Zurück zu Tag 6: Sao Vicente, Porto Moniz, Ponta do Pargo & Calheta
Montag, 18. November 2024
Ribeira da Janela
09.50 Uhr. Wir halten spontan an einem Aussichtspunkt, und zwar der, wo das bekannte Fotomotiv mit der Schaukel und dem Schriftzug „I love Ribeira Janela“ steht. War aber in jeder Hinsicht eine dumme Idee, denn 1. schauen wir hier gerade gegen die Sonne und man kann nicht viel erkennen von der schönen Küstenlandschaft, und 2. wird gerade eine osteuropäische Rentnergruppe ausgekippt und schwirrt herum wie ein aufgescheuchter Bienenschwarm.
Dann halt nicht. Wir sind ja eh auf dem Weg ganz wo anders hin und sind heute viel zu spät losgekommen. Zuerst mochte ich nicht aufstehen, dann hofften wir auf Personal, das nicht jeden Tag zum Appartementhaus kommt, aber wir wollten gerne Handtücher wechseln lassen und das mit dem WLAN klären. Naja und dann haben wir gemerkt, da kommt heut keiner, und sind nach zwei Scheiben Käsebrot endlich mal losgefahren.
Parkplatzsuche für unsere nächste Wanderung auf der „Insel des Ewigen Frühlings“
Wir fahren also auf der ER 209, später der ER 105, durch noch wieder ganz anders-grüne-wunderschöne Landschaft, Richtung Wanderstartpunkt, und gewinnen dabei langsam aber stetig an Höhe. Autos werden seltener, gelegentlich steht eine Kuh auf der Straße, und ich suche uns das Lied „Madeira“ von den Flippers raus, um es auf der Fahrt zu hören… Und dann schalten wir in Gedenken an Hawaii 2016 mal wieder „Bibel Radio“ ein, da läuft immer gute Musik!
Mittig im Westen Madeiras taucht dann ein riesiger Parkplatz auf, der für verschiedene Wanderungen Start und Ziel darstellt. Unser Plan ist heute die 25 Fontes Wanderung, die Philipp in abgewandelter Form vor zwei Jahren geführt in einer Gruppe gemacht hat. Die Herausforderung besteht darin, eine Parklücke zu ergattern, wobei man keine Scheu haben darf 1. über sehr steiniges, unebenes Gelände zu fahren und 2. genauso beschissen und rücksichtslos zu parken wie die meisten anderen!
Genau genommen bekommen wir nicht mal auf dem Hauptparkplatz eine Lücke sondern nur auf einem kleineren Parkplatz ein Stück weiter die Straße hoch. Es stimmt also auch im Winter, wenn geschrieben steht: Langschläfer haben schlechte Karten, zumindest nach zehn Uhr (spätestens!) sieht es verdammt schlecht aus mit Parken! Und wahrscheinlich gilt das für die meisten (Wander-) Parkplätze auf der gesamten Blumeninsel!
25 Fontes Wanderung oder zum Risco Wasserfall?!
10.45 Uhr. Wir starten. Es geht sofort flott bergab, aber wenigstens auf Asphalt, man kann also wunderbar gehen, auch wenn schnell die Waden brennen vom Abbremsen. Nach einem Kilometer wird mir klar, das geht hier noch länger so weiter und das bedeutet, ich muss diesen Weg nachher auch wieder hoch… Nach anderthalb Kilometern ziehe ich meine Regenjacke und auch gleich die Fleecejacke aus. Nach mindestens zwei Kilometern, kommen wir an das von Philipp angekündigte Café. Bis hier her geht die Asphaltstrecke, macht Sinn für die Zulieferung. So weit so gut.
Noch ist es okay mit den Menschenmengen aber denen werden wir schon noch begegnen, wenn ich an die Parkplatzsituation oben denke… Auf jeden Fall hatten wir heute noch keinen Kaffee und ansprechendes Süßgebäck verkaufen sie hier auch. Die Preise sind doppelt und dreifach so teuer als wir es bisher von den Snack Bars auf der Insel gewohnt sind aber pro Person 7-8 Euro für eine Tasse Kaffee und was Süßes sind schon okay an diesem Standort! Die herzhaften Snacks sind allerdings verhältnismäßig teuer, da kostet zum Beispiel ein tortenstückgroßes Stück Quiche 9,90 Euro!
