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Dienstag, 22. August 2023
Aufwachen
Die erste Nacht ist durchwachsen gewesen: Heiß, stickig, durstig und viele Pipi-Gänge beiderseits. Ich habe uns aber strikt acht Stunden Schlaf bzw. Bettruhe verordnet und daran halten wir uns! Als der Wecker um sechs Uhr klingelt, sind wir aber nicht böse drum. In Deutschland ist es ja schon 14 Uhr…
Ich gehe zuerst ein bisschen auf dem Hotelflur herum um bessere Luft als in unserem Zimmer zu atmen, stelle dann aber auch bald fest, dass ich vor jedem Satz, den ich im Gehen auf eine Sprachnachricht ins Handy spreche, nochmal einatme. Schlimm ist es nicht, aber spürbar, dass wir hier eine Meile über dem Meeresspiegel sind.
Der Bundesstaat Colorado
Bevor wir heute in den Tag starten, möchte ich dich noch ein bisschen in das Thema Colorado einarbeiten, schließlich reden wir (ich) über einen eher unbekannten Bundesstaat der USA. Und damit können wir auch gleich beginnen:
In den USA hat jeder Staat einen Titel oder ein Motto, man könnte sagen einen Slogan. Den von Colorado finde ich relativ unspektakulär: Centennial State = Jahrhundertstaat, weil der Staat 100 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung der USA gegründet wurde. – Gähn… Langweilig… Aber ein paar Fakten sind schon auch nötig finde ich…
Colorado besteht aus insgesamt 64 Counties, das ist vergleichbar mit Landkreisen bei uns in Deutschland. Auf unserer Rundreise machen wir in vier verschiedenen Counties Station:
Denver im County Denver, Colorado Springs im County El Paso, Breckenridge im Summit County und Estes Park im Larimer County. Außerdem werden wir das Teller County einigermaßen gründlich durchstreifen, aber das wissen wir heute noch nicht…
Wie wir heute im Laufe des Tages erfahren werden, ist die Sales Tax in den Counties unterschiedlich hoch. Wenn wir also Schuhe für einen Preis von 70 Dollar sehen, dann ist die Höhe der prozentualen Tax, die noch drauf kommt, abhängig davon WO wir uns befinden und die Schuhe kaufen…
Zeit, frühstücken zu gehen
Hungrig, erschöpft und mit Kopfschmerzen sehne ich mich nach einem Frühstück. Ab halb sieben bietet das Hotel etwas an, wir sind mit die ersten, und es ist überraschenderweise doch im Zimmerpreis inklusive. Das besänftigt etwas, denn wir haben wirklich nicht wenig bezahlt für diese Übernachtung! Und für amerikanische Verhältnisse sind wir auch zufrieden: Weitestgehend müllfrei (!), viele verschiedene Getränkeoptionen und ansonsten so das übliche („Frühstück“) in diesem Land. Aber wir sind damit fein.
Morning Walk durch unser Stadtviertel in Denver
Nach dem Frühstück brechen wir auf, um etwas die Umgebung zu erkunden, genau genommen wollen wir zum Capitol. Das in Washington D.C. kennt jeder zumindest aus dem Fernsehen, jeder Bundesstaat hat in seiner Hauptstadt ein solches stehen, natürlich variieren Größe und Optik etwas.
Für uns ist es nur ein kurzer Fußweg, vorbei an der US State Mint (Münzstätte), zum Civic Center Park. Dort steht das erste sehenswerte Gebäude, ein Gerichtsgebäude, das Denver Probate Court Clerk. Sowohl hier, als auch schon auf dem Weg dorthin: Wie zu erwarten Polizeipräsenz.
Der Civic Center Park ist wirklich richtig schön. Schön grün, schön sonnig heute, schöne bunte Blumen und sehr bald auch Blick auf das Capitol und die Hochhäuser von Denver Downtown, das am Ende unserer zweiwöchigen Rundreise auf dem Zettel steht.
Wir sind so gut wie alleine hier im Park unterwegs, uns begegnet nur ein anderes Pärchen, das allein ist schon ein Genuss, diese herrliche Einsamkeit und Ruhe. Spannenderweise gibt es sogar einen kleinen Nutzgarten, der laut einem Schild von Freiwilligen „betrieben“ wird und dessen Erzeugnisse an Bedürftige gehen. Mitten im Park vorm Capitol! Das ist für Deutschland, meines Erachtens, undenkbar.
Das Capitol umrunden wir einmal, sodass wir verschiedene Perspektiven darauf haben. Man sieht nur vereinzelt Personen, die hineingehen, entweder sind die alle schon längst da oder wir sind sehr früh dran. Wahrscheinlich letzteres, denn viele Autos stehen noch nicht da. Nur zwei Bauarbeiter, die dabei sind, neue Poller zu setzen, die in großer Anzahl bereitstehen. Auch andere Touristen sieht man nicht, die Führungen starten auch erst später am Tag. Darauf wollen wir nicht warten, uns reicht ein Fotostopp von außen und dass wir die kleinen süßen Squirrels beobachten können, die typischen amerikanischen „Eichhörnchen“, die ich seit Washington D.C. 2009 so liebe, solange sie friedlich und auf Abstand bleiben.
