meter und eine Treppe hinunter gehen, schon werden wir bombardiert mit Werbung für Matosinhos. Auf dem Fußboden, an den Wänden, auf digitalen Bildschirmen wird unser Reiseziel beworben, ich bin baff, ich wusste nicht, dass die Hafenstadt so populär ist.

Die Koffer kommen zügig und wir benötigen ein Taxi nach Matosinhos. Bereits drinnen im Flughafengebäude erhaschen wir einen Blick auf die Schlange vorm Taxistand, just in dem Moment, als uns jemand anspricht ob wir ein Taxi benötigen. Was für ein Glück!?

Flughafen Porto

Der junge Mann schnappt sich einen unserer Koffer, fragt wohin wir fahren wollen und ehe wir´s uns versehen, stehen wir mit ihm in der Tiefgarage des Flughafens vor seinem geöffneten Kofferraum. Auf dem Weg dorthin winkte ich bereits hektisch Richtung Philipp, dass wir da nicht einsteigen werden. Die Art und Weise, der genannte Preis bis Matosinhos und das Tiefgaragenflair sind mir suspekt. Im Kofferraum finden sich Jacken und Kindersitze, ein Taxischild gibt es auch nicht auf dem Auto. Ich bedanke mich freundlich und lehne ab. Der Mann zeigt uns noch seine Karten, seine Taxifahrer-„Lizenzen“, sozusagen als Überredungsversuch, aber wir sind nicht mehr umzustimmen, greifen unser Gepäck und er-greifen die Flucht. Haben wir ihm jetzt Unrecht getan? Wahrscheinlich nicht! Bauchgefühl.

Und weiter geht´s: Kaum stehen wir in der Schlange am echten Taxistand, quatscht uns der nächste an. Dieses Mal ein älterer Herr, schon seine „Taxifahrerkarten“ in der Hand, er ist wohl Misstrauen gewöhnt. Da drüben stehe sein Taxi, er zeigt mit der Hand darauf, wir lehnen ab. Schließlich könnte er doch auf der offiziellen Taxispur halten. Oder er könnte den Portugiesen hinter uns ansprechen. Oder die Portugiesin vor uns… Ja, die hätte er wirklich gerne mitnehmen können, denn sie raucht gefühlt Kette und ich verspüre das sehr dringende Bedürfnis, ihr ihren Glimmstängel zu entreißen und in eine ihrer Körperöffnungen zu stecken. Ich kann mich nur zurückhalten weil ich zu keinem vernünftigen Schluss komme, welches die wohl schmerzhafteste Stelle für sie wäre…

Wir stehen zwar wirklich, wirklich lange an für ein echtes Taxi aber sind dann doch froh, so entschieden zu haben, denn unser Taxifahrer hat auch seine Lizenzen dabei, bei ihm hängen sie aber vorne in der Windschutzscheibe und sehen irgendwie offizieller (auf jeden Fall anders) aus, außerdem kostet die Fahrt bei ihm bedeutend weniger, und damit auch ungefähr so viel wie ich vorab recherchiert hatte. Rasante 10km und 17 Euro später erreichen wir unser Hotel und sind froh, endlich angekommen zu sein. Inzwischen ist, trotz der einen Stunde Zeitverschiebung, später Nachmittag, und wir wollen endlich die Koffer und unser Handgepäck loswerden.

Wir sind zufrieden mit unserem Zimmer.

Das Eurostars Hotel Matosinhos [!keine Werbung!] empfängt uns mit einer schicken Lobby und einem freundlichen Check in. Das Zimmer 321 ist sehr schön, wenn auch ein bisschen klein, aber ich sage mir: Wer weiß wie klein die Kabine auf dem Schiff sein wird…?

Schnell umziehen! Ab an den Strand! Bis dorthin sind es nur etwas mehr als 200 Meter, quasi wirklich nur um die Ecke! Auf dem Weg dorthin gehen ein Vater und (schätzungsweise) seine kleine Tochter im Neoprenanzug Hand in Hand vor uns. Wahrscheinlich hat er jetzt Feierabend und sie ist mit ihren Hausaufgaben durch und sie freuen sich auf den allabendlichen Sprung in die Fluten? So oder so ähnlich… Jedenfalls sehen sie so aus als würden sie das öfters tun.

Matosinhos ist ein Surferstrand, das bedeutet natürlich, dass hier immer ordentlich Wind und Wellen herrschen! Das wissen wir aber und deshalb sind wir auch darauf eingestellt, dass wir nicht in den eiskalten Atlantik hüpfen werden! Aber wir erfreuen uns trotzdem sehr an dem wirklich, wirklich breiten Strand, ich habe noch keinen so breiten Strand gesehen, ich glaube der Weg vom Hotel zum Strand ist kürzer als von der Strandpromenade bis zum Flutsaum. Es kann mir aber auch nur so vorkommen weil es sich auf Sand beschwerlicher geht.

Praia de Matosinhos

Die Bucht ist riesig lang und die Sonne hat noch richtig Kraft! Dazu weht ordentlich Wind! Ich könnte losrennen! Auf einen Schlag sind wieder alle Kräfte und Energien, die ich auf der anstrengenden Anreise verloren glaubte, wieder vorhanden! Wir gehen ein langes Stück am Strand entlang – ich natürlich mit den nackten Füßen im Meer…

Abgesehen von ein paar wenigen Surfern, zu denen der Mann und seine Tochter gegangen sind, ist fast niemand unterwegs. Ganz wenige Leute mit Hund und ich vermute, keine anderen Touristen, oder wenn, dann nicht als solche erkennbar.

Ein Kreuzfahrtschiff verlässt gerade Matosinhos. Ein unendlich großer Schwarm Möwen sitzt an einer Stelle am Strand, wo das Wasser nur sehr langsam zurückfließt und ihnen vermutlich ein nettes Buffet hinterlässt. Und mein Mann entdeckt eine Strandbar.

Hier gönnen wir uns ein umfangreiches erstes Abendessen mit reichlich Sonne, Wind und Meerblick, mehr geht nicht! Schon jetzt lässt sich erahnen, dass dies eine unserer schönsten Urlaubserinnerungen werden könnte…

Praia de Matosinhos

Trotz dass ich danach einigermaßen durchgefroren bin… Schnell noch im Supermarkt um die Ecke ein paar Snacks für Philipp besorgen und dann endlich eine heiße Dusche und einen heißen Kamillentee für mich!

Und morgen schauen wir uns unser geliebtes Porto an. >>>