11.25 Uhr. Wir sitzen zuerst draußen auf dem schönen Balkon um unsere Leckereien zu verputzen aber lange halten wir es nicht aus, die kleinen Vögel dort haben keinerlei Scheu und man fühlt sich erst beobachtet, dann bedrängt und irgendwann angegriffen von ein bis zehn Vögeln. Wir beenden unser zweites Frühstück lieber drinnen und ich nutze hier direkt noch die Keramikabteilung.
Der eigentliche Wanderweg über Stock, Stein und vor allem Treppe, fängt jetzt erst an. Es geht weiterhin stetig bergab aber nun eben über unebenes Gelände, in erster Linie Steinstufen. Zwischendurch an der Levada entlang auch auf ebenem Terrain, mal breiter, meist schmaler.
Wir stellen beide fest, dass es immer die gleichen Nationalitäten sind, die die Zähne auseinander kriegen (oder eben nicht) um sich zu bedanken, wenn man sich an den Abgrund gehängt hat um Platz zu machen und sie durchzulassen. Da hier, zu meinem Bedauern, unglaublich viele Menschen unterwegs sind, kann man daraus fast ein Spiel machen und mit Abstand am schlechtesten schneiden die Osteuropäer ab. Sobald man zugeordnet hat, welche Sprache jemand ungefähr spricht mit seinem Wanderkumpanen, weiß man ziemlich sicher, ob derjenige einem zunicken oder etwas sagen wird oder eben nicht. Daneben liege ich nie. Und manchmal würde ich dem ein oder anderen auch gerne ein Bein stellen.
Es geht sich im Großen und Ganzen ganz gut, aber zu wissen, dass man auf dem Rückweg fast immer denselben Weg stetig bergauf gehen muss, verdirbt die Sache ein bisschen. Mir jedenfalls – weil Bergauf nun mal meine schlechteste Disziplin ist…
Leider sieht man auch gar nicht so viel von der tollen Landschaft und all den Wasserfällen, da man konsequent darauf achten muss, nicht zu stolpern (immer ein Auge auf den Boden!) und sich den Kopf nicht einzuhauen (immer ein Auge nach oben!), so tief wie die Bäume hier wachsen. Als Phil das letzte Mal diese Wanderung unternommen hat, gab es auch direkt bei einem Teilnehmer eine Kopfplatzwunde. Beinahe zieht er sich heute selbst eine zu, er rasselt einmal ordentlich gegen einen Ast…
12.34 Uhr. An einem riesigen Wasserfall angekommen, endet die Beschilderung für die 25 Fontes Wanderung, gleichzeitig ist dieser Ort eine Sackgasse, das heißt von hier aus werden wir denselben Weg zurück gehen, bis auf eine kleine Teilstrecke, die ist aus Sicherheitsgründen one way, sodass es eine Ausweichstrecke gibt.
Aber verharren wir doch kurz am Wasserfall. Mit geschätzt 100 Metern Höhe ist das schon ein beeindruckender Wasserfall, wir staunen eine Weile und weichen dann den Menschenmengen, die hier gerade völlig Überhand nehmen! Eigentlich war es schon tierisch voll als wir ankamen, sodass man kaum irgendwo stehen konnte, doch nun kommt noch eine riesige Truppe, sodass wir lieber auf dem Hacken kehrt machen, bevor wir noch im Wasser landen. Durch den steinigen, rutschigen Untergrund wären wir wohl nicht die ersten, denen das passiert.
Diese Wanderung macht irgendwie super wenig Sinn zu dieser Uhrzeit. Ein paar Stunden früher am Morgen macht das bestimmt mehr Spaß! Natürlich ist die Strecke und die Umgebung schön anzusehen, aber entweder kommt einem halt jemand entgegen oder man hat jemanden im Nacken. Das muss man ganz klar wissen!