Wir gehen nicht auf direktem Weg zum Hotel zurück sondern hoffen auf eine Gelegenheit, irgendwo etwas zu trinken, aber abgesehen davon, dass noch alles geschlossen hat, gibt es auch nichts wo man ein Kalt- oder Heißgetränk vermuten würde…
Ich fühle mich dennoch unendlich wohl und bin sehr dankbar, auf amerikanischen Straßen wandeln zu dürfen. Einige Zeit lang habe ich damit nicht mehr gerechnet, das wurde mir gestern bei der Ankunft schon bewusst aber jetzt in dieser Sekunde ist es noch mal besonders intensiv. Ich bin gerade glücklich. Sehr.
Beeindruckend finden wir das außergewöhnliche Gebäude des Denver Art Museums. Und zwischen den neuen und modernen Gebäuden in den Straßen zurück Richtung Hotel, findet sich immer mal ein rotes Granit- und Sandsteingebäude oder eine Häuserzeile im Bungalowstil mit überdachter Veranda. Das sieht aus als hätte jemand einen Schnipsel „Vorort“ ausgeschnitten und in Denver „reingeklebt“. Total urig und schön, manche davon werden auch gewerblich genutzt, zum Beispiel als Pub. So stelle ich mir irgendwie das alte Denver vor, dass es hier überwiegend so aussah. Ob das stimmt, weiß ich nicht aber es ist eine schöne Vorstellung.
Für uns heißt es zunächst verschnaufen und unbedingt was trinken, das ist im Hotel kein Problem, Wasser und Kaffee gibt es immer gratis, wir bleiben bei Wasser. Die Finger sind schon dick geworden, wir brauchen dringend Flüssigkeit.
Anreise Denver und das Civic Center-Viertel in Bildern – zum Durchklicken:
Botanischer Garten von Denver
Wir checken aus und verlassen unser Hotel Richtung Botanischer Garten. Das sind nur wenige Kilometer und Parken ist immerhin kostenlos. Wir mögen Botanische Gärten und wollen uns auch den in Denver nicht entgehen lassen. Pro Person zahlen wir 15 Dollar Eintritt, das ist ein angemessener Kurs, doch leider ist die Verpflegung an den beiden Stationen im Botanischen Garten utopisch teuer:
Wir kaufen uns gleich bei Ankunft zwei kleine Chai Latte und zwei Dosen stilles Wasser und liegen bei rund 20 Dollar, das finde ich viel. Aber die gute Frau, die unsere Heißgetränke zubereitet fragt uns „Where are you from?“… – „Germany.“ – „Oh! Ich wusste es doch, das höre ich immer sofort! Ich verstehe noch alles, das ist so schön. Ich habe viele, viele Jahre in Wiesbaden gelebt und wenn ich Deutsch höre, freue ich mich immer!„, sagt sie in einem lupenreinen Deutsch obwohl ihre Wiesbaden-Zeit schon sehr, sehr lange her ist. Wir können uns das kaum vorstellen, sie erklärt uns, dass sie 67 Jahre alt ist, ich hätte ihr auch 27 Jahre abgenommen, ich kann das Alter bei Dunkelhäutigen einfach nicht einschätzen!!
Da war sie also. Unsere erste Begegnung auf dieser Reise mit einer Person, die eine Verbindung zu Deutschland hat. Erfahrungsgemäß werden noch einige folgen…
Wir spazieren den Botanischen Garten nicht sehr akribisch ab und halten uns eher in den schattigen Bereichen auf, aber es gefällt uns wirklich sehr gut. Ich finde es extrem gepflegt aber ohne dass es künstlich wirkt, man weiß hier wirklich, die Pflanzen zu präsentieren, es wirkt alles wie natürlich gewachsen, nicht wie angelegt. Zum Schluss stelle ich mich bei dem anderen Café in eine Schlange und organisiere uns neue Kaltgetränke für den Weg zum Auto.
Fazit: Der Botanische Garten ist sehr sehenswert, wenn du in Denver die Zeit übrig hast, kannst du hier gut und gerne eine Stunde bis einen ganzen Tag verbringen, je nachdem. Besonders besuchenswert sind möglicherweise die zahlreichen Veranstaltungen hier, sie bieten unterschiedliche Sachen an, heute Früh war zum Beispiel „Yoga im Botanischen Garten“ aber es finden durchaus auch Konzerte statt oder Themenabende zum „Gruseln“ oder mit besonderer Beleuchtung und natürlich thematische Events passend zur Jahreszeit, zum Beispiel Halloween. Da gibt es eine ganze Menge und hätte es für uns terminlich gepasst, hätten wir dem auf jeden Fall beigewohnt! Man scheint hier sehr gut organisiert und vielfältig aufgestellt zu sein!
Denver Botanic Gardens in Bildern – zum Durchklicken:
Cherry Creek Shopping Center & Castle Rock Outlets [!beides keine Werbung!]
Auf dem Weg raus aus Denver, halten wir noch an einer Mall, um endlich Euro in Dollar umzutauschen, denn am Flughafen ist uns so etwas zu teuer. Die tatsächlich einzige Wechselstelle der Stadt, abgesehen vom Flughafen, befindet sich in dieser Mall.
Dann geht es Richtung Süden zum Outlet-Shopping – auf den Wunsch eines einzelnen Herrn. Dieser findet jedoch nur ein T-Shirt und ein Paar Schuhe, irgendwie packt uns das hier überhaupt nicht. Ein Gutes hat es aber: Hier gibt es eine Filiale der Salat-Kette (so nenne ich es mal) „MAD Greens“ [!keine Werbung!]. Die probieren wir sofort aus, denn wir sind froh über jede Mahlzeit ohne Weißmehl und Frittiertem. Es lohnt sich!
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