Leider kann ich absolut nicht sagen ob das nun der Risco Wasserfall gewesen ist. Den Fotos im Internet nach, ja, aber laut Wanderkarte und auch laut Beschilderung, vor Ort, sind das 100%ig die 25 Fontes gewesen, die wiederum auf offiziellen Bildern ganz anders aussehen… Das ist ein bisschen frustrierend, nicht genau zu wissen, wo man jetzt gewesen ist. Offiziell, also der Beschilderung nach, wie wir sie wahrgenommen haben, war unsere Strecke hier jedenfalls beendet aber Verwirrung bleibt auf jeden Fall…
Der Rückweg wird jedenfalls sehr zäh. Es geht überwiegend treppauf, es fällt mir heute viel schwerer als unsere Bergziegen-Tour (wie wir sie nennen) vor ein paar Tagen… Zwischendurch an den Levadas entlang, ist es wieder angenehm flach, aber man weiß ja, es kommen immer wieder Treppen, mal runter, dann wieder hoch, meistens letzteres.
Die größte Herausforderung stellt sich mir jedoch ab dem Café, wo wir allerdings nicht erneut einkehren. Ab hier, wir erinnern uns, kommt die Asphaltstrecke, die wirklich ausschließlich bergauf geht! Schade, dass gerade kein Shuttle da steht, denn es gibt wohl einen für diesen Abschnitt!
Während auf den Treppen durchaus noch Leute dabei waren, die etwas Motivierendes gesagt haben, wie z.B. „Mach langsam, ich bin auch nicht schneller“ (obwohl sie es dann waren), ist es hier nun ein elendiger Kampf für mich, wo mich jede Oma mit Rollator überholt. Überholen würde. Sagt Philipp – und hat recht. Motivation – kann er! (…)
Ich habe wirklich das Gefühl, die Strecke endet nicht. Obwohl ich für die Hoch-Strecke seit dem (Risco?-) Wasserfall meine Wanderstöcke benutze, die mir die Sache auch erheblich erleichtern, hilft das hier eigentlich gar nichts mehr. Bei jedem Bergauf-Schritt tut mir rechts der Hüftbeuger weh, aber das größte Problem ist wieder mal die Puste.
14.25 Uhr. Nach fast vier Stunden kommen wir wieder am Auto an! Die Wanderung wird mit einer Gehzeit von drei Stunden angegeben. Dafür, dass wir eine sehr ausgiebige Kaffeepause gemacht haben und ich im absoluten Schneckentempo unterwegs war, geht das ja noch, gar kein ganz schlechter Schnitt
Fazit für diese Wanderung: Ja, ich habe eine unterirdische Kondition, jedoch finde ich es unabhängig davon nahezu fahrlässig, dass diese Wanderung in die Kategorie „einfach“ eingeordnet wird. Ja, es ist richtig, es gibt keine wirklich ganz gefährlichen Stellen, die kritischen Passagen sind einigermaßen vernünftig abgesichert, die Wege gut ausgebaut, aber ein Spaziergang ist das trotzdem nicht, wenn ich an das Terrain und die Steigungen denke.
Dass es „eine der schönsten Wanderungen Madeiras“ ist, mag sein, das kann ich nicht vergleichen weil ich hier noch nicht viel gewandert bin, aber ich wage zu behaupten, da geht noch mehr! Mein Mann hingegen findet sie so super, dass er sie ein zweites Mal gegangen ist, um sie mir zu zeigen. Dafür bin ich dankbar, aber selbst würde ich sie (unabhängig von meinem Fitnesslevel) nicht wiederholen. Wenn die Anreise also unter einer Stunde Anfahrt möglich ist, kannst du die Tour durchaus in Erwägung ziehen. Nach dem anfangs erwähnten Café gibt es aber keine Möglichkeiten mehr zur Verpflegung oder zum Austreten.
>>> Für totale Wanderneulinge meines Erachtens nicht zwingend geeignet. <<<
>>> Wanderstöcke können hilfreich sein, sind aber kein Muss. <<<
>>> Überwiegend schattige Strecke, keine große Sonneneinstrahlung. <<<
>>> Ausreichend Wasser mitnehmen. <<<
Zum Durchblättern: Fotoalbum Rabaçal
Eine halbe Stunde ausruhen
So lange dauert nämlich die Fahrt nach Porto Moniz, wo wir gestern schon gewesen sind. Und da Philipp heute Morgen auf Verdacht seine Badehose eingepackt hat und wir jetzt noch Zeit haben, halten wir dort einfach noch mal an, es liegt sowieso auf dem Weg.
Musikalisch ergreift Philipp nun härtere Maßnahmen, um mich erschöpftes Wesen wieder ein bisschen munter zu machen, sodass wir die liebe lange Fahrt nach Porto Moniz auf sein Anraten hin O-Town hören bzw. Philipp hört in erster Linie mich…
Natural Pools in Porto Moniz
15.30 Uhr. Wir ziehen einen Parkschein für zunächst zwei Stunden und gehen rüber zum Naturschwimmbad. Entgegen der Rezensionen gibt es hier jedoch keine Umkleiden, diese pfiffigen Menschen haben also alle ihre Bewertung für die Piscinas Naturais do Porto Moniz bei den Piscinas Naturais Velhas reingeschrieben. Aaargh!!
Wesentlicher Unterschied: Erstere haben eine Badeaufsicht, Duschen, Umkleiden, Gastronomie und kosten Eintritt. Letztere sehen zwar schöner aus, sind aber nichts anderes, als eine Gelegenheit, hier mal eben ins Wasser zu hüpfen oder im dortigen Restaurant zu essen.
Also noch ein wunderschöner Spaziergang, derselbe wie gestern, zu dem „anderen“ Schwimmbad. Weil wir ja heute noch nicht so viel gelaufen sind. Ich habe langsam ein bisschen die Schnauze voll vom Laufen für heute, aber immerhin von Wanderstiefeln in Turnschuhe gewechselt.
Ich will zwar nicht Baden aber trotzdem mit rein bzw. rauf auf´s Gelände, denn bei 3 Euro Eintritt pro Person, bin ich als Aufpasser für Phil seine Sachen günstiger als der Schließfach für 5 Euro… Und so sitze ich mit unseren Rucksäcken am Rand und beobachte das bunte Treiben. Ganz schön was los hier, dafür, dass die Sonne kaum durchkommt.
Eine gute halbe Stunde lässt Phil sich von den eis-eiskalten Atlantikwellen wiegen und ich beobachte einerseits die riesigen Wellen und andererseits die posenden Menschen, die hier scheinbar eine „instagram“able Kulisse gefunden haben. Leider Gottes beobachtet man das an sehr vielen Stellen auf der Insel…
Mein Mann, der extrem hart im Nehmen ist, kommt irgendwann aus der Umkleide wieder und verkündet, duschen würde er dann im Appartement. Er kann viel ab, aber die Duschen hier sind unter aller Kanone! Irgendwie habe ich mir das schon gedacht. Schade… Aber umso besser, dass ich nicht schwimmen war.
Kleines Abendessen
Schräg gegenüber kehren wir ein. Zwei Käsebrote und ein bisschen Süßkram waren nicht viel heute für so einen Wandertag! Wir bekommen einen tollen Tisch auf dem Balkon Richtung Meer und bestellen Salate, sind dann aber beide beinahe schockiert über die winzigen Portionen. Mein Salat in Calheta gestern war bestimmt drei Mal so groß…
Ab nach Hause!
Tja, dann wird es wohl noch ein Käsebrot nachher zu Hause! Aber bis dahin bummeln wir noch durch einen Souvenirshop, werfen endlich unsere Postkarten ein, und haben nicht zuletzt auch noch ein bisschen Heimweg. Wir wählen aber freiwillig sogar die etwas längere Strecke, nämlich die Küstenstraße von São Vicente nach Ponta Delgada. Das ist ausgesprochen schön und ein toller Abschluss für diesen anstrengenden, anstrengenden, aber auch nicht völlig überflüssigen Tag!
Als wir ins Appartement kommen, muss ich feststellen, dass das WLAN immer noch nicht geht. Ich schreibe unseren Vermieter über mobile Daten per Mail an und binnen… ich möchte bald sagen: Minuten! – Aber auf jeden Fall in weniger als einer halben Stunde, ich stehe gerade unter der Dusche, öffnet Philipp „Antonio“ die Tür, der beauftragt wurde, das Problem zu lösen und zack, haben wir wieder WLAN! Wahnsinn, das ist Service! Ich hatte angenommen, dass das heute auf gar keinen Fall mehr zu regeln sein wird…
Juhu, dann kann ich doch noch ganz in Ruhe für morgen recherchieren!
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